mini|hochkant=1.5|Elbe-Elster-Niederung mit der Einmündung der Kleinen Röder in die Schwarze Elster sowie den Ortslagen von Zobersdorf und Bad Liebenwerda mini|hochkant=1.5|Herzberg (Elster); Rathaus und Marienkirche mini|hochkant=1.5|Bis 2008 verkehrende Bürgerbahn Elbe-Elster-Express
Das Elbe-Elster-Land oder Elbe-Elster-Gebiet ist eine Region im Dreiländereck der deutschen Bundesländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Es ist ein Teil des Norddeutschen Tieflandes.
In älteren Quellen werden nordwestlich gelegene Teile des heutigen Elbe-Elster-Landes Mezumroka – „Land zwischen den Flüssen“ genannt. Es war Teil des Gau Nizizi und kaum besiedelt.
Eine erste urkundliche Erwähnung fand die Region als „Land zwischen Elbe und Elster“ am 14. April 1312, als Friedrich der Freidige im Vertrag zu Tangermünde nach seiner Gefangennahme bei Hayn, dem Markgrafen Waldemar von Brandenburg 32.000 Mark in Silber zu zahlen binnen drei Tagen versprach. Weiter versprach er seine Ansprüche am „Land zwischen Elbe und Elster“, die Mark Lausitz sowie die Städte Hayn und Torgau an den Brandenburger abzutreten.
Unter dem „Land zwischen Elbe und Elster“ wurde damals vor allem ein Gebiet verstanden, das Teile der späteren kursächsischen Ämter Mühlberg, Liebenwerda, Schweinitz und Lochau umfasste.
In der Gegenwart wird hauptsächlich das Gebiet des 1993 entstandenen Landkreises Elbe-Elster touristisch als Reiseregion Elbe-Elster-Land vermarktet und beworben, das unter anderem auch westlich gelegene Teile der Niederlausitz um Finsterwalde sowie das Schradengebiet umfasst.
Geografie und Naturraum Geographische Lage mini|Landschaften in Brandenburg Das Elbe-Elster-Gebiet befindet sich im Dreiländereck der Bundesländer Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Es umfasst in seinem Kerngebiet hauptsächlich die namensgebende Niederung zwischen den Flüssen Elbe und Schwarze Elster bis zu deren Zusammenfluss. In der Gegenwart werden durch die 1993 erfolgte Bildung des Landkreises Elbe-Elster und dessen nachfolgende touristische Vermarktung auch Teile der Niederlausitz um Finsterwalde und Sonnewalde (Altkreis Finsterwalde) sowie das Schradengebiet zur Region gerechnet. Deren Grenzen sind relativ fließend und gehen in die benachbarten Regionen über, da die Begriffsbedeutung im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte durch diverse Veränderungen der Verwaltungsgrenzen einem stetigen Wandel unterlag.
Die größten Städte des vergleichsweise dünn besiedelten Gebietes sind Finsterwalde, Lauchhammer und Jessen, die allerdings nicht über den Kleinstadtstatus hinaus kommen. Als weitere Städte sind hier unter anderem die Kreisstadt des Landkreises Elbe-Elster Herzberg (Elster), die Kurstadt Bad Liebenwerda sowie Doberlug-Kirchhain, Elsterwerda, Falkenberg/Elster, Mühlberg/Elbe und Uebigau-Wahrenbrück zu nennen.
