mini|Titelblatt der fünften Romanfolge von Phiz (Oktober 1859) Eine Geschichte aus zwei Städten (Originaltitel: A Tale of Two Cities) ist der Titel eines 1859zuerst in Fortsetzungen von April 1859 bis November 1859 in der Literaturzeitschrift „All the Year Round“: https://www.s4ulanguages.com/charles.html publizierten historischen Romans von Charles Dickens. Erzählt wird die Geschichte von Dr. Manette, seiner Tochter Lucie und deren Ehemann Charles Darnay, Marquis de Evrémonde, deren Schicksale durch Ereignisse, die zur Französischen Revolution führten, auf tragische Weise miteinander verbunden sind. In der Zeit der Terrorherrschaft des Revolutionstribunals in Paris führt dies für die Hauptfiguren zu dramatischen Verwicklungen. Die erste deutsche Übersetzung von Julius Seybt erschien 1859.in der Verlagsbuchhandlung J. J. Weber Leipzig.

Inhalt Vorgeschichte

Im 10. Kap. des 3. Buches erfährt der Leser, nach den vielen Andeutungen im Lauf der Romanhandlung, die gesamte Vorgeschichte, als der Bericht des Arztes Manette, den er am Ende seiner 10-jährigen Inhaftierung in der Bastille vor dem Revolutionsgericht verlesen wird:

Der in Beauvais geborene und in Paris praktizierende Arzt wurde am Abend des 22. Dezember 1757 von den adligen Brüdern St. Evrémonde zur Behandlung einer jungen Frau in ein einsam vor der Stadt liegendes Haus gerufen. Einer der Brüder hatte sich in die ca. 20-jährige schöne Frau eines seiner von ihm abhängigen Bauern verliebt. Da ihr Mann nicht bereit war, sie ihm gelegentlich zu überlassen, zwang ihn der Graf zu harter Arbeit, so dass er erkrankte und starb. Als sich die Witwe, unterstützt von ihrem Vater, einem Leibeigenen des Marquis, ihm verweigerte, tötete er den Bauern und vergewaltigte seine Tochter, worauf sie wahnsinnig wurde. Bei der Auseinandersetzung kam auch ihr Bruder nach einem Degengefecht mit dem Zwillingsbruder des Marquis ums Leben. Manette hatte keine geeigneten Medikamente zur Verfügung und konnte die in ihrem Nervenfieber delirierende Frau nicht retten. Die Grafen drohten ihm mit Konsequenzen, wenn er sein ärztliches Schweigegebot verletze, und schickten ihm ein Kästchen mit Goldmünzen ins Haus. Manette ließ sich jedoch nicht einschüchtern und teilte dem Minister in einem Brief den Vorfall mit. Am 31. Dezember bekam er Besuch von der Frau des einen Grafen und ihrem ca. zweijährigen Sohn Charles. Sie hatte von den Übergriffen ihres Mannes und seines Bruders gehört und schenkte der jüngeren Schwester der beiden Toten ihre Juwelen als kleine Sühne. Ihr Sohn werde, versprach sie, einmal die Bauern entschädigen. Am selben Abend wurde Manette von den beiden Grafen, denen sein Brief an den Minister zugespielt worden war, verschleppt und in die Bastille gebracht, wo er 18 Jahre lang in einer Einzelzelle im Nordturm eingesperrt wurde, als Schuster arbeiten musste und in Apathie verfiel.

Manettes Frau brachte bald darauf eine Tochter, Lucie, zur Welt und starb bald nach der Geburt. Bei einem Besuch der Filiale der Londoner Tellsons Bank in Paris erfuhr der Bankangestellte Jarvis Lorry vom tragischen Schicksal der Arztfamilie, brachte Lucie nach England und gab sie in der Nähe des Soho Square in die Pflege bei Miss Pross. Der unverheiratete Lorry übernahm die Rolle des Pflegevaters und Miss Pross war nach dem Verschwinden ihres unzuverlässigen Bruders Solomon froh, sich um ein Kind kümmern zu können.

In der zweiten Fortsetzung der Vorgeschichte spielt die jüngere Bauerntochter Therese eine Rolle. Sie heiratete Manettes Diener Ernest Defarge, der die Entführung des Arztes und den Untergang seiner Familie miterlebt hatte. mini|Lucie findet ihren Vater in Defarges Weinhaus. Illustration von Hablot Knight Browne (Phiz). Die Haupthandlung spielt 18 Jahre nach der Inhaftierung Manettes.

