mini|Kathedrale von Westen mit dem eisernen Vierungsturm mini|hochkant|Chor, errichtet ab ca. 1220 mini|Westfassade mit Sankt-Romanus-Turm und Butterturm (rechts) mini|hochkant|Langhaus, ca. 1180–1210

Die Kathedrale von Rouen (, deutsch Kathedrale Mariä Himmelfahrt zu Rouen), in der nordfranzösischen Stadt Rouen zählt zu den bedeutenden gotischen Kirchenbauten Frankreichs. Sie war Krönungsort und Grablege der normannischen Herzöge sowie Metropolitankirche der Normandie. Der römisch-katholische Sakralbau ist bis heute Kathedrale des Erzbischofs von Rouen, Primas der Normandie. Bemerkenswert sind ihre drei in verschiedenen Formen der französischen Gotik gestalteten Türme.

Baugeschichte Der Bau ersetzt den romanischen Kathedralbau des 11. Jahrhunderts, der in der Amtszeit von Bischof Robert an der Stelle einer karolingischen Vorgängerkirche begonnen worden war. Im Jahre 1144Werner Schäfke. Die Normandie (DuMont Kunst-Reiseführer), S. 85. nahm Bischof Hugo (IV.) von Amiens an der Einweihung des Chores der Kathedrale von Saint-Denis auf Einladung seines Freundes Suger teil. Mitte der 1140er JahreBaugeschichte der früh- und hochgotischen Teile nach Dorothee Heinzelmann: Die Kathedrale Notre-Dame in Rouen – Untersuchungen zur Architektur der Normandie in früh- und hochgotischer Zeit, (Beiträge zur Kunstgeschichte des Mittelalters und der Renaissance ; Bd. 9). Rhema-Verlag, Münster 2003, ISBN 978-3-930454-21-1, S. 345–349. begann Erzbischof Hugo mit dem Bau des Romanusturms (Tour-St-Romain), der wohl bis 1164 dauerte. Der Turm war damals ein freistehender Campanile und hatte keine bauliche Verbindung mit dem existierenden romanischen Kirchenschiff und seiner turmlosen Westfassade, die etwas östlich der heutigen Fassade vermutet wird. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine Baumaßnahmen am Kirchenbau, ein Neubau war also offenbar noch nicht beabsichtigt.

Der frühgotische Neubau der Kathedrale begann erst um 1180, also einige Jahrzehnte nach dem Baubeginn des Romanusturms. Anders als allgemein üblich begann der Neubau nicht im Osten mit dem Chor, sondern zunächst entstand ein neues Langhaus. Der Neubau geschah also von West nach Ost. Die erste Bauphase betraf die unteren Teile der Westfassade mit ihren Portalen. Wahrscheinlich wurde die neue Fassade westlich vor dem weiterbestehenden romanischen Vorgängerbau errichtet. In einer zweiten Bauphase in den 1190er Jahren entstanden die ersten, westlichen Joche des Langhauses mitsamt den „falschen Emporen“. Dabei handelt es sich um Öffnungen im zweiten Geschoss der Mittelschiffswand, die einen korrespondierenden Emporenraum in den Obergeschossen der Seitenschiffe vermuten lassen, der jedoch nicht existiert und nie existiert hat: Die Seitenschiffe haben keine Zwischendecken. Diese ungewöhnliche Baustruktur könnte auf den romanischen Vorgängerbau Bezug nehmen, der vielleicht Emporen hatte. Die Achse des Baus wurde in dieser Bauzeit leicht verändert. Erst jetzt wurde eine bauliche Verbindung zum Romanusturm hergestellt.

Nach einem Brand des Kathedralbezirks in der Osternacht 1200, der jedoch keine wesentlichen Schäden am Neubau verursachte, setzte die Kirchengemeinde in der dritten Bauphase den Bau bis zum fünften Pfeilerpaar (von Westen gezählt) fort. Vor allem entstanden nun die oberen Partien des in den vorherigen Bauphasen errichteten Westteils der Kirche. Dazu gehört das Triforium mit seinen weitgespannten Segmentbögen. Die ersten fünf Joche waren damit weitgehend vollendet.

Der Ostteil des Langhauses mit weiteren fünf Jochen entstand anschließend in einer vierten Bauphase ab 1206/1207. In dieser Zeit wird der Baumeister Jean d’Andely genannt. Seine Architektur folgt im Wesentlichen den Formen der Westteile, doch änderte er die Dimensionen der Joche.

Erst nach der Vollendung des Langhausbaus wurde ab ca. 1210 die Vierung mit den Querarmen in Angriff genommen, darauf folgend ab ca. 1220 den Chor. In den 1230er Jahren erfolgte der Ausbau des Vierungsturms und der oberen Teile der Westfassade. Um 1235/1237 war der Bau vollendet. In den 1260er und 1270er Jahren wurden an die Seitenschiffe Kapellen angefügt. Ab ca. 1280 erfolgte eine Erneuerung der Querhausfassaden in hochgotischem Stil, es entstanden das Portail des Libraires (Nordquerhaus) und das Portail de la Calende (Südquerhaus). Ab 1302 entstand die Achskapelle des Chores als Marienkapelle auf größerem Grundriss neu.

