mini|Niststätte von Sceliphron curvatum mini|Geöffnete, fertig verproviantierte Zelle

Sceliphron (von griech. σκελίς skelís „Hüfte, Hinterfuß“ und φρόνις phrónis „Einsicht, Erkenntnis“) ist eine Gattung der Grabwespen (Spheciformes) aus der Familie Sphecidae. In Europa kommen 7 Arten vor, weltweit sind knapp 40 Arten beschrieben worden. Die Gattung ist auf allen Kontinenten außer der Antarktis vertreten. Die Orientalische Mauerwespe (Sceliphron curvatum) wurde aus Indien und Nepal in Europa eingeschleppt und dort erstmals 1979 in der Steiermark beobachtet.

Die Gattung wurde 1801 von Johann Christoph Friedrich Klug eingeführt. Typusart ist Sphex spirifex , 1758. Die Gattung Sceliphron gehört zur Tribus Sceliphrini innerhalb der Unterfamilie Sceliphrinae.

Merkmale Die zwischen 12 und 32 mm langen Tiere haben große, schwarz und gelb gefärbte Körper. Der Hinterleib ist basal gestielt und hinten scharf abgegrenzt eiförmig.

Lebensweise Anders als für Vertreter der Sphecidae üblich bauen die Weibchen ihre Nester nicht im Erdboden, sondern fertigen aus feuchter Erde oder feuchtem Lehm stabile, etwa faustgroße Nester, die aus mehreren Zellen bestehen. Die Nester werden an Pflanzen, Mauern, überhängenden Felsen und ähnlichem an einer geschützten Stelle, etwa einer Nische angebracht. Häufig kann man die Nester an Gebäuden entdecken. Nicht selten werden die Wespen auf Grund dieser Nistweise durch den Menschen mit Waren in andere Erdteile verbreitet. Beispielsweise konnte sich so die ursprünglich in Amerika verbreitete Sceliphron caementarium im pazifischen und atlantischen Raum und auch im Mittelmeergebiet ausbreiten.

Die Imagines sind Blütenbesucher und fliegen häufig Pfützen an, um Material für den Nestbau zu beschaffen. Die Brut wird mit Spinnen versorgt. Diese werden nicht spezifisch ausgewählt, wobei pro Zelle je nach Größe der Beute mitunter bis zu 40 Spinnen enthalten sein können.

Innere Systematik

Artenliste Die Gattung umfasst ungefähr 35 beschriebene Arten. Mehrere Arten wurden in weite Teile der Welt eingeschleppt, darunter S. caementarium und S. curvatum.

Im Folgenden eine Artenliste nach GBIF (Stand 2025): Sceliphron arabs (, 1845) – Kaukasus, Iran Sceliphron argentifrons (, 1865) – Kuba, Hispaniola Sceliphron asiaticum (, 1758) – Neotropis Sceliphron assimile (, 1843) – Mittelamerika, Karibik, südliches Texas Sceliphron caementarium (, 1773) – kosmopolitisch Sceliphron coromandelicum (, 1845) – Orientalis, Südostasien Sceliphron curvatum (, 1870) – Orientalis, Westpaläarktis, Nearktis, Neotropis Sceliphron deforme (, 1856) – europ. Teil Russlands, Ostpaläarktis, Orientalis Sceliphron destillatorium (, 1807) – Westpaläarktis Sceliphron fasciatum (, 1845) – Karibik Sceliphron fervens (, 1858) – Südasien, Australien Sceliphron fistularium (, 1843) – Neotropis, Südafrika Sceliphron formosum (, 1856) – Australien, Australasien, Neukaledonien Sceliphron fossuliferum (, 1895) – Afrotropis Sceliphron funestum , 1918 – Kleinasien, Griechenland, Rhodos, Kreta Sceliphron fuscum , 1801 – Madagaskar, Réunion, Mauritius, Seychellen Sceliphron intrudens (, 1858) – Orientalis, Australasien Sceliphron isaaci , 1995 – Orientalis Sceliphron jamaicense (, 1775) – Mittelamerika, Karibik Sceliphron javanum (, 1845) – Orientalis, Australasien Sceliphron laetum (, 1856) – Australien, Neuseeland, Südsee Sceliphron leptogaster , 1905 – Südafrika Sceliphron madraspatanum (, 1781) – Orientalis, Paläarktis, Australasien Sceliphron murarium (, 1863) – Südasien, Australien Sceliphron neobilineatum , 1995 – Orientalis Sceliphron paraintrudens , 1995 – Orientalis Sceliphron pietschmanni , 1918 – Irak Sceliphron quartinae (, 1884) – Afrotropis Sceliphron rectum , 1918 – Orientalis Sceliphron rufopictum (, 1856) – Philippinen Sceliphron seistaniensis , 1995 – Afghanistan, Iran Sceliphron shestakovi , 1928 – Turkmenistan, Usbekistan Sceliphron spirifex (, 1758) – Afrotropis, Westpaläarktis †Sceliphron tertiarius , 1915 – Känozoikum, Typlokalität: Aix en Provence Sceliphron unifasciatum (, 1860) – Südasien

Arten in Europa Ein Bestimmungsschlüssel für europäische und mediterrane Sceliphron-Arten findet sich bei Schmid-Egger.

Die folgenden vier Arten sind auch aus Mitteleuropa nachgewiesen:

Amerikanische Mauerwespe (Sceliphron caementarium (, 1773)) Orientalische Mauerwespe (Sceliphron curvatum (, 1870)), auch „Orientalische Mörtelwespe“ oder „Asiatische Lehmtopfwespe“ genannt Mauerspinnentöter (Sceliphron destillatorium (, 1807)), auch „Südliche Mauerwespe“ genannt Sceliphron spirifex (, 1758)

Nur in Südeuropa kommen folgende Arten vor: Sceliphron deforme (, 1856) – bisher nur eingeschleppt in Montenegro Sceliphron funestum (, 1918) – Griechenland Sceliphron madraspatanum (, 1781) – gesamter Mittelmeerraum, aber selten

Belege Einzelnachweise

Literatur

Johannes Gepp, Eugen Bregant: Zur Biologie der synanthropen, in Europa eingeschleppten Orientalischen Mauerwespe Sceliphron (Prosceliphron) curvatum (Smith, 1870) (Hymenoptera, Sphecidae). In: Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark. Band 116, Graz 1986, S. 221–240 (). Johannes Gepp: Verdrängt die eingeschleppte Mauerwespe Sceliphron curvatum autochthone Hymenopteren im Südosten Österreichs? In: Entomologica Austriaca 8/2003, S. 18 (). Lavinia Schardt, Carsten Renker, Aloysius Staudt & Gerd Reder (2012): Auf stetigem Vormarsch: Die aktuelle Verbreitung von Sceliphron curvatum (F. Smith, 1870) in Deutschland (Hymenoptera: Sphecidae), in: Mainzer naturwiss. Archiv 49, S. 143–164.

Weblinks

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