mini|350px|Karte der Senatoren der Vereinigten Staaten vor den Wahlen 2010:
Die Senatswahlen in den Vereinigten Staaten 2010 fanden am Dienstag, den 2. November 2010, statt. Zur Wahl standen 37 der 100 Sitze im Senat. Die Demokraten behaupteten mit 51 von 100 Sitzen knapp die Mehrheit. Die Republikaner gewannen sechs Mandate hinzu.
Eine Sonderwahl für einen 38. Sitz fand bereits am 19. Januar 2010 in Massachusetts statt: Der Republikaner Scott Brown besiegte die Demokratin Martha Coakley mit 52 % zu 47 % und trat damit die Nachfolge des verstorbenen Senators Edward Kennedy (D) an.
34 der zu vergebenden Sitze hatten reguläre, sechsjährige Amtsperioden (3. Januar 2011 bis Januar 2017). Die 3 anderen waren Sonderwahlen und hatten kürzere Amtsperioden: Delaware (bis Januar 2015), New York (bis Januar 2013) und West Virginia (bis Januar 2013).
Von den zur Wahl stehenden Sitzen wurden 19 von Demokraten und 18 von Republikanern gehalten. Jeweils sechs Amtsinhaber in beiden Parteien hatten angekündigt, nicht erneut zu kandidieren. Ein demokratischer und zwei republikanische Amtsinhaber konnten sich bereits in den parteiinternen Vorwahlen nicht behaupten.
Nach den Senatswahlen 2008, dem Wechsel von Senator Arlen Specter von den Republikanern zu den Demokraten, und der Sonderwahl in Massachusetts setzte sich der Senat vor der Wahl aus 57 Demokraten, 41 Republikanern und 2 Unabhängigen (die mit den Demokraten stimmen) zusammen.
Zu Veränderungen nach der Wahl siehe auch Liste der Mitglieder des Senats im 112. Kongress der Vereinigten Staaten.
Besonderheiten der Wahl
Demokratische Senatoren, die nicht erneut kandidierten (6 Sitze) Chris Dodd – (Connecticut) Ted Kaufman – (Delaware) Roland Burris – (Illinois) Evan Bayh – (Indiana) Byron Dorgan – (North Dakota) Carte Goodwin – (West Virginia)
Republikanische Senatoren, die nicht erneut kandidierten (6 Sitze) George LeMieux – (Florida) Sam Brownback – (Kansas) Jim Bunning – (Kentucky) Kit Bond – (Missouri) Judd Gregg – (New Hampshire) George Voinovich – (Ohio)
Demokratische Senatoren, die in den Vorwahlen abgewählt wurden (1 Sitz)
Arlen Specter – (Pennsylvania)
Republikanische Senatoren, die in den Vorwahlen abgewählt wurden (2 Sitze)
Lisa Murkowski – (Alaska) – Murkowski bewarb sich daraufhin inoffiziell als sogenannte „Write-in“-Kandidatin (siehe unten) Bob Bennett – (Utah)
Demokratische Amtsinhaber (12 Sitze) Blanche Lincoln – (Arkansas) Barbara Boxer – (Kalifornien) Michael Bennet – (Colorado) Daniel Inouye – (Hawaii) Barbara Mikulski – (Maryland) Harry Reid – (Nevada) Kirsten Gillibrand – (New York) Charles Schumer – (New York) Ron Wyden – (Oregon) Patrick Leahy – (Vermont) Patty Murray – (Washington) Russ Feingold – (Wisconsin)
Republikanische Amtsinhaber (10 Sitze) Richard Shelby – (Alabama) John McCain – (Arizona) Johnny Isakson – (Georgia) Mike Crapo – (Idaho) Chuck Grassley – (Iowa) David Vitter – (Louisiana) Richard Burr – (North Carolina) Tom Coburn – (Oklahoma) Jim DeMint – (South Carolina) John Thune – (South Dakota)
Die Staaten im Überblick
Alabama mini|100px|links|Richard Shelby mini|100px|William G. Barnes Der republikanische Amtsinhaber Richard Shelby trat gegen den Anwalt und Demokraten William G. Barnes an, der in den Vorwahlen die Lehrerin Simone De Moore mit 60,8 Prozent der Stimmen besiegte. Shelby gewann mit 84,4 Prozent gegen den von der Tea-Party-Bewegung unterstützten Clint Moser. Alabama gilt als sehr konservativer Bundesstaat; Shelby lag in Umfragen etwa 30 Prozentpunkte vor Barnes. Shelby konnte die Wahl mit 65,3 % der Stimmen gewinnen, Barnes kam auf 34,7 %.
Alaska mini|110px|links|Lisa Murkowski mini|110px|Joe Miller mini|114px|Scott McAdams Die amtierende republikanische Senatorin Lisa Murkowski wollte erneut kandidieren. Es wurde damit spekuliert, dass die ehemalige Gouverneurin von Alaska und Vizepräsidentschaftskandidatin 2008 Sarah Palin Murkowski innerparteilich herausfordern würde.
