Das Haus Fleiner Straße 1 in Heilbronn war die nach Entwürfen von Karl Ludwig von Zanth errichtete Villa Goppelt, ab 1933 auch als Braunes Haus bekannt. An der Stelle des am 4. Dezember 1944 beim Luftangriff auf Heilbronn zerstörten Hauses wurde 1964 ein achtstöckiges Geschäftshaus nach Plänen von Otmar Schär errichtet.
Geschichte Vorkriegsbau mini|hochkant|Villa Goppelt um 1836 mini|hochkant|Villa Goppelt um 1904 (links vorne) 1835/1836 ließ sich Adolf Goppelt das Gebäude als Wohn- und Geschäftshaus erbauen. Das Gebäude wurde nach Entwürfen von Karl Ludwig von Zanth errichtet und mit Malereien im pompejanischen Stil gestaltet. In dem Haus befand sich auch der Firmensitz des Handlungshauses Goppelt, eine Kolonialwaren- und Weingroßhandlung, die 1747 von Johann Gottfried Goppelt (1718–1779) gegründet worden war.Christhard Schrenk, Hubert Weckbach: „… für Ihre Rechnung und Gefahr“. Rechnungen und Briefköpfe Heilbronner Firmen. Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 1994, ISBN 3-928990-48-9 (Kleine Schriftenreihe des Archivs der Stadt Heilbronn. Band 30), S. 48. Am 30. April 1846 war auch ein Liebhaber-Theater mit einem Prolog von David Friedrich Strauß in dem Bau eröffnet worden. Ab 1933 befand sich in dem Haus das Zentrum der NSDAP in Heilbronn, das dann als Braunes Haus mit Kreisleitung, Schulungskursen, NS-Bibliothek und Buchhandlung bekannt war. In den Kellern des Hauses wurden NS-Gegner, insbesondere Juden von Heilbronn, gefoltert.Uwe Jacobi: Die vermißten Ratsprotokolle. 3. Auflage. Verlag Heilbronner Stimme, Heilbronn 1995, ISBN 3-921923-09-3. S. 25Hans Franke: Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn – Vom Mittelalter bis zur Zeit der nationalsozialistischen Verfolgungen (1050–1945), Heilbronn 1963 (auch als PDF, 1,2 MB) [im Register auf S. 380 NSDAP und SA: Braunes Haus S. 114, 241] Tekla Sänger beschrieb in einem Brief die Vorgänge in den Kellern des Braunen Hauses:
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde in den Kellern des Goppeltschen Hauses eine Warnzentrale eingerichtet. Reste der einstigen Warnzentrale waren nach dem Krieg noch vorhanden.Wilhelm Steinhilber: Heilbronn. Die schwersten Stunden der Stadt. Verlag Heilbronner Stimme, Heilbronn 1961, S. 22: Im Keller des Goppeltschen Hauses Fleiner Straße 1 war die Warnzentrale. S. 23: Unten: Die Reste der einstigen Warnzentrale.
Die Villa zählte zu den bedeutenden Werken prominenter auswärtiger Künstler, die in Heilbronn tätig waren:Julius Fekete: Kunst- und Kulturdenkmale in Stadt und Landkreis Heilbronn. Theiss, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1662-2, S. 17. (Historismus).
Nachkriegsbau 1964 wurde ein achtstöckiges Geschäftshaus nach Plänen von Otmar Schär errichtet. Mit seinen 25 Metern Höhe zählte das Haus zu den „höchsten Bauwerken der Heilbronner Innenstadt“. Beim Neubau wurde der noch vorhandene Bunker des Braunen Hauses mit seinen schweren Eisentüren und dicken Wänden als Lagerraum gestaltet. Da das Haus auf dem früheren Stadtgraben steht, musste als Fundament eine schwere Eisenbetonplatte verwendet werden. Die Elektro-Großhandlung Erich Weber, am 1. Juli 1948 in der Schmidbergstr. 25 gegründet, wurde am 1. Juli 1958 von Elektro-Ziegler übernommen, die auch den Neubau errichten ließ.
Einzelnachweise
Weblinks
Villa Goppelt um 1836 auf stadtgeschichte-heilbronn.de
Goppelt Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Heilbronn Kategorie:Bauwerk des Historismus in Heilbronn Heilbronn, Fleiner Strasse 01 Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg