mini|Emblem des USK (Tätigkeitsabzeichen an der Uniform) mini|Ärmelabzeichen Das Unterstützungskommando (USK) zählt zu den spezialisierten Kräften der bayerischen Polizei mit Sonderaufgaben und unterhält mehrere Standorte. 1987 vor allem zur Bekämpfung von schweren Ausschreitungen aufgestellt, wird das USK heute als geschlossene Einheit in vielen verschiedenen Bereichen eingesetzt.

Geschichte Offizieller Anlass der Gründung waren die tödlichen Vorfälle an der Startbahn West am 2. November 1987. Ein Demonstrant hatte während einer gewalttätigen Demonstration zwei Polizeibeamte erschossen. Bereits vier Tage später kam es zur Aufstellung der Unterstützungskommandos. Diese Entscheidung wurde vor allem durch die Auseinandersetzung von Atomkraftgegnern mit der bayerischen Polizei in Wackersdorf mitgeprägt und auf Initiative des damaligen Innenstaatssekretärs Peter Gauweiler gefällt. Die Bayerische Staatsregierung holte Mitglieder der Berliner Sondereinheit EbLT (Einsatzbereitschaft für besondere Lagen und einsatzbezogene Ausbildung) zu Hilfe. Nach deren Muster wurde das USK mit verändertem Konzept gegründet und bald darauf auch in Wackersdorf eingesetzt. Am 3. Februar 1988 präsentierte Gauweiler das USK das erste Mal der Presse. Hierfür ließ er Journalisten in polizeilichen VW-Bussen zum Flugplatz der Grenzschutzfliegerstaffel in Oberschleißheim anfahren, die bereits auf dem Weg dorthin durch – von Mitgliedern des USK dargestellte – „Demonstranten“ angegriffen wurden. Die falschen Demonstranten wurden anschließend von echten USK-Polizisten überwältigt.

Ähnlich dem USK sind die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten (BFE) sowie das Überfallkommando in Frankfurt am Main.

Auftrag mini|USK am Münchner Marienplatz mini|Wappen (Greif) und taktisches Zeichen auf einem Einsatzfahrzeug Die Aufgabenbereiche des USK sind breit gefächert, hauptsächlich handelt es sich um über den normalen Polizeidienst hinausgehende Sonderlagen.

Die Einsatzgebiete sind u. a.: Demonstrationen, bei denen (schwere) Ausschreitungen zu erwarten sind (sportliche) Großveranstaltungen, wie z. B. Fußballspiele, bei denen Übergriffe zu erwarten sind Bekämpfung der organisierten Kriminalität, der Schwerkriminalität und der Drogenkriminalität (Razzien, Observationen, Zugriffe etc.) Fahndung und Festnahme von gefährlichen, evtl. bewaffneten Straftätern (auch nach Haftbefehl) Stürmen von Objekten (Gebäuden, Wohnungen etc.) zum Zweck der Festnahme von gefährlichen Straftätern Durchführung von Gefangenentransporten, wenn mit Gefangenenbefreiung zu rechnen ist, oder sehr gefährliche Gefangene transportiert werden (früher vom SEK durchgeführt) Notzugriff bei Geiselnahmen oder Amoklagen, bis zum Eintreffen des SEK

Das USK wird bei polizeilichen Lagen mit erhöhtem Gefährdungspotenzial auch außerhalb Bayerns eingesetzt.

Außerhalb der Sondereinsätze oder der Aus- und Fortbildung unterstützt das USK auch die örtlichen Dienststellen im täglichen Polizeidienst. Dabei sind die Beamten zwar teilweise in „normaler“ Uniform unterwegs, jedoch meist durch einen Aufnäher mit dem USK-Abzeichen bzw. -Aufkleber auf den Fahrzeugen als USK-Beamte zu erkennen. Das USK soll ein entschlossenes und kompromissloses Auftreten auszeichnen.

