mini|Joe Polowskys Grab und Gedenkstein in Torgau Joseph „Joe“ P. Polowsky (* 2. Oktober 1916 in Chicago, Illinois; † 17. Oktober 1983 ebenda) war ein US-amerikanischer Soldat und Friedensaktivist. Weltbekannt wurde Polowsky am Ende des Zweiten Weltkrieges durch das erste Zusammentreffen US-amerikanischer und sowjetischer Truppen an der Elbe in der Nähe von Torgau, dem Elbe Day. Eine von dem aus Kalifornien stammenden PFC Igor N. Belousevitch aus der dritten Patrouille der 69th Infantry Division unter Major Fred W. CraigJohn Toland: The Last 100 Days. Random House Publishing Group, 2014 (S. 455 f.) erstellte Fotografie, die den jungen US-Soldaten stehend auf einem Jeep vor einem Haus im südbrandenburgischen Burxdorf zeigt, sowie weitere Aufnahmen, die im selben Ort und im sächsischen Kreinitz entstanden, gingen anschließend durch die Weltpresse.Bettina Broneske: Legendäres Foto mit Joe Polowsky kehrte nach 60 Jahren an seine Wurzeln zurück. In: Lausitzer Rundschau. 28. April 2005. Die historischen Fotoaufnahmen dieser Begegnung wurden in zahlreichen Geschichtsbüchern veröffentlicht. In der Zeit des Kalten Krieges setzte sich Polowsky für die Anerkennung des 25. April als „Weltfriedenstag“ ein und warb für eine bessere US-amerikanisch-sowjetische Verständigung. Gemäß seinem letzten Willen erhielt er trotz des noch bestehenden Eisernen Vorhangs 1983 seine letzte Ruhestätte auf dem evangelischen Friedhof in Torgau.

Leben Jugend Joseph P. Polowsky war der jüngste Sohn jüdischer Emigranten aus der Nähe des ukrainischen Kiew. Seine Familie änderte nach dem Tod des Vaters im Jahre 1927 ihren Namen in Palmer. Nach dem Besuch der Schule schrieb er sich an der Chicagoer Universität für die Kurse Philosophie, Politologie und Botanik ein. 1936 beendete er einen ersten Entwurf seines zwei Jahre zuvor begonnenen etwa eine Million Wörter umfassenden philosophischen Werkes „Principia“, welches er 1939 veröffentlichen wollte und dessen Name sich auf Isaac Newtons Werk Philosophiae Naturalis Principia Mathematica bezieht. Die geplante Veröffentlichung seines Werkes verschob er schließlich nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges auf die Zeit nach dem Krieg.

Der Schwur an der Elbe mini|Leutnant Kotzebue und drei weitere Mitglieder der Patrouille mini|Die zerstörte Pontonbrücke von Lorenzkirch mini|Die Kotzebue-Patrouille beim Übergang über die Elbe in Kreinitz Im Dezember 1942 wurde Polowsky im Alter von 26 Jahren zur US Army einberufen. Hier war er während des Zweiten Weltkriegs Schütze in der 69. Infanterie-Division.

Am 24. April 1945 wurden nahe der sächsischen Kleinstadt Trebsen an der Mulde mehrere Patrouillen zusammengestellt, die etwa fünf Meilen über die Front hinausstoßen sollten.Ein bebilderter Text dazu findet sich auf der Website der 69th Infantry Division Die Aufgabe der ersten Patrouille unter Leitung von Leutnant Albert L. Kotzebue war es, zu erkunden, wo sich die Truppen der Roten Armee befanden, um unliebsame Zwischenfälle zwischen den beiden aufeinandertreffenden Armeen infolge von Missverständnissen zu vermeiden. Bei einem eventuellen Überschreiten dieser fünf Meilen würde die Patrouille auf eigenes Risiko operieren. Da er als einziger in der Kompanie gute Russischkenntnisse besaß, wurde auch Polowsky der Patrouille zugeteilt. Er sollte in dieser als Dolmetscher fungieren und saß bei Kotzebue mit im ersten Wagen des Zuges, der aus sieben Jeeps und insgesamt achtundzwanzig Männern bestand.Dietrich Maass, Wilhelm Wehling, Horst Strähle: Bausteine zur Koalition der Vernunft. Torgau 1945–1985. Begegnungen an der Elbe. Gesellschaft für Heimatgeschichte im Kulturbund der DDR, Kreisvorstand Torgau, 1987, S. 37.

