Wahlenbergia ist eine Pflanzengattung in der Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae). Die etwa 260 Arten kommen hauptsächlich auf der Südhalbkugel (circumaustral) vor. Der Gattungsname ehrt den schwedischen Arzt und Botaniker Göran Wahlenberg (1780–1851). Eine früher in diese Gattung gestellte europäische Art, das Efeu-Moorglöckchen, wird heute in die Gattung Hesperocodon gestellt.

Beschreibung mini|hochkant|links|Illustration von Wahlenbergia angustifolia mini|hochkant|links|Illustration von Wahlenbergia marginata

Erscheinungsbild und Blätter Wahlenbergia-Arten sind einjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen, Halbsträucher oder Sträucher. Sie bilden Pfahlwurzeln und manchmal auch ausgebreitete Rhizome. Die stielrunden Sprossachsen sind selbständig aufrecht oder aufsteigend.

Die meist wechselständig, manchmal gegenständig gelegentlich wirtelig an der Sprossachse verteilt, oft in einer basalen Rosette angeordneten Laubblätter sind meist mehr oder weniger sitzend. Selten sind die Laubblätter heidekrautartig schuppig. Je höher die Laubblätter an der Sprossachse stehen, umso kleiner sind sie. Die Blattränder besitzen kleine Zähnchen.

Blütenstände, Blüten und Früchte Die gestielten oder sitzenden Blüten stehen einzeln in den Blattachseln oder in end- oder seitenständigen in thyrsenförmigen, rispigen oder büscheligen Blütenständen. Sehr selten werden die Blüten von Hüllblättern umgeben.

mini|hochkant|Illustration einer Wahlenbergia-Kapselfrucht mit Fruchtklappen, die sich nur am oberen Ende zu Schlitzen öffnet

Die kleinen bis mittelgroßen, zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist meist fünfzählig, kann jedoch auch drei-, vier- oder sechszählig sein. Die Krone ist glockenförmig oder trichterförmig, seltener röhrenförmig, urnenförmig oder radförmig. Die Farben der Kronblätter sind meist blau oder weiß, seltener rosafarben. Die meist fünf (drei bis sieben) Kronlappen sind deutlich kürzer bis deutlich länger als die Kronröhre. Die bewimperten Staubfäden der meist fünf (selten drei oder vier) Staubblätter stehen frei und getrennt voneinander, an der Basis sind sie verbreitert. Die zusammengeneigten Staubbeutel verwelken, bevor sich die Blüten öffnen (Proterandrie). Die Pollenkörner besitzen meist drei (zwei bis fünf) Keimporen und sind stachelig. Der meist unterständige und nur selten oberständige Fruchtknoten ist zwei- bis fünffächrig. Jedes Fruchtknotenfach enthält wenige bis viele Samenanlagen. Der obere Bereich des Griffels besitzt Haare zur sekundären Pollenpräsentation.

An den Früchten ist oft der haltbare Kelch und manchmal auch die haltbaren Staubfäden noch vorhanden. Die lokuliziden (fachspaltigen), zwei- bis fünffächrigen Kapselfrüchte öffnen sich nur am oberen Ende mit zwei bis fünf Schlitzen.

Systematik und Verbreitung Die Gattung Wahlenbergia wurde 1821 in Novae Plantarum Species, S, 399 aufgestellt. Synonyme für Wahlenbergia nom. cons. sind: Cervicina nom. rej., Lightfootia nom. illeg., Valvinterlobus nom. superfl., Ireon nom. illeg., Schultesia nom. illeg., Aikinia nom. illeg., Cephalostigma , Hecale , Petalostima , Campanulopsis , Streleskia , Campanuloides , Campanopsis .

Lightfootia wurde zwar im Januar 1789 mit den nötigen Informationen veröffentlicht, ist aber ein Homonym zu Lightfootia (Juni–Juli 1788 veröffentlicht). Die letztere Gattung ist heute ein Synonym von Xylosma in der Familie Salicaceae.

Das Hauptverbreitungsgebiet der Wahlenbergia-Arten liegt auf der Südhalbkugel (circumaustral). In Australien kommen 30 Arten vor. Das Zentrum der Artenvielfalt ist mit etwa 167 Arten Südafrika. Auf Madagaskar kommen etwa 11 Arten, auf den Juan-Fernández-Inseln 5 Arten vor.

