Lukas von Graben zum Stein (bis 1500 Lukas resp. Lucas von Graben) († 1550 auf Schloss Stein), Herr von Stein, Schwarzenegg und Weidenburg, Pfandherr von Heinfels, war ein kärntnerisch-görzischer Edelmann und hoher Militär der Görzer Grafen und der Habsburger. Im Erbfolgestreit um die fürstliche Grafschaft Görz am Ende des 15. Jahrhunderts fungierte Von Graben während der Abwesenheit seines Vaters, des Reichsverwesers Virgil von Graben, in der Stadt Görz (Gorizia) als dessen Stellvertreter und Verfechter der Rechte der Habsburger gegenüber den Bestrebungen der Republik Venedig.La signora di Schwarzenegg un feudo goriziano sul Carso alle porte di Trieste, XIV-XIX secolo, S. 38, von Ugo Cova (2009) 1518 war einer von 70 Deputierten zum ersten Österreichischen Generallandtag von Kaiser Maximilian I. in Innsbruck.

Leben Familie 160px|mini|links|Wappen des Lukas von Graben zum Stein Lukas von Graben entstammte der Sommeregger Linie der Herren von Graben, deren Mitglieder zur Zeit der letzten Grafen von Görz wichtige Ämter innehatten, und durch deren Wirken auch die Renaissancekultur in Osttirol Einzug hielt.Meinrad Pizzinini: Osttirol. Der Bezirk Lienz: seine Kunstwerke, hist. Lebens- u. Siedlungsformen (1974) S. 78 Die Familie der Graben galt im 15. und beginnenden 16. Jahrhundert als die wichtigste Sippe in Lienz und am dortigen Grafenhof der Görzer; trotz ihrer Zugehörigkeit zum Ritterstand umgab sie durch das Naheverhältnis zu Graf Leonhard von Görz und ihrem gehobenen Lebensstil ein „feudales Fluidum“.Stadtführer Lienz, S. 16 Lukas wurde als Sohn des bedeutenden Edelmannes Virgil von Graben, Reichsverweser der Grafschaft Görz und Rat von König (Kaiser) Maximilian I. auf dem Familiensitz Burg Sommeregg geboren. Dieser war mit Dorothea Arnold, geborene Herbst von Herbstenburg, nicht rechtmäßig verheiratet, sodass deren gemeinsame Kinder nicht erbberechtigt waren.Carinthia I, Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten" (geleitet von Wilhelm Neumann), 163. Jahrgang, 1973, S. 128 Einer von Lukas Cousins war Ladislaus Prager, Erbmarschall von Kärnten und Kämmerer von Kaiser Friedrich III.

Lukas von Graben war laut Bucelin mit einer Tochter des Georg Hellssen verehelicht,Germania topo-chrono-stemmato-graphica sacra et prophan, S. 13; von Gabriel Bucelin. Ulm 1662 mit der er drei Töchter und zwei Söhne hatte, wobei der ältere die Herrschaft Stein erbte:Google Books: Kärntner Burgenkunde: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. S. 142 Margaretha von Graben zum Stein (* vor 1501), verehelicht mit Leopold Göstels von Mülbach (1542) N von Graben zum Stein, heiratete N von Mauren Catharina von Graben zum Stein, ehelichte 1540 Christoph Mühlsteuers in Flaschberg Hans von Graben zum Stein d. Ä. (* nach 1501; † 1587), Herr von Stein Georg von Graben zum Stein (genannt 1570), keine Nachkommen

Lukas von Graben könnte 1500 als Bauherr der Benefiziatkirche St. Michael in Lienz aufgetreten sein, was durch diverse Rechnungsbelege, auch an Bartlmä Firtaler, belegt ist. Die Kirche diente in weiterer folge als Begräbnisstätte der Herren von Graben in Lienz und auf Sommeregg.

Erbe und Feudalgüter Lukas von Graben konnte aufgrund der unrechtmäßigen Ehe seines Vaters dessen Erbe nicht antreten. Er wurde von Maximilian I. im Jahr 1500 mit Herrschaft und dem Schloss Stein im Drautal belehnt, mitsamt den mittels kaiserlicher Huld zugesprochenen Namenszusatz Zum Stein. Stein ist bis in das Jahr 1668 in Familienbesitz geblieben. Von seinem Vater erhielt er mit dessen Tod im Jahr 1507 die wohl um 1500 an diesen verliehene Herrschaft und Schloss Schwarzenegg (Schwarzenegk) am Karst, Črni Vrh (Divača in Slowenien). Was aus den Einnahmen des Schlosses über die gewöhnliche Burghut hinausgeht, solle er in die Instandhaltung und den Ausbau von Burg Stein investieren.Regesta Imperii: Band 14, Seite 729 (2004) Ebenfalls 1507 erbte er die damals von Graf Leonhard von Görz an Virgil von Graben verpfändete Burg und Herrschaft Heinfels. Aber schon am 24. Februar 1508 wurde er von Maximilian I. aufgefordert, Schloss, Gericht und Amt Heinfels mit allen Zugehörungen dem Brixner Fürstbischof Melchior von Meckau abzutreten; gleichzeitig wurden alle Untertanen zum Gehorsam gegenüber dem Fürstbischof aufgefordert. Von Graben war auch Lehensempfänger für die landesfürstliche Herrschaft Weidenburg.

