mini|François-Gaston de Lévis, Marschall von Frankreich mini|Steinskulptur von Lévis an der Fassade des Parlamentsgebäudes der Provinz Québec

François-Gaston de Lévis (* 20. August 1719 auf dem Château d’Ajac, Département Aude; † 27. November 1787 in Arras) war ein französischer Adliger und Offizier, zuletzt in der Position eines Marschall von Frankreich. Während der Franzosen- und Indianerkriege diente er im Siebenjährigen Krieg 1756 bis 1760 in Nordamerika gegen die britischen Streitkräfte.

Biografie François-Gaston de Lévis entstammte einer bekannten französischen Adelsfamilie, die im südfranzösischen Ajac beheimatet war. Er hatte sich bereits während des Polnischen Thronfolgekrieges und des Österreichischen Erbfolgekrieges als Offizier bewährt. Während des Siebenjährigen Krieges wurde er von 1756 bis 1760 auf kanadischem Boden zur Verteidigung Neufrankreichs eingesetzt. Dort fungierte er zunächst als Stellvertreter des militärischen Oberbefehlshabers Louis-Joseph de Montcalm, nachdem dieser im Herbst 1759 gefallen war, dann als dessen Nachfolger. Trotz der großen Zwischenerfolge, die er im darauf folgenden Frühjahr noch einmal erringen konnte, war die endgültige Niederlage jedoch nicht mehr abzuwenden und er musste im Herbst 1760 vor überlegenen britischen Streitkräften die Waffen strecken. Danach kehrte er nach Europa zurück und diente dort bis zum Ende des Siebenjährigen Krieges noch in einigen Feldzügen der französischen Armee auf deutschem Boden. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee wurde er als Gouverneur des Artois eingesetzt und zwei Jahrzehnte später noch zum Marschall von Frankreich ernannt.

In Neufrankreich 1756 – Entsendung nach Kanada Im Frühjahr 1756 wurde Lévis mit einigen Truppenverstärkungen nach Kanada entsandt. Noch in Frankreich war er zum Stellvertreter des neu ernannten Oberbefehlshaber Louis-Joseph de Montcalm (1712–1759) bestimmt worden, dessen augenscheinlich wohl auf Gegenseitigkeit beruhende Sympathie er sich bereits nach kurzer Zeit erwerben konnte. Der vom französischen König über die Entsendung von Montcalm und Lévis informierte Gouverneur von Neufrankreich Vaudreuil erhob allerdings in einem Antwortschreiben bereits vorab Einspruch gegen deren Einsetzung als kommandierende Offiziere, weil diese seiner Auffassung nach als kontinental-europäisch geprägte Kriegsteilnehmer nicht in der Lage waren, sich auf die besonderen Gegebenheiten des nordamerikanischen Kriegsschauplatzes einzustellen. Nachdem beide trotz dieses Einspruchs dennoch in Kanada eingetroffen waren, sollte sich zwischen Vaudreuil und Montcalm sehr bald eine tiefe Abneigung entwickeln. Lévis allerdings brachte es zustande, zu beiden Männern gute Beziehungen aufzubauen bzw. zu erhalten. Dadurch gelang es ihm, sich einer Verstrickung in deren Zwistigkeiten zu entziehen.

1757 – Am Lac du Saint-Sacrement Im Rahmen der militärischen Auseinandersetzungen, die in den folgenden Jahren um den Besitz Neufrankreichs stattfanden, war Lévis häufig am Schauplatz von bedeutsamen Ereignissen anzutreffen. Mehrfach wurde ihm dabei der Befehl über wichtige Unternehmungen übertragen, so etwa im Sommer 1757 bei den Kämpfen um das am Südende des Lac du Saint-Sacrement (engl. Lake George) gelegene britische Fort William Henry. Dort führte er das 3000 Mann umfassende französische Vorauskommando an, das von Montcalm zur Einschließung des Forts entsandt worden war. Zuvor hatte er den Geschützpark zusammengestellt, der für einen erfolgreichen Ausgang der Belagerung erforderlich war, ebenso hatte er auch die Bereitstellung der für den Transport von Truppen und Material benötigten Boote organisiert. Nachdem Montcalm mit dem französischen Hauptkontingent und den Belagerungsgeschützen eingetroffen war, wurde die bereits begonnene Belagerung intensiviert und das Fort musste wenige Tage später an die französischen Truppen übergeben werden. Der geschlagenen Fortbesatzung wurde in den Kapitulationsbedingungen der freie Abzug unter militärischen Ehren zugestanden. Die damit nicht einverstandenen indianischen Verbündeten der Franzosen missachteten jedoch die getroffenen Vereinbarungen und attackierten die abziehenden Garnisonssoldaten sowie deren Begleittross. Trotz des Einschreitens französischer Offiziere kam es dabei zur Ermordung von 70 bis 180 Soldaten bzw. Zivilisten. Viele andere wurden verschleppt, verletzt oder ausgeraubt. Diese Ereignisse wurden später von James Fenimore Cooper in seinem Roman Der letzte Mohikaner literarisch verarbeitet.

