Polizeibericht Los Angeles (Originaltitel: Dragnet, später L.A. Dragnet) war eine im Jahr 2003 gestartete US-amerikanische Fernsehserie, die von Law & Order-Schöpfer Dick Wolf produziert wurde. Die Serie basierte auf den in den 1950er und späten 1960er Jahren erfolgreich gewesenen Dragnet-Serien mit Jack Webb, deren zweite Auflage unter dem Titel Polizeibericht auch in Deutschland zu sehen war.
Konzept Jede Folge der Serie beginnt mit dem Verweis eines Off-Sprechers darauf, dass die nachfolgende Geschichte auf Tatsachen beruhe, sowie dass die Namen der vorkommenden Personen geändert worden seien, um Unschuldige zu schützen. Dies ist eine enge Anlehnung an die Original-Dragnet-Serie aus den 1950er Jahren, wo die Geschichten seinerzeit sogar als wahre Begebenheiten ausgegeben wurden und sich in der Regel auch eng an ebensolchen orientiert haben dürften. Die vorliegende Serie wurde wesentlich freier gestaltet.
Polizeibericht Los Angeles orientierte sich in der ersten Staffel auch darüber hinaus am klassischen Dragnet-Konzept, das sich durch zwei besondere Faktoren charakterisiert:
Zum einen geleitet der Hauptermittler Joe Friday die Zuschauer mit seinen erläuternden Off-Kommentaren durch jede Folge, die teilweise auch das unmittelbare Geschehen auf dem Bildschirm, ähnlich einem Audiokommentar, erfassen, wenn Friday beispielsweise seine Gedanken zur Körpersprache einer verhörten Person äußert. Einen besonderen Wiedererkennungswert in den Off-Kommentaren besitzt der Ausspruch „My name is Friday. I'm a cop.“ (in der Synchronfassung: „Mein Name ist Friday. Ich bin Cop.“), der am Ende der die jeweilige Folge einleitenden Erzählpassage zu hören ist. Während dieser einleitenden Erzählpassage sieht man Friday, wie er per Auto den Tatort erreicht, an dem nachfolgend die Ermittlungen im für die Folge grundlegenden Fall aufgenommen werden. Der Spruch „My name is Friday. I'm a cop.“ ist in der Regel zu hören, während oder kurz bevor Friday das erste Mal in einer Einstellung von vorn gezeigt wird.
Ein zweites Charakteristikum des klassischen Dragnet-Konzepts ist die Tatsache, dass zwei Ermittler vom Rang eines Detectives, die für das Los Angeles Police Department arbeiten, die komplette Folge über dabei begleitet werden, wie sie an einen Fall gelangen und diesen lösen. Die Namen der Ermittler, Joe Friday und Frank Smith, gehen ebenfalls auf die klassische Version zurück. Im Gegensatz zur klassischen Version aus den 1950er und 1960er Jahren nahm Friday in der vorliegenden Version allerdings auch eine Art Mentorrolle gegenüber seinem Partner ein, da dieser nun wesentlich jünger war.
Für die zweite Staffel wurde nur das Charakteristikum, Friday die Geschehnisse aus dem Off erläutern zu lassen, beibehalten und gleichzeitig reduziert, die gewohnte Ermittlerstruktur hingegen komplett aufgegeben und Friday vom Detective zum Lieutenant befördert, der nun in weisungsberechtigter Position den Einsatz von drei bis vier Detectives koordinierte.
Auch der Look der Serie wurde verändert: Während die erste Staffel auch visuell sehr klassisch wirkt und Frank Smith sogar eine Retro-Frisur trug, wurde die zweite Staffel wesentlich düsterer gestaltet. Die Farben wurden zurückgenommen und oftmals eine wacklige Kamera eingesetzt.
Die Änderung des Konzepts soll u. a. darauf zurückgehen, dass der den Joe Friday spielende, damals bereits 57-jährige Ed O’Neill, dessen beide Kinder seinerzeit im Kleinkind- und im Vorschulalter waren, um weniger Zeitaufwand bat. Der Drehaufwand für die Serie betrug, O’Neill zufolge, fünf Tage die Woche und jeweils 14 Stunden pro Tag.Interview mit Ed O’Neill vom 14. September 2009
Titel
Neben den Änderungen am Konzept wurde der Originaltitel der ersten Staffel, Dragnet, zur zweiten Staffel in L.A. Dragnet abgewandelt. In manchen Ländern, wie beispielsweise den Niederlanden, wurde die Serie hingegen unter dem, ebenfalls englischen, Titel Murder Investigation bekannt. Darüber hinaus wurde für die Ausstrahlung in Frankreich ein eigener Abspann gestaltet, während dessen man im Hintergrund Bilder aus der 1. Staffel sieht. In anderen Versionen, auch in der Originalfassung, sind die Texttafeln des Abspanns nur auf einem schwarzen Hintergrund zu sehen.
