mini|hochkant=0.8|Olav II. als Deckengemälde in der Kirche von Överselö (auf der Insel Selaön im Mälaren) mini|hochkant=0.8|Figur von Olav II. aus dem 13. Jahrhundert in der Kirche von Svenneby Olav II. Haraldsson (* 995; ⚔ 29. Juli 1030 in der Schlacht von Stiklestad), Rex Perpetuus Norvegiae, war norwegischer König von 1015 bis 1028 und wurde zu Lebzeiten Olav Digre genannt, was man mit der Dicke, der Stämmige, oder der Große oder der Gewaltige übersetzen kann. Er wurde nach seinem Tod heiliggesprochen und ist bis heute als Olav der Heilige bekannt. Sein evangelischer und römisch-katholischer Gedenktag ist der 29. Juli (in Deutschland römisch-katholisch der 10. Juli).
Die Anfänge Als Geburtsjahr wird allgemein 995 angenommen, was aber eine sehr unsichere Angabe ist. Möglicherweise haben die Sagaverfasser die Übernahme der Königsmacht durch Olav Tryggvason im Jahre 995 mit der Geburt Olav Haraldssons verbunden. Allerdings nahm Olav schon 1007/1008 an einem Wikingerzug teil. Es ist davon auszugehen, dass er zu dieser Zeit älter als 12 Jahre war. Sein Vater war ein dänischer Unterkönig am Oslofjord mit Namen Harald Grenske.Grenske = der aus Grenland, einer Landschaft südlich von Oslo, kommende. Olav Haraldssons Mutter hieß Åsta Gudbrandsdotter. Als Olav geboren wurde, war sein Vater bereits tot, er starb um das Jahr 994. Åsta heiratete Sigurd Syr, einen Kleinkönig aus Ringerike (heutige Provinz Buskerud), wo Olav aufwuchs. Åsta hatte mit Sigurd den Sohn Harald, der ebenfalls König wurde und Harald Hardråde genannt wurde. Im 12. Jahrhundert weisen ihn Sæmundur fróði und Ari fróði als Nachkommen von Harald Schönhaar aus. Dies geschah jedoch zu einer Zeit, in der edle Abstammung für die Herrschaftslegitimation von besonderer Wichtigkeit war und außerdem ein Interesse der Verfasser darin bestand, eine dynastische Herrschaftskontinuität darzustellen. Die Auseinandersetzungen mit den dänischen Königen zur Abfassungszeit der Sagas legen dies nahe, so dass diese Abstammung zweifelhaft ist.
Zunächst war Olav Wikinger in der Ostsee. Die Skalden nennen Kämpfe in Schweden und Finnland. 1009 schloss er sich einem Wikingerheer gegen England an. Geleitet wurde das Heer drei Jahre lang von Torkjel Høye, der schon in der Schlacht bei Svolder dabei gewesen war. Die englischen Quellen berichten über ihn, aber nicht über Olav, so dass dieser keine hervorgehobene Stellung gehabt haben dürfte. Die Hofskalden nennen Olav, aber nicht Torkjel, was der Gattung „Lobdichtung“ geschuldet ist. Olav war 1011 beim Zug gegen Canterbury; 1012 zahlten die Engländer 48.000 Pfund Silber Schutzgeld,Das was über zehnmal so viel, wie der norwegische König um 1300 jährlich an Steuern einnahm. Krag (2011) S. 35 f. worauf die Wikinger den Heerzug abbrachen. Olav erhielt einen nicht geringen Teil an diesem Danegeld. Danach wurde das Wikingerheer aufgelöst und Olav und Torkjel trennten sich. Torkjel begab sich in den Dienst Æthelreds. Olav zog nach Süden und überfiel auch Frankreich und Spanien. 1013 leitete der dänische König Svend Tveskæg (Sven Gabelbart) einen neuen Heereszug nach England. Æthelred und seine Frau mussten nach Frankreich fliehen. Olav, der von seinem Heerzug im Süden zurückkehrte, begegnete ihnen in der Normandie und schloss sich Æthelred an. In Rouen wurde Olav getauft. 1014 starb Svend Tveskæg und Æthelred kehrte heim, aber Knut, der Sohn Svend Tveskægs, rüstete zum neuen Angriff auf England. Snorri berichtet nun, Olav habe an der Seite Æthelreds London angegriffen. Aber die Skaldenstrophen, die er dafür zitiert, beziehen sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf den vergeblichen Kampf der Dänen um London im Jahre 1009, wo Olav auf der Seite der Dänen kämpfte. Aber er dürfte sicher im Dienste Æthelreds gestanden haben. Die Bemerkung der Skalden, Olav habe Landstriche für Æthelred zurückerobert, haben die Sagaverfasser so ausgeweitet, dass er ganz England für Æthelred zurückerobert habe. Dadurch ist die Saga-Chronologie durcheinandergeraten: Die Sagas lassen Svend Tveskæg 1008 sterben, sechs Jahre vor seinem tatsächlichen Tod, Olavs Dienste für Æthelred beginnen damit zu früh und dauern zu lange. Dadurch lässt Snorri Olav zu einer Zeit für Æthelred gegen die Dänen kämpfen, als er tatsächlich aber noch im dänischen Heer war.Krag (2011) S. 36.
