Der Prozeß um des Esels Schatten ist das erste Hörspiel des Schweizer Autors Friedrich Dürrenmatt. Das Grundmotiv ist die Geschichte Des Esels Schatten, die bereits in der Antike bekannt war. Das Hörspiel entstand in enger Anlehnung an das vierte Buch Der Proceß um des Esels Schatten des satirischen Romans Die Abderiten von Christoph Martin Wieland und wurde erstmals am 5. April 1951 von Radio Bern ausgestrahlt. In gedruckter Form erschien das Stück erstmals 1958 beim Arche Verlag mit dem Untertitel Ein Hörspiel [nach Wieland – aber nicht sehr]. Eine Bühnenfassung von Jörg Reichlin wurde 1994 in Frankfurt am Main aufgeführt.Dürrenmatt: Herkules und der Stall des Augias / Der Prozeß um des Esels Schatten. Diogenes 1980. S. 227–228
Inhalt Der Zahnarzt Struthion mietet beim Eseltreiber Anthrax einen Esel, um von Abdera zu dem drei Tagesreisen entfernten Ort Gerania zu reisen. Unterwegs möchte er im Schatten des Tieres rasten, doch der Eselstreiber will dafür erneut eine Gebühr erheben, da nach seiner Auffassung die Miete lediglich die Fortbewegung mit dem Esel umfasse, nicht aber die Nutzung des Schattens. Daher sei eine erneute Bezahlung angebracht. Da der Zahnarzt nicht gewillt ist, für des Esels Schatten extra zu bezahlen, kehren die beiden nach Abdera zurück und bringen die Sache vor den Stadtrichter Philippides. Der Stadtrichter meint, man solle sich in Güte miteinander einigen, und schlägt vor, dass der Zahnarzt eine Kleinigkeit zahlt und der Eseltreiber ihm dafür erlaubt, sich in den Schatten des Tieres zu setzen. Allerdings verhärten sich die Fronten, weil den beiden Streithähnen die Anwälte Physignatus und Polyphonus beispringen, die aus der Angelegenheit einen Testfall für das Rechtssystem in Abdera machen. Sie treten mit einer pathetischen und feindseligen Rhetorik auf und behaupten jeweils, dass die Justiz unglaubwürdig wird, wenn man nicht Recht bekommt. Schließlich wird die ganze Stadt Abdera in den Streit hineingezogen und die Auseinandersetzung endet in einer großen Katastrophe.
Personen Struthion, der Zahnarzt Anthrax, der Eseltreiber Krobyle, seine Frau Philippides, der Stadtrichter Miltias, der Assessor Physignatus, Advokat von Struthion Polyphonus, Advokat von Anthrax Tiphys, Kapitän Iris, seine Braut Mastax, Helmschmied, Bruder des Tiphys Peleias, Putzmacherin, Geliebte des Mastax Strobylus, Oberpriester, Protektor von Anthrax Telesia, Liebkind des Strobylus, heilige Jungfrau Agathyrsus, Erzpriester, Protektor von Struthion Vorsitzender des Tierschutzvereins Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins Direktor der Marmor AG Agitator Hypsiboas, Senatspräsident Pfrieme, Zunftmeister Thykidides, Waffendirektor Zwei Abgesandte Feuerwächter und Feuerwehrhauptmann Zwei Feldweibel Bettler, Ausrufer, Verkäuferin 5 Richter Der Esel
Inszenierungen 1952: Südwestfunk – Regie: Karl Peter Biltz Struthion: Horst Beilke Anthrax: Wolfgang Golisch Philippides: Ernst Sladeck Physignates: Kurt Ebbinghaus Polyphonus: Alois Garg Peleias: Lieselotte Köster Agathyrsus: Heinz Schimmelpfennig Vorsitzender des Tierschutzvereins: Alexander Hegarth Direktor der Marmor AG: Martin Hirthe Polyphem: Dirk Dautzenberg Ausrufer: Klaus Friedrich Bettler: Peer Lhot Verkäuferin: Irene Reisinger 1. Richter/Mann: Karl Georg Saebisch Esel: Ludwig Anschütz u. v. a.
1952: Bayerischer Rundfunk – Regie: Walter Ohm Struthion: Ernst Ginsberg Anthrax: Wilfried Seyferth Philippides: Hans Leibelt Peter Lühr Trude Hesterberg Maria Nicklisch Friedrich Domin Werner Hinz Fritz Rasp Hans Hermann Schaufuß Bruno Hübner
1954: Nordwestdeutscher Rundfunk (NWDR Köln), in der Reihe: Neues aus Schilda – Regie: Raoul Wolfgang Schnell Philippides, Stadtrichter von Abdera: Paul Bildt Strathion, ein antiker Zahnarzt aus Abdera: Hanns Ernst Jäger Anthrax, Eseltreiber und Vermieter: Werner Lieven Physignatus, Sykophant und Linksanwalt von Anthrax: Werner Hessenland Polyphonus, Sykophant und Linksanwalt von Anthrax: René Deltgen Anführer der Partei der "Schatten": Lotte Koch Anführer der Partei der "Esel": Hermann Pfeiffer u. a.
