Die Operation Teardrop war eine Operation der United States Navy, deren Ziel es war, deutsche U-Boote zu versenken, von denen man ausging, dass sie, mit V-1-„Flügelbomben“ bewaffnet, auf die Ostküste der Vereinigten Staaten zusteuerten. Den zwei großen U-Jagd-Task-Forces der US Navy gelang es, fünf der U-Boote zu zerstören, bei dem Verlust eines Geleitzerstörer. Nach dem Krieg kamen die Alliierten zu dem Schluss, dass sich auf den Schiffen keine Raketen befunden hatten.
Die Operation Teardrop wurde im späten Jahr 1944 als Reaktion auf Geheimdienstinformationen geplant. Sie hatten angegeben, dass Deutschland eine mit Raketen bewaffnete U-Boot-Truppe aufbaue. Der Plan wurde im April 1945 ausgeführt, nachdem Deutschland mehrere U-Boote der Klasse IX von Norwegen in Richtung Vereinigte Staaten geschickt hatte. Während schlechte Wetterbedingungen im Nordatlantischen Ozean die Effektivität der vier US-amerikanischen Geleitflugzeugträger stark einschränkten, konnten Geleitzerstörer die meisten deutschen U-Boote finden und zerstören. Vier der angegriffenen U-Boote wurden mit ihrer gesamten Besatzung versenkt. Ein Großteil der Besatzung des anderen untergehenden U-Bootes wurde gefangen genommen und deren Spezialisten brutal verhört. Im Gegenzug wurde die USS Frederick C. Davis (DE-136) mit dem Großteil ihrer Besatzung versenkt. Die verbliebenen U-Boote stellten sich im frühen Mai 1945 der US Navy im Zuge der allgemeinen deutschen Kapitulation.
Hintergrund Im späten Jahr 1944 erhielten die Alliierten Geheimdienstinformationen, die andeuteten, dass die Kriegsmarine plante, mittels V-1 Städte an der Ostküste der USA anzugreifen. Im September desselben Jahres gab Oscar Mantel, ein von der US Navy gefangengenommener Spion, gegenüber dem FBI an, dass mehrere, mit Raketen bewaffnete U-Boote auslaufbereit gemacht würden. Analysten der United States Tenth Fleet untersuchten anschließend Fotos von unüblichen Befestigungen in U-Boot-Basen in Norwegen, aber folgerten, dass diese nur Holzschienen zum Laden von Torpedos gewesen seien. Weitere Gerüchte von mit Raketen bewaffneten U-Booten kamen später im Jahr auf, einschließlich eines, welches von Schwedens Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force verbreitet wurde. Die britische Admiralität widersprach diesen Berichten. Er schätzte, dass die V-1 Raketen an U-Booten der Klasse IX angebracht werden könnten, es aber unwahrscheinlich wäre, dass die Deutschen ihre spärlichen Ressourcen in ein solches Projekt investieren würden.Lundeberg (1994), S. 213–215.
mini|250px|links|alt=Eine graue Rakete auf einer getarnten Rampe vor einer Hecke. Die Dächer von Häusern sowie Straßenlichter sind hinter der Hecke erkennbar.|Eine V-1 auf einer Startrampe im Imperial War Museum Duxford
Trotz der Einschätzungen der Tenth Fleet und der Admiralität blieben das US-Militär und die Regierung besorgt, dass Deutschland Vergeltungsschläge gegen Ostküstenstädte verüben könnte. Im frühen November 1944 begann der Eastern Sea Frontier eine intensive Suche nach U-Booten in einem Radius von 400 km vor New York City.Siegel (1989), S. 33. Anfang Dezember 1944 erzählten die Spione William Curtis Colepaugh und Eric Gimpel, welche in New York City verhaftet worden waren, nachdem sie mit U 1230 in Maine gelandet waren, ihren Verhörern, dass die Deutschen eine Gruppe von mit Raketen bewaffneten U-Booten vorbereiten. Am 10. Dezember warnte der amtierende Bürgermeister der Stadt New York, Fiorello LaGuardia, die Bevölkerung, dass Deutschland einen Angriff mit Langstreckenraketen auf New York City erwäge. LaGuardias Warnungen und die Behauptungen der gefangengenommenen Spione lösten ein beachtliches Medienecho aus.Lundeberg (1994), S. 215. Trotz allem gab das Kriegsministerium der Vereinigten Staaten, welches von der US-Army dominiert wurde, Präsident Franklin D. Roosevelt am 11. Dezember den Ratschlag, dass die Gefahr eines Raketenangriffes so niedrig wäre, dass es den Abzug von Ressourcen von anderen Aufgaben nicht rechtfertige. Diese Einschätzung wurde von der US Navy nicht unterstützt.
