Corps Lusatia 120px|zentriert|Wappen Land Sachsen Hochschule Universität Leipzig Stiftung 7. September 1807 in Leipzig SC Senioren-Convent zu Leipzig Beitritt zum KSCV 1848 NS-Zeit „Auflösung“ am 11. Februar 1936, aktiver Betrieb in SC-Kameradschaft und Corps Misnia IV 1. Verlegung 1946 Misnia in Erlangen, ab 1949 Lusatia im Erlanger Senioren-Convent 2. Verlegung 1958 Lusatia im Berliner Senioren-Convent Rückverlegung Lusatia 1990 wieder in Leipzig Band Zirkel    50px Wahlspruch Libertas vita carior! Korporationsverband Kösener SC-Verband Anschrift Karl-Heine-Straße 14 04229 Leipzig Website https://lusatia-leipzig.de/

Das Corps Lusatia Leipzig ist eine farbentragende, pflichtschlagende Studentenverbindung im Senioren-Convent zu Leipzig. 1848 gehörte das Corps zu den Gründern des Kösener Senioren-Convents-Verbands. Die Corpsmitglieder werden Lausitzer genannt. Die aktiven Lausitzer studieren an der Universität Leipzig und den Leipziger Hochschulen.

Zu den Alten Herren gehören auch Alumni der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, der Freien Universität Berlin, der Technischen Universität Berlin, der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau, der Universität Hamburg, der Universität zu Köln und der RWTH Aachen. Derzeit hat das Corps ca. 140 lebende Mitglieder. Insgesamt hat Lusatia seit der Stiftung über 1.400 Corpsbrüder recipiert.

Couleur und Wahlspruch Die Lausitzer tragen das stahlblau–gold–rote Band und eine blaue Studentenmütze im kleinen Biedermeierformat. Das Fuchsenband ist stahlblau–rot.

Der Wahlspruch ist Libertas vita carior! (dt. „Die Freiheit ist uns teurer als das Leben!“).

Geschichte Kantoneinteilung des SC im Königreich Sachsen (1814)|mini mini|Feierlicher Corpsconvent des Corps Lusatia im Hotel de Prusse in Leipzig (50. Stiftungsfest 1857) mini|260x260px|Altes Wappen des Corps Lusatia Leipzig

Gründungszeit Studenten aus der Lausitz (lat. Lusatia) stifteten das Corps mit den Farben blau-rot-gold am 7. September 1807. Die Constitution des Corps datiert vom 13. Januar 1808.Ernst Meyer-Camberg (Hrsg.): 21 der ältesten Constitutionen der Corps und ihrer Vorläufer bis zum Jahre 1810. Einst und Jetzt, Bd. 26 (1981), S. 145–150 Am 13. Januar 1808 nahm Lusatia den Namen Coniunctio Lusato-Polonica an. Sie kehrte am 9. August 1808 zum früheren Namen zurück und änderte am 24. März 1832 die Farbenfolge in blau-gold-rot.Paulgerhard Gladen: Die Kösener und Weinheimer Corps. Ihre Darstellung in Einzelchroniken. WJK-Verlag, Hilden 2007, ISBN 978-3-933892-24-9 Als Reaktion auf das Alleinvertretungsbestreben der Urburschenschaft gründete Lusatia mit Gleichgesinnten 1821 auf der Rudelsburg den Allgemeinen Senioren-Convent Jena-Leipzig-Halle, den Vorläufer des Kösener Senioren-Convents-Verbands.

Wegen einer Verrufserklärung wurde Lusatia mit den anderen Leipziger Corps am 12. März 1887 durch die Universität suspendiert. Dafür stiftete sie am 21. April 1887 „Cimbria“ mit den Farben hellblau-schwarz-kirschrot. Die Suspendierung endete am 10. September 1888.

Einer Anregung des Leipziger Universitätsrektors Karl Lamprecht folgend, beteiligte sich Lusatia 1911 führend an der Gründung des Allgemeinen Studentenausschusses (AStA) der Universität Leipzig. Der Lausitzer Walther Grosse wurde mit der Ausarbeitung des Satzungsentwurfs betraut und zum Vertreter des Rektors bei den Verhandlungen mit den unterschiedlichen studentischen Gruppen bestimmt. Im November 1911 wurde die Gründung des AStA auf der Grundlage von Grosses Ausarbeitung vollzogen. Die Leipziger Korporationen konnten dadurch in der studentischen Mitverwaltung ihren Primat gegenüber der Freistudentenschaft behaupten.Egbert Weiß: Der allgemeine Studentenausschuss Leipzig 1911 - Corpsstudentische Hochschulpolitik vor dem 1. Weltkrieg. In: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung 19 (1974), S. 104–110.

