Gastrin oder Polypeptid 101 (PP 101) ist ein Peptidhormon des Magen-Darm-Traktes und übt – neben anderen Wirkungen wie z. B. der Erhöhung des Kardiasphinktertonus – den stärksten Reiz für die Produktion von Magensäure aus.

Strukturell ist es eng verwandt mit Cholecystokinin. Das Gastrin wird in den G-Zellen im Antrum pyloricum des Magens und im Duodenum gebildet und von dort über Blutgefäße zu seinen Wirkorten transportiert. Selten kann eine vermehrte Gastrinproduktion durch einen hormonproduzierenden Tumor, ein sogenanntes Gastrinom, vorkommen.

Geschichte Gastrin wurde 1964 erstmals vom britischen Chemiker George Wallace Kenner und vom britischen Physiologen Roderic Alfred Gregory isoliert und dessen Struktur bestimmt.H. Gregory; P.M Hardy; D.S. Jones; G.W. Kenner; R.C. Sheppard: The antral Hormone Gastrin: Structure of Gastrin in Nature 204 (1964) 931.Rolf Werner Soukup: Chemiegeschichtliche Daten organischer Naturstoffe, Version 2020, S. 111 pdf.

Formen mini|Big Gastrin mini|Gastrin I mini|Mini-Gastrin Die drei Formen des Gastrin unterscheiden sich in der Länge ihrer Peptidkette:.

Gastrin-Form Länge der Peptidkette Big Gastrin 34 Aminosäuren Gastrin I und II 17 Aminosäuren Mini-Gastrin auch Gastrin(5-17) 14 Aminosäuren

Steuerung der Abgabe Die Sekretion (Absonderung) von Gastrin wird stimuliert durch: die Dehnung des Magens (insbesondere durch Essen) Proteine und Peptide in der Nahrung Reizung des Nervus vagus und die darauf folgende Ausschüttung von GRP (Gastrin Releasing Peptid) und Acetylcholin (somit auch durch Konsum von Nikotin) Alkoholkonsum, Coffein, nicht durch andere MethylxanthineS. E. Miederer et al.: Gastrin release by methylxanthine, Klin. Wschr. 51 (1973) 42.

Die Sekretion wird gehemmt durch: pH-Wert unter 3 VIP (vasoaktives intestinales Peptid) Somatostatin Sekretin GIP (Gastrin Inhibiting Peptid) Neurotensin

Wirkung Gastrin wirkt vor allem auf den Magen. Es stimuliert: die glatte Muskulatur des Magens, die Produktion von Pepsinogen (Proteinabbauprotein-Vorstufe) in den Hauptzellen des Magens, die Salzsäure-Produktion der Belegzellen (Aktivierung der PLCβ) und die Histamin-Produktion (Gewebshormon, hier zur Stimulation der Salzsäure-Produktion) der sog. ECL-Zelle (Enterochromaffine-like cell). Gastrin wirkt auch auf die Bauchspeicheldrüse, es stimuliert dort die Ausschüttung von Insulin (Blutzuckersenker), Glukagon (Blutzuckersteigerer) und Somatostatin (Gastrin- und Pepsin-Hemmer).

Entkoppelte Wirkung Beim Zollinger-Ellison-Syndrom wird durch multiple neuroendokrine Tumoren (NET), welche sich dann am häufigsten in der Bauchspeicheldrüse, dem Dünndarm oder der Leber finden, autonom Gastrin produziert. Durch das dauerhafte Anfluten des Gastrins im Blut wird der normalerweise geschlossene Regelkreis durchbrochen.

Im Magen reagieren die Belegzellen auf die unphysiologisch erhöhten Gastrinspiegel mit einer Hyperplasie und produzieren vermehrt Salzsäure. Das wiederum kann zu weiteren Schäden in der Magen- und Dünndarmschleimhaut führen.

Einzelnachweise

Kategorie:Peptidhormon Kategorie:Verdauungsphysiologie Kategorie:Magen Kategorie:Codiert auf Chromosom 17 (Mensch)