mini|Sophie Wencke (1898) Sophie Wencke-Meinken (* 29. Juli 1874 in Bremerhaven; † 23. Juni 1963 in Worpswede) war eine deutsche Malerin aus dem Umfeld der Künstlerkolonie Worpswede. Sie wurde vor allem durch impressionistisch geprägte Landschaftsdarstellungen norddeutscher Moor- und Heidelandschaften bekannt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts stellte sie in zahlreichen deutschen Städten aus. Zudem entwarf sie Bildmotive für Kunstpostkarten, die auch international verbreitet wurden.Benscheidt/Kube 2008, S. 10–11, 106–109.
Biografie
Herkunft und Ausbildung (1874–1898) Als Tochter des Schiffbauers, Reeders und Werftbesitzers Nicolaus Diedrich Wencke (* 1848) und Enkelin der Werftunternehmer Friedrich Wilhelm Wencke (* 1806) und Gesine Wencke wuchs Sophie Wencke in wirtschaftlich gesicherten großbürgerlichen Verhältnissen auf.Benscheidt/Kube 2008, S. 10.
Als ältestes Kind übernahm sie früh repräsentative Aufgaben im Umfeld des Familienunternehmens. So nahm sie auf der Werft ihres Vaters an zahlreichen Stapelläufen teil und war 1885 Taufpatin des ersten deutschen Fischdampfers Sagitta.Benscheidt/Kube 2008, S. 10, 86.
Von 1880 bis 1890 besuchte Wencke die Höhere Töchterschule in Bremerhaven und erhielt zusätzlich zum Schulunterricht privaten Sprachunterricht in Französisch, Spanisch sowie Klavier- und Malunterricht.Benscheidt/Kube 2008, S. 86, 94.
Danach nahm sie 1890 in Dresden eine Ausbildung zur Kunstmalerin auf und erhielt Privatunterricht bei der Landschafts- und Interieurmalerin Bertha Schrader und dem Tiermaler Hermann Pansee. Ab 1892 nahm sie Unterricht in Berlin bei dem Maler und Radierer Moritz van Eyken, dem Porträtmaler und Bildhauer Conrad Fehr und den Landschaftsmalern Max Uth und Willy Hamacher. Die erste bekannte Ausstellung von Sophie Wencke war die Beteiligung an der 1893 vom Bremerhavener Kunstverein eröffneten permanenten Kunstausstellung, bei der sie mit mehreren Studien und Gemälden beteiligt war.Benscheidt/Kube 2008, S. 94, 95.
1896 besuchte Wencke die Glasausstellung München, auf der die Maler der Künstlerkolonie Worpswede mit einer großen Anzahl von Bildern vertreten waren. Die Ausstellung weckte bei Sophie Wencke den Wunsch, Schülerin von Otto Modersohn zu werden.Benscheidt/Kube 2008, S. 96.
Worpswede: Künstlerische Anfänge und Etablierung (1898–1914) 1898 siedelte Wencke nach Worpswede um und wurde neben Emmy Meyer und Maria Franck eine der drei Schülerinnen von Otto Modersohn. Mit Beginn ihrer Zeit in Worpswede gewannen typische Motive der Künstlerkolonie wie Moorkanäle, Birken, Torfkähne und charakteristische Bauernhäuser für ihre Malerei an Bedeutung. Diesen Bildthemen blieb sie zeitlebens verbunden und stand damit in der Tradition der ersten Worpsweder Künstlergeneration.Benscheidt/Kube 2008, S. 98–100.
1900 änderten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie mit dem Konkurs der Wencke-Werft. Dabei ging das gesamte Familienvermögen verloren. Nicolaus Diedrich Wencke und Johanna Wencke zogen zu ihrer Tochter Sophie Wencke nach Worpswede, sodass sie infolge der Notlage den Unterhalt ihrer Eltern übernehmen musste. 1903 zog auch ihre Schwester Clara zu Sophie Wencke nach Worpswede.Benscheidt/Kube 2008, S. 100–101.
Mit dem Ziel, als Künstlerin bekannt zu werden, begann Wencke eine umfangreiche Ausstellungstätigkeit in ganz Deutschland. In vielen Gemeinschaftsausstellungen war sie als einzige Frau mit bekannten männlichen Worpsweder Künstlern wie Otto Modersohn, Fritz Overbeck, Fritz Mackensen, Heinrich Vogeler oder Walter Bertelsmann vertreten und wurde dabei von den älteren Kollegen als junge Malerin akzeptiert, was für Künstlerinnen dieser Zeit nicht selbstverständlich war.Benscheidt/Kube 2008, S. 103.