Der Aufstieg mini|Münzprägung von Olav auf einem viereckigen Silberplättchen (1023–1028) Es sind nur zwei Exemplare bekannt. Die lateinische Aufschrift lautet: ONLAF R NORMANORV. 1015, wahrscheinlich im Herbst, segelte er mit zwei bemannten Knorren nach Norwegen. Diese Datierung scheint sicher, denn Sigvat Tordsson berichtet in seiner Erfidrápa, dass Olav 15 Jahre nach seiner Erhebung zum norwegischen König fiel. Die Sagas berichten weiter, dass Olav Håkon Jarl Eiriksson dort zufällig getroffen habe. Dessen Mutter war Gyda, die Tochter Svend Tveskægs und damit die Schwester Knuts des Großen. Von einem Kampf zwischen den beiden wird von Sigvat, der sein Gedicht kurz nach der Begegnung verfasste, nichts berichtet. Óttarr svarti berichtet allerdings sieben Jahre nach der Begegnung, es sei Olav gelungen, Håkon mit seinem Schiff und seinen Männern gefangen zu nehmen. Er habe ihn aber gegen das Versprechen, nicht mehr gegen Olav zu kämpfen, freigelassen. Es ist möglich, dass sich zur Zeit der Abfassung von Ottars Gedicht die politische Situation bereits so geändert hatte, dass es in der Umgebung von Olav wichtig erschien, dass sich Håkon in der Gewalt Olavs befunden und seine Oberherrschaft anerkannt habe, und Olav gleichzeitig als großmütig zu zeigen. Die meisten Sagas behaupten, Håkon habe sich nach England begeben, die kleine Saga Ágrip, die älteste Quelle, dass Håkon die Herrschaft über die Suderøy-Inseln erhalten habe und dort bis zu seinem Lebensende geblieben sei. Mit dem Begriff „Suderøyane“ (Südinseln) sind höchstwahrscheinlich die Hebriden gemeint (und nicht die Südinsel Suðuroy der Färöer). Die Wikinger nannten die Hebriden Suðreyjar (Südinseln) und im Gegensatz dazu bezeichneten sie die Orkney- und Shetlandinseln als Norðreyjar (Nordinseln).
Der erste Kampf Olavs, über den berichtet wird, ist die Schlacht bei Nesjar (Vestfold, heute der zu Larvik zählende Ort Brunlanes) gegen den Jarl Sven, Onkel Håkons väterlicherseits. Die Schlacht fand Palmsonntag statt. Wenn sie im ersten Frühjahr nach Olavs Rückkehr stattgefunden hat, dann war dies der 25. März 1016. Sven hatte nur wenige Bauern aus dem Inneren Trøndelags bei sich. Offenbar waren die aus dem äußeren Teil Trøndelags und aus Vestland nicht mitgezogen. Dagegen hatte Olav eine große Truppe. Sigvat, der bei der Schlacht dabei war, meinte in seinem Preisgedicht Nesjavisur, das habe daran gelegen, dass Olav freigiebig, Sven aber geizig gewesen sei. Olav war aus England mit größeren Geldmitteln heimgekommen, später hat er sogar eigene Silbermünzen schlagen lassen (es wurden nur zwei davon 1924 gefunden). Sigvat nannte die Trønder Svens Leute; aber Olavs Männer kamen aus Oppland und Hedemark. Olav begann also mit seiner Macht im inneren Ostland. Entgegen der Sagatradition, nach der Olav freiwillig zum König erwählt worden sei und die, die ihn gewählt haben, später einen verräterischen Aufstand angezettelt hätten, berichtet der Skalde Ottar in seinem Høfuðlausn ausführlich über die Kämpfe Olavs:
Ottar dichtete seinen Text kurz nach 1020 und gab an, dass diese Kämpfe forðum, also vor langer Zeit stattgefunden hätten. Der Kampf fand also statt, bevor er König geworden war. Snorris Darstellungsabsicht des guten und gesetzestreuen Königs führte zu einer Umstellung des Ablaufs: Der Verfasser der Legendarischen Olavssaga lässt Olav sofort nach seiner Landung die Kleinkönige zusammenrufen und sie vor die Wahl stellen, entweder ihre Königswürde niederzulegen und seine Lehnsmänner zu werden, oder getötet zu werden. Die meisten hätten sich gebeugt. Nach diesem Verfasser wollte Olav das Christentum mit allen Mitteln zügig durchsetzen.