1758 – Bei den Großen Seen und am Fort Carillon Als Folge dieser und mehrerer anderer Niederlagen wurden nun allerdings aus dem Mutterland weitere regulären Einheiten als Verstärkung in die britischen Kolonien geschickt. Nach dem Eintreffen dieser Verbände sollte es den Briten im Lauf des Jahres 1758 allmählich gelingen, eine Wende im Kriegsverlauf einzuleiten. Bei der Planung der französischen Abwehrstrategie dieses Jahres sollte sich hingegen der Zwist zwischen Vaudreuil und Montcalm fortsetzen und weiter eskalieren. Hauptstreitpunkt bildete ein weiteres Mal die Frage, welche Prioritäten bei der Verteidigung Neufrankreichs gesetzt werden sollten. Montcalm warnte dabei stets vor einer Zersplitterung der ohnehin relativ schwachen eigenen Kräfte und plädierte dafür, erforderlichenfalls die jenseits der Großen Seen etablierten Vorposten aufzugeben, um dadurch eine Konzentration aller verfügbaren Einheiten im Tiefland des Sankt-Lorenz-Stroms zu ermöglichen. Mit dieser rein militärischen Sichtweise war dagegen der in Kanada geborene Vaudreuil nicht einverstanden, denn für ihn gefährdeten solche Überlegungen die Kontrolle über das ökonomische Hinterland der Kolonie, ohne das diese langfristig nicht mehr überlebensfähig wäre. Vaudreuil behielt jedenfalls in diesem Konflikt die Oberhand und konnte seine Vorstellungen über die Planungen der nächsten Feldzüge durchsetzen.

Montcalm wurde demnach zum Fort Carillon entsandt, um die Südflanke Kanadas gegen eine aus dieser Richtung erwartete britische Invasion abzuschirmen. Lévis dagegen sollte mit einer 3000 Mann starken gemischten Einheit in das Gebiet der Großen Seen aufbrechen, um von dort aus gegen britisch kontrollierte Gebiete einen flankierenden Entlastungsangriff zu unternehmen. Zu den ihm unterstellten Truppen gehörten ausgesuchte 400 Soldaten von den Linientruppen, nochmals 400 weitere aus den regulären Kolonialeinheiten, bei den übrigen handelte es sich um kampferprobte kanadische Milizeinheiten und indianische Verbündete der Franzosen. Mit diesem Verband befehligte Lévis zwar eine schlagkräftige Streitmacht um seinen Auftrag im Westen zu erfüllen, der Entzug dieser Truppen führte demgegenüber allerdings auch zu einer gravierenden Schwächung von Montcalms Position bei Fort Carillon. Denn dieser sollte zwar den britischen Hauptangriff abwehren, verfügte selbst aber nur über unwesentlich mehr Soldaten, als Lévis selbst. Nachdem jedoch immer mehr Nachrichten nach Kanada gelangt waren, dass die Briten im Hudsontal eine weit überlegene Armee zusammengezogen hatten, brachte dies Vaudreuil dazu, seine bisherige Position doch noch einmal zu überdenken. Kurz nach seinem Aufbruch erhielt Lévis daher die Order, sofort wieder umzukehren und stattdessen mit seinen regulären Einheiten schnellstmöglich Montcalm zu Hilfe zu eilen. Lévis rückte deshalb mit 400 seiner Elitesoldaten in größter Eile an, um dessen Position noch vor dem Eintreffen der britischen Invasionsarmee stärken zu können. Dies gelang ihm gerade noch, denn als er am Abend des 7. Juli in Fort Carillon eintraf, waren die britischen Truppen bereits den Lac du Saint-Sacrement hinabgesegelt und befanden sich inzwischen unweit des Forts.

