miniatur|hochkant|Eingang in der Eberhardstraße Das Ludwigsburg Museum präsentiert die Kulturgeschichte der Stadt Ludwigsburg und ihrer Region. Die Ausstellung zeigt den Charakter der Stadt als Residenz und Zentrum der Künste sowie als Garnisons- und Industriestandort. Von rund 25.000 Gegenständen, die das Museum verwahrt, zeigt es rund 500 in seinen Ausstellungsräumen.Informationstafel in der Eingangshalle des MIK, Mai 2013 Geschichte Die Sammlung des Historischen Vereins Die Sammlungsgeschichte des Museums reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. In der ersten Satzung des Historischen Vereins Ludwigsburg vom November 1897 war als Hauptziel „die Sammlung von Altertümern und wertvollen Kunstgegenständen und deren Aufstellung in geeigneten Räumen“ festgehalten. Dessen Sammlungsgegenstände waren 1899 zunächst im Gymnasium am Marktplatz untergestellt. Die erste Ausstellung fand vom 1. April bis zum 9. April 1901 im Ratskeller statt. Sie erregte großes Aufsehen in der Öffentlichkeit; zu den Besuchern zählten König Wilhelm II. von Württemberg mit seiner Frau und seiner Tochter sowie die Prinzen Herrmann und Ernst von Sachsen-Weimar und Prinz Max von Schaumburg-Lippe. Ausgestellt wurden unter anderem persönliche Gegenstände aus dem Besitz von Justinus Kerner, Eduard Mörike und David Friedrich Strauß. Nach dem Ende der Schau blieb die Sammlung im ersten Stock des Ratskellers; sonntags von 11 bis 12 Uhr konnte die Öffentlichkeit sie unentgeltlich besichtigen.Andrea Berger-Fix: Die Sammlungsgeschichte des Städtischen Museums Ludwigsburg, in: 100 Jahre Historischer Verein für Stadt und Kreis Ludwigsburg e. V. / Ludwigsburg / Erinnerungen aus Stadt und Kreis 1897 – 1997; Kommissionsverlag J. Aigner, Buchhandlung, Ludwigsburg 1997; S. 43–51.
Ab 1905 bot der Ruinenbau in den Schlossanlagen Domizil für die wachsende Sammlung. Dieser Platz war geräumiger, allerdings auf Dauer nicht geeignet, denn „der Raum war feucht“, so Oscar Paret 1947. Als Robert Vischer 1912 dem Verein das Arbeitszimmer seines Vaters Friedrich Theodor Vischer überließ, musste es zunächst wieder am alten Platz im Gymnasium ausgestellt werden. In den Ludwigsburger Geschichtsblättern von 1913 werden als weitere Neuzugänge „Möbelstücke und sonstige wertvolle Andenken“ von Eduard Mörike sowie „Mumienteile aus Ägypten“ genannt. 1921 bekam der Verein Räume im Favorite-Schlösschen und konnte seine Ausstellung in „zwei großen Sälen und nicht weniger als acht Zimmern“ präsentieren. Wichtiger Neuzugang war die historisch-topographische und kulturhistorische Sammlung Altwürttemberg, bestehend aus 5.000 Grafikblättern, zusammengetragen vom Stuttgarter Major Hans Winter und für die Sammlung aufgekauft von Richard Franck.
1932 kamen als Leihgaben den Prinzen Albrecht von Schaumburg-Lippe Möbel und Einrichtungsgegenstände aus dem Besitz von Königin Olga zur Sammlung hinzu. Die seltenen Boulle-Möbel, Büsten und Statuetten überdauerten allerdings bis auf wenige Stücke nicht den Zweiten Weltkrieg. Lediglich ein Bronzetisch und einige Messing-Zierteile von Möbeln befinden sich noch im Besitz des Museums. Eine Büste von Königin Olga steht heute im Residenzschloss.
Auch die Räume im Favoriteschlösschen waren feucht und gefährdeten die Bestände. Im Oktober 1933 zog man deshalb um in den Südflügel des Residenzschlosses. Weil Ämter diese Räume beanspruchten, musste man jedoch schon im Frühjahr 1934 wieder zurück ins Favoriteschlösschen. Im selben Jahr kam der Historische Verein in den Besitz eines Teils der Puppensammlung von Tony Schumacher. Bis 1942 war ein großer Teil der Puppen durch Mottenfraß stark angegriffen. Nach dem Krieg schien die Puppensammlung ganz verschollen; sie wurde jedoch in zwei unbeschrifteten Holzkisten entdeckt und konnte 1994 nach gründlicher Restaurierung erneut ausgestellt werden.