In Deutschland bediente man sich des ungewöhnlich klassischen Titels Polizeibericht Los Angeles in Anlehnung an die Serie Polizeibericht (1967–1970) mit Jack Webb, auf der die vorliegende Serie basierte. Der Titel L.A. Dragnet wurde in Deutschland nur für das Pay-TV und auch dort nur zu Werbezwecken (ohne dass er im Vorspann vertreten gewesen wäre) verwendet.
Der Wechsel des Titels während der Erstausstrahlung in den USA, von Dragnet hin zu L.A. Dragnet, lässt vermuten, dass man plante, das Dragnet-Konzept, über kurz oder lang, auch in anderen Städten zu etablieren (z. B. als N.Y. Dragnet oder ähnliches). Dieses Schema ist gerade bei Dick-Wolf-Serien relativ typisch. Wolf soll immer daran interessiert gewesen sein, möglichst einen ganzen Kanal rund um die Uhr mit Law & Order-Versionen zu bestücken. Der Titelwechsel sorgte jedoch für Widersprüche, da Dragnet ohnehin immer in Los Angeles spielte und der Verweis darauf im Namen, unter dieser Voraussetzung, unsinnig wirkte. Ein ähnlicher Fauxpas passierte in Deutschland auch einer anderen von Dick Wolf produzierten Serie, als man Law & Order: Special Victims Unit mit Law & Order: New York übertitelte, obwohl auch die Mutterserie Law & Order in New York spielte und der deutsche Titel des Spin-offs somit irreführend wirkte.
Besetzung
Für die Hauptrolle des Joe Friday war ursprünglich Danny Huston vorgesehen, der das Projekt, nachdem eine erste Folge unter dem Titel Three Blondes abgedreht war, jedoch vorzeitig verließ. Nach Aussage von Ed O’Neill in einem Interview, war Huston freigestellt worden, da er als Cop vor der Kamera nicht die gewünschte Ausstrahlung hatte, was Dick Wolf ihm mitteilte, als er ihn als Ersatz anfragteVideo-Interview mit Ed O’Neill für emmytvlegends.org, auf YouTube – zu lesen war seinerzeit auch, Huston sei ausgestiegen, da ihm der zeitliche Aufwand mit solch einer Serienrolle zu viel geworden sei. Huston war in Fernsehserien bis dato noch fast gar nicht in Erscheinung getreten. Hier wäre es nun gleich eine Hauptrolle geworden, noch dazu mit sehr viel Bildschirmpräsenz pro Folge. Danny Huston wurde daraufhin durch Ed O’Neill ersetzt, der in seiner letzten vorausgegangenen Serienhauptrolle bereits einen Detective in dem frühzeitig beendeten Big Apple gespielt und, trotz der Kurzlebigkeit dieser Serie, viel Kritikerlob dafür geerntet hatte. O’Neill, der in Los Angeles lebt und für die Produzenten in der gebotenen Eile eine erste Anlaufstelle war, wollte die Rolle des Joe Friday zuerst nicht übernehmen, da er gerade erst in Gesprächen für die HBO-Serie Deadwood gewesen war, für die David Milch den Charakter des Swearengen, der später von Ian McShane gespielt wurde, eigens auf ihn zugeschnitten hatte. Milch hatte mit O’Neill bereits an Big Apple zusammengearbeitet. Letztendlich entschied Ed O’Neill sich aber, das Angebot von Dick Wolf anzunehmen, zumal er gern mit Walon Green zusammenarbeiten wollte – und weil Dick Wolf sogar Bereitschaft zeigte, hohe finanzielle Forderungen zu erfüllen. O’Neill hatte laut eigener Interview-Aussage eigentlich bewirken wollen, dass man sich im Zuge einer zu hohen Gagen-Forderung doch nach jemand anderem umsieht, da er von vornherein besorgt über den hohen Drehaufwand pro Arbeitstag und die Vereinbarkeit dessen mit dem Privatleben war. Als Fridays Partner Frank Smith trat Ethan Embry auf. Die Rolle wurde nach der ersten Staffel jedoch gestrichen. Bereits gegen Ende der ersten Staffel fehlte Embry in einer Folge komplett und war in einer weiteren nur am Rande zu sehen, da er sich beim Skateboarden verletzt hatte. Er wurde in diesen Episoden, die in der Ausstrahlung auf die Plätze 9 und 11 der Staffel verteilt wurden, von Lauren Vélez in der Rolle der Det. Denise Beltran vertreten. Embrys Abwesenheit in der neunten Folge wurde in der Serie mit einem Schlaganfall des Vaters von Frank Smith begründet. In der elften Folge vollführte er nur Schreibtischarbeiten, da ihm das Gehen offenbar noch schwerfiel.
Indem in der elften Folge neben Ed O’Neill, Lauren Vélez und Ethan Embry auch noch Paul Leyden in einer relativ großen Rolle als Det. Langler zum Einsatz kam und das Ermittler-Duo Friday/Smith infolgedessen durch Beltran/Langler stellenweise gänzlich ersetzt wurde, nahm diese Folge in gewisser Weise das Konzept der zweiten Staffel vorweg.
In der zweiten Staffel spielten Desmond Harrington (Det. Jimmy McCarron), Eva Longoria (Det. Gloria Duran) und Evan Parke (Det. Raymond 'Coop' Cooper) die drei Ermittler, die regelmäßig mit Friday zusammenarbeiteten. In drei Folgen wurde das Team außerdem von Roselyn Sánchez in der Rolle der Det. Elana Macias ergänzt, die bei ihrem ersten Einsatz noch anstelle von Eva Longoria auftrat, in den beiden übrigen Folgen dann aber gemeinsam mit ihr. Christina Chang hatte, nach zwei Gastauftritten in den letzten beiden Folgen der ersten Staffel, in der zweiten Staffel eine wiederkehrende Rolle als Bezirksstaatsanwaltsassistentin Sandy Chang.
Trotz regelmäßiger zentraler Auftritte ohne Erwähnung im Intro der Serie blieben Lindsay Crouse, die in der ersten Staffel die Rolle des Captains verkörperte, dem die beiden Dragnet-Detectives unterstellt sind, sowie Erick Avari (1. Staffel bis Beginn 2. Staffel) und Robin Bartlett (nachfolgend), die als hauptverantwortliche Gerichtsmediziner zu sehen waren. In mehreren Folgen war auch Daniel Zacapa, in der Rolle des Bandenkriminalitätsspezialisten Detective Gomez, zu sehen, sowie Denise Dowse als Kriminaltechnikerin Juanita Hendrucks. Zum wissenschaftlichen Team gehörte ferner beispielsweise auch der von Peter Trencher gespielte Kriminaltechniker Chavez. In drei Folgen der zweiten Staffel trat ein Friday nun übergeordneter Captain Silva auf. Er wurde von David Andrews gespielt.
In kleinen Rollen kamen in der 1. Staffel ferner bereits regelmäßig einige Detectives zum Einsatz, die Friday und Smith mit Zuarbeiten unterstützten, welche sich in der Regel darauf beschränkten, dass sie den Hauptermittlern in Kürze eingeholte Informationen mitteilten. Diese assistierenden Detectives wurden unter anderem von Katherine Kamhi und Morocco Omari verkörpert. Nach der Änderung des Konzepts für die 2. Staffel wurden diese Rollen praktisch überflüssig und fielen weg.
Fernsehausstrahlungen
Die endgültige Version der Serie (nach dem Ausstieg von Danny Huston) wurde ab Oktober 2002 produziert, die erste Folge am 2. Februar 2003 auf ABC ausgestrahlt. Bis zum 11. Mai 2003 wurden, jeweils sonntags um 22:00 Uhr, insgesamt zwölf Folgen gezeigt. Ursprünglich war eine Ausstrahlung am Montagabend um 21:00 Uhr geplant, zu der es allerdings nie kam. Der Sender gab aufgrund guter Resonanz eine zweite Staffel mit dreizehn weiteren Episoden in Auftrag, von denen die erste am 4. Oktober 2003, nun samstags (weiterhin um 22:00 Uhr), auf einem schon zuvor eher problematischen Programmplatz, gesendet wurde. Nach Ausstrahlung der fünften Folge dieser zweiten Staffel am 1. November 2003 wurde die Serie abgesetzt, da das geänderte Konzept beim Publikum auf wenig Zustimmung stieß und Polizeibericht Los Angeles mit einem Durchschnitt von rund 4,8 Millionen Zuschauern weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Die Einschaltquoten führten sowohl im direkten Vergleich mit anderen ABC-Serien als auch im Vergleich mit Konkurrenzformaten anderer Sender zu einem sehr schlechten Abschneiden. Dem Format wurde u. a. vorgeworfen, dank des neuen Konzepts nur noch wie eine weitere Law & Order-Version zu wirken. Außerdem erschien der multikulturell zusammengesetzte Cast der zweiten Staffel als eine zu gewollte Anbiederung. Nicht zuletzt mutete es seltsam an, dass Joe Friday, nach seiner Beförderung zum Lieutenant, innerhalb von Dragnet nur noch eine untergeordnet wirkende Rolle spielte.