Wenn man bedenkt, dass die Schlacht bei Nesjar sich im dänischen Einflussbereich abspielte und Olav früher in England unter dänischen Heerführern gekämpft hatte, ist eine Feindschaft zwischen ihm und dem dänischen König Knut, wie sie Fagrskinna und Snorri in seiner Olavssaga schildern, unwahrscheinlich. In beiden Quellen ist die Gegnerschaft zwischen Knut und Olav ein durchgängiges Motiv. Nach ihnen soll er sogar in England gegen die Dänen gekämpft haben. In der späteren Heimskringla lässt ihn Snorri dann auch auf dänischer Seite kämpfen, allerdings nur in einer unbedeutenden Rolle. Weiterhin lässt er Olav nach dem auf 1008 fehldatierten Tod von Svend Tveskægs sofort und auf Dauer auf die englische, also dänenfeindliche Seite wechseln. Eine genaue Analyse der Quellen ergibt aber, dass Olav ein gutes Verhältnis zu Knut gehabt haben muss, ja dass es wohl eine Absprache zwischen Olav, Knut und Håkon gegeben hat, dass Olav Norwegen erhalten solle und Håkon Jarl in England bleiben würde. Die Überfahrt mit nur zwei Handelsschiffen und die friedliche Aussprache mit Håkon sprechen dafür. Eine solche Absprache zwischen Knut und Olav würde auch erklären, warum Sven 1016 so wenig Unterstützung für die Schlacht bei Nesjar fand.
Was aus Sven geworden ist, sagen die Skalden nicht. Nach den Sagas ist er erst nach Schweden, dann nach Russland gegangen, wo er gestorben sei.
Im Jahre 1024 hielt Olav zusammen mit seinem Bischof Grimkjell, einem Engländer und Neffen des Bischofs Sigvard, der unter Olav Tryggvason Bischof in Norwegen gewesen war, eine Kirchenversammlung in Moster ab, bei der er die Christianisierung des Landes durchsetzte und die Organisation der Kirche in Norwegen festlegte. Die Christianisierung war nach den archäologisch fassbaren Begräbnissitten zu dieser Zeit jedoch bereits weit fortgeschritten. Auch sein späterer Gegner Erlingr Skjálgsson war bereits Christ, wie aus einem Gedenkstein hervorgeht, den ein Priester seinem Herrn Erlingr nach dessen Kampf mit Olav errichtete.
Der Niedergang 1016 wurde Knut König von England, brauchte aber bis 1020, um sich dort endgültig durchzusetzen. In dieser Zeit der Bindung Knuts an England konnte sich Olav in Norwegen etablieren. Nach 1020 wurde Olav für den dänisch-englischen König allmählich zum Problem. Immerhin waren die vorherigen Könige Dänemarks Oberkönige von Norwegen gewesen. Es gibt eine Strophe von dem Skalden Sigvat, die den Konflikt in dieser Richtung andeutet. Er berichtet, dass der schottische König zu Knut kam und „seinen Kopf“ brachte, d. h., er unterwarf sich als Lehnsmann. Sigvat fährt fort: „Aber Olav übergab seinen Kopf niemals irgendjemandem auf dieser Welt.“ Das klingt sehr danach, dass er dazu aufgefordert worden ist. Sigvat kam um 1025 aus Frankreich nach England, besuchte König Knut und erfuhr dort von dem sich zuspitzenden Konflikt, bevor er nach Norwegen zu Olav weiterreiste, wo er vorübergehend verdächtigt wurde, die Seiten gewechselt zu haben. Da war also der Konflikt bereits voll ausgebrochen. Olav wartete den Angriff Knuts nicht ab, sondern griff Dänemark 1025 oder 1026 in einem Präventivschlag in Seeland an, während der schwedische König Anund Jakob, der Schwager Olavs, von Osten angriff. Denn ein übermächtiger König im Westen war für den schwedischen König eine Bedrohung. Knut kam mit seiner Flotte von England und es kam zu der Schlacht am Helgeå in Schonen, in der Knut siegte. Die Schlacht wird in vielen Quellen erwähnt: Die Skalden Sigvat, Ottar und Tord Sjáreksson und die Angelsächsische Chronik berichten darüber.