mini|Auseinandersetzung zwischen der Polizei und Demonstranten in Belize mini|US-Marines trainieren den Einsatz gegen Demonstranten mini|Bayerisches Unterstützungskommando auf einer Demonstration in Rostock gegen den G8-Gipfel

Als Straßenschlacht bezeichnet man eine Auseinandersetzung zwischen Gruppen meist unterschiedlicher Gesinnung, die unter freiem Himmel mit physischer Gewalt, jedoch häufig ohne schwere militärische Waffen, ausgetragen wird.

Im Gegensatz zur Straßenschlacht, die vornehmlich aus Auseinandersetzungen zwischen Personen bestehen, bezeichnen Krawalle, Randale und Ausschreitungen auch Plünderungen und Sachbeschädigungen, die häufig mit Brandstiftung einhergehen.

Als Straßenschlachten werden Konflikte zwischen gesellschaftlichen Gruppen, zum Beispiel zwischen politischen, religiösen oder ethnischen Gruppen oder Angehörigen von Subkulturen, untereinander oder mit Polizeieinheiten ausgetragen, aber auch am Rande von Sportereignissen kann es zu Straßenschlachten kommen. In Deutschland sind, wenn es zu einer Straßenschlacht kommt, in erster Linie Demonstranten oder Fußballhooligans und Polizeieinheiten beteiligt.Marius Breucker: Transnationale polizeiliche Gewaltprävention – Maßnahmen gegen reisende Hooligans. Ergon-Verlag, Würzburg 2003, ISBN 3-89913-275-0.Thomas Bliesener: Hooliganismus. In: Andreas Beelmann (Herausgeber): Diskriminierung und Toleranz – Psychologische Grundlagen und Anwendungsperspektiven. Verlag Springer, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-15732-0, S. 319–336.

Gründe/Anlässe Straßenschlachten können sowohl geplant wie auch unerwartet ausbrechen. Der Auseinandersetzung geht in der Regel eine Situation der Spannung voraus. Die Eskalation kann spontan, nach einer Provokation der Gegenseite, durch den Einsatz von Agents Provocateurs oder auch planmäßig erfolgen.Demonstrant beschuldigt verdeckten Zivilpolizisten als Aufwiegler, Der Spiegel, 8. August 2007

Häufig bekämpfen sich rivalisierende Gruppen aufgrund politischer, sozialer, religiöser oder ethnischer Motive. Manchmal arten auch friedlich begonnene Demonstrationen in Straßenschlachten aus, da gegnerische Gruppen versuchen, die Demonstration zu stören.

Beispiele Altertum und Mittelalter mini|Straßenkampf vor dem Sitz des preußischen Ministerpräsidenten Rudolf von Auerswald (Berlin 1848, zeitgenössische Darstellung) Straßenschlachten gab es bereits in den Metropolen des Altertums und des Mittelalters, wie etwa in Konstantinopel im Verlauf des Nika-Aufstands im Jahre 532. Während des Hochmittelalters ereignete sich 1229 ein Studentenaufstand in Paris, der mit heftigen Straßenschlachten einherging.Richard E. Rubenstein: Aristotle's Children: How Christians, Muslims, and Jews Rediscovered Ancient Wisdom and Illuminated the Middle Ages. Harvest Books, Orlando 2004, ISBN 0-15-100720-9, S. 161.