Eine weitere Möglichkeit, neben dem Verkauf von Ölbildern Einnahmen zu erzielen, war der Druck von Kunstpostkarten. Wencke arbeitete zunächst mit mehreren Verlagen zusammen; um jedoch unabhängig von diesen zu sein, gründete sie 1906 ihren eigenen Kunstverlag und wurde auch als Postkartenverlegerin tätig. Kunstdrucke ihrer Ölbilder wurden zwischen 1909 und 1916 von E. A. Seemann in seiner Kunstdruckreihe „Meister der Farben“ veröffentlicht. Sowohl die Kunstpostkarten wie auch die Kunstdrucke trugen wesentlich dazu bei, Wenckes Namen als Künstlerin in weiten Kreisen auch über Deutschland hinaus bekannt zu machen.Benscheidt/Kube 2008, S. 106–109.
mini|Wencke-Haus Worpswede Nach dem Tod ihrer Mutter (1909) und ihres Vaters (1910) bezog sie zusammen mit ihrer Schwester Clara ein von ihnen in Auftrag gegebenes neu gebautes Wohnhaus mit Atelier in der Bergstraße in Worpswede.Benscheidt/Kube 2008, S. 116–117. Das Atelierhaus erinnert noch heute als sogenanntes Wencke-Haus an die Künstlerin und wird als Caféhaus Central genutzt.worpswede24.de
Tätigkeit in der Porzellanindustrie (1914–1919) Nach zahlreichen Ausstellungen bis 1914 ging ihre Ausstellungstätigkeit mit Beginn des Ersten Weltkriegs zurück. 1916 besuchten Sophie und Clara Wencke die Königlich-Bayerische Fachhochschule für Porzellanindustrie in Selb, um ihre Kenntnisse in der Porzellanmalerei zu erweitern. Während dieser Zeit erhielten sie von Heinrich Runde, Generaldirektor in der Porzellanfabrik Hutschenreuther, das Angebot, in einem für sie eingerichteten Atelier Entwürfe für Hutschenreuther zu erstellen und den Aufbau einer Kunstabteilung in dem Unternehmen zu unterstützen. Sophie und Clara Wencke nahmen dieses Angebot an und erstellten über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren zahlreiche Entwürfe für die Fabrik, aber auch Einzelstücke für sich selbst.Benscheidt/Kube 2008, S. 119, 121, 123.
Heirat; Leben zwischen Hamburg und Worpswede (1919–1933) Im Mai 1919 heiratete Wencke den Hamburger Postdirektor Wilhelm Meinken, den sie bereits seit ihrer Jugendzeit in Bremerhaven kannte. Nach der Hochzeit lebten Sophie Wencke-Meinken, wie sie sich fortan auch nannte, zusammen mit ihrem Ehemann und ihrer Schwester Clara in Hamburg-Bergedorf. Ihr Haus in Worpswede behielten die Schwestern weiterhin und hielten sich auch regelmäßig dort auf. Wencke beendete ihre künstlerische Karriere nach ihrer Heirat nicht, die Ausstellungstätigkeit nahm jedoch in den 1920er Jahren ab.Benscheidt/Kube 2008, S. 128–129.
Im Oktober 1933 wurde ihr Ehemann, inzwischen zum Regierungsrat befördert, im Alter von 56 Jahren in den Vorruhestand versetzt.Benscheidt/Kube 2008, S. 133.
Rückkehr nach Worpswede (1933–1963) Ende 1933 verließen Wencke, ihr Ehemann und Schwester Clara Hamburg und gemeinsam zogen sie in ihr Wohn- und Atelierhaus nach Worpswede.Benscheidt/Kube 2008, S. 134.
Wencke blieb auch in den folgenden Jahrzehnten künstlerisch tätig und unternahm zahlreiche Reisen innerhalb Deutschlands und ins europäische Ausland. Dabei entstanden unter anderem Landschaftsstudien und Werkzyklen verschiedener Regionen. Ihre Gemälde und Studien entstanden häufig direkt in der Natur und konzentrierten sich weiterhin auf stimmungsbetonte Landschaftsdarstellungen.Benscheidt/Kube 2008, S. 135–136.
Wencke trat während der Zeit des Nationalsozialismus nicht der NSDAP bei, ihre impressionistisch geprägte Landschaftsmalerei entsprach jedoch weitgehend Vorstellungen von traditioneller Malerei.Benscheidt/Kube 2008, S. 134. Während des Zweiten Weltkriegs war sie 1941 und 1942 jeweils mit einem Bild auf der Großen Deutschen Kunstausstellung in München vertreten. 1941 wurde ihr Ölbild „Abendwolken“ gezeigthttps://digishelf.de/objekt/PPN605217890_194101/29/ und 1942 eine getuschte Kreidezeichnung mit dem Titel „Worpsweder Landschaft“.https://digishelf.de/objekt/PPN605217890_194201/26/
Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Worpsweder Landschaftsmalerei zunehmend an überregionaler Bedeutung.Benscheidt/Kube 2008, S. 138. Sophie Wencke blieb ihrem impressionistisch geprägten Malstil jedoch bis ins hohe Alter treu und schuf weiterhin Landschaftsdarstellungen und Blumenstücke.Benscheidt/Kube 2008, S. 141–142.
