Die Gemeinde Gottes des Weltmissionsvereins (vor 2012: Kirchengemeinde Gottes) ist eine 1964 in Südkorea gegründete synkretistische Religionsgemeinschaft mit adventistischen Wurzeln, die heute in Korea zu den „dynamischst wachsenden“ christlichen neuen religiösen Bewegungen gezählt wird.David W. Kim, Won-il Bang: Guwonpa, WMSCOG, and Shincheonji: Three Dynamic Grassroots Groups in Contemporary Korean Christian NRM History. In: Religions, 19. März 2019. S. 5 und 6. E-ISSN 20771444. Abgerufen am 2. Juni 2020. Weitere Selbstbezeichnungen sind Gemeinde Gottes, die an Mutter Jerusalem glaubt, oder auch Elohisten.Matthias Pöhlmann, Christine Jahn im Auftrag der Kirchenleitung der VELKD: Handbuch Weltanschauungen, religiöse Gemeinschaften, Freikirchen. Gütersloher Verlagshaus / VELKD: Gütersloh 2015. ISBN 978-3-579-08224-0. S. 436f (Artikel Gemeinde Gottes des Weltmissionsvereins) Die Glaubensgemeinschaft ist nicht mit verschiedenen Freikirchen zu verwechseln, die sich ebenfalls als Gemeinde Gottes bezeichnen.Zum Beispiel Gemeinde Gottes (Anderson), Gemeinde Gottes des siebenten Tages, Gemeinde Gottes (Wiederherstellung) etc.
Im Zentrum der Gemeinde Gottes des Weltmissionsvereins steht ihr Gründer Ahn Sahng-hong. Er wurde posthum zum wiedergekommenen Christus erklärt. Neben Gott-Vater, von dem eine Dreiheit angenommen wird, welche sich von klassischen christlichen Trinitätslehren unterscheidet, wird eine inkarnierte Gott-Mutter verehrt. Die Ausweitung des Gottesbegriffs (z. B. durch P'ikareum) auf zeitgenössische Männer (z. B. Hwang Gukju – Jangyeon) oder Frauen (wie z. B. Lee Yusin – Wonsan Sinhaksan oder Kim Sung Do – Seongju church) folgt einer Tradition unterschiedlicher neuer religiöser Bewegungen in Korea.Chang Kim: Towards an understanding of Korean Protestantism: The formation of Christian-oriented sects, cults, and anti-cult movements in contemporary Korea. ProQuest Dissertations Publishing: CALGARY 2008. ISBN 978-0-494-38219-6, S. 207–213.
Geschichte Die Entstehung der Bewegung fiel in die Zeit der sozialen Umstrukturierung (1960–1980), infolge der Prozesse der Demokratisierung, Urbanisierung und Industrialisierung in Korea.Ro Kil-myung: New Religions and Social Change in Modern Korea History. THE REVIEW OF KOREAN STUDIES Vol. 5 (1), 2002. S. 54. Als Gründer der Gemeinde Gottes des Weltmissionsvereins gilt der Koreaner Ahn Sahng-hong (auch Ahn Sang Hong oder Ahnsanghong geschrieben), koreanisch: .Thomas Gandow: Weltmissionsgemeinschaft der Church of God (WMS) - Elohisten. In: Berliner Dialog Nr. 30/2010 (Themenheft: Versiegelt und entrückt). S. 10f Der ehemalige Buddhist wurde am 13. Januar 1918 geboren und kam 1947 in Kontakt mit der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Ein Jahr später empfing er dort als Dreißigjähriger die Gläubigentaufe. Sehr bald nach seiner Konversion begann Ahn Sahng-hong zu predigen und christliche Literatur zu verfassen. Sowohl seine Verkündigung als auch seine Bücher bewegten sich zu diesem Zeitpunkt im Rahmen der adventistischen Endzeitlehren. Allerdings legte er eigene Terminberechnungen für das Zweite Kommen Christi vor. Dabei nannte er zunächst 1967, legte sich später jedoch auf das Jahr 1988 fest – 40 Jahre nach der Gründung des Staates Israel. Er scharte im Zusammenhang mit dieser Botschaft einen Kreis von Anhängern um sich, den er Ahn-Sahng-hong Witness Society nannte. 1962 wurde er aus der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten wegen theologischer Differenzen ausgeschlossen. Zwei Jahre später gründete er seine eigene Kirche: „Witnesses of Jesus Church of God“.Ji Il Tark: Christian New Religious Movements in Korea. University and Mission 12, 2007. S. 155–157.