1958: Norddeutscher Rundfunk – Regie: Ludwig Cremer Struthion: Alfred Balthoff Anthrax: Bum Krüger Krobyle: Carsta Löck Philippides: Erwin Linder Polyphonus: Helmut Peine Physignatus: Fritz Wagner Peleias: Inge Meysel Telesia: Dagmar Altrichter Strobylos: Carl Voscherau Agathyrsus: Heinz Klevenow Miltias: Hermann Lenschau u. a.
1959: Österreichischer Rundfunk – Regie: Ernst Schönwiese Struthion: Jochen Brockmann Anthrax: Viktor Gschmeidler Krobyle: Marianne Gerzner Philippides: Karl Fochler Polyphonus: Otto Schenk Physignatus: Egon von Jordan Peleias: Paula Pfluger
1962: Süddeutscher Rundfunk – Regie: Otto Kurth Struthion: Gregor von Rezzori Anthrax: Wolfgang Wahl Krobyle: Ida Krottendorf Philippides: Günther Lüders Miltias: Manfred Heidmann Physignatus: Helmut Peine Polyphonus: Kurt Haars Tiphys: Hermann Schomberg Iris: Ortrud Bechler Mastax: Gerhard Just Peleias: Karin Schlemmer Strobylus, Oberpriester: Ludwig Anschütz Agathyrsus: Hans Mahnke u. v. a.
1964: Bayerischer Rundfunk/Saarländischer Rundfunk – Regie: Otto Kurth Struthion: Hanns Ernst Jäger Anthrax: Bum Krüger Krobyle: Maria Landrock Philippides: Friedrich Maurer Polyphonus: Joachim Teege Physignatus: Horst Tappert Esel: Hans Clarin Eric Jelde Adolf Ziegler Sigfrit Steiner Werner Hessenland u. a.
1967: Rundfunk der DDR – Regie: Edgar Kaufmann Struthion: Hans-Joachim Hanisch Anthrax: Peter Dommisch Krobyle: Helga Hahnemann Philippides: Gerhard Bienert Physignatus: Herwart Grosse Ployphonus: Walter Jupé Peleias: Marianne Wünscher Mastax: Jürgen Holtz Tiphys: Helmut Müller-Lankow Iris: Else Grube-Deister Teresia: Irmgard Düren Strobylus: Heinz Scholz u. v. a.
1974: Schweizer Radio DRS – Regie: Klaus W. Leonhard Struthion: Klaus Schwarzkopf Anthrax: Hans Dieter Zeidler Philippides: Horst Christian Beckmann Polyphonus: Helmut Winkelmann Physignatus: Franz Matter Esel: Friedrich Dürrenmatt Die Version von 1974 ist auch als Hörbuch erhältlich.
1990: Deutsche Welle, in der Reihe: Matinée – Regie: Tibor von Peterdy Philippides, Richter: Lothar Ostermann Witwe Pfriem, Zunftmeisterin: Karin Buchali Anthrax, Eselstreiber: Fritz Bachschmidt Krobyle, Frau des Eselstreibers: Renate Fuhrmann Schwätzer/Sykophant/Rechtsverdreher: Walter Gontermann Struthion, Zahnarzt: Jürgen Hilken Pausback, Sykophant/Rechtsverdreher: Michael Oenicke Stimme: Hans Peter Thielen
Kritiken
Ausgaben 1958: Friedrich Dürrenmatt: Der Prozeß um des Esels Schatten. Ein Hörspiel [nach Wieland – aber nicht sehr]. In: Die kleinen Bücher der Arche. Band 267, Arche, Zürich. 1961: Friedrich Dürrenmatt: Der Prozeß um des Esels Schatten. In: Gesammelte Hörspiele. Arche, Zürich. 1980: Friedrich Dürrenmatt: Herkules und der Stall des Augias / Der Prozeß um des Esels Schatten: Griechische Stücke. Neufassungen von 1980. Diogenes, Zürich, ISBN 3257208383. 1998: Friedrich Dürrenmatt: Herkules und der Stall des Augias / Der Prozeß um des Esels Schatten: Griechische Stücke. In: Friedrich Dürrenmatt: Werkausgabe. Band 8. Neufassungen von 1980. Diogenes Taschenbuch 23048, Zürich, ISBN 3257230486. 2010: Friedrich Dürrenmatt: Der Prozess um des Esels Schatten. Hörbuch 2 CDs, in: Das Schweizer-Radio-DRS-Hörbuch im Christoph-Merian-Verlag, Christoph Merian Verlag, Basel, ISBN 3856164316.
Einzelnachweise
Weblinks Der Prozeß um des Esels Schatten bei Diogenes Der Proceß um des Esels Schatten von Wieland Weitere Inszenierungen in der Hörspieldatenbank
Kategorie:Werk von Friedrich Dürrenmatt Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Hörspiel (Titel) Kategorie:Literatur (Schweiz)