1999 ist das fünfte Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Es erschien am 27. Oktober 1982 als Doppelalbum bei Warner Bros. Records. Musikalisch ist das Album den Genres Contemporary R&B, Electro Funk, Elektronische Tanzmusik, Funk und Pop zuzuordnen; die Liedtexte handeln überwiegend von Lust und sexuellen Anspielungen. Als Gastsängerinnen wirkten Jill Jones, Lisa Coleman, Vanity und Wendy Melvoin mit. 1999 gilt neben Purple Rain (1984) und Sign “☮” the Times (1987) als eines der drei bedeutendsten Werke von Prince.Uptown (2004), S. 369.

Mit 1999 gelang Prince 1983 der Crossover in den USA; zugleich war es sein erstes Album, das die Top Ten der US-Charts erreichte. Es verkaufte sich über vier Millionen Mal und erhielt Mehrfachplatin. Zudem enthält es mit Little Red Corvette seinen ersten Top-Ten-Singlehit in den USA. Auch die 1999 Tour war kommerziell erfolgreich und spielte rund zehn Millionen US-Dollar ein.

Musikkritiker bewerteten das Doppelalbum sehr positiv; 2008 wurde 1999 in die Grammy Hall of Fame aufgenommen. 2023 platzierte das US-Musikmagazin Rolling Stone das Album auf Rang 130 der Liste Die 500 besten Alben aller Zeiten.

Am 29. November 2019 veröffentlichten NPG Records und Warner Bros. Records posthum eine überarbeitete Fassung des Albums unter dem Titel 1999 Super Deluxe.

Entstehung mini|Linn LM-1 Drum Computer Alle elf Songs nahm Prince 1982 auf, überwiegend im Tonstudio Sunset Sound in Los Angeles (Kalifornien); dabei nutzte er bei fast jedem Stück den damals neu eingeführten Linn LM-1-Drumcomputer. Dieser ermöglichte ihm, Songs und Alben schneller als zuvor aufzunehmen. Als Toningenieurin wirkte unter anderem Peggy McCreary mit, mit der Prince bis 1986 zusammenarbeitete.Nilsen (1999), S. 98. Parallel zu den Aufnahmen war Prince zudem an Alben seiner Nebenprojekte The Time und Vanity 6 beschäftigt.

Am 14. Januar 1982 nahm Prince im Sunset Sound den Song International Lover auf, der ursprünglich für das Album What Time Is It? (August 1982) von The Time vorgesehen war. Später entschied er sich jedoch dagegen.Nilsen (1999), S. 262. Posthum erschien im November 2019 auf 1999 Super Deluxe eine Version mit Morris Day von The Time am Schlagzeug. Zudem enthält Piano & A Microphone 1983 (2018) eine Akustikversion, die Prince im Oktober 1983 aufnahm und ausschließlich am Klavier einspielte. Diese Fassung unterscheidet sich deutlich von der Albumversion.

Der erste Song, den Prince gezielt für 1999 einspielte, war am 21. Januar All the Critics Love U in New York. Er nahm das Stück im Sunset Sound auf, während er mit der Controversy Tour unterwegs war. Vom 25. März bis 9. April 1982 arbeitete er erneut im Sunset Sound und nahm dort am 30. März Let’s Pretend We’re Married auf. Mitte April nahm er Something in the Water (Does Not Compute) in seinem privaten Heimstudio, dem Kiowa Trail Home Studio in Chanhassen (Minnesota), auf.

Vom 20. April bis 10. Mai 1982 mietete Prince erneut für drei Wochen das Sunset Sound und nahm weitere Songs auf; am ersten Tag entstand D.M.S.R., am 25. April folgte Free.Nilsen (1999), S. 99. Drei Tage später mischte er Something in the Water (Does Not Compute) ab; die Originalfassung erschien später auch auf 1999 Super Deluxe. Am 2. Mai nahm er Automatic auf, am 9. Mai Delirious.

Am 20. Mai 1982 nahm Prince Little Red Corvette im Kiowa Trail Home Studio auf;Tudahl (2018), S. 5. es war der erste Song, den er mit einem Ampex MM1200-24-Mehrspurrekorder einspielte. Im Juli 1982 mietete Prince für wenige Tage erneut das Sunset Sound in Los Angeles und nahm dort am 7. Juli Lady Cab Driver auf.