Mitteleuropa und die westliche Welt Im Zuge von Revolutionen, Aufständen und Revolten, wie etwa der Münchner Bierrevolution, der Märzrevolution oder der Pariser Kommune, kam es immer wieder zu Barrikadenkämpfen.Christian Jansen, Thomas Mergel (Hrsg.): Die Revolutionen von 1848/49. Erfahrung – Verarbeitung – Deutung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-01364-7.Heinz-Gerhard Haupt, Karin Hausen: Die Pariser Kommune. Erfolg und Scheitern einer Revolution. Campus, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-593-32607-8. Im März 1873 ereignete sich der Frankfurter Bierkrawall. Während und nach der Novemberrevolution 1918 gab es in Deutschland häufig Straßenschlachten,Richard Müller: Eine Geschichte der Novemberrevolution. Berlin 2011. ISBN 978-3-00-035400-7 (Neuausgabe der drei Bände: Vom Kaiserreich zur Republik, Die Novemberrevolution, Der Bürgerkrieg in Deutschland. Wien/Berlin 1924–1925.) wie etwa beim Ruhraufstand 1920,Klaus Gietinger: Kapp-Putsch. 1920 – Abwehrkämpfe – Rote-Ruhrarmee. Schmetterling, Stuttgart 2020, ISBN 3-89657-177-X. während der Märzkämpfe in Mitteldeutschland 1921,Stefan Weber: Ein kommunistischer Putsch? Märzaktion 1921 in Mitteldeutschland. Berlin, Karl-Dietz-Verlag 1991, ISBN 3-320-01641-5. dem Hamburger Aufstand 1923Bernhard H. Bayerlein, Leonid G. Babicenko u. a. (Hrsg.): Deutscher Oktober 1923. Ein Revolutionsplan und sein Scheitern. Aufbau, Berlin 2003. ISBN 3-351-02557-2. Lothar Danner: Ordnungspolizei Hamburg. Betrachtungen zu ihrer Geschichte 1918–1933, Hamburg 1958. oder den Mai-Unruhen 1929.Léon Schirmann: Blutmai Berlin 1929. Dichtungen und Wahrheit. Dietz Verlag, Berlin, 1991. Die Endphase der Weimarer Republik war geprägt von schweren Straßenschlachten zwischen Anhängern der Kommunisten und Nationalsozialisten, z. B. während des SA-Aufmarsches in Braunschweig im Januar 1931. In dieser Zeit gab es keine effektiven Polizeikräfte, und die Krawalle wurden offen ausgetragen und führten zu einem Ausgang mit verschobenen Kräfteverhältnissen. Es gab Sieger und Verlierer. Die Straßenschlachten des Altonaer Blutsonntags nahm die Reichsregierung 1932 als Vorwand zum Preußenschlag.Léon Schirmann: Altonaer Blutsonntag 17. Juli 1932. Dichtungen und Wahrheit. Ergebnisse Verlag, Hamburg 1994, ISBN 3-87916-018-X. Auch in Paris kam es während der Unruhen vom Februar 1934 zu großen antiparlamentarischen Straßenschlachten, an der die rechtsradikale Bewegung Croix de Feu beteiligt war.Andreas Wirsching: Vom Weltkrieg zum Bürgerkrieg? Politischer Extremismus in Deutschland und Frankreich 1918–1933/39. Berlin und Paris im Vergleich. Oldenbourg, München 1999, ISBN 3-486-56357-2

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in der jungen Bundesrepublik Deutschland während der Ära Adenauer die Halbstarkenkrawalle und 1962 die Schwabinger Krawalle,Gerhard Fürmetz (Hrsg.): Schwabinger Krawalle. Protest, Polizei und Öffentlichkeit zu Beginn der 60er Jahre. Essen 2006, ISBN 3-89861-513-8. die in vehemente Straßenschlachten ausarteten.

Die Stonewall-Unruhen im Sommer 1969 waren der Beginn von tagelangen Straßenschlachten mit der New Yorker Polizei, an die bis heute der Christopher Street Day erinnert.Marc Stein: The Stonewall Riots A Documentary History. New York University Press 2019, ISBN 978-1-47980-851-9.

Das Attentat auf Rudi Dutschke löste 1968 die größten Straßenschlachten aus, die es seit dem Bestehen der Bundesrepublik Deutschland gegeben hatte.Der Tag, an dem Rudi Dutschke niedergeschossen wurde, Der Tagesspiegel, 11. April 2018, Online abgerufen am 14. Juli 2022 In den 1970er Jahren kam es infolge der Studentenrevolte zu Straßenschlachten, in denen die Polizeikräfte zunehmend spezialisierter ausgerüstet wurden. Während des Frankfurter Häuserkampfes lieferten sich die Demonstranten, hauptsächlich Studenten der Universität Frankfurt, immer wieder Straßenschlachten mit der Polizei. Daran war auch der junge Joschka Fischer beteiligt. Auch der Nordirlandkonflikt führte häufig zu gewaltsamen Ausschreitungen, wie etwa die Straßenschlacht von St Matthew’s 1970 in Belfast. In den 1980er Jahren waren in Deutschland neben der Hausbesetzer-Szene wie etwa in der Schlacht am Fraenkelufer 1980 in Berlin-Kreuzberg der Widerstand meist ökologisch oder friedenspolitisch motiviert (Startbahn West, Atomkraftgegner).