Am Morgen des 25. April erreichte man die Elbe bei Strehla. Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses wurden sowjetische Soldaten ausgemacht. Mit Leuchtraketen und Winken einigte man sich auf ein gemeinsames Treffen. Da die hier befindliche Pontonbrücke vor dem Eintreffen der beiden Armeen von deutschen Truppen gesprengt worden war, setzte gegen 11:30 Uhr eine siebenköpfige Truppe, unter ihnen Kotzebue und Polowsky sowie ein kurz zuvor befreiter polnischer Zwangsarbeiter mit einem Segelboot, das man zuvor am Ufer gefunden hatte, über die Elbe. Inmitten von etwa zwei- bis dreihundert Leichen deutscher Zivilisten, die zuvor zum Teil bei der Sprengung der Pontonbrücke, dann durch sowjetisches Artilleriefeuer getötet worden waren, begegneten sie dann auf den Elbwiesen bei Lorenzkirch dem sowjetischen Oberstleutnant Alexander Gordejew, Kommandeur des 175. Schützen-Regiments der 58. Gardeinfanterie-Division sowie weiteren Angehörigen der Roten Armee. Angesichts des Grauens, welches sich ihnen dort bot, darunter ein etwa fünf Jahre altes totes Mädchen, das in einer Hand eine Puppe hielt und mit der anderen Hand sich an seine ebenfalls tote Mutter klammerte, leisteten die Soldaten gemeinsam den „Schwur an der Elbe“, durch den sie sich verpflichteten, alles zu tun, um in der Zukunft einen neuen Krieg zu verhindern. Da man den Ort dieser Begegnung für heroische Fotoaufnahmen aufgrund der zahlreichen Toten für nicht geeignet hielt, brach man das Treffen ab und verabredete sich zu weiteren Treffen, welche noch am selben Tag stattfanden. Um Schuldzuweisungen wegen der vielen getöteten Zivilisten zu entgehen, wurde das Treffen in Lorenzkirch nicht protokolliert und nicht veröffentlicht. Die Patrouille setzte gemeinsam mit vier sowjetischen Soldaten zurück über den Fluss. Von dort vermeldete Kotzebue über Funk die erste Begegnung mit den Sowjets.

Bei den späteren Treffen in Kreinitz und Burxdorf, die auf sowjetischer Seite offiziell als „erste Begegnung“ protokolliert wurde, entstanden dann die Aufnahmen, die durch die Weltpresse Beachtung fanden und in der Folgezeit in zahlreichen Geschichtsbüchern veröffentlicht wurden. Das amerikanische Protokoll des V. Korps wiederum vermerkte, dass diese erste Begegnung angeblich um 15:30 Uhr in Riesa stattfand.Dr. Uwe Niedersen: auf einer privaten Website Zwei Tage später wurde eine Szene, die sich etwas später ebenfalls am 25. April in Torgau abspielte, mit dem symbolischen Handschlag des amerikanischen Leutnants Robertson und dem sowjetischen Leutnant Silwaschko nachgestellt. Anschließend wurden gleichlautende Presseerklärungen der Regierungen in London, Moskau und Washington herausgegeben.

Polowsky als Friedensaktivist Am 22. Januar 1946 wurde Joe Polowsky aus dem Kriegsdienst entlassen und er kehrte in die USA zurück. Fortan blieb er dem „Schwur an der Elbe“ treu und setzte sich vehement für die US-amerikanisch-sowjetische Freundschaft und den Frieden ein.

Ab 1947 bemühte er sich bei den Vereinten Nationen, um den 25. April zum Weltfriedenstag erklären zu lassen. Er berief sich dabei auf den „Schwur an der Elbe“ vom 25. April 1945 sowie auf die am selben Tag durchgeführte Konferenz von San Francisco, auf welcher die Charta der Vereinten Nationen erarbeitet wurde. Aus dem Protokoll der UNO-Generalversammlung vom 25. April 1949 geht hervor, dass Polowskys Bemühungen von Costa Rica, dem Libanon und den Philippinen unterstützt wurden. Sein Vorschlag hatte jedoch keinen Erfolg; im Juni 1950 war der Koreakrieg ausgebrochen und bereits in dessen Vorfeld hatten sich die Ost-West-Beziehungen merklich abgekühlt.

Um Geld für seinen Friedenskampf zu verdienen, unterbrach Polowsky erneut sein Studium und nahm eine Tätigkeit als Taxifahrer auf. 1955 besuchte er aufgrund einer ergangenen Einladung gemeinsam mit acht weiteren Kriegsveteranen anlässlich des zehnten Jahrestages der Begegnung Moskau. Finanziert werden konnte die Reise zum großen Teil durch das zuvor bei der Fernsehshow „Strike It Rich“ gewonnene Preisgeld, bei welcher die Veteranen zu diesem Zweck extra teilgenommen hatten. In den USA zeitweise wegen „unamerikanischer Umtriebe“ verfolgt, fand Polowsky Anerkennung in den Staaten des Ostblocks. Als im Januar 1959 der sowjetische Vizeregierungschef Anastas Mikojan in den USA weilte, besuchte dieser auch Joe Polowsky und dessen Familie. Polowsky wurde erneut nach Moskau eingeladen, wo es im Kreml gemeinsam mit weiteren US-Kriegsveteranen zu einem Treffen mit Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow kam.