Am 25. Februar 1985 – drei Jahre vor dem von ihm prophezeiten Termin der Wiederkunft Jesu – verstarb Ahn Sahng-hong. Seine Anhänger deuteten seinen Tod als Himmelfahrt und begannen die Lehren ihres Meisters umzuinterpretieren. Infolge seines Todes kam es zu einer Aufspaltung der Bewegung in zwei Gruppen, die „New Covenant Passover Church of God“, sowie die hier beschriebene „World Mission Society Church of God“.Ji Il Tark: Christian New Religious Movements in Korea. University and Mission 12, 2007. S. 155–157. Nachdem das Jahr 1988 ohne das erwartete Ereignis verstrichen war, rückte die Person ihres Lehrers immer stärker in das Zentrum ihres Glaubens. Ahn Sahng-hong blieb für sie nicht mehr nur der Lehrer und Prophet, seine Anhänger sahen in ihm den verdeckt wiedergekommenen Jesus Christus, der noch einmal in sterblicher Gestalt die Erde besucht hatte, um ein neues Bundeszeichen, das „neubündische Passah“, aufzurichten. Damit wollte (und will) er seine Gemeinde auf das „Dritte Kommen“ in Herrlichkeit vorbereiten. Weitere Sonderlehren, die in großer Distanz zu den ursprünglichen Anschauungen Ahns stehen, kamen in der Folgezeit hinzu.
Innerhalb des ersten Jahrzehnts breitete sich die Gemeinde Gottes fast ausschließlich in Südkorea aus. 1997 begann man mit der Gründung von Auslandsgemeinden, was ein starkes Mitgliederwachstum zur Folge hatte. Verfügte die Gemeinschaft 1988 über rund 10.000 Getaufte, so waren es 1996 100.000 und 2008 bereits eine Million Mitglieder weltweit. Nach eigenen Angaben hatte die Gemeinschaft 2013 in Korea um die 400 und weltweit etwa 2200 Gemeinden mit insgesamt 1,7 Millionen Mitgliedern in über 150 Ländern der Erde. Die ersten europäischen Gemeinden wurden um die Jahrtausendwende gegründet. Deutsche Gemeinden der Religionsgemeinschaft sind unter anderem in Berlin, Hamburg, München und Essen zu finden.Sekten-Info NRW.de: Darstellung der Gemeinde Gottes des Weltmissionsvereins (WMS); eingesehen am 11. Dezember 2019
Als führende Persönlichkeiten der Gemeinde Gottes gelten heute Chang, Gil-Jah (auch Zang, Gil-Jah transkribiert) und Kim Joo-Cheol. Chang, Gil-Jah wird als „Himmlische Mutter“, „Mutter Jerusalem“ und seit neuerer Zeit auch als Muttergottheit verehrt. Kim Joo-Cheol ist der „General Pastor“ der Gemeinde Gottes und Verfasser von Lehrbüchern, in denen die Anschauungen der Post-Ahn-Sahng-Hong-Ära fixiert sind.Thomas Gandow: Weltmissionsgemeinschaft der Church of God (WMS) - Elohisten. In: Berliner Dialog Nr. 30/2010 (Themenheft: Versiegelt und entrückt). S. 11
Lehre Der ursprüngliche Ausgangspunkt der Gemeinde Gottes des Weltmissionsvereins ist der Adventismus. Die Heiligung des siebenten Tages, die Dämonisierung der Römisch-katholischen Kirche und ihrer Lehren, sowie in Teilen deren eschatologische Konstruktionen finden sich noch wenigstens im Ansatz im Lehrgebäude des Weltmissionsvereins. Christliche Symbole wie das Kreuz werden als idolatrisch abgelehnt.David W. Kim, Won-il Bang, Guwonpa, WMSCOG, and Shincheonji: Three Dynamic Grassroots Groups in Contemporary Korean Christian NRM History. Religions 10/3, 2019. E-ISSN 20771444. S. 11. Ahn Sahng-hong hatte in seinen Schriften Ellen G. White, die prägende Lehrerin der adventistischen Bewegung, durchaus positiv erwähnt, setzte sich aber auch deutlich von ihr ab. So war für ihn nicht die Sabbatheiligung, sondern das bereits erwähnte „neubündische Passahfest“ das entscheidende Kennzeichen und Siegel der Erwählten.
Die heutigen Lehren der Gemeinde Gottes, die sich von herkömmlichen christlichen Lehren deutlich differenzieren, sind in Teilen uneinheitlich. Das wird vor allem an der Stellung deutlich, die Ahn Sahng-hong einnimmt. So gilt der Begründer der Gemeinschaft einerseits als der wiedergekommene Jesus Christus, andererseits als der „Christus Ahnsahnghong“, dann wieder als die Inkarnation des „Heiligen Geistes Ahnsahnghong“ und schließlich als der neue Priesterkönig Melchisedek, „ohne Vater, ohne Mutter [...] ohne Anfang der Tage noch Ende des Lebens, also Inkarnation Gott-Vaters“.Zitiert nach Thomas Gandow: Weltmissionsgemeinschaft der Church of God (WMS) - Elohisten. In: Berliner Dialog Nr. 30/2010 (Themenheft: Versiegelt und entrückt). S. 11, Sp. III Zwischenzeitlich wurde auch ein Wiederkommen Ahn Sahng-hongs in den Jahren 1988, 2000 und 2012 erwartet.David W. Kim, Won-il Bang, Guwonpa, WMSCOG, and Shincheonji: Three Dynamic Grassroots Groups in Contemporary Korean Christian NRM History. Religions 10/3, 2019. E-ISSN 20771444. S. 11.
