Die Schlacht am Honey Hill war ein Gefecht des Sezessionskrieges, das im Rahmen von Unionsgeneral William T. Shermans „Shermans Marsch zum Meer“ am 30. November 1864 stattfand. Ein Expeditionskorps der Nordstaaten, das an der Südküste South Carolinas gelandet war und dort die nach Savannah, Georgia, führende Eisenbahnlinie beschädigen wollte, wurde hierbei von überwiegend aus Milizen bestehenden südstaatlichen Truppen unter schweren Verlusten für die Nordstaaten zurückgeschlagen.

Vorgeschichte mini|links|Karte der Umgebung von Honey Hill und Grahamsville, Official Military Atlas of the Civil War, Plate XCI, Nr. 4 Ende November 1864 näherte sich Generalmajor William T. Shermans Invasionsarmee dem Ziel ihres Feldzuges, der Hafenstadt Savannah, Georgia, die vom konföderierten Generalleutnant William Joseph Hardee verteidigt wurde. Sherman war Hardee zahlenmäßig weit überlegen, allerdings war Savannah noch über die Charleston & Savannah Eisenbahnlinie mit dem Rest der Konföderation verbunden und konnte dadurch versorgt und eventuell auch verstärkt werden. Aus diesem Grund hatte Sherman bereits am 11. November darum gebeten, dass der für die Atlantikküste zuständige US-Wehrbereich Süd ein Expeditionskorps zusammenstellen, dieses an der Südküste South Carolinas landen und die wenige Meilen landeinwärts verlaufende Eisenbahnlinie unterbrechen sollte. Official Records, Band XXXIX, Teil 3, S. 740 Zu diesem Zweck schiffte sich am 28. November General John Porter Hatchs rund 5.500 Mann starke Division in Hilton Head Island ein, um bei Boyd’s Neck zu landen, nach Grahamsville zu marschieren und dort die Eisenbahnlinie zu zerstören. Official Records, Band XLIV, S. 421f. Hatchs Division bestand aus zwei Infanteriebrigaden und einem aus Seeleuten und Marines eilig zusammengestellten Marinebataillon. Die meisten der beteiligten Verbände waren noch relativ kampfunerfahren. Zu den wenigen erfahreneren Verbänden gehörte das 54. Massachusetts Infanterie-Regiment, ein aus farbigen Freiwilligen bestehendes Regiment, das 1863 am Angriff auf Fort Wagner teilgenommen hatte.Bragg, Victory at Honey Hill, S. 13

Hatchs Streitmacht erreichte den Landepunkt am Vormittag des 29. November. Der Marsch zur Charleston & Savannah Eisenbahnlinie wurde allerdings durch dichten Nebel verzögert; obendrein marschierte die Division zu Beginn in die falsche Richtung, wodurch die Eisenbahnlinie nicht wie geplant bereits am ersten Tag der Expedition erreicht wurde. Trudeau, Southern Storm, 2009, S. 299 In der Zwischenzeit hatten die Konföderierten die Bedrohung der Eisenbahnlinie, die in diesem Sektor nur vom 3. South Carolina Kavallerieregiment verteidigt wurde, erkannt. Die einzigen Truppen, die Hardee zur Verstärkung schicken konnte, waren Miliz- und Reservetruppen aus Georgia unter dem Befehl von Generalmajor Gustavus Woodson Smith. Diese waren jedoch gerade erst in Savannah eingetroffen und durften darüber hinaus eigentlich nur innerhalb Georgias eingesetzt werden. Nach einer kurzen Diskussion mit Hardee entschied Smith jedoch, dass der Einsatz zum Schutz der Bahnlinie „richtig und angemessen“ Official Records, Band XLIV, S. 415 sei und verlegte seine Truppen nach Grahamsville, wo sie am Morgen des 30. November eintrafen. Scaife & Bragg, Joe Brown's Pets, 2004, S. 118