Suspension Auf Betreiben vom örtlichen Leiter der Deutschen Studentenschaft suspendierte die Universität Leipzig das Corps im April 1934. Der Grund waren Auseinandersetzungen mit dem NS-Studentenbund. Lusatia widersetzte sich erfolgreich. Nach der Auflösung des HKSCV am 28. September 1935 suspendierte Lusatia am 11. Februar 1936. Mit den Corps Budissa, Saxonia Leipzig und Thuringia Leipzig führte sie ihre Tradition in der Kameradschaft Markgraf von Meißen, die ihren Sitz zunächst auf dem Sachsenhaus, dann auf dem Lausitzerhaus hatte, getarnt weiter.Erich Bauer: Die Kameradschaften im Bereiche des Kösener SC in den Jahren 1937-1945. In: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung 1 (1956), S. 28. Während des Zweiten Weltkrieges setzten Soldaten der Studentenkompanien das Corpsleben an der Universität Leipzig fort. Sie fochten Mensuren im geheimen Leipziger Waffenring. Nach ihrem Versuch, 1944 auch den Kösener SC-Verband auf der Rudelsburg neu zu gründen, leitete die Gestapo ein Verfahren wegen Hochverrats ein.

Nachkriegszeit Da sich ein Weiterleben unter dem kommunistischen Regime nach dem Zweiten Weltkrieg in Leipzig als unmöglich erwies, wurde der Corpsbetrieb 1946 zunächst an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen verlegt. Im Erlanger Senioren-Convent gehörte Lusatia zu den 22 Corps, die sich im Januar 1950 in der Interessengemeinschaft zusammenschlossen und die Rekonstitution des KSCV vorbereiteten.

1958 verlegte das Corps nach West-Berlin. Dort erzwang es 1968 gegen die Freie Universität gerichtlich seine Zulassung als studentische Vereinigung.Verwaltungsgericht Berlin in DVBl. 68, 714 Nach der Deutschen Wiedervereinigung kehrte Lusatia 1990 an die Heimatuniversität zurück. Seit 1993 führt sie auch die Tradition des 1832 gestifteten Corps Lusatia Breslau fort. Lusatia Breslau war im westdeutschen Exil Mitglied des SC zu Köln und hatte nach Tradition der Technischen Hochschule Breslau einen weiteren Standort an der RWTH Aachen.

Seit 2000 Seit 2005 tritt Lusatia amtlichen Bestrebungen entgegen, das Corps an der Universität Leipzig aus dem Blickfeld der Studentenschaft zu rücken. Ein Rechtsstreit war deswegen anhängig; der Anspruch des Corps, auf die Website der Universität verlinkt zu werden, wurde zurückgewiesen.Aktenzeichen 2 B 386/07 des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts Bautzen, Entscheidung:

Vorort hochkant|mini|EM Emil Munz, Vorsitzender des oKC 1861 In den Jahren 1861, 1895, 1914 und 1987 (Berlin) stellte Lusatia als präsidierendes Vorortcorps den Vorsitzenden des oKC. Auch der Tübinger Vorortsprecher (1959) war Lausitzer. Paul Hirche (Lusatia Leipzig, Neoborussia Berlin) unterstützte Leonhard Zander 1881 bei seiner Kösener Reforminitiative.

Corpshaus Seit Ende 2005 besitzt das Corps ein neues Corpshaus, das Lausitzerhaus, in der Karl-Heine-Straße 14 in Leipzig. Das zweigeschossige Gebäude befindet sich in der westlichen Vorstadt nahe dem Campus Jahnallee. Im Foyer befindet sich ein Porträt des Universitätsgründers und des ersten Rektors aus dem Jahr 1409, an welches sich der Thekenraum mit historischen Abbildungen des Corps anschließt. Durch eine Flügeltür ist der große Veranstaltungssaal, die große Kneipe, zu erreichen.

Auswärtige Beziehungen mini|Früheres Corpshaus in der Karlstraße 7Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 86. (1910) Lusatia ist das älteste blaue Corps, steht aber ebenso in Verhältnisverträgen mit Corps anderer Kösener Kreise, mit kreisfreien Corps und mit einem Corps des Weinheimer Senioren-Convents. Während des Kartells mit dem Corps Franconia Jena (11. August 1837 bis 9. Mai 1842) trugen die Corpsburschen beide Bänder. Dazu blieben sie auch später berechtigt.Kösener Corpslisten 1960, S. 21

Kartellcorps Borussia Halle Hannovera Göttingen

Innig befreundete Corps Onoldia Erlangen

Befreundete Corps Palatia-Guestphalia Marchia Berlin Thuringia Jena Corps Palaiomarchia-Masovia Kiel Corps Baltica-Borussia Danzig zu Bielefeld Erz Leoben Rhaetia Innsbruck zu Augsburg

Vorstellungsverhältnisse Suevia Prag

Einzelne Mitglieder mini|Icon der Lusatia (von Helm. Weiß) Seit der Stiftung im Jahre 1807 wurden über 1.400 Corpsbrüder in den inneren Corpsverband recipiert.