Bis 2014 wurde das in Westeuropa verbreitete Efeu-Moorglöckchen als Wahlenbergia hederacea in diese Gattung gestellt. Bei genetischen Analysen stellte sich aber 2011 heraus, dass es mit den anderen Arten der Gattung nicht näher verwandt ist, sondern eher in die Nähe der Sandrapunzeln (Jasione) zu stellen ist.Jessica M. Prebble, Christopher N. Cupido, Heidi M. Meudt, Phil J. Garnock-Jones (2011): First phylogenetic and biogeographical study of the southern bluebells (Wahlenbergia, Campanulaceae). Molecular Phylogenetics and Evolution 59: 636–648. doi:10.1016/j.ympev.2011.03.013 2014 wurde die Art dann in eine eigene Gattung Hesperocodon transferiert. W.M.M. Eddie, C.N. Cupido (2014): Hesperocodon, a new generic name for Wahlenbergia hederacea (Campanulaceae): Phylogeny and capsule dehiscence. Edinburgh Journal of Botany 71 (1): 63–74. doi:10.1017/S0960428613000310

mini|Wahlenbergia albomarginata mini|Habitus und Blüten von Wahlenbergia annularis mini|Habitus und Blüten von Wahlenbergia capensis mini|Habitus und Blüten von Wahlenbergia capillaris mini|Blütendetail von Wahlenbergia gloriosa mini|Blüte von Wahlenbergia gracilenta mini|Blüte von Wahlenbergia gracilis mini|Wahlenbergia insulae-howei mini|Wahlenbergia krebsii mini|Blüten von Wahlenbergia linarioides mini|Wahlenbergia littoricola mini|Wahlenbergia luteola mini|Wahlenbergia marginata mini|Wahlenbergia procumbens mini|Wahlenbergia queenslandica mini|Blüten von Wahlenbergia rivularis mini|Habitus und Blüten von Wahlenbergia stricta mini|Habitus von Wahlenbergia tuberosa mini|Habitus von Wahlenbergia tumidifructa mini|Wahlenbergia violacea Wahlenbergia abyssinica : Es gibt zwei Unterarten. Sie kommen von Eritrea bis ins südliche Afrika und auf Madagaskar vor. Wahlenbergia acaulis : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Nordkap vor. Wahlenbergia acicularis : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal vor. Wahlenbergia acuminata : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Wahlenbergia adamsonii : Dieser seltene Endemit kommt nur in Pakhuis und Cederbergen im Westkap vor. Es sind nur zwei Fundorte bekannt. Er gedeiht im Fynbos auf flachen Standorten von Sandsteinhängen nur oberhalb von 1700 Metern. Diese hochgelegenen Standorte wurden 2006 als nicht bedroht bewertet. Wahlenbergia adpressa : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Wahlenbergia akaroa : Sie kommt auf der Südinsel Neuseelands vor. Wahlenbergia albens : Sie ist in Lesotho und den südafrikanischen Provinzen Free State, Nord-, West- sowie Ostkap verbreitet. Wahlenbergia albicaulis : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Nordkap vor. Wahlenbergia albomarginata : Es gibt fünf Unterarten. Sie kommen auf der Südinsel Neuseelands vor. Wahlenbergia androsacea : Sie ist im südlichen Afrika von Simbabwe und Mosambik bis Botswana, Namibia und den südafrikanischen Provinzen Nord- sowie Ostkap verbreitet. Wahlenbergia angustifolia : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Wahlenbergia annua : Sie kommt in Angola vor. Wahlenbergia annularis : Sie ist von Namibia bis zu den südafrikanischen Provinzen Nord- sowie Westkap verbreitet. Sorten werden als Zierpflanzen verwendet. Wahlenbergia annuliformis : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Wahlenbergia appressifolia : Sie kommt in Lesotho und in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal vor. Wahlenbergia asperifolia : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Wahlenbergia arcta : Dieser Endemit kommt in Angola nur in Huíla vor. Wahlenbergia aridicola : Sie kommt nur im südöstlichen Australien vor. Wahlenbergia asparagoides : Sie kommt in den südafrikanischen Provinzen Nord- sowie Westkap vor. Wahlenbergia asperifolia : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Wahlenbergia axillaris : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Wahlenbergia banksiana : Sie ist vom südlichen tropischen