Die Schlacht mini|Gustavus Woodson Smith (1822–1896), Generalmajor der Georgia-Miliz, führte seine Truppen nach South Carolina, überließ dort allerdings dem mit den lokalen Gegebenheiten besser vertrauten Oberst Colcock das Feldkommando In Grahamsville hatte unterdessen Oberst Charles J. Colcock, der Kommandeur des 3. South Carolina Kavallerieregiments und ein mit den lokalen Gegebenheiten gut vertrauter OffizierScaife & Bragg, Joe Brown's Pets, 2004, S. 118, Stellung auf einer leichten Anhöhe namens Honey Hill bezogen, wo bereits zwei kleinere Befestigungen bestanden, die 1862 auf Befehl des damaligen Befehlshabers im Wehrbereich South Carolina Robert E. Lee errichtet worden waren. Colcocks und Smiths Männer verbesserten die bestehenden Redouten, während der Vormarsch der Nordstaaten durch eine Kompanie des 3. South Carolina Kavallerieregimentes und ein Feldgeschütz verzögert wurde. Scaife & Bragg, Joe Brown's Pets, 2004, S. 118 und 120

Als die Truppen der Union schließlich die konföderierte Linie erreichten, fanden sie dort eine gut befestigte Stellung vor, die von Oberst Colcock befehligt und von rund 1400 Männern, bestehend aus Smiths Milizionären und Reservisten sowie Colcocks abgesessener Kavallerie gehalten wurde. Ferner verfügten die Konföderierten über acht Feldgeschütze, die von Hauptmann Hal Stuart befehligt wurden. Stuart hatte vor der Ankunft der Nordstaaten das Schlachtfeld abgeschritten, nach wahrscheinlichen Aufmarschpunkten gesucht und die Zünder seiner Munition für die entsprechenden Entfernungen präparieren lassen.Bragg, Victory at Honey Hill, S. 18 Generalmajor Smith, der ranghöchste Offizier auf Seiten der Konföderierten, verzichtete auf die Leitung der Schlacht und übertrug diese an Colcock.Scaife und Bragg, Joe Brown's Pets, S. 121 Als die Nordstaaten das Schlachtfeld erreichten, wurden sie vom schweren Artilleriefeuer der Südstaaten überrascht und konnten ihre eigene Artillerie nur auf einer für sie ungünstigen Position aufstellen.Bragg, Victory at Honey Hill, S. 18f. Hatchs erster Angriff wurde von Brigadegeneral Potters Brigade vorgetragen und unter schweren Verlusten abgewehrt. Official Records, Band LXIV, S. 426 Ebenfalls zurückgeschlagen wurde ein Angriff von Oberst Hartwells Brigade, bei dem Hartwell verwundet wurde. Official Records, Band LXIV, S. 432 Ein Versuch der Nordstaaten, die rechte Flanke der Südstaaten zu umgehen, wurde durch das rechtzeitige Eintreffen eines regulären Infanterieregimentes (des 47. Georgia) verhindert.Bragg, Victory at Honey Hill, S. 18 In der Folge dauerten die Kämpfe noch bis zum Einbruch der Dunkelheit anOfficial Records, Band LXIV, S. 416 , allerdings konnten die Konföderierten, durch Teile eines weiteren regulären Infanterieregimentes verstärkt, ihre Position halten. Hatch begann mit Vorbereitungen für den Rückzug, der schließlich nach Einbruch der Dunkelheit durchgeführt wurde. Official Records, Band LXIV, S. 423

Nachspiel In ihren Berichten über die Schlacht priesen insbesondere die Konföderierten ihr Artilleriefeuer. Generalmajor Smith schrieb beispielsweise, er habe noch nie Geschütze gesehen, die mit mehr Geschick benutzt und mit mehr Tapferkeit bedient worden seien.Official Records, Band LXIV, S. 416 Dies und die Stärke der konföderierten Position zeigen sich auch in den Verlusten der Schlacht. Hatch gab an, 746 Mann seines Kommandos seien tot, verwundet oder vermisst Official Records, Band LXIV, S. 425, während Smith von 8 Gefallenen und 42 Verwundeten berichtete.Official Records, Band LXIV, S. 416 Auf konföderierter Seite trafen nach dem Ende der Schlacht Verstärkungen aus South Carolina ein, so dass Smiths Truppen wieder nach Georgia zurückkehren konnten.Official Records, Band LXIV, S. 417 Für sie war der Sieg am Honey Hill wahrscheinlich eine besondere Genugtuung, hatten sie doch erst etwas mehr als eine Woche zuvor bei Griswoldsville eine schwere Niederlage erlitten. Scaife und Bragg, Joe Brown's Pets, 2004, S. 129 Darüber hinaus hielt ihr Sieg die Charleston & Savannah Eisenbahnlinie frei und ermöglichte es der Garnison von Savannah so, weiterhin auszuhalten. Die Aufgabe der Stadt konnte dadurch allerdings nicht verhindert, sondern lediglich verzögert werden – am 22. Dezember 1864 telegrafierte Sherman nach Washington, er könne Präsident Lincoln Savannah zum „Weihnachtsgeschenk“ machen. Trudeau, Southern Storm, 2009, S. 508