mini|Die Michigan Avenue Bridge in Chicago, Ort der alljährlichen Mahnwache am 25. April von Joe Polowsky Im April 1960 besuchte Polowsky das erste Mal Torgau, ein Jahr später folgte ein weiterer Besuch in der Stadt an der Elbe. Bei seinem zweiten DDR-Besuch wurde er auch am 23. April 1961 in Berlin vom Staatsratsvorsitzenden der DDR Walter Ulbricht empfangen. Trotz vieler Bemühungen Polowskys kam es später zu keinem weiteren Besuch in der DDR. Ein 1965 geplanter Besuch wurde durch den Torgauer Bürgermeister Seidler kurzfristig wieder abgesagt, und auch eine Anreise Polowskys zum 30. Jahrestag der Begegnung an der Elbe wurde abgelehnt.

Zum Gedenken an die geschichtsträchtige Begegnung von 1945 an der Elbe, hielt Polowsky alljährlich am 25. April auf der vielfrequentierten Michigan Avenue Bridge in seiner Heimatstadt Chicago eine Mahnwache. Er verteilte Flugblätter und warb auch um finanzielle Unterstützung für die Veröffentlichung seiner „Principia“. Seine letzte Mahnwache auf der Brücke hielt Polowsky, bereits an Darmkrebs leidend, am 25. April 1983.

Joe Polowsky starb am 17. Oktober 1983 im Chicagoer Lakeside-Hospital. In seinem Testament hatte er gebeten, in Torgau begraben zu werden.

Begräbnis in Torgau Die für seine Beerdigung erforderlichen Mittel von etwa 10.000 Dollar konnte Polowsky zu seinen Lebzeiten trotz diversen Spendenaufrufen nicht aufbringen. Jedoch erklärte sich nach seinem Tod der Buchhändler LeRoy Wolins (1929–2005),Eintrag von LeRoy Wolins bei Keywiki (engl.) ein alter Freund Polowskys, Friedensaktivist und damals stellvertretender Vorsitzender der Organisation „Veterans for Peace“ aus Pullman im US-Bundesstaat Michigan, bereit, die Kosten zu übernehmen. Der Leichnam von Polowsky wurde dann trotz des noch bestehenden Eisernen Vorhangs in die DDR überführt und gemäß Polowskys Wunsch auf dem evangelischen Friedhof in Torgau beigesetzt. Die Beisetzung erfolgte am 26. November 1983, nachdem sie von Staats- und Parteichef Erich Honecker persönlich genehmigt worden war. Jeweils drei sowjetische und amerikanische Kriegsveteranen rollten den silbergrauen, von einer US-amerikanischen Flagge bedeckten Sarg zu seinem Grab. Reverend William Sloane Coffin, Pastor der Riverside Church in New York City, hielt die Grabrede. Anschließend wurden zum Gedenken an Joe Polowsky am sowjetischen Kriegsdenkmal von jeweils drei US-amerikanischen und sowjetischen Soldaten Kränze niedergelegt. 1984 erfolgte die Einweihung eines Gedenksteins am Grab Polowskys.

In einer vor dem US-Senat am 20. Februar 1985 gehaltenen Rede würdigte Senator Paul Simon den Friedenskampf Joe Polowskys sowie den „Schwur an der Elbe“. Noch im selben Jahr erklärten anlässlich des 40. Jahrestages der Begegnung an der Elbe vierzig US-Gouverneure in ihren Bundesstaaten den 25. April zum „Elbe Day“ beziehungsweise „World-Peace-Day“.

Ehrungen mini|Die von Rosen umgebene Gedenkstele in Bad Liebenwerda mini|Joe Polowsky Friedensrose Joseph Polowsky wurde für seine Leistungen am 25. April 1945 mit dem Bronze Star ausgezeichnet. Diese Auszeichnung der US-Streitkräfte bekamen auch die anderen Mitglieder der Kotzebue-Patrouille, Albert Kotzebue selbst erhielt den Silver Star.

Das Grab Polowskys befindet sich mit einem Gedenkstein auf dem evangelischen Friedhof in Torgau. In Torgau trug außerdem seit 1995 bis zur Schließung 2008 das damals größte Gymnasium der Stadt den Namen „Joe-Polowsky-Gymnasium“. Die Stadt Torgau beabsichtigt derzeit, eine Straße im Bereich der ehemaligen Schule nach Polowsky zu benennen. In Kreinitz erinnert das „Begegnung an der Elbe – Museum“ an das historische Ereignis. Weitere Denkmäler befinden sich an der Abfahrt der Fähre von Strehla, vor dem Friedhof von Lorenzkirch, am Elbufer von Kreinitz und in Torgau.