Die 17. Infanterie-Division (kurz: 17. ID) war ein Großverband des Heeres der deutschen Wehrmacht.

Divisionsgeschichte Aufstellung Die Division wurde am 1. Oktober 1934 in Nürnberg im Wehrkreis VII unter dem Decknamen Infanterieführer VII aufgestellt. Ihr unterstellt waren das Infanterie-Regiment „Nürnberg“, ehemals 21. (Bayer.) Infanterie-Regiment, von der früheren 7. Division der Reichswehr und das aus Abgaben des ersteren neuaufgestellte Infanterie-Regiment „Bayreuth“, sowie das aus dem 7. (Bayer.) Artillerie-Regiment hervorgegangene Artillerie-Regiment „Nürnberg“. Ferner erhielt die Division ein Pionier-Bataillon in Ingolstadt und eine Nachrichten-Abteilung. Am 15. Oktober 1935 erfolgte mit der Enttarnung der Verbände die Umbenennung in 17. Infanterie-Division. Gleichzeitig trat das in Ingolstadt aus Abgaben des Infanterie-Regiments Nürnberg aufgestellte Infanterie-Regiment 63 zur Division. Im Oktober 1937 erhielt die Division bei der Unterstellung unter den neuen Wehrkreis XIII ihre endgültige Form mit den Infanterie-Regimentern 21, 55 und 95.

Anschluss Österreichs Ab 12. März 1938 nahm die Division an der deutschen Okkupation Österreichs teil. Anfang März wurde sie in Alarmbereitschaft versetzt und erreichte in den Morgenstunden des 12. März Passau. Entsprechend der Weisung Adolf Hitlers vom 11. März, überquerte sie ohne Kriegserklärung die deutsch-österreichische Grenze. Sie gehörte zur 2. Angriffswelle. Erste Einheiten erreichten auf der Donau per Schiff, die Mehrzahl auf dem Landweg, Linz und besetzten die Region militärisch. Der Divisionsstab wurde am 17. März in den Kasernen des österreichischen Heeres fest eingerichtet. Erst Ende 1938 kehrte sie an ihren ursprünglichen Standort im Wehrkreis XIII zurück. Hans Hildebrand, Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1915-1945, Band 1, Biblio Verlag Osnabrück 2000, Vgl. auch: Bradley, Karl-Friedrich Hildebrand, Markus Rövekamp, Die Generale des Heeres 1921-1945, Band 4: Fleck-Gyldenfeldt, Biblio Verlag, Osnabrück 1996, ISBN 3-7648-2488-3, S. 92f.

Polenfeldzug Nach der Mobilmachung im August 1939 als Division der 1. Aufstellungswelle nahm die 17. Infanterie-Division als Teil des XIII. Armeekorps der 8. Armee beim Überfall auf Polen an den Grenzkämpfen in Westpolen teil, außerdem im Gefecht um Wiesuszow, die Warthe-Linie und die Windmühlenhöhen bei Belen.Ort unbekannt Nach der Einnahme von Łódź kämpfte die 17. Infanterie-Division bei Ozorków, Kiernozia und Zaluskow. Nach dem Abschluss des Feldzugs erfolgte die Verlegung in die Eifel, später in den Raum Trier, und die Vorbereitung auf den Westfeldzug.

Westfeldzug 1940 war die Division als Teil der Heeresgruppe A am Westwall im Einsatz, marschierte durch Luxemburg, eroberte die Festung Longwy und wurde am Chiers und der Aisne in Gefechte verwickelt. Die französische Armee wurde bis Dijon über den Rhein-Marne-Kanal verfolgt. Nach dem Westfeldzug wurde die Division in Frankreich auf das später abgesagte Unternehmen Seelöwe vorbereitet. Anfang Juni 1941 erfolgte die Verlegung nach Polen in Vorbereitung auf das Unternehmen Barbarossa, den Überfall auf die Sowjetunion. mini|300x300px|Maximilian von Weichs im Vordergrund mit Herbert Loch bei einer Parade bespannter deutscher Truppeneinheiten der Division, Tschernigow, September 1941