Das städtische Museum In einer Schilderung von 1942 beschrieb Oscar Paret den Zustand der Sammlung Ende der 1930er Jahre als verwahrlost: zahlreiche Kisten stünden unausgepackt, verstaubt und ohne Inhaltsangabe in den Räumen verteilt. Bücher und Grafikblätter lägen offen und lose in den Regalen. Das Sofa im Vischer-Zimmer sei von Motten zerfressen. Bei Maurerarbeiten zum Splitterschutz sei versäumt worden, die Bestände abzudecken, so dass Bauschutt auf und in den Mappen liege. Der Oberbürgermeister Karl Frank bot daher dem Historischen Verein 1937 an, die Sammlung in Besitz und Obhut der Stadt zu übernehmen. Ende 1941 kam diese Übernahme zustande. Oscar Paret, seit 1941 Vorsitzender des Historischen Vereins, erstellte 1942 ein Bestandsverzeichnis. Angesichts der Gefahr durch Luftangriffe ließ er die wertvollsten Teile 1943 ins Salzwerk Kochendorf überführen. Dort konnten sie 1946 unversehrt geborgen werden. Ein zweites Depot im Schillergymnasium war ebenfalls unversehrt geblieben, ein drittes im Stadion jedoch geplündert worden. Nach dem Krieg fand sich zunächst kein geeigneter Raum für die Gesamtheit der Bestände. Die Stadt mietete einen kleinen Saal in der Privatwohnung von Oberst Max Holland, der sich ehrenamtlich um die Sammlung kümmerte. Erst 1958 konnten die verstreuten Bestände in einem von der Stadt gekauften Gebäude in der Brenzstr. 21 zusammengeführt werden.
1958 erhielt die Sammlung erstmals eine hauptamtliche Museumsleiterin. Restauriert, erforscht und inventarisiert bildete die Sammlung dann ab 1978 den Bestand des Städtischen Museums Ludwigsburg. Es bekam die Räumlichkeiten im hinteren Gebäudeteil des Kulturzentrums am Rathausplatz. 1986 gab es eine Sonderausstellung über Friedrich Theodor Vischer. 1991 und 1994 wurde die ständige Sammlung neu gestaltet und die Abteilungen Stadtgeschichte und Menschen in Ludwigsburg eröffnet. Eine weitere Sonderausstellung war 1994 der Puppensammlung von Tony Schumacher gewidmet.
Bis September 2012 blieb das Museum im Kulturzentrum am Rathausplatz. Eine letzte Sonderausstellung am alten Ort zeigte Werke der Fotografin Loredana Nemes. Danach schloss es für mehrere Monate, um ins neu eingerichtete MIK Museum Information Kunst hinüberzuziehen. Durch Beschluss des Wirtschaftsausschusses der Stadt wurde das Museum im November 2012 in Ludwigsburg Museum umbenannt.Christian Walf: Ludwigsburger Kreiszeitung online, 29. November 2012
Am 12. Mai 2013, dem internationalen Museumstag, öffnete mit der Einweihung des MIK auch das Ludwigsburg Museum wieder für das Publikum. Die Räume des MIK teilt sich das Museum mit der Touristinformation und dem Kunstverein.Ludwig Laibacher: Zur Einweihung eine Deutschlandpremiere. Stuttgarter Zeitung, 11. Mai 2013, Seite 22
Ausstellung
Eingangsbereich des MIK In der Eingangshalle des MIK weisen ausgewählte Einzelstücke auf Leitthemen der Ludwigsburger Stadtgeschichte hin: Die alte Holzspitze der Hohenecker Kirche nimmt einen großen Teil der Höhe des Lichthofes in Anspruch. Eine Statue von Carl Eugen erinnert an die Gründung als Residenzstadt. Ein altes Motorrad erinnert an die Tradition als Industriestadt im 19. und 20. Jahrhundert. Weitere Gegenstände rufen das tägliche Leben und die Repräsentation im 18. und 19. Jahrhundert wach: An den Wänden der Eingangshalle finden sich unter anderem Zierrat von Gebäuden, Stuck- und Steinplastiken, ein alter Kinderwagen und ein großes Wirtshausschild. Dazu kontrastieren zwei moderne Lichtinstallationen.
Etwas abseits in der Eingangshalle veranschaulicht ein Stadtmodell die Anlage der barocken Planstadt mit dem Residenzschloss Ludwigsburg.
