mini|Luftbild des Herforder Westens mini|Blick vom Hamscheberg an der Vlothoer Straße auf den Herforder Norden. In der Mitte das Klinikum 2007 vor der Sanierung.
Die Hansestadt Herford (; westfälisch-niederdeutsch Hiärwede, Hiarwede, Hiarwe) ist eine große kreisangehörige Stadt mit Einwohnern in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt im Regierungsbezirk Detmold und ist die Kreisstadt des Kreises Herford.
Herford gehört zum ostwestfälischen Verdichtungsraum, der sich von Gütersloh über Bielefeld und Herford bis Minden erstreckt. Die Stadt liegt im Ravensberger Hügelland zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge, 15 Kilometer nordöstlich von Bielefeld.
Herford wurde nicht gegründet, die Stadtwerdung wird um das Jahr 789 datiert. Die Stadt entwickelte sich im frühen Mittelalter zu einer der bedeutendsten und am stärksten befestigen Handelsstädte Westfalens und war ab 1246 Mitglied im Ladbergener Städtebund und ab 1342 in der Hanse. Das um 800 gegründete Frauenkloster entwickelte sich zu einem bedeutenden geistigen Zentrum. Herford war bis zur Annexion durch Preußen im Jahr 1652 freie Reichsstadt. Das Territorium des Frauenstifts blieb bis 1803 freie Reichsabtei. Von 1911 bis 1968 war Herford kreisfreie Stadt in Preußen und Nordrhein-Westfalen.
Herford ist Gründungsmitglied der Westfälischen Hansestädte und der Neuen Hanse und trägt seit 2013 den offiziellen Namenszusatz Hansestadt.
Geografie Geografische Lage
Herford liegt im Nordosten des Landes Nordrhein-Westfalen in der Region Ostwestfalen-Lippe. Geografisch gehört die Stadt teils zum Ravensberger Hügelland, teils zum Lipper Bergland. Sie befindet sich zwischen dem Teutoburger Wald und dem Wiehengebirge. Die höchste Erhebung ist der Dornberg () im Stadtteil Schwarzenmoor. Weitere Anhöhen sind der Stuckenberg und der Heuberg (beide in Schwarzenmoor) sowie der Homberg im Stadtteil Falkendiek. Der niedrigste Punkt des Stadtgebiets, über dem Meeresspiegel, liegt im Werretal in Falkendiek. Das Ravensberger Hügelland zeigt sich sanft gewellt, durchzogen von zahlreichen kleinen Sieken und wird intensiv landwirtschaftlich genutzt. Die ursprünglich waldarme Landschaft ist nur in den Höhenlagen bewaldet.
Herford liegt an der Mündung der Aa in die Werre, nördlich des Stadtzentrums. Die Werre durchfließt das Stadtgebiet von Bad Salzuflen kommend in südost-nordwestlicher Richtung, bevor sie nach Norden abbiegt und weitgehend die Grenze zur Gemeinde Hiddenhausen bildet. Die Aa entspringt bei Bielefeld und trägt ihren Namen erst kurz vor der Herforder Stadtgrenze nach der Einmündung der Lutter in den Johannisbach. Sie bildet die Grenze zwischen den Stadtteilen Elverdissen östlich des Flusses sowie Stedefreund und Diebrock im Westen. Nördlich trennt sie die Altstädter Feldmark von der Radewiger Feldmark, die Altstadt von der Radewig sowie die Herforder Neustadt von der Radewiger Feldmark. Die Werre wiederum bildet die Grenze zwischen der Neustädter Feldmark im Osten und der Altstädter Feldmark, der Neustadt und der Radewiger Feldmark westlich des Flusses.
Herford liegt etwa 15 Kilometer nordöstlich von Bielefeld und 46 Kilometer östlich von Osnabrück. Über die Bundesautobahn 2 und die Bahnstrecke Hamm–Minden sind Dortmund und Hannover – jeweils rund 100 Kilometer entfernt – gut erreichbar. Entlang dieser Verkehrsachse erstreckt sich das ostwestfälische Verdichtungsgebiet von Gütersloh bis Minden.
Seit dem Verlust der Kreisfreiheit am 1. Januar 1969 gehört Herford wieder als größte Stadt zum Kreis Herford.