Organisation Das USK ist zu einem Teil an die bayerische Bereitschaftspolizei angegliedert: Unterstützungskommando innerhalb der III. Bereitschaftspolizeiabteilung Würzburg Unterstützungskommando innerhalb der 15. Einsatzhundertschaft der IV. Bereitschaftspolizeiabteilung Nürnberg Unterstützungskommando innerhalb der 22. Einsatzhundertschaft der VI. Bereitschaftspolizeiabteilung Dachau Der andere Teil des USK untersteht als Teil der Landespolizei den Polizeipräsidien München und Mittelfranken: Unterstützungskommando innerhalb der 3. Einsatzhundertschaft bei der Polizeiinspektion Ergänzungsdienste des Polizeipräsidiums München Unterstützungskommando innerhalb der Einsatzhundertschaft des Polizeipräsidiums Mittelfranken Das USK ist in Hundertschaften aufgebaut. Eine Hundertschaft untersteht dem Hundertschaftsführer und seinem Stellvertreter. Eine Einsatzhundertschaft besteht aus mehreren Einsatzzügen, die wiederum untergliedert sind in Beweissicherungs- und Zugriffsgruppen. Jeder Einsatzzug hat einen Zugführer. Daneben gibt es noch einen etwas kleineren Hundertschaftstrupp, der für Versorgung und Ausrüstung zuständig ist. Die Einsatzwagen des USK tragen alle Bamberger Autokennzeichen, weil sich in Bamberg das Präsidium der Bereitschaftspolizei befindet.

Rekrutierung und Ausbildung Um sich beim USK bewerben zu können, muss man zuerst, wie bei allen anderen Einheiten auch, die normale Polizeiausbildung abschließen. Jedoch hat das USK neben den normalen Anforderungen für den Polizeidienst eigene, sehr hohe Aufnahmekriterien. So müssen die Beamten, die sich zum USK bewerben, körperlich und psychisch extrem leistungsfähig sein. Das Auswahlverfahren, bei dem sich regelmäßig um ein Vielfaches mehr Beamte bewerben, als Planstellen vorhanden sind, gliedert sich in zwei Teilbereiche, den Sporttest und ein psychologisches Gespräch. Der Sporttest muss von allen USK-Beamten einmal im Jahr erfolgreich absolviert werden, um in der Einheit bleiben zu dürfen. Sie müssen als Mindestleistung unter anderem 3000 Meter in weniger als 13:30 Minuten laufen, acht Klimmzüge machen und beim Bankdrücken achtmal 70 Prozent ihres Körpergewichts stemmen können.

Nach dem Auswahlverfahren wird eine Reihung der Bewerber erstellt, und die besten werden ins USK aufgenommen. Frauen sind beim USK eher die Ausnahme. Nach der Aufnahme ins USK durchlaufen die Neuzugänge zuerst einen sechsmonatigen Grundlehrgang. Die Ausbildungsinhalte, die auch im täglichen Dienst geübt werden, sind u. a. Festnahmetaktik und -technik, Waffen- und Schießausbildung, Rechtskunde, Psychologie, Täterverhalten, taktische Übungen, Einsatztaktik und schwerpunktmäßig Kampf- und Ausdauersport. Vor allem Ju-Jutsu, aber auch diverse andere Kampfkünste werden wie bei anderen Spezialeinheiten geübt.

Beamte des USK haben ein weit größeres Schießpensum als reguläre Polizisten. Statt der üblicherweise vorgeschriebenen 50 Schuss pro Jahr sind es beim USK 2.500. Die Ausbilder des USK versuchen, die Schießausbildung so realitätsnah wie möglich zu gestalten. Durch körperlichen und psychischen Stress sollen die Beamten auf den Einsatz des letzten Mittels vorbereitet werden. Neben den üblichen Zielscheiben werden Diaserien und Filme (sog. Schießkino) verwendet, die eine bestimmte Situation zeigen und in denen der Schütze in Sekundenbruchteilen entscheiden muss, ob er schießt.

Ausrüstung Jeder Angehörige des USK verfügt über eine persönliche Ausrüstung, die Streifenpolizisten nicht zur Verfügung steht. Dazu gehört eine Schutzweste, in die Polyethylenplatten eingeschoben werden können, um auch vor größerem Kaliber zu schützen. Außerdem verfügt sie über eine Stichschutzeinlage. Jeder Beamte hat einen kombinierten Schienbein-Knieschutz, sowie Schulter-, Arm- und Oberschenkelschützer aus Kunststoff, ähnlich den Eishockeyspielern, sowie einen Tiefschutz. Den Kopf schützt ein Helm mit durchsichtigem Kunststoffvisier, dazu kommt ein Goretex-Anzug. Die neuen nicht-brennbaren Schutzanzüge aus flammenhemmendem Aramid-Gewebe haben nach Auskunft des bayerischen Innenministeriums sowohl einen höheren Tragekomfort als auch eine wesentlich bessere Schutzwirkung als die alten Baumwoll-Anzüge. Seit 2005 sind die Beamten des USK mit neuen Overalls in der Farbe Pariser Blau (tiefdunkles blau) ausgestattet, die jedoch oft fälschlicherweise als Schwarz wahrgenommen und bezeichnet wird.