Geologie und Oberflächengestalt mini|Falschfarbenbild des Elbe-Elster-Landes aus DGM1-Daten
Die Oberflächengestalt der Region ist von einer relativ flachen Landschaft mit kleineren Hügelketten, Flüssen und Seen geprägt, die hauptsächlich im Quartär entstand. Die Eismassen der vorletzten Eiszeit hinterließen eine typische Moränenlandschaft. Unterteilt ist die Region deshalb im Wesentlichen in die beiden Raumeinheiten Elbe-Elster-Tieflandbfn.de: sowie die Lausitzer Becken- und Heidelandschaft. Das Elbe-Elster-Tiefland erstreckt sich im Westen der Region im Lausitzer Urstromtal, einem Teil des in der Saaleeiszeit entstandenen Breslau-Magdeburg-Bremer Urstromtales, das im Bereich der Schraden-Niederung zwischen Elsterwerda und Merzdorf mit sieben Kilometer Breite seine engste Stelle erreicht und dann nach Nordwesten schwenkt. Untergliedert in drei Teilabschnitte (Elbe-Elster-Gebiet, ostwestlich gerichteter Elbabschnitt, Magdeburger Elbabschnitt) umfasst das Elbe-Elster-Tiefland eine Fläche von etwa 1970 km².Ernst Neef gibt im 1961 erschienenen „Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands“ eine Fläche von 2436 km² an. Es erstreckt sich im Bereich von der Elbe-Elster-Niederung zwischen dem an der Elbe gelegenen Riesa im Süden und Lauchhammer an der Schwarzen-Elster bis südlich der sachsen-anhaltischen Hauptstadt Magdeburg im Nordwesten. Diese Kulturlandschaft ist vor allem durch offene Ackerflächen geprägt, die von wald- und wiesenreichen Überschwemmungsgebieten der Flüsse Elbe und Schwarze Elster durchzogen sind.bfn.de: . „Als Kriterien für die Abgrenzung der Landschaften werden naturräumliche Grenzen, die aktuelle Flächennutzung auf der Basis von Satellitenbildauswertungen (CORINE Land Cover) sowie weitere, für Teilgebiete geltende Landschaftsabgrenzungen verwendet. Die Landschaftstypen sind so definiert, dass die im Gelände leicht erkennbaren charakteristischen und landschaftsprägenden Elemente im Vordergrund stehen. Nicht offensichtlich erkennbare Landschaftsqualitäten werden nicht zur Typisierung herangezogen. Insgesamt lassen sich in Deutschland auf diese Weise 858 Einzellandschaften, darunter 59 Verdichtungsräume, abgrenzen.“ Die Lausitzer Becken und Heidelandschaft prägt mit ihren Naturräumen „Kirchhain-Finsterwalder Becken“ und „Niederlausitzer Randhügel“ (geologisch betrachtet die Sander des Lausitzer Landrückens) den Osten der Region. Im Norden des Gebietes sind im Bereich der Stadt Schönewalde, der Verwaltungsgemeinschaft Elbaue-Fläming und im Norden des Amtes Schlieben außerdem Ausläufer des Flämings, einem eiszeitlich gebildeten Höhenzug, als naturräumliche Abgrenzung zu finden.
Die höchste natürliche Erhebung der Region befindet sich mit im Südosten, nahe der Gemeinde Gröden. Dies ist ein unmittelbar hinter der brandenburgisch-sächsischen Grenze auf dem Heideberg gelegener so genannter geodätischer Punkt. Hier befindet sich mit der Heidehöhe auch die höchste natürliche Erhebung im deutschen Bundesland Brandenburg. Eine geologische Besonderheit stellt der etwa fünf Kilometer nördlich von Bad Liebenwerda gelegene Rothsteiner Felsen dar, der auch gleichzeitig Brandenburgs einziger größerer Natursteinfelsen ist. Während der jüngsten Eiszeit wurde hier aus dem Erdaltertum stammendes Tiefengestein aus der Zeit des Kambrium großflächig freigelegt. Das Gestein, das im Wesentlichen aus Kieselsinter und Hornstein besteht, ist in der Region außer in Rothstein auch im benachbarten Prestewitz sowie bei Fischwasser an der Erdoberfläche zu finden.Der Rothsteiner Felsen. In: Die Schwarze Elster, Nr. 50, 1907.
Schützenswerte Geotope im Bereich des Elbe-Elster-Landes mini|hochkant=0.7|Rothsteiner Felsen
Das Landesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe Brandenburg (heute Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe, LBGR) listete in seinem 2002 erschienenen „Atlas zur Geologie von Brandenburg“ für den Bereich Elbe-Elster folgende schützenswerte Geotope auf:
Rothsteiner Felsen (natürlicher Aufschluss von Gestein) Quarzit von Lugau / Fischwasser (natürlicher Aufschluss von Gestein) Grauwacke Großthiemig (natürlicher Aufschluss von Gestein) Heideberg (Stauchendmoräne) verkieselte Quarzsande in der Grube Gotthold nahe Hohenleipisch (stillgelegte Braunkohlengrube) Brikettfabrik Louise (Baudenkmal mit geologischem Bezug) Parabeldüne nördlich von Oppelhain Quellgebiet Kraupa Bachschwinde bei Kraupa
Bodenschätze mini|Kieswerk Haida
Wie im gesamten Gebiet Südbrandenburgs ist auch in der Elbe-Elster-Region die Braunkohle weit verbreitet und hier neben Sand und Kies ein häufig vorkommender Bodenschatz. Er ist flächendeckend sowohl in den Niederungen als auch in den höher gelegenen Teilen in unterschiedlicher Mächtigkeit und Tiefe der Braunkohlenflöze vorhanden. Bis zur Wende noch viel im Tagebau und in früherer Zeit auch im Tiefbau gewonnen und anschließend unter anderem zur Brikettierung, Verkokung, Gaserzeugung und Verstromung genutzt, spielt der Rohstoff in der Gegenwart wirtschaftlich kaum noch eine Rolle.
