mini|Dirk Helbing, 2017 Dirk Helbing (* 19. Januar 1965 in Aalen, Deutschland) ist ein deutscher Physiker und Soziologe.

Er ist Professor am Department für Geistes-, Sozial- und Politikwissenschaften der ETH Zürich sowie Mitglied des Informatikdepartments.Dirk Helbing, ETH Department of Humanities, Social and Political Sciences auf coss.ethz.ch, abgerufen am 25. Mai 2017 Im Januar 2014 erhielt Helbing die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Delft (TU Delft).ETH Zurich: Seit Juni 2015 war er überdies für einige Jahre assoziierter Professor an der Fakultät für Technik, Politik und Management an der Technischen Universität Delft, wo er die Doktorandenschule „Engineering Social Technologies for a Responsible Digital Future“ betreute.TU Delft: PhD Program in Engineering Social Technologies for a Responsible Digital Future, 2015

Leben und Wirken Dirk Helbing studierte Physik und Mathematik an der Universität Göttingen. Mit seiner Diplomarbeit initiierte er den Bereich der Fußgängermodellierung und -simulation. Er promovierte und habilitierte in Theoretischer Physik bei Wolfgang Weidlich an der Universität Stuttgart. Mit seiner Doktorarbeit aus dem Jahre 1992 und seiner Habilitationsschrift aus dem Jahre 1996Dirk Helbing: Verkehrsdynamik – Neue Physikalische Modellierungskonzepte. Springer, Berlin 1997, Online half er, die Bereiche der Sozio-, Econo- und Verkehrsphysik mit aufzubauen.Marcus Anhäuser: Sie verstehen zu überleben, Sueddeutsche Zeitung, sec. wissen., 2010 Er war überdies Mitbegründer der Sektion Physik sozio-ökonomischer Systeme der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG).Deutsche Physikalische Gesellschaft: , 2009 Als Gastwissenschaftler an der Universität Tel Aviv und dem Weizmann-Institut in Israel, der Eötvös-Universität in Budapest und Xerox PARC in Kalifornien konzentrierte er sich auf verschiedene komplexe Systeme – von der Selbstorganisation von FußgängernDirk Helbing, Péter Molnár: Social Force Model for Pedestrian Dynamics. Physical Review E 51, 1995, 5- 4282–86 doi:10.1103/PhysRevE.51.4282. über Massenpaniken und StausDirk Helbing, Bernardo A. Huberman: Coherent Moving States in Highway Traffic. Nature 396 (6713), 1998, S. 738–40. doi:10.1038/25499. sowie BakterienmusternBen-Jacob, Eshel, Inon Cohen, Ido Golding, David L. Gutnick, Marianna Tcherpakov, Dirk Helbing, Ilan G. Ron: Bacterial Cooperative Organization under Antibiotic Stress. Physica A: Statistical Mechanics and Its Applications 282 (1–2), 2000, S. 247–82 doi:10.1016/S0378-4371(00)00093-5. bis hin zu La-Ola-Wellen.I. Farkas, Dirk Helbing, Tamás Vicsek: Social Behaviour: Mexican Waves in an Excitable Medium. Nature 419 (6903), 2002, S. 131–132 doi:10.1038/419131a. An der Technischen Universität Dresden war er Geschäftsführender Direktor des Instituts für Wirtschaft und Verkehr, arbeitete an Verkehrsassistenzsystemen (d. h. frühen selbstfahrenden Fahrzeugen) und einem selbstorganisierten Ampelsteuerungssystem, das patentiert wurde. Er entdeckte, dass viele Massenpaniken durch ein Phänomen namens Crowd-Turbulenz verursacht werden und arbeitete an Möglichkeiten, Katastrophen zu reduzieren und wirksamer zu bekämpfen. Als Professor für Soziologie an der ETH Zürich forschte er im Bereich evolutionäre Spieltheorie und agentenbasierte Computersimulation sozialer Prozesse und Phänomene.

Die Arbeit von Helbing ist durch zahlreiche Publikationen und Medienberichte dokumentiert, darunter in Nature, Science und PNAS. Im Jahr 2012 gewann er den Idee Suisse Award. Er war Gründer des Kompetenzzentrums für Krisenbewältigung in komplexen sozio-ökonomischen Systemen (CCSS), sowie Mitbegründer des Entscheidungslabors (DeSciL), des Risk Center, des Kompetenzzentrums Citizen Science, und des Hubs for Ethics and Technology in Zürich, ebenso des Blockchain Labs in Delft. Während der Koordination der FuturICT-Initiative half er, die Datenwissenschaft und die Computational Social Science in Europa sowie die globale Systemwissenschaft zu entwickeln.

Im November 2015 war Helbing einer von neun Autoren eines Digital-Manifests mit der Überschrift „Digitale Demokratie statt Datendiktatur“, das in der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft veröffentlicht wurde.Digitale Demokratie statt Datendiktatur von Dirk Helbing, Bruno S. Frey, Gerd Gigerenzer, Ernst Hafen, Michael Hagner, Yvonne Hofstetter, Jeroen van den Hoven, Roberto V. Zicari und Andrej Zwitter

Helbing wurde zum Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften der Leopoldina und der Weltakademie für Kunst und Wissenschaft gewählt. Kurzfristig arbeitete er auch für das World Economic Forum im Rahmen des Global Agenda Councils für komplexe Systeme.World Economic Forum’s Global Agenda Council on Complex Systems: Perspectives on a Hyperconnected World: Insights from the Science of Complexity Er war Mitglied der externen Fakultät des Santa Fe Instituts und gehört heute der externen Fakultät des Complexity Science Hub Vienna an. Auch saß er in den Boards des Global Brain Instituts in Brüssel und des Internationalen Zentrums für Erdsimulation in Genf. Er war überdies mehrfach Mitglied von staatlichen und akademischen Wissenschaftsausschüssen, die sich mit der digitalen Transformation unserer Gesellschaft befassen.

Publikationen (Auswahl)

Next Civilization: Digital Democracy and Socio-ecological Finance. How to Avoid Dystopia and Upgrade Society by Digital Means. 2. Auflage. Springer Nature, Cham 2021, ISBN 978-3-030-62329-6.

Weblinks

Dirk Helbing: Physics, Sociology and the Clash of Cultures: From Crowd Intelligence to Socially Inspired Technology. Einführungsvorlesung. Videoportal der ETH Zürich, 9. April 2008.

Einzelnachweise

Kategorie:Soziologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Soziologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (ETH Zürich) Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Dresden) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (21. Jahrhundert) Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität Delft Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1965 Kategorie:Mann