Stadtgliederung Seit 1969 besteht die Stadt aus folgenden Stadtteilen (Einwohnerzahlen Stand 31. Dezember 2015Stadt Herford, Zahlen, Daten, Fakten, abgerufen am 22. Mai 2019.):
mini|Gliederung von Herford-Stadt 300px|links|Gliederung von Herford
Stadtteil Fläche EinwohnerHerford-Stadt 25,07 km² 51.798Diebrock 7,04 km² 2.024 Eickum 7,39 km² 1.767 Elverdissen 9,31 km² 4.158 Falkendiek 6,57 km² 861 Herringhausen 2,16 km² 2.736 Laar 4,80 km² 467 Schwarzenmoor 14,74 km² 1.632 Stedefreund 1,78 km² 1.462
Mit Herford-Stadt ist die Kernstadt gemeint, wie sie bis zum 31. Dezember 1968 bestand. Sie umfasst die Innenstadt sowie die Feldmarken, die keine eigenen Stadtteile bilden.
Die Innenstadt bildet das historische Zentrum Herfords und liegt innerhalb der früheren Wallanlagen. Zu ihr gehören der ehemalige Abteibezirk („die Freiheit“), das älteste Stadtviertel Radewig, die Altstadt und die Neustadt. Altstadt und Radewig wurden einst gemeinsam von einem Rathaus auf dem Alten Markt verwaltet, während die Neustadt ein eigenes Rathaus besaß und bis 1634 selbständig war. Erst in diesem Jahr schlossen sich die drei Viertel zur Stadt Herford zusammen.
Zu jedem dieser historischen Stadtviertel gehört eine entsprechende Feldmark, die sich von der Innenstadt bis zur früheren Stadtgrenze erstreckt: die Altstädter Feldmark im Südosten, die Neustädter Feldmark im Nordosten und die Radewiger Feldmark im Westen. In der Neustädter Feldmark liegen die Bereiche Stiftberg, Friedenstal und Waldfrieden – mit dem Tierpark – sowie die Nordstadt, deren genaue Abgrenzungen allerdings nicht festgelegt sind.
Der flächenmäßig größte der am 1. Januar 1969 eingemeindeten Stadtteile ist Schwarzenmoor, der kleinste Stedefreund. Innerhalb der Stadtteile befinden sich weitere Ortsteile oder Wohnbereiche, etwa Dickenbrock (in Herringhausen), Hausheide und Hollinde (in Diebrock), Nieder- und Ober-Eickum, Pottkamp und Kaishagen (in Eickum) sowie Elsen, Herforder Heide und Hillewalsen beziehungsweise Hillewalser Baum (in Elverdissen).
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets mini|Flächennutzung
Die Gesamtfläche der Stadt Herford beträgt 79,15 km². Die größte Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung beträgt 13,1 Kilometer und in Ost-West-Richtung 13,8 Kilometer. Die Stadtgrenze hat eine Länge von 56 Kilometern. Die Innenstadt innerhalb der Wälle (Altstadt, Neustadt, Radewig) hat eine Fläche von 58 ha (0,58 km²). Die Länge der Wälle beträgt 3,1 Kilometer.
+ Flächennutzung der Stadt Herford Flächenach Nutzungsart Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Gebäude-,Frei- undBetriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 41,16 7,53 20,20 7,28 0,81 1,86 3,0 Anteil an Gesamtfläche 52,00 % 9,5 % 25,5 % 9,2 % 1,0 % 2,4 % 0 %
Nachbargemeinden Herford grenzt im Westen an die Städte Enger und Hiddenhausen, im Norden an Löhne, im Nordosten an Vlotho (alle Kreis Herford), im Südosten an Bad Salzuflen (Kreis Lippe) sowie im Südwesten an die Stadt Bielefeld.
Geologie mini|Geothermische Karte von Herford
Von Osten her schiebt sich als Ausläufer des Lippischen Berglandes der Herforder Keupervorsprung im Zuge der Piesberg-Pyrmonter Achse nördlich an der Stadt vorbei. Der nach Westen immer flacher werdende Keupervorsprung wird zwischen dem 201 Meter hohen Homberg und dem 168 Meter hohen Schweichelner Berg vom 55 Meter über NN liegenden Werretal durchschnitten. Etwa drei Kilometer südlich des Keupervorsprungs mündet die Aa in die aus Lippe kommende Werre. Durch die gliedernde Wirkung ihrer Flusstäler schieben sich zwischen ihnen zwei weitere Höhengebiete an Herford heran: eines von Süden, vom Teutoburger Wald, das andere vom Westen, vom Jöllenbecker Plateau her.
Südlich des Keupervorsprungs erstreckt sich die 100 bis 200 Meter hoch liegende, 10 km breite Herforder Liasmulde mit Ton- und Tonmergelstein.Geologischer Dienst NRW (Hrsg.): Geologie im Weser- und Osnabrücker Bergland. Krefeld 2003, S. 26, 29, 60. Die Landschaft wurde im Pliozän und Altpleistozän durch weite Talungen zur jetzigen Form gegliedert. Während des Eiszeitalters wurde das Gebiet mit einer fruchtbaren Lehm- oder Lösslehmdecke überkleidet, die in einer Dicke von vier bis sechs Metern erhalten ist. In diesem Gebiet liegt die Stadt Herford.Geologischer Dienst NRW: Geowissenschaftliche Gemeindebeschreibungen NRW: Herford. Während der Weichsel-Eiszeit erreichte die Eisdecke dieses Gebiet nicht mehr. Durch die wasserstauende Wirkung erzeugte sie in den größeren Tälern sandige Aufschüttungsterrassen von zwei bis fünf Meter Höhe.
