mini|Die Festung Rothenberg aus südöstlicher Richtung gesehen mini|Lageplan der Festung mini|Winterliche Luftaufnahme aus westlicher Richtung

Die Festung Rothenberg ist eine Festung und ehemalige Veste auf dem gleichnamigen, hohen Berg bei Schnaittach in der Fränkischen Alb.

Geschichte Anfänge und Vorgeschichte (ab ca. 600 v. Chr.) Die erste Besiedelung des Rothenbergs ist vermutlich auf keltische Stämme der Hallstattzeit zurückzuführen, die dort möglicherweise ein Oppidum errichtet hatten, ähnlich wie die nahen Anlagen auf der Houbirg und der Ehrenbürg. Im Hochmittelalter entstanden in unmittelbarer Umgebung zahlreiche Höhenburgen (z. B. Osternohe, Reicheneck, Spitzenberg, Strahlenfels, Wildenfels, Winterstein und Kleiner Hansgörgel). Wann genau die erste mittelalterliche Befestigungsanlage auf dem Rothenberg entstand, ist nicht bekannt.

Der Alte Rothenberg (1254–ca. 1300)

Eine erste Anlage, die als Rothenberg bezeichnet wurde, ist der Burgstall Alter Rothenberg nordwestlich der heutigen Festung. Etymologisch rührt der Name entweder von dem dort vorhandenen rotfarbenen Sandstein oder der Begebenheit, dass es sich um einen „gerodeten Berg“ gehandelt hatte, her. Die erste schriftliche Erwähnung der Herren vom Rothenberg (ehemals jene von Hiltpoltstein und Lauf), die dort saßen, datiert auf das Jahr 1254.Wörler 2008, S. 18f. Dieses Geschlecht starb jedoch noch im 13. Jahrhundert aus und die Burg gelangte durch Heirat in den Besitz der Wildensteiner. Nachdem die Anlage vermutlich bei einer Fehde zerstört worden war, wählte man für den Neubau eine andere Erhebung.

Burg Rothenberg (ca. 1300–ca. 1360) Etwa zwischen 1300 und 1330 errichtete Dietrich von Wildenstein eine Gipfelburg auf dem heutigen Rothenberg. Die Wildensteiner verkauften diese 1360 an Kaiser Karl IV in seiner Rolle als König vom Böhmen. Er ließ die Burg zur Veste ausbauen, um das von ihm geschaffene Herrschaftsgebiet Neuböhmen abzusichern.

Veste Rothenberg (ca. 1360–1478) Als Eigentum des Kaisers gewann der Rothenberg erheblich an Bedeutung. Beamte und Handwerker ließen sich außerhalb der Burgmauern nieder. Diese Ansiedelung wuchs weiter, erhielt eine Kirche mit Pfarrhof, Friedhof sowie eine umschließende Mauer mit Graben, die mit 26 Türmen verstärkt war, und wurde schließlich zur Stadt Rothenberg mit eigenem Rathaus. Der Zugang zum Schloss (Burg) war nur über das Städtlein möglich.

Nachdem Karls Sohn und Nachfolger Wenzel am 20. August 1400 durch vier Kurfürsten als Deutscher König abgesetzt worden war, wurde 1401 auch das Städtlein und die Burg Rothenberg durch König Rupprecht von der Pfalz zusammen mit den Nürnbergern nach 5-wöchiger Belagerung eingenommen und verwüstet. Die Quellen lassen Informationen über den – offenbar stattgefundenen – Wiederaufbau durch die Wittelsbacher offen.

Im Ersten Markgrafenkrieg (1449/50) belagerten die Nürnberger erneut die Wehranlage, konnten diese aber nicht einnehmen. Die Kleinstadt, die durch den Angriff nahezu komplett zerstört worden war, wurde – wohl wegen der ungünstigen Lage und Wassermangel – nicht wieder aufgebaut. Seine Bewohner wurden offenbar im Markt Schnaittach angesiedelt. Das Gelände der fortan unbewohnten Stadt wurde als „Altstadt“ bezeichnet (später teilweise wieder bebaut).Schütz 1987 – Beitrag: Städtlein auf dem Rothenberg von Werner Kaschel – S. 18

Ganerbenburg (1478–1698) Pfalzgraf Otto II. schuf im Jahr 1478 die Voraussetzungen für eine Ganerbenburg in der Burganlage auf dem Rothenberg. 44 (später 133) Ganerben, die die Veste mit den Überresten der Stadt Rothenberg und dem Markt Schnaittach als Afterlehen erwarben, waren zwar mit verhältnismäßig wenig Besitz und Rechten ausgestattet, jedoch war die Gemeinschaft der Ganerben ein starkes Bündnissystem, in das auch weitere Angehörige der Adelsfamilien im Umland einbezogen werden konnten.Müllner, S. 31 ff. Die Burg verfügte auch über mehrere Patronatsrechte im Nürnberger Raum. Die Gemeinschaft der Ganerben trug die Züge einer Einung. Zur Zeit des Silvester von Schaumberg galt die Burg als „Wespennest“, mit dem selbst Fürsten ungern in Konflikt gerieten.Friedrich Kipp: Silvester von Schaumberg, der Freund Luthers – Ein Lebensbild aus der Reformationszeit. Leipzig 1911. S. 15 ff.