Kommunalbeamte Gerhard Hachmann (1838–1904), Erster Bürgermeister von Hamburg Wilhelm Harbeck (1862–1945), Kommunalbeamter in Altona Max Küstner (1855–1940), Bürgermeister von Meuselwitz und Friedrichroda, MdL Kurt Alwin Lade (1843–1922), Oberbürgermeister von Gera Franz Milde (1864–1926), Jurist im oberschlesischen Knappschaftswesen Victor Niemeyer (1863–1949), Ballonfahrer, Ehrenbürger von Essen Julius Schuster (1817–1863), Oberbürgermeister von Ulm Heinrich Sturm (1860–1917), Oberbürgermeister von Chemnitz Carl Woelck (1868–1937), Bürgermeister von Weißensee (ab 1920 zu Groß-Berlin) Kurt Woelck (1882–1958), letzter Oberbürgermeister von Spandau (ab 1920 zu Groß-Berlin) Hans Ziegner-Gnüchtel (1859–1926), Bürgermeister der Stadt Wilhelmshaven

Künstler, Schriftsteller und Journalisten Erich Bauer (1890–1970), Studentenhistoriker Walter Bloem (1868–1951), Schriftsteller Hans-Dieter Brunowsky (1923–2012), Marineoffizier, Volkswirt und Schriftsteller (Opa) Waldemar Dyhrenfurth (1849–1899), Staatsanwalt, Schöpfer des Bonifatius Kiesewetter Ottomar Jänichen (1900–1967), Außenhandelskaufmann und Schriftsteller Christoph Kaempf (1913–2001), Mitgründer des Deutsch-Japanischen Kulturinstituts in Kyoto Ferdinand Lindner (1842–1906), Maler und Illustrator Wilhelm Noeldechen (1839–1916), Dichterarzt Eberhard Schaetzing (1905–1989), Gynäkologe, Psychotherapeut (Psychopax, Die verstandene Frau) Alfred von Seckendorff (1796–1876), Majoratsherr, Dichterjurist in Sachsen-Altenburg Otto Söffing (1875–1952), Herausgeber der Mecklenburger Umschau Bernhard Sommerlad (1905–1979), Verlagsbuchhändler und Schriftsteller

Mediziner Julius Clarus (1819–1863), Pharmakologe Eckart Förster (1920–1999), Kinder- und Jugendpsychiater Hans-Joachim Funfack (1921–2006), Urologe und Chirurg Max Funfack (1895–1972), Urologe Carl Häbler (1894–1956), Chirurg Hartmut Horst (1941–2013), Internist, Fluchthelfer in West-Berlin Fritz König (1866–1952), Pionier der Unfallchirurgie und Neurochirurgie Otto Küstner (1849–1931), Gynäkologe Franz Pfaff (1860–1926), Pharmakologe in Boston Caspar von Siebold (1801–1861), Gynäkologe Wolfgang Steinhilber (1931–2009), Kieferchirurg Wolf Sturm (1921–2013), Arbeitsmediziner Karlheinz Tietze (1912–1996), Internist und Sportmediziner

Naturwissenschaftler und Ingenieure Hermann Pauly (1870–1950), Chemiker (Pauly-Reaktion) Georg Gottlieb Pusch (1791–1846), Hütteningenieur, Chemiker und Geologe, Professor der Chemie und Hüttenkunde, Bergrat und Chef der Berg- und Hüttensektion Warschau, Begründer der Geologie Polens Julius Upmann (1838–1900), Chemiker, Sprengstoffexperte

Parlamentarier und Minister Traugott Ahlemann (1804–1881), Bürgermeister von Spremberg und Guben, Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses Dirk Agena (1889–1934), Landwirtschaftspolitiker in der Weimarer Republik Ernst Bassermann (1854–1917), Fraktionsvorsitzender der Nationalliberalen im Reichstag Ernst Brandes (1862–1935), Agrarpolitiker Theodor von Brescius (1798–1871), Landrat, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Theodor Christomannos (1854–1911), Abgeordneter zum Tiroler Landtag und Entwickler Tirols, bedeutender Alpinist Karl Haedenkamp (1889–1955), Standespolitiker, Kaiser über Bützow Alwin Hartmann (1840–1921), Reichstagsabgeordneter Friedrich Theophil Hensel (1798–1869), Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, Abgeordneter im Sächsischen Landtag Scipio Agricola Herbig (1824–1891), Mitglied des Konstituierenden Reichstags des Norddeutschen Bundes Eduard Knoll (1817–1882), Justizrat und Landrat des Fürstentums Reuß älterer Linie, Mitglied des Greizer Landtags