Die Formel-1-Weltmeisterschaft 2011 war die 62. Saison der Formel-1-Weltmeisterschaft. Sie wurde über 19 Rennen in der Zeit vom 27. März bis zum 27. November ausgetragen. Sebastian Vettel verteidigte in dieser Saison seinen Weltmeistertitel vorzeitig und wurde jüngster zweifacher Weltmeister. Ebenfalls gelang es seinem Rennstall Red Bull Racing mit Mark Webber als zweitem Fahrer vorzeitig den Konstrukteurstitel zu verteidigen.
Änderungen 2011 Rennstrecken Dem Rennkalender der FIA zufolge sollten in der Saison 2011 erstmals insgesamt 20 Rennen ausgetragen werden. Neu war der Große Preis von Indien auf dem Buddh International Circuit. Der Große Preis von Deutschland wechselte gemäß der jährlichen Rotation vom Hockenheimring auf den Nürburgring.
Der Große Preis von Bahrain auf dem Bahrain International Circuit sollte wieder auf der ursprünglichen und kürzeren Streckenvariante gefahren werden.„2011: Altes Streckenlayout in Bahrain“ (Motorsport-Total.com am 16. August 2010) Er wurde jedoch drei Wochen vor dem Rennen aufgrund von politischen Unruhen im Land abgesagt.„Auftakt in Bahrain fällt aus“ (n-tv.de am 21. Februar 2011) Die FIA legte auf ihrer Sitzung am 3. Juni 2011 zunächst den 30. Oktober 2011 als Ersatztermin fest, eine Woche später sagte der Vorsitzende des Bahrain International Circuit, Zayed Rasched al-Zayani, jedoch den Bahrain-Grand-Prix für 2011 endgültig ab. Damit umfasste der Rennkalender nur noch 19 Veranstaltungen."Bahrain gibt auf: 2011 kein Grand Prix! (Motorsport-Total.com am 10. Juni 2011)
Reglement mini|hochkant=1.25|Verstellbarer Heckflügel am Red Bull RB7 (oben geöffnet, unten geschlossen) Das Mindestgewicht der Fahrzeuge wurde auf 640 kg angehoben. Aerodynamische Hilfsmittel (wie beispielsweise der F-Schacht), die manuell vom Fahrer betätigt oder aktiviert werden können, waren ab der Saison 2011 verboten. Erlaubt war allerdings ein verstellbarer Heckflügel, das Drag Reduction System (DRS). Er durfte vom Fahrer flacher gestellt werden, wenn der Abstand vor vorgegebenen Streckenabschnitten zum vorausfahrenden Fahrer weniger als eine Sekunde betrug. Außerhalb des Rennens war dieses Hilfsmittel überall auf der Strecke erlaubt, es sei denn, es wurde von der FIA aufgrund von Sicherheitsbedenken auf risikoreichen Passagen, wie zum Beispiel in der Eau Rouge in Spa-Francorchamps, verboten. Dies sollte mehr Überholmanöver und einen um bis zu 15 km/h höheren Topspeed ermöglichen. Diese Option wurde beim Einschalten des Hecklichtes („wet track“, nasse Fahrbahn) deaktiviert.„FIA-Weltrat: Pirelli erhält den Zuschlag“ (Motorsport-Total.com am 23. Juni 2010) Außerdem musste ein Getriebe an fünf statt vier Rennwochenenden eingesetzt werden.
Nachdem sich die FOTA für die vorangegangene Saison auf einen freiwilligen Verzicht von KERS geeinigt hatte, galten ab 2011 wieder die offiziellen FIA-Statuten. Somit konnte KERS von den Teams eingesetzt werden.„Entschieden: KERS, Heckflügel, Mindestgewicht“ (Motorsport-Total.com am 13. Juni 2010) Auch die alte 107-Prozent-Regel kehrte ins Reglement zurück. Fahrer, die im Qualifying über sieben Prozent langsamer als der Schnellste des ersten Qualifying-Abschnitts (Q1) waren, durften nicht am Rennen teilnehmen. Allerdings gab es die Möglichkeit, dass unter besonderen Umständen ein Start trotzdem genehmigt wurde.