Aus der Gemeinschaft der Ganerben wurden nachstehende Burggrafen benannt:Müllner, S. 34 f. Heinz von Guttenberg, 1483 Lamprecht von Seckendorff, Rinhofen genannt, 1487 Hans Zollner von Rottenstein, 1487 Dietz von Heßberg, 1488 Jacob Stiebar zum Regensberg, 1494 Konrad Schott von Schottenstein, 1497 Albrecht Stiebar, 1499 Christoff von Sparneck, 1502 Albrecht Gotsmann, 1505 Hans von der Thann, 1508 Sixt von Seckendorff, 1509 Sebastian Stiebar, 1512 Hans Stiebar, 1537 Wolf Adolf von Waldenfels, 1546 Sigmund von Failtsch (Feilitzsch?), 1549 Sebastian Erlbeck, 1553 Hans Ludwig von Eyb, 1553 Hans Ludwig von Schaumburg, 1569 Balthasar von Seckendorff, 1580 Hans von Steinau, 1585 Georg Sebastian Stiebar, 1604 Joachim Christoff von Seckendorff, 1610 Wolff Endres Stiebar, 1617 Sebastian von Rotenhan, 1618 mini|Kurbayerische Enklave Rothenberg

Schnell war die Reichsstadt Nürnberg zum Hauptfeind der Ganerben geworden. Die Situation verschärfte sich, nachdem das Rothenberger Land infolge des Landshuter Erbfolgekrieges eine Enklave in den Nürnbergischen Ländereien geworden war. In zwei Verträgen wurde 1523 und 1540 der genaue Grenzverlauf festgelegt und Territorialstreitigkeiten weitgehend beigelegt.Wörler 2008, S. 35. Auch von ihrem oben erwähnten Patronatsrecht machte die Ganerbenschaft Gebrauch und führte 1529 (vier Jahre nach den Nürnbergern) die lutherische Konfession ein.Wörler 2008, S. 37. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Maximilian von Bayern vom Kaiser mit dem Rothenberg belehnt und forderte dessen Rekatholisierung. Da die Ganerben allerdings nicht bereit waren, dieser Forderung nachzukommen, machte der Kurfürst von seinem Öffnungsrecht Gebrauch und besetzte die Veste. Die Ganerbenschaft, die dadurch de facto die Kontrolle verloren hatte, entschloss sich, die Befestigung für 200.000 Gulden an Bayern zu verkaufen.

Kurfürstentum Bayern, Spanischer Erbfolgekrieg und Schleifung (1698–1703) Unmittelbar nach dem Erwerb wurde die Anlage renoviert und verstärkt. Eine letzte Belagerung erfuhr die Veste im Spanischen Erbfolgekrieg, die man provoziert hatte, um kaiserliche Truppen zu binden. Unerwartet kamen jedoch geflüchtete Zivilisten und eine Kavallerieeinheit auf den Rothenberg, sodass die Vorräte schneller als geplant zur Neige gingen. Im September 1703 sah man sich daher zur Kapitulation gezwungen und noch im folgenden Monat wurde die Veste auf Veranlassung Nürnbergs geschleift.

mini|Graben, Brücke und Tor mini|Brücke und Tor

Errichtung der Festung Rothenberg (1703–1740) Der Rothenberg verblieb samt Umland auch nach dem Kriege in bayerischer Hand und bildete weiterhin eine Enklave. Um diese schützen zu können, sollte erneut eine Befestigung entstehen: Ab 1720 wurden die Ruinen der Veste abgetragen und 1729 begannen unter Kurfürst Karl Albrecht von Bayern die eigentlichen Bauarbeiten, die im Wesentlichen bis 1743 abgeschlossen waren. Ab 1740 wurde wieder eine bayerische Garnison (die zuvor seit 1715 in Schnaittach untergebracht war) auf der jetzigen Festung stationiert.Schütz 1987, S. 3

Österreichischer Erbfolgekrieg (1740–1793) 1740 kam es mit der Thronbesteigung Maria Theresias erneut zu einem habsburgischen Erbfolgekonflikt. Vier Jahre später erreichten die Kampfhandlungen die Festung Rothenberg und die österreichischen Habsburger versuchten vergeblich, die Anlage zu nehmen. Die Zündung einer Mine wurde im letzten Moment durch das Herannahen französischer Truppen verhindert.Wörler 2008, S. 84 Der Fränkische Reichskreis hatte sich in diesem Kabinettskrieg neutral verhalten und die Festung mit Waffen versorgt – und im Gegenzug die Österreicher durch sein Gebiet ziehen lassen.