Galerie im ersten Stock Entlang der Wand der Galerie zeigen chronologisch angeordnete, aus der glatten Wandfläche herausragende Mauersteinquader bedeutende Ereignisse der Ludwigsburger Stadtgeschichte. Von der Aufgangstreppe kommend, geht der Besucher in der Zeit rückwärts von der Gegenwart bis zur Gründungszeit der Stadt. Einzelne in die Mauer eingelassene Vitrinen mit Ausstellungsstücken lassen Durchblicke in die Ausstellungsräume hinter dem Emporengang zu. Am Ende dieses Ganges betritt der Besucher rechterhand das erste Ausstellungszimmer, den Raum Guter Fürst. Ausstellungsraum Guter Fürst Dieser Raum ist dem Bau des Ludwigsburger Schlosses und dem Fürsten Eberhard Ludwig gewidmet. Kupferstiche zeigen Bauentwürfe des Schlosses nach Johann Friedrich Nette sowie verschiedene Ansichten des Schlosses nach Donato Giuseppe Frisoni. Weitere Grafiken zeigen die Schlösser Monrepos, Favorite, Solitude und Hohenheim, das Alte Schloss und das Neue Schloss in Stuttgart sowie das Landgut Scharnhausen. Zwei Porträtbilder zeigen Eberhard Ludwig und seine Mätresse Wilhelmine von Grävenitz.Guter Fürst, Informationsbroschüre des Museums, erhältlich im Museum
In einer zentralen Vitrine zeigt eine Radierung auf gelber Seide die prunkvolle Heimführung der Braut bei der Hochzeit von Carl Eugen mit Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth.
Ausstellungsraum Idealstadt Der nächste Ausstellungsraum ist der barocken Stadtanlage als ideale Stadt gewidmet und den Bemühungen des Herzogs, sie mit ihm ergebenen Bürgern zu bevölkern.Idealstadt, Informationsbroschüre des Museums, erhältlich im Museum Er enthält, nach Themen gegliedert, Ausstellungsstücke und etliche Bücher und Dokumente aus jener Zeit. Um sie zu betrachten, muss der Besucher Schubladen ziehen, in denen sie unter Glas geborgen sind.
Die Themen des Raums sind: Ordnung: Eine zentrale Vitrine stellt ein Faksimile des ältesten Stadtplans von Ludwigsburg zur Schau. Er zeigt noch die Bastion um die Stadt herum, die damals wohl geplant war, jedoch nie gebaut wurde. Drückt man einen Knopf an der Vitrine, so schiebt sich das Original des alten Plans aus seiner lichtgeschützten Schublade über die Kopie. Planstadt; hierzu werden diverse Aufrufe des Herzogs zur Besiedlung, Lebensgeschichten aus der Zeit und ein Siegelstock mit dem Ludwigsburger Stadtwappen von 1718 gezeigt. Baustelle mit Nachrichten aus der Bauzeit, Stuck aus dem Schloss, einem Bebauungs- und einem Stadtplan und einer Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse italienischer Künstler und Kunsthandwerker in Ludwigsburg. Zur Bauzeit arbeiteten viele italienische und französische Handwerker und Künstler in der Stadt. Ein deutsch-französisch-italienisches Wörterbuch, das in der Ausstellung gezeigt wird, half ihnen, sich untereinander und in der fremden Umgebung zurechtzufinden. Wohnhaus zeigt verschiedene Pläne und Modelle Ludwigsburger Häuser, die zumeist nach den Vorgaben des Landesbaumeisters Donato Giuseppe Frisoni gebaut wurden. Idealbürger. Um die ersten Bauplätze bewarben sich 21 Bürger, nur zwei davon durften sich ansiedeln. Der ideale Bürger musste Startkapital mitbringen; er sollte kein Landwirt sein, sondern Beamter, Hofmann, Gewerbetreibender oder Handwerker. Apotheke zeigt ein Doppelporträt des Apothekerpaars Gottlieb Jakob und Sophie Beate Bischoff, denen 1721 erlaubt wurde, die erste Stadtapotheke zu gründen. Ferner werden das Gründungspatent dieser Apotheke, ein Rezeptbuch, ein Apothekergefäß und eine Waage ausgestellt. Eine Porzellanmalerei auf Ludwigsburger Porzellan zeigt eine Apothekersfrau beim Waschen von Schröpfköpfen. Waisenhaus enthält Dokumente zum ersten württembergischen Zucht- und Arbeitshaus, das Herzog Carl Alexander 1836 einrichten ließ. Garten zeigt ein Doppelporträt der Eheleute Johann Caspar und Elisabetha Dorothea Schiller, der Eltern von Friedrich Schiller; ferner ein Einzelporträt von Elisabetha Dorothea Schiller und eine Publikation von Johann Caspar Schiller über Landwirtschaft.Johann Caspar Schiller: Oekonomische Beyträge zur Beförderung des bürgerlichen Wohlstandes, Betrachtungen über Landwirthschaftliche Dinge in dem Herzogthum Würtemberg. (sic), 1767 – 1768 Verlag zeigt Publikationen des Buchdruckers Johann Georg Cotta, Vater des Hofbuchdruckers Christoph Friedrich Cotta.