Erstes Buch „Ins Leben zurückgerufen“ Nachdem Jarvis Lorry, ein Angestellter der Tellsons Bank in London, die Nachricht erhalten hat, dass der französische Arzt Alexandre Manette noch lebe und nach 18-jähriger Haft aus dem Gefängnis „Bastille“ entlassen worden sei, reist er 1775 mit dessen Tochter Lucie nach Paris, um sich von der Wahrheit zu überzeugen. In der Pariser Vorstadt Saint-Antoine finden die beiden Manette in einem Nebengebäude des Wirtshauses seines früheren Dieners Ernest Defarge und seiner Frau Therese. Ihre Weinschenke ist der geheime Treffpunkt der „Jaques“, der zukünftigen Revolutionäre. Manette beschäftigt sich nach der langen Gefangenschaft stumpfsinnig und ohne Erinnerungen nur mit seiner Schuhmacherarbeit, die er im Gefängnis gelernt hat.

Lorry und Lucie bringen Manette nach London, wo er sich erholt und nach einiger Zeit wieder als Arzt arbeitet. Für den Junggesellen Lorry sind Lucie und Miss Pross seit 18 Jahren seine Ersatzfamilie und er wird jetzt auch der Freund Manettes.

Zweites Buch „Der goldene Faden“ mini|Durch die Ähnlichkeit Darnays mit Carton bricht die Indizienkette der Anklage zusammen. Illustration von Hablot Knight Browne (Phiz). Die Verleumdung

Fünf Jahre später, 1780, wird der französische Emigrant Charles Darnay, der mit Lorry und den Manettes den Kanal von Calais nach Dover überquert hat und jetzt in London als Französischlehrer seinen Unterhalt finanziert, von den zwielichtigen Informanten Barsad und Cly der Militärspionage für die Vereinigten Staaten gegen das Königreich angezeigt. Im Gerichtsverfahren droht ihm die Todesstrafe. Im dritten Buch (III, 8) werden die Zusammenhänge offengelegt und die Ausführungen von Darnays Verteidigers Stryver bestätigen, dass John Barsad, ein verschuldeter Spielbetrüger, und sein Compagnon, Darnays zeitweiser Diener Roger Cly, dem Angeklagten die belastenden Materialien heimlich zugesteckt haben und für ihre Meineide von Auftraggebern, offenbar auch Darnays Onkel Evrémonde, bezahlt worden sind. Ausschlaggebend für den Ausgang des Prozesses ist die Verunsicherung des Zeugen, der Darnay bei einem Treffen mit Spionen erkannt haben will, durch die Gegenüberstellung mit dem Mitarbeiter des Anwalts Sydney Carton, der Darnay ähnlich sieht. Dadurch erscheint den Geschworenen die Beweisführung des Staatsanwalts nicht glaubwürdig und sie sprechen Darnay frei. Bei dem Prozess werden auch Darnays Reisegefährten Lorry, Dr. Manette und Lucie als Zeugen vernommen. Dabei verlieben sich Darnay, Stryver und Carton in Lucie und suchen den Kontakt mit ihr im Haus des Arztes. So bildet sich eine Freundesgruppe. mini|Die Kutsche des Marquis Evrémonde hat Gaspards kleine Tochter überfahren. Illustration von Hablot Knight Browne (Phiz).

Besuch beim Onkel

Nach seinem Freispruch reist Darnay nach Frankreich und besucht seinen Onkel, den Marquis St. Evrémonde, auf seinem Schloss. Aus dem Gespräch der beiden erfährt der Leser die Hintergründe seiner Emigration nach England (II, 9). Darnay heißt eigentlich Charles St. Evrémonde und der Name Darnay ist der abgewandelte Mädchennamen seiner Mutter, D'Aulnais, deren Auftrag der Sühne für die Sünden seines Vaters und Onkels er ausgeführt hat. Er hat sich 1775 aus Sympathie mit den ausgebeuteten Bauern und Landarbeitern von seiner Adelsfamilie getrennt und den Verwalter seines Gutes Gabelle angewiesen, keine Grundrente von den Bauern zu erheben und ihnen die rückständigen Abgaben zu erlassen, und ist nach London gezogen (II, 24). Drahtzieher des Spionageprozesses gegen Darnay war sein Onkel, der seinen Neffen für den angeblichen Verrat an der Adelsfamilie bestrafen wollte. Beim Abendessen kommt es zum Streit über die unterschiedlichen Auffassungen. Während der Onkel als alter Aristokrat durch Druck auf die Bauern, Furcht und Sklaverei die Macht des Ständesystems zu erhalten versucht, will Darnay das Unrecht, das seine Familie begangen hat, wieder gut machen, indem er sein Erbe freiwillig in die Hände des Volkes gibt und für seinen Unterhalt selbst arbeitet, denn es liege „ein Fluch [auf seinem Besitz], wie auf dem ganzen Land.“ (II, 9). Er hofft, dass es der „nächste[n] Generation des unglücklichen Volkes, das an die Scholle geheftet ist und erduldet hat, was man nur erdulden kann, […] vielleicht besser“ gehe.