Seit den 1990er Jahren gibt es zunehmend globalisierungskritische und rechtsextremistische Demonstrationen und Gegendemonstrationen der Antifa, die zum Teil in Gewalt enden. Besondere weltweite Aufmerksamkeit riefen die Ausschreitungen in Hoyerswerda 1991 und die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen 1992 hervor. Die wütende und aggressive Menschenmenge wurde dabei auch als Mob bezeichnet.

Ebenfalls zu nennen sind die am 1. Mai in Berlin-Kreuzberg alljährlich stattfindenden Straßenschlachten zwischen der Polizei und Autonomen. Als Besonderheit der Ausschreitungen in Kreuzberg ist die „Wasserschlacht“ 2005 zu nennen und der Tuwat-Kongress 1981 in Berlin. Weitere Beispiele sind die Chaostage in Hannover, sowie die Straßenschlachten auf Grund ungelöster politischer, sozialer und religiöser Konflikte in Nordirland und den Palästinensischen Autonomiegebieten. Bei den Straßenschlachten am Rande des G8-Gipfels in Genua 2001 wurde der Globalisierungskritiker Carlo Giuliani durch einen Polizisten erschossen.

Auch die Räumung von Häusern oder Häuserblocks durch die Polizei führt oftmals zu schweren Auseinandersetzungen der Hausbesetzer mit den Ordnungskräften. Als Beispiel einer solchen Hausräumung ist die Räumung der Mainzer Straße zu nennen, die als größte Polizeiaktion im Berlin der Nachkriegszeit gilt.

In Frankreich kam es in fast allen Großstädten – insbesondere in den Vororten von Paris – im Jahr 2005 zu wochenlangen gewalttätigen Ausschreitungen von sozial benachteiligten Jugendlichen (Pariser Krawalle 2005).„Unruhen in Pariser Trabantenstädten“, Telepolis, 2. November 2005 Ebenfalls 2005 kam es in Belize wegen geplanten Steuererhöhungen zu schweren Ausschreitungen (Unruhen in Belize 2005).

Eine Woche vor Beginn des G8-Gipfels in Heiligendamm 2007 kam es während einer Großdemonstration in Rostock zu schweren Auseinandersetzungen zwischen mehreren tausend linken Autonomen und den anwesenden Polizeikräften. Dabei wurden Autos und Barrikaden in Brand gesetzt, Schaufensterscheiben und der Eingangsbereich einer Sparkassenfiliale zerstört, und weitere Sachbeschädigungen begangen.

Am 26. Oktober 2014 eskalierte in Köln eine Demonstration aus der Hooligan-Szene in einer Straßenschlacht mit der Polizei.

Am Rande des G20-Gipfel in Hamburg 2017 kam es in der Nacht vom 7. zum 8. Juli 2017 im Schanzenviertel zu erheblichen Krawallen und Zerstörungen, die große mediale Aufmerksam erregten und umfangreiche strafrechtliche Konsequenzen nach sich zogen.Karl-Heinz Dellwo, Achim Szepanski, J. Paul Weiler: Riot. Was war da los in Hamburg? Theorie und Praxis der kollektiven Aktion. Laika Verlag, Hamburg 2018, ISBN 978-3-944233-91-8.

In Frankreich kam es ab 2018 im Zuge der Gelbwestenbewegung auch zu Straßenschlachten.Luisa Michael: Wir sollten uns vertrauen – Der Aufstand in gelben Westen. Nautilus, Hamburg 2019, ISBN 978-3-96054-213-1

In der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 2020 ereigneten sich Ausschreitungen und Plünderungen in Stuttgart, wie sie die Bewohner der Stadt in diesem Ausmaß noch nicht erlebt hatten.

Rassenunruhen und religiöse Konflikte Weitere Beispiele für Straßenschlachten sind Rassenunruhen wie der Aufstand in Soweto 1976 oder die Unruhen in Los Angeles 1992 sowie religiöse Auseinandersetzungen. In dem Zusammenhang stehen die Unruhen im Iran im Juni 1963 sowie der Schwarze Freitag 1978.

Totalitäre Regime und Diktaturen mini|Der Versuch der Räumung des Maidan durch Polizeieinheiten am 19. Februar 2014