Am 10. Dezember 2010 wurde der Paragraf 39.1 aus dem FIA-Reglement gestrichen.„FIA schafft Stallorder-Verbot ab“ (Motorsport-Total.com am 10. Dezember 2010) Damit wurde das seit 2003 bestehende Stallorderverbot gekippt. Allerdings existierte nach wie vor Paragraf 151.c, der Handlungen untersagte, die dem Ansehen des Sports schaden. Dies ließ erheblichen Interpretationsspielraum in Sachen Stallorder, was auch kritisiert wurde. In der Saison 2010 erhielt Ferrari wegen einer Stallorder beim Großen Preis von Deutschland eine Geldstrafe.„Nach Stallorder: 100.000-Dollar-Strafe für Ferrari!“ (Motorsport-Total.com am 25. Juli 2010)
Die Safety-Car-Regeln wurden zur Saison 2011 ein weiteres Mal modifiziert. Um dem Safety Car das „Einfangen“ des Feldes zu erleichtern, mussten die Fahrer bereits in der letzten Saison ihre Geschwindigkeit nach Ausrufen der Safety-Car-Phase so weit drosseln, dass sich ihre Rundenzeit um mindestens 40 Prozent erhöhte. Diese Geschwindigkeitsbegrenzung galt jetzt für zwei Runden statt einer. Die Ampel am Ende der Boxengasse wurde zudem nur noch bei einer Rennunterbrechung auf rot geschaltet. Bisher wurde die Ampel in jeder Safety-Car-Phase auf rot geschaltet, wenn das Feld über die Start-Ziel-Gerade an der Boxengasse vorbeifuhr.„Weltrat beschließt neue Safety-Car-Regeln“ (Motorsport-Total.com am 8. März 2011) Darüber hinaus mussten Piloten, die in der Safety-Car-Phase an die Box fuhren, einen Reifenwechsel durchführen lassen. Eine Ausnahme bildete der Fall, wenn die Start-Ziel-Gerade blockiert war und die Rennleitung entschied, das Safety Car und das Fahrerfeld durch die Boxengasse fahren zu lassen.„Formel 1 – FIA passt Safety-Car-Regelungen an“ (Motorsport-Magazin.com am 8. März 2011)
Um eine aerodynamische Wirkung der Auspuffgase auf den Diffusor zu unterbinden, durfte nach einem dreistufig ausgelegten Programm
seit dem Großen Preis von Europa das Motorenmanagement zwischen Qualifying und Rennen nicht verändert werden, seit dem Großen Preis von Großbritannien der Diffusor nicht von „heißen“ Abgasen angeströmt werden (es darf kein Kraftstoff eingespritzt werden), ab 2012 der Diffusor nicht von „kalten“ Abgasen angeströmt werden.„Angeströmte Diffusoren soll es 2012 nicht mehr geben“ (Motorline.cc am 12. Juni 2011)
Teams Lotus löste den bis 2012 gültigen Vertrag mit Cosworth als Motorenlieferant Ende 2010 auf„Cosworth stellt Lotus für Renault frei“ (Motorsport-Total.com am 1. Oktober 2010) und erhält seit der Saison 2011 Motoren von Renault. Der russische Sportwagenhersteller Marussia übernahm große Anteile an Virgin. Das Unternehmen trat 2011 als Titelsponsor auf und das Team wurde in Marussia Virgin Racing umbenannt.„Virgin: Zukunft dank Marussia langfristig gesichert“ (Motorsport-Total.com am 11. November 2010) Die luxemburgische Investmentgruppe Genii Capital hat die restlichen Anteile am Renault F1 Team vom französischen Automobilhersteller Renault übernommen und ist nun alleiniger Besitzer des Rennstalls. Zudem stieg die Group Lotus als Titelsponsor ein, worauf das Team den neuen Namen Lotus Renault GP erhielt.
Anfang 2010 schrieb die FIA den Startplatz für ein 13. Formel-1-Team erneut aus.„Neue Runde: Die FIA schreibt einen Startplatz aus“ (Motorsport-Total.com am 19. März 2010) Auf diesen Startplatz bewarben sich Epsilon Euskadi, Durango und Stefan Grand Prix.„Villadelprat: Epsilon Euskadi ist auf Kurs“ (Motorsport-Total.com am 6. Mai 2010)„Ex-GP2-Team Durango bewirbt sich um Formel-1-Platz“ (Motorsport-Total.com am 7. April 2010)„Stefan baut Strecke und Technologiezentrum“ (Motorsport-Total.com am 24. April 2010) Daneben hatten sich noch ART Grand Prix und die Cypher-Gruppe beworben, jedoch zogen sie ihre Bewerbungen später zurück.„ART zieht Formel-1-Bewerbung für 2011 zurück“ (Motorsport-Total.com am 7. Juli 2010)„13. Startplatz: Cypher-Gruppe zieht Bewerbung zurück“ (Motorsport-Total.com am 30. Juli 2010) Im Juli wurde bekannt, dass auch der ehemalige Formel-1-Weltmeister Jacques Villeneuve eine Bewerbung abgegeben hatte, die er gemeinsam mit Durango weiterverfolgte.„Bewerbung um Startplatz: Durango/Villeneuve zuversichtlich“ (Motorsport-Total.com am 27. Juli 2010) Im September entschied sich die FIA jedoch gegen eine Erweiterung des Starterfeldes.„FIA entscheidet: Kein weiteres Team für 2011“ (Motorsport-Total.com am 8. September 2010)
Während der Saison, im Vorfeld zum Großen Preis von Großbritannien, änderte Ferrari seinen Teamnamen von Scuderia Ferrari Marlboro zurück in Scuderia Ferrari. Die Zigarettenmarke wurde nach Protesten von Anti-Tabak-Organisationen aus dem Namen entfernt.„Ferrari mit noch weniger Marlboro“ (Motorsport-Total.com am 8. Juli 2011)
Fahrer Nick Heidfeld verließ Sauber nach der Saison 2010 und war zunächst ohne Cockpit für die Saison 2011. Da sich Renault-Pilot Robert Kubica bei einer Rallye schwer verletzt hatte und längerfristig ausfiel, verpflichtete der Rennstall Heidfeld als Vertretung. In der zweiten Saisonhälfte wurde Heidfeld dann schließlich durch Bruno Senna ersetzt. Außerdem wechselte Vitantonio Liuzzi das Team und nahm 2011 für HRT an der Formel 1 teil. Liuzzi verfügte ursprünglich über einen Vertrag mit seinem ehemaligen Rennstall Force India. Der Vertrag wurde allerdings vor der Saison aufgelöst.