Als Antwort auf die wahrgenommene Gefahr bereitete die United States Atlantic Fleet einen Plan zur Verteidigung der Ostküste vor Luft- und Raketenangriffen vor. Dieser Plan erhielt den Codenamen „Operation Bumblebee“, wurde aber später in „Operation Teardrop“ umbenannt. Fertiggestellt am 6. Januar 1945, beinhaltete der Plan den Einsatz von Anti-U-Boot-Einheiten der US Navy sowie Einheiten der United States Army Air Forces und der US-Army, welche für den Abschuss angreifender Flugzeuge und Raketen verantwortlich waren. Der Kern des Planes war die Formation von zwei großen Task-Forces, welche im mittleren Atlantik eingesetzt wurden und eine Blockade gegen sich der Ostküste nähernden U-Booten bilden sollten. Diese Sonderkommandos wurden aus verschiedenen, bereits existierenden Geleitflugzeugträgergruppen gebildet und benutzten Argentia, Neufundland als Operationsbasis. Neben der Verteidigung vor Raketenangriffen wurden diese großen Truppen auch mit dem Bekämpfen der neuen und hochentwickelten U-Boote der Klasse XXI beauftragt, hätten diese angefangen, im zentralen Atlantik zu operieren. Der Kommandant der Atlantikflotte, Vize-General Jonas H. Ingram, gab am 8. Januar eine Pressekonferenz, in der er vor der Gefahr eines Raketenangriffes warnte und ankündigte, dass eine große Truppe zur Abwehr solcher U-Boote aufgestellt wurde.Lundeberg (1994), S. 215–216.
Im Januar 1945 machte Albert Speer eine Propaganda-Übertragung, in dem er behauptete, dass V-1 und V-2-Raketen „am 1. Februar 1945 auf New York fallen werden“. Dies verstärkte die Besorgnis der US-Regierung gegenüber der Gefahr von Raketenangriffen.Blair (1998), S. 683. Allerdings waren die Deutschen nicht fähig, Raketen von ihren U-Booten aus abzuschießen, nachdem beide Versuche, von U-Booten abschießbare Raketen zu entwickeln, gescheitert waren. Im Juni 1942 war von U 511 der Abschuss kleiner Kurzstreckenartillerieraketen getestet worden, welche unter Wasser gezündet werden konnten. Die Entwicklung des Systems wurde Anfang des Jahres 1943 beendet, da es die Seetüchtigkeit des U-Bootes beeinflusste.Lundeberg (1994), S. 213–214. Im November 1944 begann das deutsche Militär mit der Entwicklung eines Abschussbehälters für die V-2, welcher von einem U-Boot gezogen werden konnte. Diese Behälter sollten vor der US-Ostküste in Position gebracht werden, um dann damit New York anzugreifen. Den Auftrag für den Bau eines Prototypes bekam die AG Vulcan in Stettin im März oder April 1945, jedoch kam es bis zum totalen Zusammenbruch des Deutschen Reiches zu keinen wesentlichen Entwicklungen. Es ist unwahrscheinlich, dass das System erfolgreich gewesen wäre, wäre es fertiggestellt worden.Neufeld (1995), S. 255.
Operation Anfängliche Aufstellung Neun deutsche U-Boote der Klasse IX wurden von Norwegen entsandt, um im März 1945 vor Kanada und den Vereinigten Staaten zu patrouillieren. Am 12. April wurden die Boote U 518, U 546, U 805, U 858, U 880, U 881 und U 1235 der „Gruppe Seewolf“ zugeordnet und beauftragt, die Schifffahrt südlich von New York anzugreifen. Die verbleibenden zwei U-Boote – U 530 und U 548 – wurden in kanadische Gewässer gesandt.Blair (1998), S. 686–687. Der Sinn ihrer Abfahrt war das „Ärgern und Trotzen der Vereinigten Staaten.“Morison (1956), S. 345.
Durch dekodierte Informationen der Enigma war den Alliierten das Ablegen und der Zielort der Truppen bekannt. Vize-Admiral Ingram und die U.S. Tenth Fleet schlossen daraus, dass die Boote der Gruppe Seewolf V-1-Flugkörper mit sich führten, und starteten daraufhin die Operation Teardrop.Blair (1998), S. 216. Die Schiffe der First Barrier Force, welche aus den Geleitflugzeugträgern Mission Bay und Croatan sowie 20 Geleitzerstörern bestand, legten zwischen dem 25. und 27. März ab. Das erste Ziel war Argentia, um dort nachzutanken und eine 190 km lange Linie zu bilden, wobei die beiden Flugzeugträger, jeweils von vier Geleitzerstörern beschützt, an das westliche Ende der Linie fuhren. Die Luftoperationen der Flugzeugträger wurden jedoch vom schlechten Wetter verhindert.Lundeberg (1994), S. 216.
