miniatur|Die Lage der Gegenfestung am niederpannonischen Donaulimes.

Das in der Vergangenheit als Transaquincum bekannt gewordene römische Militärlager wurde nördlich des Heil- und Strandbads Dagály an der Népfürdő-Straße im XIII. Bezirk von Budapest, Stadtteil Pest, in Ungarn entdeckt. Die am Ostufer der Donau errichtete Anlage bestand in der Antike als Gegenfestung am pannonischen „nassen Limes“ (Limes Pannonicus) und sicherte eine vermutliche Brücke über den Fluss. Die Donau bildete in weiten Abschnitten die römische Reichsgrenze. Von dem Kastell ist heute oberirdisch nichts mehr zu sehen. Die Benennung des Lagers mit dem Namen Transaquincum wird nicht von allen ungarischen Wissenschaftlern akzeptiert,Margit Németh: Aquincum in der Kaiserzeit. In: Paula Zsidi (Red.): Forschungen in Aquincum 1969–2002 (= Aquincum nostrum. Band 2,2). Budapesti Történeti Múzeum, Budapest 2003, ISBN 963-9340-23-5, S. 54–62, hier S. 61.Die spätrömische Festung von Göd. In: Communicationes archeologicae Hungariae 2003. Magyar Nemzeti Muzeum. Népművelési Propaganda Iroda, Budapest 2003, S. 83–114; hier: S. 99–107, Abb. S. 102. ist aber bis heute weitgehend gebräuchlich.

Lage miniatur|300px|Lageplan des Kastells mit der abgetragenen Badeinsel und der römischen Brücke

Zur Zeit des römischen Aufmarschs im pannonischen Raum war die Donauniederung im heutigen Stadtgebiet von Budapest durch Alt- und Seitenarme des Flusses geprägt. Bereits aus der Jungsteinzeit sind in der Nähe Siedlungsspuren bekannt geworden.Zoltán Havas: Szondázó kutatások az óbudai Hajógyári-szigeten 2007-ben. (Sondagen auf der Óbudaer Schiffswerft-Insel im Jahr 2007). Internetseiten des Budapesti Történeti Múzeums (BTM) . Abgerufen am 1. August 2010. In diesen von Sümpfen und feuchten Zonen bestimmten Biotopen gab es einige Schwemmlandinseln. Der am östlichen Ufer an der Mündung des Rákos-Bachs errichtete Militärplatz lag direkt gegenüber dem am Westufer gelegenen Legionslager Aquincum. Beide Anlagen verband vermutlich eine Brücke, deren Reste im 19. Jahrhundert auf der dazwischenliegenden, länglichen Fürdő-Insel (Badeinsel) gefunden wurden (siehe Römische Donaubrücke in Budapest).Margit Németh: Wachtürme und Festungen am linken Donauufer. In: Paula Zsidi (Red.): Forschungen in Aquincum 1969–2002 (= Aquincum nostrum. Band 2,2). Budapesti Történeti Múzeum, Budapest 2003, ISBN 963-9340-23-5, S. 96–99, hier S. 98. Das Flussbett wurde durch menschliche Eingriffe seither stark verändert, das Ostufer der nicht mehr existierenden Insel würde sich heute im Ufersaum des Stadtteils Pest befinden,Zsolt Visy: Der pannonische Limes in Ungarn. Theiss, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0488-8. S. 85. Abb. 78. während die jetzt südlich des Kastells vorbeiführende Népfürdő-Straße in der Antike direkt am Donaustrand entlanggeführt hätte. Der am Rand des Barbaricums gelegene Standort von Transaquincum war vor überraschenden Angriffen sicher, da er über die Brücke rasch mit Nachschub versorgt werden konnte. Im Stadtgebiet von Budapest wurden bisher zwei römische Brücken bekannt. Neben dem die Militärlager verbindenden Übergang befindet sich etwas nördlicher im Bereich zwischen der großen zivilen Ansiedlung um das Legionslager und der Stadt Aquincum eine weitere Brücke, deren Brückenkopf im Stadtteil Óbuda an der vormaligen Mündung des Aranyhegyi-Bachs entdeckt wurde und die vom westlichen Flussufer auf die Insel mit dem Statthalterpalast führte.

Forschungsgeschichte miniatur|Flóris Rómer, Begründer der wissenschaftlichen Archäologie in Ungarn, entdeckte mit Gustav Zsigmondy die Brücke.

Die ersten baulichen Reste der Anlage kamen 1815 aus dem Boden, als Jakob Göttersdorfer nahe dem Ráko-Bach seine Felder pflügte.Klára Póczy: Híradások a „földalatti városról.“ (Neues aus der „unterirdischen Stadt“) In: Budapesti Negyed. Nr. 22, 1998/4. S. 3–24. Im gleichen Jahr erfolgten die ersten Grabungen.Zsolt Visy: Der pannonische Limes in Ungarn. Theiss, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0488-8, S. 84–85. In den 1860er Jahren fand eine Begehung des Geländes durch den Ingenieur Gustav Zsigmondy statt, der im Auftrag der K.K. Central-Commission zur Erhaltung der Baudenkmale auch Bodendenkmäler für die Einzeichnung in topographische Karten vermaß.