Die bedeutende Herrschaft Sommeregg (Burggrafen und Herren von Sommeregg) ging der Familie Von Graben daher verloren. Das Erbe erging an Lukas von Grabens Cousine Rosina von Graben von Rain und an die Freiherren von Rain zu Sommeregg über.Carinthia I. Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten (geleitet von Wilhelm Neumann), 163. Jahrgang, 1973, S. 129–130 Nach des Vaters Tod verzichteten Lukas und seine Brüder gegen eine hohe Barzahlung seitens des Salzburger Erzbischof Leonhard von Keutschach auf die prächtige Feste Lengberg, der diese nachher an diverse Pfleger vergab.Josef Astner: Die Pfleger von Lengberg, S. 31

Karriere Ringen um das görzische Erbe Als sich zum Ende des 15. Jahrhunderts der kinderlose Tod des letzten Grafen von Görz, Leonhard, abzeichnete, kam es zwischen beiden Nachbarstaaten, der österreichischen Habsburgermonarchie und der Republik Venedig, zum Kampf um das Erbe. Erstmals, im Jahr 1487 stieg die Signorie von Venedig, der Zehnerrat mit Lukas Vater Virgil von Graben in Geheimverhandlungen ein. Inhalt dieser Papiere war, falls Graf Leonhard tot sei, dass Von Graben den Venezianern die Grafschaft Görz, die Stadt Görz (Gorizia) samt dem Castello di Gorizia (Burg von Görz) übergeben werde und hierfür alle Görzer Schlösser und Herrschaften im Friaul von Venedig als Lehen erhalten solle.Hermann Wiesflecker: Die Grafschaft Görz und die Herrschaft Lienz, ihre Entwicklung und ihr Erbfall an Österreich (1500). In: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Band 78, Innsbruck 1998, S. 138 ().Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Band 56 Wohl noch im Jahre 1498Maximilian von Österreich, von Walter Brendel (2022) konnte Von Graben seitens König Maximilian I. durch große Versprechungen dafür gewonnen werden sich mittels eines Erbvertrages für einen Eintritt des Landes in das Habsburgerreich einzusetzen.Hermann Wiesflecker: Österreich im Zeitalter Maximilians I. Die Vereinigung der Länder zum frühmodernen Staat. Der Aufstieg zur Weltmacht, Verlag für Geschichte und Politik, 1999. Lukas von Graben wurde 1498 von seinem Vater Virgil mit der Befehlsgewalt über die Görzer Burghut, der Verteidigung der Haupt- und Residenzstadt Görz und deren Umland, ausgestattet.Dizionario biografico dei friulani: "Virgil von Graben", von Sergio Tavano.Hermann Wiesflecker: Die Grafschaft Görz und die Herrschaft Lienz, ihre Entwicklung und ihr Erbfall an Österreich (1500). In: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Band 78, Innsbruck 1998, S. 142 (). Er fungierte nun als stellvertretender Verwalter der Grafschaft.Istoria della Contea di Gorizia: Studi e documenti su Carlo Morelli e l'Istoria della Contea di Gorizia, Seite 256. Von Carlo Morelli di Schönfeld, Silvano Cavazza, Paolo Iancis, Donatella Porcedda · 1796 Währenddessen ist auch Venedig nicht untätig geblieben. Um Virgil von Graben zu überzeugen, hatte Tedesco freie Hand erhalten, ihm mehr Geld zu bieten sowie auch andere Lehen im Gebiet der Republik Venedig zu versprechen. Falls Virgil tatsächlich ernsthaft krank wäre, oder auch sterben würde, dann sollte Tedesco unverzüglich mit Lukas von Graben verhandeln und ihm dasselbe Angebot unterbreiten.Regesta Imperii: - Band 14 - Seite 845, Österreichische Akademie der Wissenschaften. Kommission für die Neubearbeitung der Regesta Imperii (1998)