Gottes- und Menschenverständnis Unter Gott verstehen die Anhänger der Gemeinde Gottes ein göttliches Ehepaar: Gott-Vater und Gott-Mutter. Sie leiten das unter anderem von dem hebräischen Wort Elohim (von El = Gott) her, welches als Pluralis Majestatis „Gott“ und im einfachen Plural „Götter, Engelwesen“ bedeuten kann. Begründet wird dies mit dem menschlichen Abbild Gottes, welches sich auf der Erde nicht als Vater, Sohn und Heiliger Geist, sondern als Mann und Frau zeigt.Thomas Gandow: Weltmissionsgemeinschaft der Church of God (WMS) – Elohisten. In: Berliner Dialog Nr. 30/2010 (Themenheft: Versiegelt und entrückt). S. 11, Sp. III Vom Begriff Elohim leitet sich ebenfalls die Selbstbezeichnung der Anhänger des Weltmissionsvereins als „Elohisten“ ab.
Gott-Vater wird als höchstes Wesen verstanden, das sich in „drei Rollen“ offenbart hat. Nach Auffassung der Gemeinde Gottes bedeutet Trinität (Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit) nicht, dass Gott ein Gott in drei Personen (Vater, Sohn und Heiliger Geist) ist. Trinität heißt: Gott tritt auf dreifache Weise auf. Man verweist zur Erklärung auf das Hörspiel-Monodrama, bei dem ein Sprecher in jeweils veränderter Stimmlage verschiedene Rollen spielt: „[...] Gott hat zeitweise als Jahwe, mitunter als Christus und zuletzt als Ahnsahnghong seinen sechstausendjährigen Heilsplan ausgeführt.“ Dieser Heilsplan ist entsprechend in drei Epochen unterteilt: Die Jahwe-Gottvater-Periode, die Jesus-Sohn-Periode und die Heilig-Geist-Periode, die mit der Inkarnation des Christus in Ahn Sangh-hong begann.Thomas Gandow: Weltmissionsgemeinschaft der Church of God (WMS) - Elohisten. In: Berliner Dialog Nr. 30/2010 (Themenheft: Versiegelt und entrückt). S. 12, Sp. I
Der eine Gott in drei Rollen ist mit Gott-Mutter liiert. Inkarnation von Gott-Mutter ist die bereits erwähnte Chang, Gil-Jah. Sie soll bereits von Ahn auf ihre zukünftige Rolle als „Mutter Jerusalem“ vorbereitet worden sein. Ein Foto, das Ahn und sie in der koreanischen Hochzeitstracht zeigt, wird in der Literatur des Weltmissionsvereins gezeigt, obwohl Chang, Gil-Jah wohl nie mit Ahn regulär verheiratet war. Beide sollen jeweils andere Partner und eigene Familien besessen haben.Thomas Gandow: Weltmissionsgemeinschaft der Church of God (WMS) - Elohisten. In: Berliner Dialog Nr. 30/2010 (Themenheft: Versiegelt und entrückt). S. 11, Sp. I+II
Der Menschheit besteht in der Lehre des WMSCOG aus gefallenen Engeln, welche ehemals im Himmel wohnten. Jedoch sündigten sie und wurden deshalb auf die Erde gesandt. Zentrales Glaubensziel ist die Wiederherstellung des Ursprungszustands als Engel und eine Rückkehr in den Himmel, wofür die von der Kirche eingesetzten Riten notwendig sind.David W. Kim, Won-il Bang, Guwonpa, WMSCOG, and Shincheonji: Three Dynamic Grassroots Groups in Contemporary Korean Christian NRM History. Religions 10/3, 2019. E-ISSN 20771444. S. 11.
Taufe, Abendmahl, Gebet Nur die von Mitgliedern der Gemeinde Gottes vollzogene Taufe wird als gültig anerkannt. Sie wird von der Glaubensgemeinschaft als unbedingt heilsnotwendig verstanden und gehört zum Eingangsritual. Bei Zustimmung des Interessenten wird sie sofort vollzogen.Matthias Pöhlmann, Christine Jahn im Auftrag der Kirchenleitung der VELKD: Handbuch Weltanschauungen, religiöse Gemeinschaften, Freikirchen. Gütersloher Verlagshaus / VELKD: Gütersloh 2015. S. 437 Bei der Taufe findet zwar die trinitarische Taufformel Anwendung, mit den Bezeichnungen „Vater, Sohn und Heiliger Geist“ werden aber die Namen Jehovah, Jesus und Ahn Sahng-hong assoziiert.Thomas Gandow: Weltmissionsgemeinschaft der Church of God (WMS) - Elohisten. In: Berliner Dialog Nr. 30/2010 (Themenheft: Versiegelt und entrückt). S. 13, Sp I