Unternehmen Barbarossa Am 22. Juni 1941 überschritt die 17. Infanterie-Division als Teil der 4. Armee der Heeresgruppe Mitte die Grenze, kämpfte danach bei Brest-Litowsk, Białystok und Slonim und erreichte den Dnepr. Am 29. Juni 1941 im Gefecht von Popielewo in den Wäldern von Bialystok bildete die 17. ID den Amboss und eine Auffanglinie im Norden, während die 78. Infanterie-Division das Waldgebiet durchkämmte und ca. 3.000 Rotarmisten auf die Abfangstellungen drängte. Bei Propoisk, Gomel, Tschernigow und an der Desna wurde sie ebenfalls in Kämpfe verwickelt. Im Winter 1941 erfolgte ein vergeblicher Vorstoß auf Moskau. Die 17. Infanterie-Division kämpfte um den Brückenkopf Kremenki und war im Raum Juchnow an den Rückzugskämpfen auf die Worja-Ugra-Verteidigungsstellung beteiligt. Vom März bis Juni 1942 mussten mehrere Regimenter wegen schwerer Verluste aufgelöst und neu gebildet werden.

Besatzungsaufgaben Frankreich 1942 Im Juni 1942 wurde die Division nach Frankreich verlegt, wo sie Küstenschutzaufgaben im Raum zwischen Brest und Lorient ausübte. Am 15. Oktober 1942 wurden alle Infanterie-Regimenter in Grenadier-Regimenter umbenannt.

Verlegung an die Ostfront 1943 1943 kehrte die 17. Infanterie-Division an die Ostfront zurück, kämpfte bei Pokrowskoje an der Mius-Stellung und musste sich schließlich in den Brückenkopf Nikopol zurückziehen.

1944 zog sich die Division in der Südukraine von der vorrückenden Roten Armee zurück und entkam der Kesselschlacht von Jassy, nach der sie nach Polen verlegt wurde. Die 17. Infanterie-Division wurde im Januar 1945 an der Weichsel vollständig vernichtet.

Neuaufstellung 1945 & Kapitulation Neu aufgestellt im März 1945, musste sie bei Kriegsende vor der Roten Armee in der Tschechoslowakei kapitulieren.

Unterstellung und Einsatzräume Datum Korps Armee Heeresgruppe Einsatzraum September 1939 XIII. 8. Süd Schlesien, Polen Oktober 1939 III. 6. B Eifel Dezember 1939 XIII. 16. A Trier Januar–Mai 1940 Trier, Luxemburg Juni 1940 12. Frankreich (Aisne) Juli 1940 9. Frankreich August–Februar 1941 16. März 1941 XXIII. April 1941 XXXVII. Mai 1941 15. D Juni 1941 XIII. 4. Mitte Brest-Litowsk Juli 1941 IX. Białystok August bis Oktober 1941 XIII. 2. Gomel, Tschernigow November bis Dezember 1941 4. vor Moskau Januar bis Februar 1942 XII. Juchnow März bis April 1942 XX. 4. Panzer- Gschatsk b. Rschew Mai 1942 zur Verfügung 3. Panzer- Juni 1942 bis März 1943 XXV. 7. D Bretagne April 1943 zur Verfügung 6. Süd Mius Mai bis September 1943 XXIX. Oktober 1943 – Dnepr, Nikopol November 1943 1. Panzer- Süd Dezember 1943 IV. Januar bis Februar 1944 6. März 1944 XVII. A Uman April 1944 Südukraine Kischinew Mai 1944 XXXX. Juni 1944 LII. Juli 1944 zur Verfügung 8. Jassy August 1944 XXXXVI. 9. Mitte Warka, Radom September bis Oktober 1944 VIII. November bis Dezember 1944 LVI. 4. Panzer- A Januar 1945 9. Februar 1945 zur Verfügung – Mitte Lissa, Oder April 1945 VIII. 17. Görlitz Mai 1945 PzK GD Riesengebirge

Gliederung Veränderungen in der Gliederung der 17. ID von 1939 bis 1945 1939 1942 1944 Infanterie-Regiment 21 Grenadier-Regiment 21 Infanterie-Regiment 55 Grenadier-Regiment 55 Infanterie-Regiment 95 Grenadier-Regiment 95 – Füsilier-Bataillon 17 Aufklärungs-Abteilung 17 Radfahr-Bataillon 17 – Beobachtungs-Abteilung 17 – Artillerie-Regiment 17 Pionier-Bataillon 17 Panzerabwehr-Abteilung 17 Panzerjäger-Abteilung 17 Nachrichten-Abteilung 17 Feldersatz-Bataillon 17 Versorgungseinheiten 17

Das Artillerie-Regiment 17 unterteilte sich in die Abteilungen I bis III und hatte zusätzlich die I. Abteilung des Artillerie-Regiments 53 in der Unterstellung.