Kurz vor Graf Leonhards Tod beschloss dieser auf den Ratschlag von Virgil von Graben hin einen Erbvertrag mit Maximilian abzuschließen. Görz würde somit als erledigtes Reichslehen an das Reich zurückfallen. Sogleich nach dem Tod von Graf Leonhard am 12. April 1500 überließ Von Graben die Führung über die Stadt Görz seinem Sohn Lukas. Er selbst reiste nach Lienz, um die Sachlage des Erbfall zugunsten Habsburgs und der venezianischen Annäherung publik zu machen.Da Worms alla fine dello Stato Gradisca nö. Conflitti, dinamiche e relazioni di una realtà di confine, Seite 157. Von Vanni Feresin und Luca Olivo (2022 by Istituto per gli Incontri Culturali Mitteleuropei - ICM) Gleichwohl hielt sich Venedig erneut an Virgil und entsandte den venezianischen Geschäftsträger Rigo Tedesco in die Stadt Görz um mit Virgil von Graben in Kontakt zu treten, doch befanden sich die Burg und auch die Stadt bereits unter der Verwaltung von Lukas von Graben. Er war ein treuer Parteigänger König Maximilians und absolut unbestechlich. Zuerst schwenkte der Zehnerrat der Republik Venedig noch, um Lukas zu deren Oberkommandierenden im Friaul zu ernennen, da aber jedoch Virgil von Graben den Vertrag mit Venedig über die Nachfolge in der Grafschaft Görz beendigt hatte und offensichtlich mit Maximilian I. verhandelte, kam die Ernennung von Lukas nicht zustande.Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Band 56, Seite 382 (1948) Virgil von Graben befand sich nun in Lienz, wohin ihm Tedesco nachfolgte. Er lehnte die Zusammenarbeit mit Venedig, sowie die immens hohe Summe von 30.000 Dukaten ab,Osttiroler Heimatblätter (Nummer 9–10/2019, 87. Jahrgang) "500 Jahre Maximilian I. (1519-2019). Beiträge des Bezirks Lienz zum Tiroler Gedenkjahr", darin: "Meinrad Pizzinini: Maximilian I. und die Grafschaft Görz. Lienz und das Pustertal kommen zu Tirol", Seite 8 brach seine, wohl nur vagen Zugeständnisse, und erklärte Tedesco, dass er als echter Edelmann und nicht als Verräter sterben wolle. Graf Leonhard hatte ihn einige Wochen vorher offenbart, dass er mit König Maximilian einen Vertrag abgeschlossen hatte, was Virgil selbst noch unbekannt gewesen war. Dabei hatte er dem Grafen in die Hand schwören müssen, dass er Görz an Maximilian übergeben werde. Venedig ist aber weiter aktiv geblieben und, da Virgil wohl an die Heiligkeit seines gegebenen Wortes gebunden war, sandte der Statthalter von Friaul Tedesco erneut zu Lukas von Graben nach Görz um ihn mit moralischen Vorhaltungen umzustimmen, auch dass es nicht menschlichem sondern göttlichem Recht entspreche, dass die Grafschaft Görz an Venedig gehe. Bei Lukas konnten die Venezianer nichts erreichen. Mit genauen Instruktionen des Vaters ausgestattet griff Lukas als Befehlshaber der görzischen Truppen in das Kriegsgeschehen mit der Republik Venedig ein. Da aber auch seine Versuche scheiterten, wurde das Friaul und die Stadt Görz den venezianischen Truppen übergeben.Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Bände 78-79 Kurze Zeit später wurde Görz mit kaiserlichen Truppen für Maximilian von Österreich zurückgewonnen.

Nach dem Görzer Erbfall zugunsten Habsburgs, sahen die Venezianer ihren Misserfolg einzig in der Handlungsweise der Herren Virgil und Lukas von Graben. Dies stellt sicherlich eine übertriebene Wahrnehmung dar, eventuell hatte Von Graben familienpolitische Ziele im Sinn oder er wollte im Wissen von Graf Leonhard die venezianischen Pläne eruieren. Die beiden Herren von Graben wurden nach dem erfolgreichen Übertritt der görzischen Grafschaft in das Habsburgerreich, gemessen an deren Verdienst, bescheiden belohnt. Virgil Graben erfüllte nur noch für kurze Zeit das Amt eines Hauptmannes von Görz, die Burg Heinfels wurde ihm zur vorübergehen Nutzung überlassen. Lukas hatte die relativ kleine Herrschaft Stein im Drautal zu Lehen erhalten.Hermann Wiesflecker: Die Grafschaft Görz und die Herrschaft Lienz, ihre Entwicklung und ihr Erbfall an Österreich (1500). In: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Band 78, Innsbruck 1998, S. 144 ().

In kaiserlichen Diensten