mini|Nikolauskirche in Hauingen mini|Innenaufnahme des Langhauses Die Nikolauskirche im Lörracher Ortsteil Hauingen ist ein evangelisches Gotteshaus, das vor der Reformation dem heiligen Nikolaus geweiht war. Nach dem Konfessionswechsel zunächst schlicht als Evangelische Kirche Hauingen bekannt, trägt sie seit dem Jahr 2000 wieder offiziell ihren ursprünglichen Namen. Die mitten im Dorfkern stehende Kirche wurde urkundlich erstmals 1103 erwähnt. Ihre Baukörper stammen aus unterschiedlichen Jahrhunderten. 1759 wurden die Eltern von Johann Peter Hebel hier getraut,Daniel Scholaster: Hier wurden Hebels Eltern getraut. In: Badische Zeitung, 7. Januar 2016. online somit ist die Kirche auch Station des im Jahr 2010 ins Leben gerufenen Hebel-Wanderwegs.
Geschichte
Ursprünge Die Verehrung des Heiligen Nikolaus begann vor 950. Eine Nikolauskirche könnte es demnach auch schon gegeben haben. In alten Urkunden gibt es Straßen- und Flurbezeichnungen wie St. Nikolausmatten, St. Nikolausgarten oder St. Nikolausreben, die den Schluss nahelegen, dass an der Stelle der heutigen Kirche eine kleinere gestanden haben könnte. Archäologische Befunde dazu fehlen jedoch bisher. Im Markgräflerland gibt oder gab es insgesamt 19 Nikolauskirchen und -kapellen.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 218
Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche geht auf das Jahr 1083 zurück. In dem Schreiben des Klosters St. Alban von 1102/1103 wird die „Kirche von Hauingen mit ihren Zugehörigen“ (lateinisch: „ecclesiam de Houengen cum suis“) genannt. Das Kloster hatte das Recht, den Priester bzw. den Pfarrer zu ernennen und überschüssige Einkünfte der Pfarrei einzufordern. Dafür wurden die Geistlichen vom Kloster besoldet und die kirchlichen Gebäude unterhalten.
Das Kreuzgewölbe des Untergeschosses dürfte aus dem 14. Jahrhundert stammen. Der heute noch erhaltene Kirchturm weist an seiner Ostseite die eingemeißelte Jahreszahl 1469 („Anno Domini M CCCC LXIX“) der Erbauung auf. Der denkmalgeschützteKirche wird saniert. In: Die Oberbadische, 3. September 2020. online Turm steht wahrscheinlich auf Fundamenten, die bereits davor bestanden haben.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 223
Die älteste bekannte Glocke datiert aus dem Jahr 1653. Sie wurde von Hans Ulrich Rodt in Basel gegossen und zersprang 1909. Die zweite, größere Glocke war von 1733. Diese beiden sowie die Schulglocke aus dem Jahr 1781, die ebenfalls in Basel gegossen wurde, wurden 1909 eingeschmolzen.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 226
Trauung von Hebels Eltern mini|Erinnerungstafel zur Trauung von Hebels Eltern Am 30. Juli 1759 wurden die Eltern von Johann Peter Hebel, Johann Jakob aus Simmern in der Kurpfalz und Ursula Hebel aus Hausen im Wiesental, durch Pfarrer Jacob Christoph Friesenegger getraut. Da die damaligen Arbeitgeber der Eltern Hebels, die Iselins aus Basel, die Hochzeit arrangierten, traf man sich etwa auf der Hälfte des Weges zwischen Hausen und Basel. Dazu kam, dass im 18. Jahrhundert in Basel zwei Menschen unterschiedlicher Konfession nicht heiraten durften. Die Hochzeit ist im Hauinger Kirchenbuch eingetragen. Die Eintragung lautet:
Seit dem 26. Juli 1959 erinnert eine vom Hebelbund Lörrach gestiftete Sandsteintafel an diese Trauung.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 274
Neubau des Langhauses
Durch die ansteigende Bevölkerung Hauingens ergab sich die Notwendigkeit, das alte Kirchenschiff zu vergrößern. Mehrfach wurden die Chorstühle erneuert und 1733 sah der Markgraf auch eine Reparatur und Erweiterung des Langhauses vor, die jedoch nicht zustande kam. Erst mit Besichtigungen im Herbst 1766 wurden die Pläne eines Neubaus konkretisiert. Mit dem 1767 begonnenen Neubau verdoppelten sich fast die Maße der Kirche zum Vorgängerbau. Die Gesamtkosten betrugen 6414 Gulden und 38 Kreuzer, die sich die Verwaltung in Rötteln (4276 Gulden, 25 Kreuze, 2 5/9 Pfennig) und das Kloster St. Alban (2138 Gulden, 12 Kreuzer, 3 7/9 Pfennig) aufteilten. Eine Gedenktafel über der zur Straße befindlichen Tür, die inzwischen zugemauert wurde, erinnert an den Neubau.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 228/229 Die Gemeinde leistete einen Beitrag, indem sie zur Ausschmückung der Empore den Maler Johannes Scherren aus Steinen 33 Holztafeln mit Motiven aus dem Alten und dem Neuen Testament anfertigen ließ, die 1769 angebracht wurden. Dabei weicht die Darstellung in einigen Details von den üblichen Kirchenbildern ab. Beispielsweise wird Jesus Christus als neuer Moses gezeigt; seine vom Haupt ausgehenden Strahlen erinnern weniger an den Heiligenschein als an das strahlende Aussehen des Moses. Außerdem hält er genau wie dieser in seiner Hand die Tafeln mit den Zehn Geboten.