Während sie nach Westen liefen, wurde der Gruppe Seewolf vom Befehlshaber der U-Boote der Angriff auf den Schiffsverkehr befohlen. Die Schiffe fanden keine Ziele, da die Alliierten ihre Konvois nach Süden verlagert hatten, um den deutschen U-Booten und dem schlechten Wetter aus dem Weg zu gehen. Die deutschen U-Boote fingen somit an, ihre anfänglichen Zielpositionen östlich der Neufundlandbank am 8. April zu erreichen. Der Befehlshaber wies der Gruppe Seewolf zwölf verschiedene Spährouten zwischen dem 2. und dem 19. April zu. Die Funksignale wurden von den Alliierten entschlüsselt, was ihnen detaillierte Informationen über die Standorte der U-Boote verschaffte.Lundeberg (1994), S. 218.
Aktionen der First Barrier Force Kurz vor Mitternacht am 15. April erschien U 1235 auf dem Radar der USS Shanton, etwa 800 km nördlich der Insel Flores. Sofort griff sie das U-Boot mit seinem Hedgehog-Anti-U-Boot Mörser an, aber verfehlte es, als es abtauchte. Unterstützt von der USS Frost, entdeckte die Shanton das U-Boot auf dem Sonar und feuerte drei weitere Mörsersalven ab. Der dritte Angriff, welcher am 16. April um 00:33 Uhr stattfand, versenkte das U-Boot mitsamt seiner Mannschaft.
Kurz danach entdeckte die Frost U 880 auf dem Radar, als es versuchte, das Gebiet über Wasser zu verlassen. Nachdem das U-Boot mit einer Leuchtgranate sichtbar gemacht worden war, eröffneten die Geleitzerstörer mit ihren 40-mm-Bofors-Geschützen das Feuer. Dies geschah aus einer Distanz von 590 m um 02:09 Uhr. U 880 tauchte daraufhin ab, wurde aber von dem Sonar der Shanton und der Frost registriert. Die beiden US-amerikanischen Schiffe feuerten mehrere Mörsergranaten auf das U-Boot ab, von denen letztlich die Shanton um 04:04 Uhr den finalen Treffer erzielte und das U-Boot zusammen mit seiner gesamten Mannschaft versenkte. Bei beiden U-Booten kam es nach den Treffern der Hedgehogprojektile zu schweren Explosionen, was die Angst vor mitgeführten Raketen noch verstärkte und die First Barrier Force noch stärker motivierte, ihre Anstrengen zur Zerstörung der übrigen U-Boote zu intensivieren.Morison (1956), S. 349.
Nachdem U 1235 und U 880 versenkt worden waren, steuerte die First Barrier Force westwärts. Mit Leigh Lights ausgestattete Consolidated B-24 der VPB-114 entdeckten in der Nacht vom 18. zum 19. April U 805 an der Wasseroberfläche. Das U-Boot war nur 80 km von der Mission Bay und ihren Eskorten entfernt, wurde aber nicht angegriffen, da der Flugzeugträger bis zum Abtauchen des U-Bootes nicht sicher feststellen konnte, ob es sich um ein feindliches handelte. In der Nacht vom 20. April versuchte U 546, einen Geleitzerstörer zu torpedieren, verfehlte ihn aber. In der folgenden Nacht wurde U 805 von der USS Mosley entdeckt, entkam jedoch, nachdem es von der Mosley, der USS Lowe und der USS J. R. Y. Blakely über zwei Stunden verfolgt worden war.Lundeberg (1994), S. 219.
Ihren letzten Erfolg verzeichnete die First Barrier Force in der Nacht vom 21. zum 22. April. Kurz vor Mitternacht entdeckte die USS Carter U 518 über Sonar. Die USS Neal A. Scott kam daraufhin zur Unterstützung herbei und feuerte den ersten Hedgehog-Angriff auf das U-Boot ab. Daraufhin griff auch die Carter mittels Mörser an und versenkte U 518 mit seiner ganzen Mannschaft.Lundeberg (1994), S. 219–220. Zur Zeit des Angriffs war die First Barrier Force gerade auf dem Heimweg zurück nach Argentia, nachdem die Second Barrier Force sie abgelöst hatte.Lundeberg (1994), S. 220 u. 127.
Aktionen der Second Barrier Force