Die von dem britischen General James Abercrombie kommandierte Streitmacht umfasste dabei über 15.000 Mann. Ihren Kern bildeten etwas mehr als 6000 reguläre britische Soldaten, die am folgenden Tag auch die Hauptlast des Angriffs zu tragen hatten, der größere Rest der Armee bestand aus amerikanischen Kolonialeinheiten. Montcalm hatte die französischen Verteidiger auf dem Gelände vor dem Fort in Stellung gehen lassen und dann die Anlage von Feldbefestigungen in diesem Bereich angeordnet. Im Vorfeld dieser Befestigungen wurden Gräben ausgehoben, um den Briten ein geordnetes Vorrücken durch dieses Terrain zu erschweren. Zudem waren zahlreiche Bäume gefällt worden, deren zugespitztes Geäst im Verbund mit einer Vielzahl eingerammter Pfähle als eine Art hölzernes Stacheldrahtverhau fungieren sollte. Beim Eintreffen von Lévis waren diese Arbeiten noch nicht beendet und in größter Eile wurde weiterhin an deren Fertigstellung gearbeitet. Die Lage für die französischen Verteidiger war jedenfalls höchst prekär, denn ihre Proviantvorräte reichten nur noch für eine Woche; bei einer klassischen Belagerung hätten sie daher nicht mehr sehr lange standhalten können. Auch einem Abschneiden ihrer Verbindungs- und Nachschublinien durch ein britisches Umgehungsmanöver hätten sie wegen ihrer numerischen Unterlegenheit kaum ernsthaften Widerstand entgegensetzen können. Die Ungeduld des britischen Befehlshabers aber rettete die Franzosen aus dieser misslichen Zwangslage, denn Abercrombie wollte nicht einmal auf das Eintreffen seines Artillerieparks warten, sondern befahl seinen Truppen stattdessen einen sofortigen Sturmangriff auf die gut verschanzten Verteidiger. In der sich daraus entwickelnden Schlacht von Carillon kommandierte Lévis dann den rechten Flügel der französischen Stellungen. Nach fast vierstündigem Kampf und dem Tod von 2000 seiner Soldaten befahl Abercrombie schließlich den Abbruch der Schlacht, die dann in einem überstürzten Rückzug der Briten endete. Es war einer der letzten größeren Abwehrerfolge der Franzosen, die nicht einmal drei Wochen später den Verlust ihrer wichtigen Seefestung Louisbourg hinnehmen mussten.

1759 – Verteidiger von Québec mini|hochkant=2|Eine aus dem Jahr 1777 stammende Karte mit der Darstellung der militärischen Positionen von Franzosen und Briten während der Belagerung von Québec Nachdem es den Briten im Vorjahr durch die Einnahme der auf der Kap-Breton-Insel gelegenen Festung Louisbourg gelungen war, das maritime Tor nach Kanada aufzustoßen, konnten sie 1759 mit einer Flotte ungehindert in den Mündungstrichter des Sankt-Lorenz-Stroms eindringen und Ende Juni unweit von Québec eine von General Wolfe befehligte große Invasionsarmee an Land bringen. Als die britischen Streitkräfte unter Führung von James Murray mit ersten militärischen Aktionen gegen die Hauptstadt Neufrankreichs begannen, stand ihnen Lévis in dieser Frühphase der Belagerung unmittelbar gegenüber. Als die Briten am 31. Juli eine Landung bei dem am Nordufer des Sankt-Lorenz-Stroms gelegenen Montmorency-Fall unternahmen und gegen seine Stellungen vorgingen, konnte er diesen Angriff durch das frühzeitige Ergreifen von Abwehrmaßnahmen zum Scheitern bringen. Nachdem die von ihm befehligten kanadischen Milizeinheiten noch durch reguläre Soldaten verstärkt worden waren, mussten sich die Briten nach den in der Schlacht bei Beauport erlittenen schweren Verlusten wieder von diesem Uferabschnitt zurückziehen.