mini|Gedenktafel zum Neubau 1767–1768 Der Text der Gründungstafel lautet:
Renovationen und Umgestaltungen 1851 sollten bei der Renovierung der Kirche die Bilder von Johannes Scherren übertüncht werden, anstatt sie zu restaurieren, zumal das deutlich preisgünstiger gewesen wäre. Die Gemeinde wehrte sich allerdings erfolgreich dagegen. Bei einer weiteren Renovierung 1919 gab es einen neuen Versuch, die Bilder zu übermalen. Der Kunstmaler Hermann Daur und der Kunstprofessor Max Laeuger setzten sich jedoch für die Erhaltung der Emporenbilder ein.
mini|Hauinger Kirche 1959 In den Jahren 1969/1970 erfuhr der Innenraum eine grundlegende Umgestaltung, indem die Kirche in eine Quersaalkirche umgewandelt und ihre Ausstattung im Stil des späten Rokoko zunichtegemacht wurde.Lörrach: Landschaft – Geschichte – Kultur, S. 617. Der Altar, die Kanzel und der Taufstein von Rudolf Scheurer stehen nun erhöht vor der Südwand. Außerdem wurden fünf neue Glasfenster „Edelsteine am Weg“Gerhard Moehring: Kleine Geschichte der Stadt Lörrach. Braun, Karlsruhe 2007, ISBN 978-3-7650-8347-1, S. 132. nach Entwürfen von Jürgen Brodwolf eingesetzt und die Empore verkürzt. In diesem Zuge gelangten die 33 Bilder von Johannes Scherren zunächst in das Dreiländermuseum, sind nun jedoch wieder auf der Empore (Apostelbilder) bzw. an deren Brüstung angebracht.
Im Jahr 2000 wurde der Kirchplatz neu gestaltet. Im Juli 2015 wurde das neue Läutewerk in Betrieb genommen, nachdem die Glocken monatelang zuvor außer Betrieb waren.Badische Zeitung: Fest mit Glockenklang, Artikel vom 29. Juli 2015, zuletzt aufgerufen am 26. Juli 2017
Im Sommer 2020 musste das Dach des Kirchturms der Nikolauskirche saniert werden. Weil in der Vergangenheit die Kirchturmuhren wichtige Zeitgeber für die Bevölkerung waren, trifft aufgrund alter Vereinbarungen die Pflicht zur Bauunterhaltung des Kirchturms die Stadt Lörrach. Die entschied sich, in diesem Zuge auch die Putzfassade reinigen und sanieren zu lassen.
Beschreibung Kirchenbau mini|Blick von Südwesten 2012 mini|Blick auf das Langhaus von der Empore zum Chor Die Nikolauskirche in Hauingen ist eine Quersaalkirche deren Langhaus ein einfacher, rechteckiger Baukörper ist, der durch ein gegen Westen und Osten abgewalmtes Satteldach abgeschlossen wird. Die Grundfläche misst etwa 12 × 25 Meter. Zur Ostseite bilden drei gleich breite Seiten von je fünf Meter eines Achtecks den Chor. Die Chorwand trägt in zwei Reihen Fenster an jeder der drei Wände. An der Westwand befinden sich außer dem Portal mit Freitreppe an der Oberseite drei ovale, bullaugenförmige Fenster. An der Südwand befinden sich ebenfalls in zwei Reihen neun Fenster, die Gedenktafel zum Neubau von 1768 und eine inzwischen zugemauerte Tür, von der noch der alte Rahmen zu erkennen ist.
Vom Hauptbaukörper separiert steht der rund 27 Meter hohe Glockenturm unmittelbar an der Nordostseite und trägt auf seinem Satteldach ein Storchennest an seiner Spitze. Die Grundseite des Turmes beträgt sechs Meter. An der Ost- und Westseite des Turms befindet sich je eine Uhr. Die behauenen, rötlichen Quadersteine an den Kanten setzen sich von der verputzten Wandfläche ab. Die Turmhalle ist gewölbt und mit feinen Rippen auf Konsolen verziert, die das alte Hachberg-Wappen tragen.