Herford eignet sich in einigen Lagen im westlichen Stadtgebiet mittelmäßig, in einigen Lagen besonders im nordöstlichen Stadtgebiet sehr gut und ansonsten gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen. (PDF; 360 kB)
Klima mini|Niederschlagsmittelwerte für den Zeitraum von 1961 bis 1990
Herford liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas und weist partiell sehr schwache kontinentale Einflüsse auf. Das Seeklima des atlantischen Klimabereichs zeichnet sich durch relativ gleich verteilte und regelmäßige Niederschläge und relativ milde, im Jahresgang verhältnismäßig ausgeglichene Temperaturen aus. Die Winter sind unter dem atlantischen Einfluss meist mild und die Sommer mäßig-warm. Unter diesem Einfluss ist die Temperatur im Winter eher kälter, im Sommer eher wärmer, die Niederschläge eher geringer als unter Einfluss des überwiegend herrschenden Seeklimas.
Durch die Beckenlage der Stadt Herford im Ravensberger Hügelland hält der Frühling dort bis zu zwei Wochen früher seinen Einzug als in den umliegenden Mittelgebirgen. Die vorherrschende Windrichtung aus Südwest bringt regelmäßig Niederschläge vom Atlantik, die Niederschlagsmengen sind durch die Beckenlage in Herford geringer als am Teutoburger Wald, wo öfter Steigungsregen niedergehen.
Geschichte
Stadtgründung mini|Das Damenstift nach Ergebnissen archäologischer Ausgrabungen 1988 bis 1990
Bereits seit der Jungsteinzeit zog der Zusammenfluss der Flüsse Aa und Werre die Menschen als Siedlungsplatz an. Im späteren Stadtgebiet lassen sich seit der sächsischen Zeit im Frühmittelalter mehrere Höfe nachweisen.
In günstiger, wirtschaftlich und militärisch nicht unwichtiger Verkehrslage gelegen, entwickelte sich Herford ab 789 (Gründungslegende in der Vita Waltgeri) auf dem Gebiet dreier älterer Höfe (Adonhusa, Herifurth und Libbere).Rainer Pape: Sancta Herfordia. Geschichte Herfords von den Anfängen bis zur Gegenwart. Herford 1979, S. 15–22. Um 800 entstand das bedeutende Frauenstift Herford, dessen Bedeutung weit über die Region hinausging.Rainer Pape: Sancta Herfordia. Geschichte Herfords von den Anfängen bis zur Gegenwart. Herford 1979, S. 23–37. Im Jahre 823 unterstellte Kaiser Ludwig der Fromme das Kloster seinem persönlichen Schutz. Der Kaiser übertrug der Abtei weitere Güter, die eng mit dem Kloster Corvey verbunden blieb. Bald darauf entwickelte sich eine Kaufmannssiedlung. Es wird angenommen, dass 833 Ludwig der Fromme dem Kloster Herford das Markt-, Münz- und Zollrecht verlieh.
Besonders die Ottonen waren Herford eng verbunden: Mathilde, die Ehefrau Heinrichs I., wurde hier erzogen;Rainer Pape: Sancta Herfordia. Geschichte Herfords von den Anfängen bis zur Gegenwart. Herford 1979, S. 38 f. 926 wurde das Kloster während des Ungarnsturms zerstört und anschließend mit königlicher Unterstützung neu aufgebaut. Otto der Große bestätigte 973 die Markt- und Zollrechte, wodurch Herford zu den ältesten Märkten in Deutschland gehörte. 1011 gründete die Äbtissin Godesdiu auf der Grundlage einer Marienerscheinung (Herforder Vision) vor den Toren der Stadt das Stift auf dem Berge als Ausbildungsstätte für die Töchter des niederen Adels, das sich zum Wallfahrtsort entwickelte.Stadtgeschichte Herford: Die Anfänge im MittelalterStadtgeschichte Herford: Das Herforder Reichsstift im Mittelalter
Ab 1988 wurden bei Ausgrabungen in den Resten der Abteigebäude wertvolle Funde aus karolingischer, ottonischer und späterer Zeit gemacht.
12. bis 15. Jahrhundert mini|Stadtplan der frühneuzeitlichen Stadt