Afrika bis ins südliche Afrika (beispielsweise die südafrikanischen Provinzen Gauteng, KwaZulu-Natal, Limpopo, Mpumalanga, Nordwest) verbreitet. Wahlenbergia berteroi : Dieser Endemit kommt nur auf den Juan-Fernández-Inseln vor. Wahlenbergia bolusiana : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Wahlenbergia bowkeriae : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Ostkap vor. Wahlenbergia brachiata : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Limpopo vor. Wahlenbergia brachycarpa : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Wahlenbergia brachyphylla : Dieser seltene Endemit kommt nur in Koue Bokkeveld in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Er gedeiht im Fynbos an felsigen Berghängen, gelegentlich auf Sand. Es sind nur zwei Fundorte bekannt; 2006 wurde bewertet, dass sie durch nichts bedroht sind. Wahlenbergia brasiliensis : Sie kommt in Brasilien vor. Wahlenbergia brehmeri : Es ist nur das Typusmaterial bekannt, das vor über 100 Jahren auf dem Tafelberg in der südafrikanischen Provinz Westkap gesammelt wurde. Wahlenbergia brevisquamifolia : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Mpumalanga vor. Wahlenbergia buseriana : Dieser seltene Endemit kommt nur Eksteenfontein im Nordkap vor. Sie gedeiht in der Sukkulenten-Karoo in Wanderdünen. Es sind nur fünf Fundorte im Namaqualand bekannt, aber 2008 vermutet man, dass sie nur nicht genügend gesammelt wurde. Wahlenbergia calcarea : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Wahlenbergia calycina : Sie kommt von Kolumbien bis Argentinien vor. Wahlenbergia campanuloides (Syn.: Cervicina campanuloides , Wahlenbergia cervicina nom. illeg., Wahlenbergia elongata , Wahlenbergia humifusa , Wahlenbergia bernardii ): Sie ist vom Algerien über Libyen bis Ägypten, in Senegal und von Sambia bis ins südliche Afrika weitverbreitet; die südlichsten Fundorte liegen in der südafrikanischen Provinz Nordkap. Wahlenbergia candolleana : Sie kommt in Angola vor. Wahlenbergia candollei : Sie kommt in Myanmar vor. Wahlenbergia capensis : Sie kommt in der südafrikanischen Provinz Westkap häufig vor. Wahlenbergia capillacea : Die zwei Unterarten sind von Kenia bis ins südliche Afrika weitverbreitet. Wahlenbergia capillaris (Syn.: Campanula capillaris , Wahlenbergia gracilis var. capillaris , Wahlenbergia multicaulis var. dispar , Wahlenbergia communis ): Sie kommt in Neuguinea und Australien vor. Wahlenbergia capillata : Sie kommt in den südafrikanischen Provinzen Free State sowie KwaZulu-Natal vor. Wahlenbergia capillifolia : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Ostkap vor. Wahlenbergia capitata : Sie kommt von Uganda bis ins südliche tropische Afrika vor. Wahlenbergia cartilaginea : Sie kommt auf der Südinsel Neuseelands vor. Wahlenbergia caryophylloides : Sie kommt im nördlichen Australien vor. Wahlenbergia celata : Sie kommt im australischen Bundesstaat Queensland vor. Wahlenbergia cephalodina : Sie kommt in Sambia vor. Wahlenbergia ceracea : Sie kommt im südöstlichen Australien vor. Wahlenbergia cerastioides : Sie kommt in Madagaskar vor. Wahlenbergia cernua (Syn.: Wahlenbergia ciliolata ): Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Wahlenbergia cinerea : Sie kommt in den südafrikanischen Provinzen Ost- sowie Westkap vor. Wahlenbergia clavata : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Ostkap vor. Wahlenbergia clavatula : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Wahlenbergia collomioides : Sie kommt von der Zentralafrikanischen Republik bis ins südliche tropische Afrika vor. Wahlenbergia compacta : Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Wahlenbergia confusa : Sie kommt in Neuguinea vor. Wahlenbergia congesta : Es gibt zwei Unterarten, die beide auf der Südinsel Neuseelands vorkommen. Wahlenbergia congestifolia : Sie ist in Lesotho und in den südafrikanischen Provinzen Ostkap sowie KwaZulu-Natal verbreitet.