Personen Kommandeure Dienstzeit Dienstgrad Name 15. Oktober 1935 bis 1. März 1936 Generalmajor Eugen Ritter von Schobert 1. März 1936 bis 1. Oktober 1937 Generalleutnant Curt Haase 12. Oktober 1937 bis 1. April 1939 Generalleutnant Erich Friderici 1. April 1939 bis 27. Oktober 1941 Generalmajor/Generalleutnant Herbert Loch 27. Oktober bis 25. Dezember 1941 Generalmajor Ernst Güntzel 25. Dezember 1941 bis 1. April 1943 Generalmajor/Generalleutnant Gustav-Adolf von Zangen 1. April bis 17. September 1943 Oberst/Generalmajor Richard Zimmer 17. September bis 11. November 1943 Generalmajor Kurt Kruse (m.st.F.b.) Februar bis 15. März 1944 Oberst Otto-Hermann Brücker 15. März bis 16. April 1944 Oberst Georg Haus16. April bis Mai 1944OberstOtto-Hermann Brücker Mai bis 4. September 1944 Generalleutnant Richard Zimmer 4. September 1944 bis 8. Mai 1945 Oberst/Generalmajor Max Sachsenheimer

Generalstabsoffiziere (Ia) Dienstzeit Dienstgrad Name 1. November 1938 bis Oktober 1939 Oberstleutnant Siegfried Rasp Oktober 1939 bis Februar 1940 Oberstleutnant Kurt Freiherr von Liebenstein Februar bis Juni 1940 Oberstleutnant Paul Gäthgens Juni 1940 bis Februar 1941 Oberstleutnant Bernhard Pezold Februar 1941 bis Mai 1942 Major Hans Dieckmann Mai 1942 bis Juli 1943 Oberstleutnant Wilhelm Freiherr von Maltzahn 12. Juli bis 27. August 1943 Oberstleutnant Eduard Schwandner 27. August 1943 bis 25. August 1944 Oberstleutnant Leo Waldmüller 25. August 1944 bis 29. Januar 1945 Major Hermann Kesselheimim Einsatz vermisst 29. Januar bis 15. März 1945 Major Josef Bailer 15. März bis Mai 1945 Major Christoph Kutscher

Auszeichnungsträger Insgesamt erhielten 19 Angehörige der 17. Infanterie-Division das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und 50 das Deutsche Kreuz in Gold.

Höhere Verleihungsstufen des Ritterkreuzes: Oberst Karl Wilhelm Specht: Der Kommandeur des Infanterie-Regiments 55 erhielt am 16. Januar 1942 das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes Hauptmann d.R. Walter Elflein: Der Kommandeur des I. Bataillon/Grenadier-Regiment 55 erhielt am 5. Dezember 1943 das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes Generalmajor Max Sachsenheimer: Der Divisionskommandeur erhielt am 6. Februar 1945 das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen KreuzesVeit Scherzer: Ritterkreuzträger 1939–1945. Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündete Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs. 2. Auflage. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 648.

Bekannte Divisionsangehörige Ernst Metz (1916–1980), war von 1972 bis 1977, als Generalmajor des Heeres der Bundeswehr, Kommandeur der 1. Gebirgsdivision Johannes Gerber (1919–2004), war von 1978 bis 1980, als Generalmajor des Heeres der Bundeswehr, stellvertretender Kommandierender General des III. Korps Hellmuth Laegeler (1902–1972), war von 1959 bis 1962, als Generalmajor des Heeres der Bundeswehr, Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr

Literatur

Anmerkungen und Einzelnachweise

Kategorie:Division der 1. Aufstellungswelle InfanterieDivision (Wehrmacht) 17 Kategorie:Gegründet 1934 Kategorie:Aufgelöst 1945 Kategorie:Historische Organisation (Nürnberg)