Palin gab letztendlich bekannt, nicht gegen die Senatorin anzutreten, allerdings unterstützte sie Murkowskis Gegner Joe Miller in den republikanischen Vorwahlen. Murkowski galt zunächst als Favoritin, sowohl in den Vorwahlen als auch in der eigentlichen Wahl im November. Die Vorwahlen am 24. August konnte aber Joe Miller relativ knapp gewinnen.
Das demokratische Feld umfasste mit Scott McAdams, Frank Vondersaar und Jacob Seth Kern drei eher unbekannte Kandidaten. McAdams, Bürgermeister von Sitka, konnte die Vorwahlen gewinnen. Es wurde zeitweise spekuliert, dass die Demokraten ihn durch den bekannteren ehemaligen Gouverneur von Alaska, Tony Knowles, ersetzen könnten, um bessere Chancen gegen Miller zu haben. Die Partei sicherte jedoch letztlich McAdams ihre Unterstützung zu.
Derweil hatte Lisa Murkowski signalisiert, als sogenannte Write-In-Kandidatin um den Verbleib im Senat zu kämpfen. Nach dieser Methode wäre es möglich, dass sie zwar nicht auf dem Wahlzettel stehen würde, dort aber von den Wählern eingetragen werden könnte. Umfragen sahen Miller in etwa gleichauf mit Murkowski, McAdams lag etwa 10 % hinter den beiden Konservativen. Aufgrund der Tatsache, dass Murkowskis Name nicht auf dem Stimmzettel stand, bezweifelten Experten allerdings die Seriosität dieser Umfragen und hielten demnach ein stark abweichendes Ergebnis für möglich.
Die Wahl gewann Lisa Murkowski als Write-In-Kandidatin mit 39,5 Prozent der Stimmen. Joe Miller erreichte 35,5 Prozent, Scott McAdams 23,5 Prozent.Ergebnis für Miller und McAdams: ; Ergebnis für Murkowski berechnet nach State of Alaska 2010: General Election Official Results. United States Senator Write-In – Ergebnis für "Lisa Murkowski" und "Murkowski CC"
Arizona mini|100px|links|John McCain John McCain, der republikanische Amtsinhaber und Präsidentschaftskandidat 2008, trat erneut zur Wahl an. Er musste sich in den republikanischen Vorwahlen am 24. August einer Herausforderung des ehemaligen Kongressabgeordneten J. D. Hayworth stellen, setzte sich letztlich aber ungefährdet durch. Bei den Demokraten sind vier Kandidaten zur Vorwahl angetreten: Der Vize-Bürgermeister von Tucson, Rodney Glassman, die ehemalige Abgeordnete im Parlament von Arizona, Cathy Eden, der Bürgerrechtler Randy Parraz sowie der Journalist John Dougherty. Glassman konnte die Primary deutlich für sich entscheiden. Für die Libertarian Party trat deren Gründer David Nolan an. Umfragen zufolge lag McCain mit etwa 20 % Vorsprung klar vor dem Demokraten.
McCain konnte die Wahl mit 59,3 % der Stimmen gewinnen, Glassman kam auf 34,6 %. Auf Nolan entfielen 4,7 %, der Grüne Jerry Joslyn kam auf 1,4 %.
Arkansas mini|100px|links|Blanche Lincoln mini|100px|John Boozman Die demokratische Amtsinhaberin Blanche Lincoln kandidierte für eine weitere Amtszeit. In der Primary konnte sie sich mit 52 % knapp gegen den Vertreter der Parteilinken, Vizegouverneur Bill Halter, durchsetzen. Die republikanischen Vorwahlen gewann der Kongressabgeordnete John Boozman deutlich. Boozman galt für die Hauptwahl im November als Favorit. Er lag in Umfragen etwa 25 Prozentpunkte vor Lincoln. Als Hauptgrund dafür galt Lincolns Zustimmung im Senat zu Präsident Barack Obamas Gesundheitsreform Obama Care, die in Arkansas laut Umfragen deutlich abgelehnt wurde. Zudem entwickelte sich Arkansas in den letzten zwei Jahrzehnten von einem verlässlichen demokratischen Bundesstaat in allen Ebenen zu einem Swing State. Während Bill Clinton bei den Präsidentschaftswahlen 1992 und 1996 Arkansas – seinen Heimatstaat – noch deutlich gewinnen konnte, wurde die Zustimmung zu den demokratischen Kandidaten immer geringer. Obama erhielt 2008 38,86 % der Stimmen.
Amtsinhaberin Lincoln erhielt 36,9 % der Stimmen, Boozman 58 %. Der Unabhängige Trevor Drown erhielt 3,3 % und John Gray von den Grünen 1,9 %.