Noch vor dem vollständigen Abräumen der vor Transaquincum liegenden Badeinsel ab 1874 konnten hier wichtige Forschungen zur Römerbrücke gemacht werden. 2008 wurde unter anderem eine Suchgrabung zum Verlauf dieses Donauübergangs auf der Óbudaer Insel (früher offiziell Schiffswerft-Insel; dieser Ausdruck ist immer noch gebräuchlich) vorgenommen.Zoltán Havas: Újabb feltárások az óbudai Hajógyári-szigeten. (Die neusten Ausgrabungen auf der Óbudaer Schiffswerft-Insel). Internetseiten des Budapesti Történeti Múzeums (BTM) . Abgerufen am 1. August 2010.

Namensgebung In der ungarischen Forschung gibt es schon länger Überlegungen, die bisherige Namensgebung einiger römischer Kastelle im Stadtgebiet von Budapest zu überdenken. Die Namen, welche durch das spätrömische Staatshandbuch Notitia dignitatum bekannt sind, könnten demnach in der Vergangenheit teilweise falsch vergeben worden sein. Ausgangspunkt dieser Überlegungen war das Oppidum der Eravisker auf dem Pester Gellértberg (St. Gerhardsberg), der in der Antike möglicherweise Mons Teutanus hieß. Teutanus war der Stammesgott der Eravisker. Ein durch die Notitia überlieferter Kastellname,Notitia dignitatum Occ. XXXIII 55. der nach weiteren Überlegungen Castellum contra (mons) Teutanus geheißen haben mag,Zsolt Mráv: Castellum contra Tautantum. Zur Identifizierung einer spätrömischen Festung. In: Ádám Szabó, Endre Tóth (Hrsg.): Bölcske. Römische Inschriften und Funde – In memoriam Sándor Soproni (1926–1995) Libelli archaeologici Ser. Nov. No. II. Ungarisches Nationalmuseum, Budapest 2003, , S. 354. wäre demnach auf das bisher als Contra Aquincum bekannte Lager zu übertragen, während dieser Name für das jetzige Tansaquincum stehen würde.Die spätrömische Festung von Göd. In: Communicationes archeologicae Hungariae 2003. Magyar Nemzeti Muzeum. Népművelési Propaganda Iroda, Budapest 2003, S. 99–107, Abb. S. 102. Transaquincum wiederum würde sich nicht auf einen militärischen Standort, sondern auf das geographische Gebiet beziehen, das der Siedlungsfläche von Aquincum am anderen Flussufer gegenüberlag.Margit Németh: Aquincum in der Kaiserzeit. In: Paula Zsidi (Red.): Forschungen in Aquincum 1969–2002 (= Aquincum nostrum. Band 2,2). Budapesti Történeti Múzeum, Budapest 2003, ISBN 963-9340-23-5, S. 54–62, hier S. 61. Der Archäologe Zsolt Mráv geht davon aus, dass sich die Stelle in der Notitia mit der Nennung von Transaquincum (Zitat: Praefectus legionis, Transiacinco)Notitia dignitatum occ. XXXIII 65. auf einen unter römischer Militärverwaltung stehenden Grenzstreifen am Ostufer von Aquincum bezieht, der zur Zeit Kaiser Valentinians I. (364–375) bestand. Den Befehl über diese Pufferzone zwischen der Donau und den feindlich gesinnten Quaden und Sarmaten, die 374 einen verheerenden Angriff führten, hätte der Praefectus der Legio II Adiutrix innegehabt.Zsolt Mráv: „Valentinianus … in ipsis Quadorum terris quasi romano iuri iam vindicatis aedificari praesidiria castra mandavit.“ (Amm. Marc. XXIX./6.2) I Valentinianus kvád külpolitikája egy vitatott Ammianus Marcellinus szöveghely tükrében. In: Pannoniai kutatások (1999) S. 77–111. Péter Kovács, ein Historiker und Archäologe, versuchte Mrávs Überlegung, Transaquincum als territoriale Einheit anzusprechen, zu entkräften, indem er Beispiele aufführte, die zeigten, dass es in den römischen Provinzen mehrere Orte gegeben hat, die mit Trans begonnen haben.Péter Kovács: Adatok a tetrachia-kori katonai építkezésekhez Pannoniában. In: Antik tanulmányok. 45, 2001, S. 141–168. Sein Kollege Endre Tóth hingegen stellte sich hinter Mrávs Identifizierung.Péter Kovács: Discussio. In: Bölcske. Römische Inschriften und Funde. Acta Archaeologica. Band 55, 3–4, 2004, S. 377–389.