Während der Aufnahmen entschied Prince, 1999 als Doppelalbum zu veröffentlichen. Die Chief Executive Officer von Warner Bros. Records zeigten sich skeptisch und argumentierten, der höhere Verkaufspreis könnte potenzielle Käufer abschrecken.Nilsen (1999), S. 101–102. Seine Manager Bob Cavallo und Steve Fargnoli überzeugten Warner schließlich vom Gegenteil. Cavallo beschrieb Prince’ Reaktion: „Er brüllte uns an, dann verschwand er nach Minneapolis und nahm weiter auf“.Hahn (2016), S. 84.

Am 14. Juli 1982 nahm Prince im Kiowa Trail Home Studio mit dem Titelstück 1999 den letzten Song für das Album auf.Uptown (2004), S. 340. Die Abschlussarbeiten führte er vom 10. bis 14. August 1982 im Sunset Sound in Los Angeles durch. Toningenieurin Peggy McCreary beschrieb die Zusammenarbeit als überwiegend „anstrengend“, da Prince ein „Workaholic“ gewesen sei und auch „morgens um vier“ arbeitete. Der Druck sei „unglaublich“ gewesen.Nilsen (1999), S. 99–100. Keyboarder Dr. Fink erklärte 2016 nach Prince’ Tod: „Für 1999 habe ich kaum etwas eingespielt. Dez Dickerson spielte etwas Gitarre in Little Red Corvette, und es gab einige Backgroundsänger, doch den Großteil spielte Prince selbst ein. Er konnte alles alleine erledigen.“Azhar (2016), S. 23.

Im Januar 1983 legte Prince eine vierwöchige Pause seiner 1999 Tour durch die USA ein. Er reiste nach Los Angeles und nahm dort vom 7. bis 14. Januar im Sunset Sound eine Maxi-Single zu Little Red Corvette auf.Tudahl (2018), S. 4–6.Tudahl (2018), S. 17.

Gestaltung des Covers Prince entwarf das Albumcover selbst und verlieh der Farbe Purple erstmals eine besondere Bedeutung;Nilsen (1999), S. 103. Es ist in einem violetten Farbton gehalten und mit zahlreichen kleinen weißen Punkten versehen. Auf dem Cover stehen lediglich die Schriftzüge „1999“ und „Prince“, wobei das „i“ in seinem Namen die Ergänzung „and The Revolution“ in winzigen Buchstaben in Spiegelschrift enthält.Greenman (2017), S. 89. Das Cover der Single-LP, das Prince in einem Zimmer zeigt, enthält hingegen nicht die Ergänzung „and The Revolution“.Albumcover der Vinyl-Single-LP 1999 von Prince, Warner Bros. Records, 1983

1999 ist das erste Album von Prince, das auf der Vorderseite kein Porträtfoto von ihm zeigt. Auf der LP-Innenhülle und im CD-Booklet wurden erstmals die Liedtexte eines Prince-Albums abgedruckt,Seibold (1991), S. 51. ausgenommen die Passagen in Automatic, Lady Cab Driver und Let’s Pretend We’re Married, die als sexuell anstößig gelten. Ferner zeigt das Album ein Bild von Prince, nackt auf dem Bauch in einem Bett liegend, wobei lediglich eine Bettdecke seinen Unterkörper bedeckt.

Musik und Liedtexte Albumsongs Die Musik kombiniert Contemporary R&B, Electro Funk, Elektronische Tanzmusik, Funk und Pop; zudem enthält das Album Balladen. Das Album ist im Wesentlichen ein Ein-Mann-Projekt von Prince; lediglich Dez Dickerson spielt ein Gitarrensolo in Little Red Corvette. In den meisten Stücken nutzt Prince den Synthesizer, meist von Oberheim, als Hauptinstrument für Basslinien, Fills, Hintergrundmusik und Leadsheets. Er erzeugt dichte Synthesizer-Texturen, indem er mehrere Schichten mit unterschiedlichen Voicings aufnimmt. Der Linn LM-1 Drumcomputer kommt in den meisten Stücken zum Einsatz. Einige Stücke enthalten zudem elektronische Drums, meist in Kombination mit einem Drumcomputer. Neu auf dem Album ist der variable Gesang, mit dem Prince in einigen Stücken seine Stimme verlangsamt oder beschleunigt. Songs wie Free und Little Red Corvette zeigen zudem, dass sich Prince zu einem Melodiker und Pop/Rock-Songwriter entwickelte.Uptown (2004), S. 368–369.