Colorado mini|100px|links|Michael Bennet mini|120px|Ken Buck Michael Bennet, der amtierende demokratische Senator, wurde im Januar 2009 von Gouverneur Bill Ritter zum Nachfolger von Ken Salazar ernannt, der von Präsident Obama zum neuen Innenminister berufen worden war. In den demokratischen Vorwahlen sah sich Bennet mit einer starken Herausforderung durch Andrew Romanoff, den ehemaligen Speaker des Repräsentantenhauses von Colorado, konfrontiert. Während Bennet von Präsident Obama unterstützt wurde, konnte Romanoff auf die Unterstützung (endorsement) von Bill Clinton zählen. Letztlich entschied Bennet die Vorwahl mit 54,5 Prozent der Stimmen überraschend deutlich für sich. Bei den Republikanern verlief die Kandidatenausscheidung knapper, wobei sich der Bezirksstaatsanwalt des Weld County, Ken Buck, mit 51,6 Prozent der Stimmen gegen die ehemalige Vizegouverneurin Jane E. Norton durchsetzte. Colorado galt als Swing State, was auch die letzten Umfragen für die Hauptwahl im November zeigten: Die Kandidaten der Demokraten und Republikaner lagen Kopf-an-Kopf.
Bennet konnte die Wahl knapp mit 47,7 % der Stimmen für sich entscheiden, Buck kam auf 46,8 %.
Connecticut mini|100px|links|Richard Blumenthal mini|100px|Linda McMahon Senator Chris Dodd von den Demokraten gab im Januar 2010 seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur bekannt. Um seine Nachfolge bewarb sich der demokratische Attorney General von Connecticut, Richard Blumenthal. Das Bewerberfeld der Republikaner umfasste die Geschäftsfrau Linda McMahon, den ehemaligen Kongressabgeordneten Rob Simmons und den Finanzanalysten Peter Schiff. In Umfragen zur republikanischen Nominierung lag McMahon deutlich vor Simmons und Schiff und konnte diese am 10. August auch für sich entscheiden. Gegen den Demokraten Blumenthal hatte sie jedoch schwer zu kämpfen. Blumenthal lag in Umfragen etwa 10 % vor McMahon. Connecticut galt als stark demokratischer Bundesstaat, Barack Obama kam 2008 auf ca. 61 % der Stimmen.
Die Wahl entschied Blumenthal mit 55,1 Prozent der Stimmen für sich, McMahon erreichte 43,3 Prozent.
Delaware (Sonderwahl) mini|100px|links|Christine O’Donnell 120px|mini|Chris Coons Der demokratische Senator Ted Kaufman wurde im Januar 2010 von der damaligen Gouverneurin Ruth Ann Minner zum Nachfolger des zum Vizepräsidenten gewählten Joe Biden ernannt. Biden wurde bei der Senatswahl 2008 bestätigt, musste jedoch – um Vizepräsident zu werden – von seinem Amt zurücktreten. Deshalb wurde eine Sonderwahl nötig, um Bidens Nachfolger bis 2015 zu bestimmen. Kaufman kündigte an, dort nicht zu kandidieren. Für die Demokraten bewab sich der Leiter des New Castle County, Chris Coons. Der Kongressabgeordnete und ehemalige Gouverneur Michael Castle war für die republikanische Primary lange klarer Favorit gegenüber der politischen Kommentatorin Christine O’Donnell, die bereits Senatskandidatin im Jahr 2008 war. Letztlich gewann diese die Vorwahl dann aber völlig überraschend mit 53,1 Prozent der Stimmen, woraufhin sich ein Umschwung in den Umfragen andeutet. Waren Castle gegenüber Coons die klar besseren Chancen eingeräumt worden, galt dies nicht für die deutlich konservativer eingestellte O’Donnell, die auch finanziell von der Tea-Party-Bewegung unterstützt wurde. Die Wahl wurde nun als völlig offen eingestuft.
Die Wahl gewann Chris Coons deutlich mit 56,6 Prozent der Stimmen, O’Donnel erreichte 40 Prozent.
Florida mini|100px|links|Marco Rubio mini|100px|Kendrick Meek mini|100px|links|Charlie Crist Der amtierende republikanische Senator George LeMieux wurde im August 2009 von Gouverneur Charlie Crist zum Nachfolger von Mel Martínez ernannt, der zuvor zurückgetreten war.
Nachdem LeMieux angekündigt hatte, nicht erneut zu kandidieren, gab Gouverneur Crist bekannt, selbst für den Senat zu kandidieren.
Crist verlor in parteiinternen Kreisen aber rasch an Zustimmung, vor allem wegen seiner Unterstützung zu Barack Obamas American Recovery and Reinvestment Act. Daraufhin trat Crist aus der Republikanischen Partei aus und ging als Unabhängiger ins Rennen.