Baugeschichte Kastell Die viereckige, 76 × 78 Meter umfassende Befestigung mit ihren 2,1 Meter starken Mauern wurde im 2. Jahrhundert eingerichtet und bis in das 4. Jahrhundert verwendet. Im Inneren der Anlage konnten entlang der Nord-, West- und Südseite der Wehrmauer Säulen- und Pfeilerreihen festgestellt werden, die eine Portikus bildeten.Zsolt Visy: Der pannonische Limes in Ungarn. Theiss, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0488-8. S. 84. Vor der westlichen Wandelhalle fanden sich die Reste eines kleinen Bades. Während der ersten Ausgrabung stieß man auf gestempelte Ziegel mit dem Aufdruck Vincentia; bei einem Exemplar war die Zeichnung eines Hundes beigefügt.Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Supplementband XV. Alfred Druckenmüller, Stuttgart 1978, Sp. 85. Bei Grabungen im Bereich des Kastells Esztergom konnte im Bereich einer spätantiken Zerstörungsschicht ein entsprechend markierte Stempel in Fundzusammenhang mit einer Münze aus der Regierungszeit des Kaisers Konstantin I. (306–337) geborgen werden.Sándor Soproni: Der spätrömische Limes zwischen Esztergom und Szentendre. Akadémiai Kiadó, Budapest 1978. S. 18.Zsolt Visy: Der pannonische Limes in Ungarn. Theiss, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0488-8, S. 68.

Brücke

Im Zuge der 1874–1875 vorgenommenen Donauregulierung sollte auch das Flussbett vertieft werden. Zu dieser Maßnahme gehörte das Abtragen der vor Transaquincum gelegenen ehemaligen Badeinsel. Noch bevor die Baggerarbeiten aufgenommen wurden, war es dem Leiter der Archäologischen Abteilung des Ungarischen Nationalmuseums, Flóris Rómer, und Gustav Zsigmondy gelungen, auf der Insel vier hölzerne Unterbauten von einstigen römischen Brückenpfeilern freizulegen und aufzunehmen. Die Konstruktion verband Transaquincum mit der Schiffswerft-Insel und dem Legionslager am Westufer. Rómer und Zsigmondy fanden auf der Badeinsel zu Baumaterial umgeformte Altäre, die möglicherweise als Spolien in einem unbekannten spätrömischen militärischen Objekt vermauert gewesen waren, das auf der Insel stand. Außerdem entdeckten sie dort und im Bett der Donau zahlreiche Werksteine, die sowohl zum aufgehenden Mauerwerk der Brücke als auch zu dem spekulativen Militärobjekt gehört haben könnten. Die Forschungen werden überwiegend so gedeutet, dass dieser Flussübergang als längerfristiger Übergang geplant war und zur Gruppe der Pfahlrostbrücken gezählt werden muss,Zsolt Mráv: Die Brückenbauinschrift Hadrians aus Poetovio. In: Communicationes archeologicae Hungariae 2002. Magyar Nemzeti Muzeum. Népművelési Propaganda Iroda, Budapest 2002, S. 47. wie sie beispielsweise auch in Mainz bestanden. Der Standort des westlichen Brückenkopfs ist noch unbekannt. Nur vereinzelt wurde die Deutung der Baustrukturen als Brücke angezweifelt.József Attila Csiki: Állt-e állandó római híd a Dunán Aquincumnál? [Was there a Roman bridge at Aquincum?]. In: Res militares antiquae. Ókori Hadtörténeti és Fegyvertörténeti Konferencia Tanulmányai, Pécs, 2013. február 22–23 (= Specimina nova dissertationum ex Instituto Historiae Antiquae et Archaeologiae Universitatis Quinqueecclesiensis. Supplementband 12). PTE-BTK TTI Régészet Tanszék, Pécs 2013, ISBN 978-963-642-535-7, S. 21–33.

Während der 2008 auf der Schiffswerft-Insel durchgeführten Grabungen wurden zahlreiche römische Objekte entdeckt, die im Mittelalter (Arpadenzeit) von der Bevölkerung unter anderem als Spolien wiederverwendet worden waren. In diesem Zusammenhang sind auch viele römischen Münzen des 4. Jahrhunderts aus dem Boden gekommen. Die ebenfalls gesuchten Reste der Brücke auf dieser Insel konnten jedoch nicht gefunden werden.

Funde Keramik Im nördlichen und nordöstlichen Bereich von Transaquincum konnten in der Antike nach Pannonien importierte Terra-sigillata-Gefäße aus der Produktionsstätte Westerndorf bei Rosenheim geborgen werden.Bonner Jahrbücher. Band 188, Butzon & Bercker, Kevelaer 1988, S. 627.

Ziegelstempel miniatur|Ziegelstempel [L]EG(io) IV (Legio IV Flavia Felix) aus Visegrád-Lepence.