Die Liedtexte thematisieren überwiegend Lust und Sex und behandeln kaum Liebe oder tiefere Gefühle. Prince setzt Sex ein, um Einsamkeit zu überwinden, sich die Zeit zu vertreiben oder Frustration abzubauen. Mehrere Texte zeigen eine ambivalente Haltung gegenüber Frauen und stellen ihn als hilfloses Opfer dar, abhängig von einer oder seiner Geliebten. Neben seinem charakteristischen Falsettgesang verwendet Prince auch tiefere Stimmlagen. Als Gastsängerinnen treten Jill Jones (in den Liner Notes als „J. J.“ genannt), Lisa Coleman, Wendy Melvoin und Vanity auf.Hahn (2016), S. 85. 1999 Das Titelstück gilt als einer der ausgereiftesten und prägnantesten Songs in Prince‘ Karriere. Der Track gehört zu den Genres Elektronische Tanzmusik und Funk und kombiniert Strophen, die um eine fanfarenartige Synthesizer-Figur aufgebaut sind. Der raffiniert programmierte Drumcomputer erzeugt einen markanten rhythmischen Beat. Prince steigert den Song, indem er den feierlichen „Party“-Gesang wiederholt, bevor er alles auf ein Rhythmusgitarren-Lick und Schlagzeug reduziert. Ursprünglich nahmen Prince, Dez Dickson und Lisa Coleman die ersten Strophen gemeinsam auf. Beim Abmischen entschied Prince, die Gesangsspuren zu trennen, sodass jeder eine eigene Strophe singt. Zwar behandelt der Text Ängste vor Atomkriegen, doch dieses apokalyptische Motiv ist für das Album nicht repräsentativ. Der Titelsong feiert das Leben, enthält jedoch auch eine Warnung vor dem Ende. Obwohl „das Leben nur eine Party ist“, verdeutlicht Prince, dass man mit dem Wissen leben muss, dass „Partys nicht für die Ewigkeit gemacht sind“. Durch den Einsatz elektronischer Geräte klingt seine Stimme teils verfremdet, und der Song endet mit der Frage: „Mami, warum hat jeder eine Bombe?“Hahn (2016), S. 126. Little Red Corvette mini|Chevrolet Corvette C3, 1982 Der energetische und melodische Rocksong ist im Midtempo gehalten. Prince kontrastiert zurückhaltende Strophen in Moll mit einem kräftigen, druckvollen Refrain. Im Text beschreibt er eine Begegnung mit einer Frau; Corvette ist dabei als Metapher für die Vagina zu verstehen. Weitere Lustmetaphern in Little Red Corvette sind Jockeys für Männer sowie Pferde und Trojaner für Kondome. Delirious Das Stück weist Einflüsse von Rock ’n’ Roll und Rockabilly auf und basiert auf einem traditionellen Drei-Akkord-12-Takt-Blues-Muster. Prince nutzt jeden zweiten 12-Takt als Refrain und ergänzt eine markante Synthesizer-Hookline. Im Text begehrt er eine junge Frau, der er sexuell nicht widerstehen kann: „Baby, du musst aufhören. Denn wenn du es nicht tust, werde ich explodieren. Und, Girl, ich habe viel“, singt er. Delirious endet mit dem Sample Happy Baby aus dem Album Authentic Sound Effects Vol. 8 (1964) von Jac Holzman, das ein fröhliches Baby zeigt. Prince erwähnte das Sample in den Liner Notes nicht.Nilsen (1999), S. 101. Let’s Pretend We’re Married Die energiegeladene, schnelle und von Synthesizern dominierte Nummer weist einen pulsierenden Rhythmus auf. Der Song wird von einem treibenden Drumcomputer-Beat und einem eintönigen Synthesizer-Bass begleitet, der Achtelnoten spielt. Der zuweilen anstößige Text ist ein augenzwinkernder Lobgesang auf Casual Sex und enthält eine Referenz auf einen Blowjob. Die Handlung beschreibt, dass Prince nach dem Ende einer Beziehung mit seiner Ex-Partnerin sexuelle Intimität mit einer neuen Partnerin sucht, der er „wirklich den Geschmack“ aus ihrem „Mund ficken“ will. D.M.S.R. Die Abkürzung D.M.S.R. steht für „Dance“, „Music“, „Sex“ und „Romance“. Die Dance-Hymne besitzt einen funkigen Groove, der durch einen knirschenden Bass, eine Synthesizer-Figur und eine Rhythmusgitarrenphrase entsteht. Im Text feiert Prince das Leben und die Freude daran. Er singt: „Ich will nur tanzen. Musik machen, Sex, Romantik und mein Bestes geben, um mich nie zu langweilen.“ Außerdem singt er „Jamie Starr ist ein Dieb“, eine Anspielung auf ein damaliges Pseudonym, das er in den 1980er Jahren öffentlich absichtlich dementierte. In den Backing Vocals sind unter anderem Carol McGovney und Jamie Shoop zu hören, die damals für Prince’ Management arbeiteten. Automatic