Der Berg der israelisch-palästinensischen Freundschaft (The Mountain of Israeli-Palestinian Friendship) ist ein 997 m hoher Berggipfel nahe dem Bruce-Plateau in der Antarktis. Er wurde im Jahr 2004 gemeinsam durch ein achtköpfiges Team, bestehend aus vier Israelis und vier Palästinensern, bestiegen und benannt.

Hintergrund und Vorbereitung Die Expedition wurde arrangiert von der Organisation Breaking the Ice. Der Gründer dieser Organisation, Nathaniel Heskel, wollte damit zeigen, dass Palästinenser und Israelis zusammenarbeiten könnten, trotz der nicht enden wollenden Unruhen in ihrer Heimat.

Die Mitglieder der Expedition segelten zusammen in Tel Aviv und trainierten etwa zwei Monate in den französischen Alpen, bevor sie von Chile aus die Reise in die Antarktis antraten.

Team-Mitglieder Israelische Team-Mitglieder Zu dem Zeitpunkt der Expedition wurde Nathaniel Heskel 40 Jahre alt und war ein Bauunternehmer in Deutschland. Er diente seit zehn Jahren in den israelischen Streitkräften.

Doron Erel war zum Zeitpunkt der Expedition 44 Jahre alt. Er ist einer der besten Bergsteiger Israels und war 1992 der erste Israeli, der den Mount Everest bestieg. Später bestieg er die Seven Summits, die jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente. 1990 nahm er an der Suche nach Überlebenden eines Lawinenunglücks teil, bei dem 43 Kletterer auf dem Pik Lenin getötet wurden. Er diente in der Eliteeinheit Sajeret Matkal der israelischen Armee. Seine Eltern waren Holocaust-Überlebende aus Polen.

Der Jurist Avihu Shoshani, ein ehemaliger Elite-Kommandant, der vier Jahre bei den israelischen Verteidigungskräften verbracht hatte, war zum Zeitpunkt der Expedition 44 Jahre alt. Er war Teil der rechtsextremen politischen Szene in Israel.

Die Doktorandin Yarden Fanta war zum Zeitpunkt der Expedition 33 Jahre alt. Sie wanderte mit 14 Jahren aus Äthiopien über den Sudan nach Israel aus. Damals war sie Analphabetin. Die ersten 12 Jahre ihres Lebens verbrachte sie in einem kleinen äthiopischen Dorf namens Macha. Dort half sie ihrer Familie bei der Versorgung der Kühe.

Palästinensische Team-Mitglieder Der Football-Trainer Nasser Quos war zum Zeitpunkt der Expedition 35 Jahre alt. Er verbrachte drei Jahre in einem israelischen Gefängnis für einen Angriff auf israelische Truppen mit Brandbomben in der ersten Intifada. Später arbeitete er als Leibwächter für den PLO-Vertreter in Jerusalem Faisal Husaini.

Suleiman al-Khatib war zum Zeitpunkt der Expedition 32 Jahre alt. Er war Mitglied der Fatah-Partei, war zehn Jahre in einem israelischen Gefängnis inhaftiert für Kämpfe gegen die israelischen Truppen. Er war damals 14 Jahre alt. Während seines Gefängnisaufenthalts studierte er Hebräisch, Englisch, Literatur und Geschichte.

Zum Zeitpunkt der Expedition war Ziad Darwish 53 Jahre alt. Sein Bruder, Mitglied einer radikalen palästinensischen Bewegung, wurde 1982 bei einer Razzia der israelischen Armee getötet. Sein Vetter war der bekannte palästinensische Dichter Mahmoud Darwish.

Die Journalistin Olfat Haider war zum Zeitpunkt der Expedition 33 Jahre alt und war die einzige Palästinenserin in der israelischen Volleyballnationalmannschaft. Sie arbeitete als Gymnastiklehrerin.

Die Expedition Die Expedition startete am 1. Januar 2004 in Puerto Williams in Chile, wo die Teilnehmen an Bord der Hochsee-Yacht Pelagic Australis gingen. Die Yacht steuerte rund 600 Meilen in den gefährlichsten Meeren, darunter um Kap Hoorn und durch die Roaring Forties.

Nach ihrer Ankunft in der Antarktis benötigte die Reisegruppe eine Woche, bis sie den Fuß des Berges erreichte. Bei starkem Wind und schlechter Sicht, in einem Gelände mit vielen Gletscherspalten, begannen sie ihren Aufstieg. Sie zogen in zwei gemischten Vierergruppen los, mit Steigeisen an ihren Stiefel und Eispickel in den Händen. Die Israelis und Palästinenser übernahmen die Verantwortung für das Leben jedes anderen. Nachdem sie über einen Gletscher geklettert waren, erreichten sie den Gipfel um 4 Uhr am 16. Januar 2004.

Auf dem Gipfel knieten die drei muslimischen Männer nieder im Gebet in Richtung Mekka. Die Israelis öffneten Champagner für alle. Ziad Darwish war zu Tränen gerührt. Er sagte: „Dieser Moment ist so schön, zu sehen, dass Israelis und Palästinenser diese Art von Sachen zusammenmachen. Aber es lässt mich auch an all die schrecklichen Dinge denken, die wir dem anderen zu Hause tun.“ (“This moment is so beautiful, seeing Israelis and Palestinians doing this kind of thing together. Yet, it also makes me think of all the horrible things we're doing to one another back home.”)

13.000 Kilometer entfernt von ihrem Zuhause im Nahen Osten machte die Truppe eine gemeinsame Gipfelerklärung, die alle acht zuvor vereinbart hatten:

Die Erstellung dieser Gipfelerklärung hatte ein paar Tage vor der Besteigung des Berges zu hitzigen Debatten geführt. Schließlich hatten die Mitglieder vereinbart, jede Spur von Gewalt in ihrer gemeinsamen Erklärung abzulehnen. Trotz der bitteren Meinungsverschiedenheiten über alles, über Politik im Nahen Osten, waren die Expeditionsmitglieder trotzdem miteinander verbunden und halfen sich gegenseitig während Seekrankheit und schlechten Wetter- und Sichtverhältnissen.

Einzelnachweise

Kategorie:Bergsteigen Kategorie:Geschichte (Antarktis) Kategorie:Israelisch-palästinensische Verständigung