miniatur|Luis Goytisolo (1980) Luis Goytisolo Gay (* 17. März 1935 in Barcelona; † 12. Juli 2026 in Vimbodí i PobletMuere el escritor español Luis Goytisolo a los 91 años, dw.com, 14. Juli 2026) war ein spanischer Erzähler und Romancier, der in der Tradition des sozialen Realismus stand.

Leben Kindheit und Ausbildung Luis Goytisolo entstammte einer großbürgerlichen Familie, die sich bereits während seiner frühen Kindheit gegen die Repression der Franco-Diktatur stellte.vgl. Biogramm in Kindlers Literatur Lexikon Online. Stuttgart : Metzler, 2009. – ISBN 978-3-476-04019-0 (aufgerufen am 11. Oktober 2009) Sein Vater war der Nachkomme von baskischen, durch Zuckerproduktion auf Kuba reich gewordenen Kolonialisten. Die Familie mütterlicherseits entstammte dem liberalen katalanischen Bildungsbürgertum.vgl. Juan Goytisolo. In: Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur (aufgerufen am 11. Oktober 2009 via Munzinger Online) Seine beiden älteren Brüder José Agustín (1928–1999) und Juan (1931–2017) machten sich als Dichter beziehungsweise Schriftsteller einen Namen. Seine Mutter, Julia Gay, kam zwei Jahre nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs bei einem Bombenangriff auf Barcelona ums Leben.vgl. Juan Goytisolo Gay. In: Internationales Biographisches Archiv 04/2005 vom 29. Januar 2005; ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 48/2008 (aufgerufen am 11. Oktober 2009 via Munzinger Online) Die Familie fand später in einem Bergdorf Zuflucht vor dem Bürgerkrieg. Seine schulische Ausbildung absolvierte Goytisolo an einer religiösen Schule in Barcelona.vgl. bei luisgoytisolo.es (spanisch; aufgerufen am 14. Juli 2026)

Wie seine beiden Brüder widmete sich Goytisolo dem Schreiben. Bereits mit elf Jahren begann er, inspiriert von den Abenteuern des Flash Gordon, erste Romane zu verfassen, woraufhin sich sein Onkel Luis seiner annahm. Er suchte für Goytisolo Lesestoff aus und machte ihn mit der amerikanischen Literatur bekannt.vgl. Porträt bei epdlp.com (spanisch; aufgerufen am 11. Oktober 2009) Zwischen dem 13. und 16. Lebensjahr schrieb Goytisolo Gedichte. Ebenso wie seine älteren Brüder begann er 1953 ein Jurastudium an der Universität Barcelona, das er aber zugunsten einer Karriere als Schriftsteller aufgab.vgl. Luís Goytisolo i Gay. In: Diccionari biogràfic. Barcelona : Alberti, 1966–1968 (aufgerufen am 11. Oktober 2009 via WBIS). Als Gegner der Diktatur Francisco Francos wurde Goytisolo 1956 Mitglied der Kommunistischen Partei, die er ein Jahr später wieder verließ. Im selben Jahr wurden erste Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht.

Romandebüt und Antagonía-Tetralogie mini|Goytisolo im Jahr 2015 Mit seinem in Barcelona spielenden Romandebüt Las afueras (1958; dt.: „Die draußen“), das in der Tradition des sozial betonten, realistischen modernen spanischen Romans steht, hatte Goytisolo sogleich Erfolg. Das Buch brachte ihm den erstmals verliehenen Premio Biblioteca Breve ein. Es handelt sich um eine Sammlung von sieben in sich abgeschlossenen Erzählungen in knapper, expressiv verdichteter Sprache. Wohlhabende Großgrundbesitzer, Ärzte oder Geschäftsleute treffen darin auf Hehler, Schuhputzer oder Maurer, wechseln ihren Beruf, aber nie ihren sozialen Status und bleiben ziellos. Die Hauptpersonen einer Geschichte tauchen jeweils als Randfiguren in den anderen Erzählungen auf. Goytisolo prangerte in seinem gesellschaftskritischen Roman die lebensuntüchtig gewordene Oberschicht an, die sich am schutzlos ausgelieferten Proletariat vergreift.vgl. Las afueras. In: Kindlers Literatur Lexikon Online. Stuttgart : Metzler, 2009. – ISBN 978-3-476-04019-0 (aufgerufen am 11. Oktober 2009)

In dieser Zeit bekam der Autor Probleme mit der Zensur und wurde im Februar 1960 von der spanischen Polizei verhaftet. Erst durch die Intervention französischer Intellektueller wie François Mauriac, Pablo Picasso und Jean-Paul Sartrevgl. kam Goytisolo nach einer mehrmonatigen Haft in Carabanchel wieder frei, woraufhin er sich, von einer Tuberkulose geschwächt, in das Bergdorf zurückzog, in dem seine Familie das Ende des Bürgerkriegs abgewartet hatte.

Als Goytisolos bedeutendstes Werk gilt sein vierteiliger Roman Antagonía über die Schriftstellerkunst. Claude Simon zählte ihn zu den drei großen Romanen des 20. Jahrhunderts. Goytisolo schrieb auch für spanische Tageszeitungen wie El País, ABC und Diario 16.

Luis Goytisolo war von 1966 bis zu ihrem Tod im Jahr 1993 mit Maria Antonia Gil Moreno de Mora verheiratet. Aus der Beziehung gingen zwei Söhne hervor. Ab 1998 war er in zweiter Ehe mit Elvira Huelbes verheiratet.

Auszeichnungen 1958: Preis der Biblioteca Breve für Las afueras 1976: Preis der Stadt Barcelona für Los verdes de mayo hasta el mar 1984: Premio de la Crítica für Estela del fuego que se aleja 1986: Premio Fundación Pablo Iglesias für Investigaciones y conjeturas de Claudio Mendoza 1993: Premio Nacional de Narrativa für Estatua con palomas 1994 oder 1995: Mitglied der Real Academia Española 2013: Premio Nacional de las Letras Españolas 2018: Premio Carlos Fuentes, deutschlandfunkkultur.de, erschienen und abgerufen am 2. November 2018

Werke Las afueras, 1958 Las mismas palabras, 1963 Ojos, círculos, búhos, mit dem Maler Joan Ponç, 1970 Antagonía. Roman in vier Teilen Recuento, 1973 Los verdes de mayo hasta el mar, 1976 La cólera de Aquiles, 1979 Teoría del conocimiento, 1981 Devoraciones, 1976 Estela del fuego que se aleja, 1984 Investigaciones y conjeturas de Claudio Mendoza, 1985 La paradoja del ave migratoria, 1987 Estatua con palomas, 1992 Placer licuante, 1997 Escalera hacia el cielo, 1999 Diario de 360º, 2000 El porvenir de la palabra (Essays, 2002) Liberación, 2003 Oído atento a los pájaros, 2006 Cosas que pasan, 2009 El lago en las pupilas, 2012

Fundación Luis Goytisolo In El Puerto de Santa María organisiert die Stiftung Luis Goytisolo mit Sitz im Rokoko-Palais Palacio de Villarreal y Purullena aus dem 18. Jahrhundert, jährliche Symposien zur spanischen Gegenwartsliteratur.

Literatur Bert Hofmann: Von der "novela social" zur "nueva novela española": Studien zum Werk von Luis Goytisolo; ein Beitrag zur Diskussion um den spanischen Gegenwartsroman, Stauffenburg, Tübingen 1991, ISBN 3-923721-94-3 Dalmau, Miguel: Los Goytisolo. Barcelona : Anagrama, 1999 (Colección Argumentos ; 230). – ISBN 84-339-0581-3

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