Weitere bedeutende Ressourcen sind oberflächennahe Bodenschätze wie Torf und Ton sowie Kies und Sand, die im aktiven Tagebau gewonnen werden. Überregional am bedeutendsten ist dabei der Standort Mühlberg/Elbe, an dem der Elbekies gewonnen wird, Größe und Qualität machen einen Transport in weiter entfernte Gebiete rentabel. Weitere Standorte der Kiesgewinnung sind unter anderem Haida und Zeischa an der Schwarzen Elster.
In den Niederungsbereichen gibt es außerdem Vorkommen von Raseneisenstein, dessen größere Lagerstätten bereits in früherer Zeit, vor allem für den Betrieb der 1725 errichteten Eisenhütte Lauchhammer, ausgebeutet wurden.
Bei den tiefliegenden Bodenschätzen ist die Anthrazitlagerstätte Doberlug-Kirchhain erwähnenswert. Diese Steinkohlen-Lagerstätte der höchstwertigen Kohlensorte befindet sich in einer Tiefe von mehr als 200 Metern und besitzt einen Aschegehalt von über 30 Prozent. Auf Grund der begrenzten Größe des Vorkommens ist sie derzeit nicht abbauwürdig, eine künftige Nutzung durch modernere Abbautechnologien wird nicht ausgeschlossen. Außerdem besteht unweit von Herzberg (Elster) ein Uranerz-Vorkommen, dessen Abbau sich derzeit ebenfalls nicht lohnt.
Hydrographie mini|Mündung der Kleinen Elster in die Schwarze Elster
Die größten Gewässer im Gebiet sind die namensgebenden Flüsse Elbe und deren Nebenfluss die Schwarze Elster. Vor allem das Gewässersystem der 15 Kilometer südöstlich von Wittenberg in die Elbe mündenden Schwarzen Elster dominiert dabei mit seinen Zuflüssen Pulsnitz, Große Röder, Kleine Elster, Schweinitzer Fließ und Kremitz und dem damit verbundenen weitreichenden Grundwassereinzugsgebiet die Region, sowohl in den Niederungslagen im Südwesten als auch den höher gelegenen Gebieten im Nordosten. Der nahezu komplett eingedeichte Fluss, der einst aus zahlreichen Fließen bestand, gilt heute durch die im 19. Jahrhundert erfolgten massiven Flussbegradigungen als einer der am meisten eingeengten Flüsse Mitteleuropas.Frank Claus: In: Lausitzer Rundschau, 5. Oktober 2010. Im 18. Jahrhundert wurden Elbe und Schwarze Elster durch den Elsterwerda-Grödel-Floßkanal verbunden, der bei Elsterwerda in die Neue Pulsnitz mündet, kurz bevor diese auf am Flusskilometer 71,09 in die Schwarze Elster eintritt.Luise Grundmann, Dietrich Hanspach: Der Schraden. Böhlau, 2001, ISBN 3-412-10900-2. Messwerte 1951–1980 Niederschlag: Elsterwerda
Das Mündungsgebiet der Pulsnitz, welches auch als Schraden bekannt ist, stellt im Südosten der Region die Grenze zu Ober- und Niederlausitz dar und ähnelte früher, wegen der hier damals zahlreich vorhandenen Fließe und der damit verbundenen starken Versumpfung, sehr dem heutigen Spreewald. Der Schraden zählt mit einem Gebietsabfluss von unter 150 Millimetern im Jahr zu den abflussärmsten Gebieten Europas.
Weitere nennenswerte Gewässer der Region sind unter anderem die durch Kiesabbau und einstigem Braunkohlebergbau hervorgegangenen Seen in Bad Erna, im Grünewalder Lauch, Haida, Kiebitz, Zeischa, Mühlberg und Rückersdorf sowie der gegenwärtig in der Entstehung befindliche zum Lausitzer Seenland gehörende Bergheider See bei Lichterfeld.
Flora und Fauna mini|Auerhahn
Das Elbe-Elster-Land ist geprägt von Auenlandschaften in den Flussniederungen des Gewässersystems von Elbe und Schwarzer Elster und ausgedehnten Waldgebieten, von denen die Liebenwerdaer Heide im Osten und die Annaburger Heide im Nordwesten der Region aufgrund ihrer Größe die bedeutendsten sind.