Die Beamten verfügen über Maschinenpistolen vom Typ MP5 in verschiedenen Ausführungen und über die Dienstpistole SFP9, zusätzlich wurden alle USKs mit einer Vielzahl von FN SCAR ausgestattet. Derzeit werden Taser erprobt. Außerdem hat jeder USK-Angehörige einen Mehrzweckeinsatzstock (umgangssprachlich: Schlagstock), ein Messer und ein Pfefferspray. Zum Fesseln von Festgenommenen führen die Polizisten Plastikhandfesseln, ähnlich Kabelbindern, und Handschellen mit sich. Um ständig untereinander in Funkverbindung zu stehen, hat jeder Beamte ein eigenes Funkgerät mit Freisprechgarnitur.

Einsatzkonzept Polizeihauptkommissar Georg Rieger formulierte 1988 in einem Artikel über die Einsatztechnik: „Die Unterstützungskommandos wenden sich vom statischen Einsatz weitestgehend ab und gehen grundsätzlich offensiv vor; sie lassen sich nicht in defensive Positionen drängen. Angriff ist die beste Verteidigung!“ Nach eigener Aussage üben sie, bei Demonstrationen die gewaltbereiten Straftäter zu erkennen und dann festzunehmen, wenn eine Gefahr von ihnen ausgeht.

Kritik In mehreren Fällen wurde dem USK ein unverhältnismäßig hartes Einschreiten vorgeworfen. In diesem Zusammenhang war vor allem die fehlende Kennzeichnung und die dadurch hervorgerufenen Schwierigkeiten bei der juristischen Verfolgung unrechtmäßiger Gewalt durch Polizeikräfte ein Thema. Entsprechende Kritik wurde u. a. von Bündnis 90/Die Grünen, der Gewerkschaft ver.di, der Linken, Mitgliedern der Piratenpartei und der FDP sowie Amnesty International geäußert.

Medial diskutierte Vorfälle

Während des G7-Gipfels in München 1992 versuchten am 6. Juli 1992 bis zu tausend G7-Gegner auf dem Max-Joseph-Platz den einzigen Auftritt der Gipfelteilnehmer unter freiem Himmel mit Trillerpfeifen und Buhrufen zu stören. Daraufhin wurden sie vom Ort des Geschehens abgedrängt, vor dem Kaffeehaus Dallmayr am Marienhof von USK-Beamten eingekesselt und über mehrere Stunden festgehalten. Später zog die Münchner Polizei ca. 480 Demonstranten gewaltsam aus dem Kessel. Bereits bei Vorbereitungstreffen der Gipfelkritiker war das USK eingesetzt worden.

Im Dezember 2006 berichtete die Süddeutsche Zeitung über Misshandlungen und Demütigungen von Kollegen untereinander, in deren Folge betroffene Mitglieder aus Gründen der Fürsorgepflicht aus der Einheit genommen wurden. Dabei handelte es sich um das gegenseitige Sprühen von Pfefferspray ins Gesicht, ein Kollege soll außerdem mit Kabelbindern an ein Treppengeländer gefesselt worden sein.

Während des traditionellen Gottesdienstes auf dem Hohen Brendten bei Mittenwald im Mai 2007 hatten Demonstranten ein Transparent mit der Aufschrift „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“ entrollt. Da das Stören von Gottesdiensten eine Straftat darstellt, wurden sie daraufhin von Beamten des USK in Gewahrsam genommen. Anschließend mussten sich die vorübergehend Festgenommenen einer Leibesvisitation unterziehen und sich laut VVN-Aktivist Jürgen Schuh dazu splitternackt vor den Beamten ausziehen. Das Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen kam zu dem Ergebnis, „dass die polizeiliche Ingewahrsamnahme (...), sowie die anschließende Anordnung, sich im Rahmen der polizeilichen Durchsuchung vollständig zu entkleiden, rechtswidrig waren“. Das Gericht betonte aber auch, dass „man der Polizei nicht vorwerfen kann, dass sie sich in der Wahl der Mittel vergriffen hätte“, allerdings hätten die Ordnungskräfte „von verschiedenen Maßnahmen eine unverhältnismäßige gewählt“. Die Polizei erklärte, dass das Ausziehen eine gängige Handlung sei, da schon mehrfach Fälle aufgetreten waren, in denen Menschen Rasierklingen in Pobacken versteckt hätten.