Koalitionskriege (1793–1806) An den Koalitionskriegen nahm die Festung Rothenberg nicht aktiv teil, wurde aber für die durchziehenden Truppen beider Seiten geöffnet. So wechselte sie 1796 mehrmals zwischen Frankreich, Österreich und Bayern. Nach dem Dritten Koalitionskrieg, der die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches zur Folge hatte, schloss sich Bayern dem Rheinbund an und wurde zum Königreich. Daraufhin schlug Napoleon I. Bayern einen Teil Frankens zu und der Rothenberg verlor seine Stellung als Enklave.

Königreich Bayern und Nachnutzung (1806–1838) Damit einhergehend war auch eine Reduzierung des strategischen Wertes der Festung. Für den Grenzschutz hatte die Anlage ihre Funktion verloren und wurde zum Festungsgefängnis sowie zum Altersheim für Veteranen und Invaliden. Um Kosten zu sparen, hatte man das Gros der Soldaten abgezogen, sodass lediglich noch ein paar Wachsoldaten, Krankenpfleger und Verwaltungsbeamte auf der Festung lebten. Auch für die aufgrund von Sickerwasser und Kasematteneinbrüchen notwendig gewordenen Renovierungen war man nicht bereit, Geld auszugeben. 1838 erwirkte Ludwig I. schließlich die Auflassung der Festung Rothenberg.

Auflassung, Weltkriege und touristische Erschließung (seit 1838) Ab 1838 verkaufte das Kriegsministerium das gesamte Inventar, einschließlich Türen, Balken und allem, was sich entfernen ließ. Mit dem Abrücken der letzten drei Soldaten 1841, die die Ausschlachtung überwacht hatten, wurde die Festung aufgelassen und dem Verfall preisgegeben. Sie durfte von der Bevölkerung als Steinbruch benutzt werden.

Das Festungsareal wurde an die Bayerische Forstverwaltung übergeben und aufgeforstet. 1876 wurden am Ravelin von der Königlich Bayerischen Eisenbahn-Compagnie Sprengversuche durchgeführt. Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Festungsruine – begünstigt durch den aufkommenden Eisenbahnverkehr – zu einem beliebten Ausflugsziel. Seit 1898Schütz 1987, S. 16 wird die Anlage vom Heimat- und Verschönerungsverein Schnaittach (dem heutigen Heimatverein Schnaittach) betreut. Der Wandertourismus brachte dem Rothenberg, neben der Landwirtschaft (zunächst vor allem Schäferei, später Hopfenanbau), einen weiteren Wirtschaftszweig und so wurde, etwa mit Gehwegen und Gastronomiebetrieben, eine touristische Infrastruktur geschaffen. Der Erste Weltkrieg setzte dem zunächst ein Ende. Die Nationalsozialisten planten die Errichtung einer Ordensburg auf dem Rothenberg, gaben den Gedanken jedoch schnell wieder auf, da nicht geklärt werden konnte, wie die Wasserversorgung sicherzustellen sei. Zwischen 1940 und 1943 war auf dem Berg eine Flugbeobachtungswarte (sogenannte Flugwache) eingerichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Tourismus in Form des Wintersports für einige Jahre zurück auf den Rothenberg, was zum Bau von Skipisten, einer BRK-Schutzhütte und einer Skisprungschanze (welche 1972 bei einem Erdrutsch zerstört wurde) führte.

Die eigentliche Festungsruine, deren Administration 1966 von der Bayerischen Schlösserverwaltung übernommen worden war, stand und steht vor allem im Sommer im Fokus der Besucher. Von 1999 bis 2006 fanden mehrere Musikfestivals (Summerships), Theateraufführungen (darunter Bertolt Brechts Mutter Courage und ihre Kinder und die Werke Turandot, Carmina Burana und Nabucco unter der Leitung von Wilhelm Keitel) sowie (historisch deplatzierte) Mittelaltermärkte auf der Festung statt.Wörler 2008, S. 149 Die von der oben genannten Behörde in Kooperation mit dem Heimatverein Schnaittach durchgeführte und dringend notwendige Sanierung des Festungsstockes wurde im Wesentlichen 2008 abgeschlossen. Die Festung ist halbjährig für Besucher geöffnet und – ausgenommen an den zweimal im Jahr stattfindenden Festtagen – gebührenpflichtig. Da die Festung auch einen naturschützerischen Zweck erfüllen soll, ist die Besichtigung der Kasematten während der Fledermausschutzzeit nicht möglich.

Burg- und Festungsanlagen Veste Rothenberg