Die Kirche hat zur Südwest- und zur Nordseite je einen Eingang. Zwischen der Kirche und dem Pfarrhaus liegt der mit Kopfstein gepflasterte Kirchplatz, von wo aus der Haupteingang im Norden erreichbar ist. Seit 2010 markiert eine Infotafel an der Kirche eine Station des Hebel-Wanderweges. Gegenüber der Hauinger Kirche steht auf der anderen Straßenseite das ehemalige Hauinger Rathaus, die heutige Ortsverwaltung.
Vom Westeingang links abgehend befindet sich der Treppenaufgang zur Empore. Diese läuft von der West- über die Nord- zur Ostseite. An der West- und Ostseite sind die zusätzlichen Sitzplätze nach hinten leicht ansteigend angeordnet. Auf der Ostseite befinden sich Sitzplätze beiderseits der Orgel.
Ausstattung mini|Holztafelmalerei an der Emporenbrüstung mini|Altarbereich Der Innenraum ist schlicht und einfach gehalten. Der Umgestaltung sind auch die Bänke gewichen; die gesamte Bestuhlung in der Kirche besteht aus einzelnen Stühlen. Auffälliges Merkmal ist die ebenfalls bestuhlte Empore mit den 33 Holztafeln von Johannes Scherren. Die Bilder enthalten folgende Motive:
Adam und Eva im Paradies Die Versuchung im Paradies Mose am Feuerbusch Mose empfängt die 10 Gebote Arche Noah Abraham und Isaak Turmbau zu Babel Jakobs Traum von der Himmelsleiter Daniel in der Löwengrube Jona und der Walfisch Mariä Verkündung Anbetung Jesu durch die Hirten Anbetung durch die 3 Weisen Beschneidung Jesu Darstellung im Tempel Das Abendmahl Kreuzigung Jesu Auferstehung Jesu Himmelfahrt Jesu Ausgießung des Hl. Geistes (Pfingsten) Jesus mit Ölzweig und den Zehn Geboten Philippus mit Kreuzstab Jakobus mit Walkerstange Andreas mit Andreaskreuz Bartholomäus mit Messer Matthias mit Lanze Paulus mit Schwert und Buch Petrus mit Schlüssel Johannes mit Kelch Jakobus d. Ä. mit Pilgerstab Simon mit Säge Thomas mit Winkelscheit Matthäus mit Beil
Der Altar befindet sich leicht erhöht vor der Südwand. Wie das Kanzelpult und das Taufbecken, ebenfalls im Altarbereich, besteht er aus Aluminiumguss. Die Wand hinter dem Altar schmückt ein schlichtes Kreuz mit Jesusfigur und ein Bildnis vom Erzengel Gabriel. Die Empore wird von sechs gegossenen Säulen getragen, die sich vom Boden bis zur Decke ziehen.
Orgel mini|Gesamtansicht der Orgel Bis 1909 stand in der Nikolauskirche eine Orgel, die 1782 beim Orgelbauer Blasius Bernauer (1740–1818) aus Staufen im Breisgau in Auftrag gegeben wurde, der zu der Zeit in Rheinfelden tätig war. Sie wurde als Gelegenheitskauf für 400 Gulden erworben und 1807 überholt. Nachdem sich allerdings im Laufe der Jahrhunderte Abnutzungs- und Verschleißerscheinungen bemerkbar machten, entschloss sich die Gemeinde, 1909 für 4600 Reichsmark bei G. F. Steinmeyer & Co. in Oettingen in Bayern eine neue Orgel anzuschaffen. Sie hatte zehn Register und zwei Manuale. Die größtenteils durch Spenden von Hauingern finanzierte Orgel musste während des Ersten Weltkrieges teilweise demontiert werden. Die Prospektpfeifen waren zwangsweise an die Heeresverwaltung abzuliefern und konnten erst 1924 wieder erneuert werden.
Seit 1973 steht eine neue Orgel auf der Ostempore im Chor. Das Instrument wurde von Peter Vier in Oberweier bei Lahr gebaut. Es besitzt 13 Register auf zwei Manualwerke und Pedal, arbeitet mit Zwillingslade und mechanischer Spiel- und Registertraktur.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 237 Im Jahr 2004 wurde die Orgel von Orgelbauer Späth aus March-Hugstetten saniert und es wurde ein Oboen-Zungenregister hinzugefügt.Zur Geschichte der Hauinger Kirche, zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2019
mini|Register, Manual und Pedale Die aktuelle Orgel hat folgende ursprüngliche Disposition:gemäß Antwort zur E-Mail-Anfrage an Martin Vier Orgelbau, Friesenheim vom 27. Juni 2019
I. Manual Flöte 8′ Praestant 4′ Rohrflöte 4′ Blockflöte 2′ Mixtur IV II. Manual Gedackt 8′ Spitzflöte 4′ Prinzipal 2′ Sesquialter II Sifflet 1′ Zimbel III Pedalwerk Subbass 16′ Oktavbass 8′ Choralbass 4′
Glocken mini|Glockenturm von innen