Beteiligte Verbände Union Coast Division - Brigadegeneral John P. HatchBragg und Scaife, Joe Brown's Pets, 2004, S. 129ff.

1. Brigade Brigadegeneral Edward E. Potter 56. New York Infanterie-Regiment 127. New York Infanterie-Regiment 144. New York Infanterie-Regiment 157. New York Infanterie-Regiment 25. Ohio Infanterie-Regiment2. Brigade Oberst Alfred S. Hartwell 32. US Colored Infanterie-Regiment 34. US Colored Infanterie-Regiment 35. US Colored Infanterie-Regiment 102. US Colored Infanterie-Regiment 54. Massachusetts Infanterie-Regiment 55. Massachusetts Infanterie-RegimentArtillerie Brigade Oberst William Ames Batterie B, 3. New York Artillerie-Regiment Batterie F, 3. New York Artillerie-Regiment Batterie A, 3. Rhode Island Artillerie-Regiment 2. Bataillon, 4. Massachusetts Kavallerie-RegimentMarine Brigade Commander George H. Preble, USN Artilleriebataillon Matrosen-Infanteriebataillon Marineinfanteriebataillon

Konföderation Generalmajor Gustavus W. Smith, Kommandeur der 1. Division der Miliz des Staates Georgia Kommandeur im Feld: Oberst Charles J. Colcock

1. Brigade, Miliz des Staates Georgia Oberst James Willis 1. Milizregiment 2. Milizregiment 3. MilizregimentGeorgia State Line Oberstleutnant James Wilson 1. Regiment, Georgia State Line 2. Regiment, Georgia State LineKonföderierte Reservetruppen Athens Bataillon, Confederate Reserves Augusta Bataillon, Confederate ReservesReguläre konföderierte Truppen und Artillerie 47. Georgia Infanterie-Regiment 32. Georgia Infanterie-Regiment 3. South Carolina Kavallerie-Regiment Eine SectionDie Feldartillerie des Sezessionskrieges war in Batterien organisiert, die in der Regel vier oder sechs Geschütze und die entsprechenden Besatzungen umfassten und von einem Hauptmann befehligt wurden. Innerhalb der Batterien bestanden zwei bis drei Sections, die in der Regel je zwei Geschütze umfassten und unter dem Befehl eines Leutnants standen. Siehe unter anderem die Instruction for Field Artillery der US-Armee aus dem Jahr 1861, Ziffer 332. der Beaufort Light Artillery Eine Section der De Pass's Light Battery Eine Section der Earle's Battery Eine Section der Kanapaux's Lafayette Light Artillery

Anmerkungen

Literatur United States. War Dept.: The War of the Rebellion, a Compilation of the Official Records of the Union and Confederate Armies. Bd. 38, Kap 50. Govt. Print. Off., Washington 1880–1901. Noah Andre Trudeau: Southern Storm: Sherman’s March to the Sea, Harper Perennial, Reprint, 2009, ISBN 978-0-06-059868-6 William R. Scaife & William H. Bragg: Joe Brown’s Pets: The Georgia Militia 1862-1865, Mercer University Press, 2004, ISBN 978-0-86554-883-1 William H. Bragg: „Victory at Honey Hill: A mere flicker of light“. Civil War Times Illustrated, Januar 1984, S. 12–19

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