Werk Stil und Motive Das Werk von Wencke spiegelt einen großen Teil der Geschichte der Malerei Worpswedes von den Anfängen bis in erste Drittel des 20. Jahrhunderts wieder.Gudera/Holz/Nachtwey/Schönbohm 2007, S. 80–81 Eng verbunden mit der Tradition der Worpsweder Künstlerkolonie konzentrierte sie sich vor allem auf norddeutsche Moor- und Heidelandschaften. Typische Motive sind Torfkähne, Birken und Moorkanäle sowie bäuerliche Gehöfte, die sie in wechselnden Licht- und Wetterstimmungen darstellte.Benscheidt/Kube 2008, S. 11.bremer-frauenmuseum.de
Zeitlebens blieb sie einer impressionistisch geprägten Landschaftsmalerei verpflichtet. Im Zentrum ihrer Malerei stand weniger die detailgenaue Wiedergabe der Landschaft als vielmehr die Erfassung atmosphärischer Stimmungen. Charakteristisch ist die Darstellung von Lichtreflexen, Spiegelungen und Himmelsformationen, die ihren Bildern eine ausgeprägte Stimmungshaftigkeit verleihen, das Lyrische betonen und die subjektive Empfindung des Gesehenen in Malerei übersetzen. Dabei steigert sie den Ausdruck durch intensiv leuchtende Farbigkeit und den sichtbaren Pinselstrich. Menschen und Tiere treten in ihren Kompositionen meist in den Hintergrund oder fehlen ganz.Benscheidt/Kube 2008, S. 98–100.Gudera/Holz/Nachtwey/Schönbohm 2007, S. 80–81
Neben den Motiven aus dem Worpsweder Umland schuf sie auch Landschaftsdarstellungen anderer Regionen Deutschlands und Europas, die häufig während ihrer Reisen entstanden.Benscheidt/Kube 2008, S. 11.
Arbeitsweise und künstlerische Praxis Sophie Wencke arbeitete bevorzugt direkt in der Natur. Zahlreiche überlieferte Aufzeichnungen belegen, dass sie ihre Motive häufig unter freiem Himmel und unter wechselnden Lichtverhältnissen malte, wobei sie versuchte, flüchtige Stimmungen unmittelbar festzuhalten.Benscheidt/Kube 2008, S. 95, 124.
Ein Beispiel hierfür ist ihre Arbeit während des sogenannten „Weser-Zyklus“, bei dem sie ab 1935 die Landschaft entlang der Weser von der Quelle bis zur Mündung künstlerisch erfasste. Dabei entstanden zahlreiche Skizzen, Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde, die in einem mehrjährigen Arbeitsprozess ausgearbeitet wurden.Benscheidt/Kube 2008, S. 135–136.
Ihre Gemälde datierte sie in der Regel nicht, was eine genaue zeitliche Einordnung einzelner Werke erschwert.Benscheidt/Kube 2008, S. 135.
Kunstpostkarten Ab etwa 1900 erstellte Sophie Wencke zahlreiche Motive für den Druck als Kunstpostkarte. Die Darstellungen zeigen überwiegend stimmungsvolle Landschaften mit typischen Worpsweder Motiven wie Moorlandschaften, Torfkähnen oder Sonnenauf- und -untergängen und entsprachen damit den zeitgenössischen Publikumsgeschmack. Mit rund 100 Motiven und internationaler Verbreitung unter anderem in Europa, Amerika und Asien trugen die Kunstpostkarten wesentlich dazu bei, Sophie Wenckes Namen als Künstlerin bekannt zu machen. Bei den Kunstpostkarten handelte es sich bis auf wenige Ausnahmen nicht um Reproduktionen ihrer Ölgemälde, sondern um speziell für den Druck angefertigte Vorlagen.Benscheidt/Kube 2008, S. 106–108.
Kunstdrucke und Reproduktionen Zwischen 1909 und 1916 veröffentlichte der Leipziger Kunstverlag E. A. Seemann mehrere Werke Sophie Wenckes in der Reihe „Meister der Farben“, darunter „Blühende Heide“ (1909), „Hünengrab“ (1911), „Quelle in der Heide“ (1911), „Ein kühler Tag“ (1913) und „Herbststimmung“ (1916).Benscheidt/Kube 2008, S. 109.
Ergänzend erschienen weitere Reproduktionen ihrer Gemälde in verschiedenen Verlagen sowie in Kunstmappen und Kalendern.Benscheidt/Kube 2008, S. 111–112.
Porzellanmalerei Neben der freien Malerei war Sophie Wencke zeitweise auch im Bereich der Porzellanmalerei tätig. Während des Ersten Weltkriegs entwarf sie gemeinsam mit ihrer Schwester Clara Wencke in der Porzellanfabrik Hutschenreuther zahlreiche Dekore und Einzelstücke und wirkte am Aufbau einer Kunstabteilung mit.Benscheidt/Kube 2008, S. 119–121.
Ausgewählte Arbeiten Ölbilder