Insgesamt drei Piloten wechselten aus der GP2-Serie in die Formel 1. Pastor Maldonado, der 2010 für das Rapax Team den Meistertitel der GP2-Serie gewonnen hatte, wurde von Williams unter Vertrag genommen. Sergio Pérez, der Vizemeister der GP2-Serie, wechselte vom GP2-Team Barwa Addax zu Sauber. Pérez wurde ab 2011 zudem von Ferrari gefördert. Jérôme D’Ambrosio, der 2010 für DAMS startend Zwölfter der GP2-Serie geworden war, erhielt 2011 ein Stammcockpit bei Virgin. D’Ambrosio hatte bereits 2010 für Virgin an mehreren Freitagstrainings an der Formel 1 teilgenommen. Darüber hinaus erhielt mit Paul di Resta bei Force India ein weiterer Fahrer, der schon an Freitagstrainings teilgenommen hatte, ein Cockpit in der Formel 1. Di Resta war der amtierende Meister der DTM, in der er ein Werkspilot von Mercedes gewesen war. Zum neunten Rennen stieg Daniel Ricciardo parallel zu seinem Engagement in der World Series by Renault bei HRT als Stammpilot in die Formel 1 ein.
Mit Narain Karthikeyan kehrte ein Rennfahrer in die Formel 1 zurück. Karthikeyan war zuletzt 2005 Stammfahrer in der Formel 1. 2010 trat der Rennfahrer in der Superleague Formula an.
Nachdem Nico Hülkenberg sein Williams-Cockpit verloren hatte, übernahm er 2011 die Testfahrer-Position bei Force India. Einen ähnlichen Wechsel vollzog Bruno Senna, der vom HRT-Einsatzpiloten zum Renault-Testfahrer wurde. Er wechselte während der Saison beim Großen Preis von Belgien ins Einsatzcockpit von Renault. Pedro de la Rosa, der Sauber bereits während der Saison 2010 verlassen hatte und zunächst Testfahrer beim Reifenhersteller Pirelli war, kehrte zu McLaren zurück und übernahm erneut die Position des Testfahrers. De la Rosa übte diese Position bereits von 2003 bis 2009 aus. Nachdem Sauber für den Großen Preis von Kanada kurzfristig eine Vertretung für den verletzten Pérez gebraucht hatte, sprang de la Rosa ein und übernahm das Sauber-Cockpit für dieses Grand-Prix-Wochenende. Karun Chandhok, der schon während der Saison 2010 sein HRT-Stammcockpit abgeben musste, war 2011 als Testfahrer von Lotus aktiv. Darüber hinaus nahm er am Großen Preis von Deutschland als Einsatzfahrer teil. Sakon Yamamoto, der Chandhok 2010 bei HRT ersetzte, wechselte als Testfahrer zu Virgin. Lucas di Grassi wechselte von Virgin als Entwicklungsfahrer zum Reifenhersteller Pirelli.„Di Grassi: Klare Bedingungen für ein Comeback“ (Motorsport-Total.com am 11. Juni 2011)
Christian Klien, der 2010 für HRT an drei Formel-1-Rennen teilnahm, wechselte in den Langstreckensport und startete unter anderem beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans als Aston-Martin-Werkspilot.„Neuer Job für Klien: Mit Aston Martin nach Le Mans“ (Motorsport-Total.com am 23. März 2011)
Reifen Seit der Saison 2011 liefert Pirelli exklusiv Reifen an die Formel-1-Teams, nachdem der vorherige Exklusivlieferant Bridgestone angekündigt hatte, sich zurückzuziehen. Die Farbe der Reifenbeschriftung kennzeichnet den Reifentyp: Regenreifen (orange), Intermediate (hellblau), Slicks: supersoft (rot), soft (gelb), medium (weiß), hart (silber).„Formel 1 – Pirelli verrät die Reifen-Markierungen“ (Motorsport-Magazin.com am 18. März 2011) Im Fahr- und Langzeitverhalten unterscheiden sich die Reifen von ihren Vorgängern (bauen deutlicher ab); außerdem ist als Zeichen des starken Abriebs an vielen Stellen auf der Strecke mehr Gummi neben der Ideallinie zu sehen als 2010.