In der folgenden Nacht wird der Graf von Gaspard erstochen, weil dessen kleine Tochter bei der rücksichtslos-rasanten Kutschfahrt Evrémondes unter die Räder kam und starb. Der Täter kann fliehen, wird jedoch ein Jahr später gefasst und hingerichtet. (II, 15)

Werbungen

In London bemühen sich Stryver und Darnay um Lucie. Darnay wirbt um sie bei Manette (II, 10) und versichert ihm, dass er durch eine Heirat nicht von seiner Tochter getrennt leben müsse, sondern sie einen gemeinsamen Haushalt führen würden. Er gesteht dem Arzt, er habe den Namen seiner Mutter angenommen, und will seine wahre Identität offenlegen, doch dieser möchte die Wahrheit nicht vor einer eventuellen Eheschließung hören, denn er hat Angst vor einem Zusammenhang mit seiner eigenen Vergangenheit. Stryver fühlt vor einer offiziellen Werbung erst bei Lorry vor. Dieser kennt die Unverträglichkeit der beiden Charaktere, warnt ihn behutsam vor einer für ihn peinlichen Zurückweisung und bietet sich an, vorsichtig Erkundigungen einzuholen. Ohne dies auszuführen, teilt er Stryver die zu erwartende Absage mit, was dieser mit der Begründung, damit entgehe den Manettes eine große Chance, akzeptiert. (II, 12)

Wie von Lorry vorausgesehen, lieben sich Charles und Lucie. Sie heiraten und fahren anschließend für zwei Wochen nach Wales. (II, 18) Nach ihrer Abfahrt erleidet Manette einen Rückfall in seinen alten psychisch-kranken Zustand und repariert wieder Schuhe. Der Grund liegt in der Offenbarung der Identität Charles als Sohn des Marquis St. Evrémonde am Hochzeitsmorgen (II, 18). Lorry kommt auf die Idee, als Therapie den Arzt um ein Gutachten in einem Fall zu bitten, der seinem gleicht. Manette analysiert damit sich selbst und stimmt auch zu seiner Befreiung der Zerstörung seiner Schusterwerkbank zu. (II, 19)

Auch Sidney Carton liebt Lucie, aber er weiß, dass er wegen seiner Instabilität und Trunksucht nicht der richtige Mann für sie ist. Er erzählt ihr von seinem verfehlten Leben und seiner Hoffnungslosigkeit (II, 13) und bittet später Darnay, sein Freund zu werden und seine Familie gelegentlich auch ohne Einladung besuchen zu dürfen (II, 20). In den nächsten Jahren bekommen Lucie und Charles zwei Kinder, einen Sohn, der bald stirbt, und eine Tochter, die kleine Lucie. Carton, obwohl er selten zu Besuch kommt, wird ein enger Freund der Familie und spielt gerne mit der kleinen Lucie. mini|Der Sturm auf die Bastille. Illustration von Hablot Knight Browne (Phiz). Sturm auf die Bastille

Im Juli 1789 bricht in Paris mit dem Sturm auf die Bastille die Revolution los. Die Defarges spielen als Anführer dabei eine große Rolle. (II, 21) Ernest findet in Manettes ehemaliger Zelle 105 im Nordturm seine versteckten Manuskripte, hält sie jedoch zuerst unter Verschluss. Der Aufstand breitet sich im Land aus. Überall werden Staatsbeamte und Aristokraten an Laternen aufgehängt oder erschlagen. Auch das Evrémonde-Schloss geht in Flammen auf und der Verwalter der Güter Gabelle muss sich vor den wütenden Bauern verstecken, wird nach Paris gebracht und dort inhaftiert. (II, 23)

Rückkehr nach Paris mini|Die Revolutionäre schärfen ihre Messer für ihre Rache an den Aristokraten. Illustration von F.O.C. Darley.