mini|Hasnain Kazim auf der Frankfurter Buchmesse 2018

Hasnain Niels Kazim (* 19. Oktober 1974 in Oldenburg) ist ein deutscher Journalist und Autor. Er erlangte besondere Aufmerksamkeit durch seine Arbeit als Südasien- und später Türkei-Korrespondent für Spiegel Online, wo er für seine kritische Berichterstattung, auch unter persönlichen Risiken, bekannt wurde. Seine Werke und sein Engagement gegen Rassismus und Populismus beziehen sich zumeist auf gesellschaftliche Themen und den interkulturellen Dialog.

Leben Kazim ist Sohn pakistanisch-indischer Schiiten, die zum Christentum konvertierten, und wuchs evangelisch auf. Sein Vater war Seemann, seine Mutter arbeitete als Übersetzerin. Kazim wuchs zusammen mit seiner Schwester in Hollern-Twielenfleth im Alten Land auf und besuchte das Stader Vincent-Lübeck-Gymnasium, für das er 2010 Pate beim Schullabel Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage wurde. Mit 19 trat er aus der Kirche aus. 1994 trat er als Offizieranwärter in die Deutsche Marine ein und studierte an der Universität der Bundeswehr Hamburg Politikwissenschaft. Nach dem Studium diente er als Marineoffizier.

Für die FDP erreichte er als Kandidat bei der Landtagswahl in Niedersachsen 1998 im damaligen Wahlkreis 70 ein persönliches Ergebnis von 2,7 Prozent der Erststimmen. Zwei Monate nach der Wahl trat er aus der FDP aus.

Seine journalistische Karriere begann Kazim als freier Mitarbeiter beim Stader Tageblatt. Danach war er unter anderem für die Heilbronner Stimme sowie für die Nachrichtenagentur dpa tätig. Ab 2006 arbeitete er als Redakteur bei der Nachrichten-Website Spiegel Online. Ab Juli 2009 war er als Südasien-Korrespondent von Spiegel Online sowie dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel in Islamabad, ab 2013 deren Türkei-Korrespondent in Istanbul. 2014 wurde er wegen seiner Berichterstattung über das Grubenunglück von Soma von Anhängern des türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan massiv angefeindet und erhielt Morddrohungen, woraufhin er die Türkei aus Sicherheitsgründen kurzfristig verließ. Türkische Behörden verweigerten ihm und weiteren Journalisten„Spiegel“-Korrespondent verlässt Ankara, faz.net, 17. März 2016. nach monatelanger Wartezeit zu Beginn des Jahres 2016 die Verlängerung der Presseakkreditierung. Da die türkische Aufenthaltsgenehmigung für ausländische Journalisten eine Akkreditierung voraussetzt, zog er im März 2016 nach Wien, wo er als Österreich-Korrespondent arbeitete und weiterhin über die Türkei berichtete. Ende 2019 schied er als Spiegel-Korrespondent aus und arbeitet seither als freier Autor in Wien.

Publizistische Tätigkeit Kazim ist Autor der Bücher Grünkohl und Curry, das die Einwanderung in Deutschland aus seiner persönlichen Sicht thematisiert, Plötzlich Pakistan, ein literarisches Gesellschaftsporträt des Landes, Krisenstaat Türkei über Erdoğan und das Ende der Demokratie am Bosporus sowie Post von Karlheinz über deutsche Hassmails und seine Antworten darauf. In seinem Buch Auf sie mit Gebrüll! ... und mit guten Argumenten gibt er Anleitungen, Pöblern und Populisten Paroli zu bieten. Seit Ende 2010 ist er Pate des Vincent-Lübeck-Gymnasiums in Stade im Projekt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.

Zusammen mit den Journalisten Mely Kiyak, Yassin Musharbash, Deniz Yücel, Özlem Topçu, Özlem Gezer, Doris Akrap und Ebru Taşdemir las er bis 2015 bei der „antirassistischen Leseshow“ Hate Poetry . rassistische Schmäh- und Drohbriefe vor, mit denen er wegen seiner journalistischen Tätigkeit häufig belästigt wird. 2014 wurde das Gründungsteam von Hate Poetry in der Kategorie „Sonderpreis“ als Journalisten des Jahres ausgezeichnet.

Nach der Bundestagswahl 2017 wurde Kazim von Marc Felix Serrao in der Neuen Zürcher Zeitung für seine Kommentierung des Wahlergebnisses in Ostdeutschland kritisiert. Kazim hatte geschrieben: „Höre, ich solle Ostdeutsche ,ernst nehmen‘. Ihr kamt 1990 mit dem Trabbi angeknattert und wählt heute AfD – wie soll ich euch ernst nehmen?“ 2019 tauschte Kazim mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer für eine Woche die Facebook-Profile, um in einem Experiment die Resonanz von Social-Media-Posts bei unterschiedlichen Filterblasen zu erproben.

2020 wurde Kazim für einen Tweet über Russlanddeutsche kritisiert. Kazim schrieb, um von der Kohl-Regierung als Russlanddeutscher anerkannt zu werden, habe „der Besitz eines Schäferhundes vor 200 Jahren“ ausgereicht. Der Migrationsforscher Jannis Panagiotidis kritisierte die Äußerung in der taz und auf Dekoder als diskriminierend und verglich sie mit rechten Parolen aus den 1990er Jahren. Russlanddeutsche posteten als Reaktion auf Kazims Äußerung in Sozialen Medien Bilder von sich und ihren Hunden. Kazim entschuldigte sich später auf Facebook.

Werke

Mein Kalifatskochbuch. Weisheiten & Rezepte - Von Arbeitercurry bis Zwiebelmett – der Kalif bittet zu Tisch. Penguin, München 2022, ISBN ZOFF! BUMM! BÄMM!- Ein Streitbuch. Carlsen, Hamburg 2023, ISBN

Der Islam und ich: Was mich meine Familie, meine norddeutsche Heimat und mein Leben in muslimischen Ländern über den Islam gelehrt haben. Penguin, München 2026, ISBN 978-3-641-33785-8.

Auszeichnungen Kazim wurde im Jahr 2009 mit dem CNN Journalist Award ausgezeichnet für seinen Bericht Angriff auf Mumbai. Protokoll eines mörderischen Feldzugs. Darin rekonstruierte er den Terrorangriff auf die indische Großstadt im Jahr 2008. Er erhielt 2015 den Medienpreis Goldener Kompass„Goldener Kompass“:Tatort-Kommissar Striesow erhält KEP-Medienpreis, pro-medienmagazin.de, 10. April 2015, abgerufen am 14. März 2017. und erreichte bei der Wahl zum Politikjournalisten des Jahres 2016 des Medium Magazins den dritten Platz.Journalisten des Jahres 2016 des Medium Magazins, abgerufen am 14. März 2017.

Weblinks

Website von Hasnain Kazim

Einzelnachweise

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