Seit den 1370er Jahren begann der Ausbau der Westfassade durch eine Schirmfassade mit zahlreichen Statuen, die um 1450 fertiggestellt war. In den 1460er Jahren erhielt der Romanusturm ein Obergeschoss aufgesetzt, und in den 1480er Jahren kam ein Turm-Pendant auf der Südseite hinzu, der Butterturm.

mini|ohne|Steinsarg mit dem Herzen des englischen Königs Richard Löwenherz

Schäden und Reparaturen Nach der Vollendung des Butterturms im Jahr 1506 zeigten sich Bauschäden an der Westfassade, die zur Erneuerung des Mittelportals 1508–1511 führten. Nach dem Brand des Vierungsturms im Jahr 1514 wurde dieser 1538–1557 durch einen neuen, größeren Vierungsturm ersetzt, der 128 Meter Höhe erreicht haben soll. Dieser Turm wurde 1822 Opfer eines durch Blitzeinschlag verursachten Feuers. Bis 1884 entstand der heutige Vierungsturm aus Gusseisen.

Im Zweiten Weltkrieg, Wochen vor der Landung der Alliierten in der Normandie, flog die Royal Air Force (RAF) Luftangriffe auf die Stadt und versuchte, Verkehrsknotenpunkte zu treffen, um den Nachschub der Wehrmacht zu behindern und ihre Verlegefähigkeit zu reduzieren.z. B. wurden Panzer mit Eisenbahn-Güterwagen nah an ihre Einsatzorte transportiert.

In der Nacht vom 18. auf den 19. April 1944 griffen RAF-Bomber Rouen an mit den Zielen, den Rangierbahnhof bei Sotteville-lès-Rouen und die nahegelegene Eisenbahnbrücke über die Seine zu treffen.Das 'Viaduc d’Eauplet' war damals die letzte Eisenbahnbrücke vor der Seine-Trichtermündung. Flussaufwärts war das 'Viaduc d’Orival' die nächste Eisenbahnbrücke. Der Luftangriff traf die Altstadt von Rouen schwer, fünf Bomben fielen auf die Kathedrale.www.patrimoine-histoire.fr, Abschnitt La cathédrale dans la seconde guerre mondiale Ein Vierungspfeiler des zentralen Turmes wurde knapp verfehlt; Teile des südlichen Seitenschiffes und zwei Fensterrosen wurden zerstört.

Luftangriffe von Bombern der USAAF einige Tage vor Beginn der Landungsoperation verursachten Feuer in Rouen und in der Kathedrale.Le 30 mai 1944, la Semaine rouge débutait à Rouen (mit der Titelseite des Le Petit Parisien vom 3./4. Juni 1944). Am 1. Juni 1944 brannte der Nordturm.

Nach dem Ende des Krieges begannen Reparaturarbeiten an den zerstörten Teilen der Kathedrale, sie wurde wieder nutzbar gemacht. 1999 fiel bei einem heftigen Sturm eine 26 Tonnen schwere Fiale vom Hauptturm herunter und beschädigte den Chor. Sie wurde bis heute nicht ersetzt. Im 21. Jahrhundert sind weitere Restaurierungen und Sanierungen im Gange, z. B. an den Turmhauben. Am 11. Juli 2024 brach bei Renovierungsarbeiten am Vierungsturm in etwa 120 Metern Höhe ein Brand aus. Das Feuer konnte rasch gelöscht werden.

Architektur mini|hochkant|links|Grundriss Osten ist oben

Die heutige Kathedrale Notre-Dame von Rouen mit vier Querschiffarmen und sieben Türmen steht auf den Grundmauern eines romanischen Vorgängerbaus.

Der untere Teil des Tour Saint-Romain (Sankt-Romanus-Turm) ist etwa um 1145–64 entstanden, während die oberen Teile erst im 15. Jahrhundert aufgesetzt wurden.

An der rechten Seite der Westfassade der Kirche befindet sich der 75 Meter hohe, sechsgeschossige Tour de Beurre (Butterturm). Er wurde 1506 fertiggestellt und ist ein ausgeprägtes Beispiel für die Kunst des späten Flamboyant. Der Turm endet in einer achteckigen Krone, deren ausgeklügeltes Strebewerk vier große und vier kleine Fialen abschließen. Seinen Namen verdankt der Turm einer Tradition: Zur Fastenzeit war der Verzehr von Butter und anderen Milchprodukten eigentlich verboten, aber durch die vorübergehende Aufhebung dieses Verbots konnte mit den aus dem Butterverkauf erzielten Einnahmen der Bau des Glockenturms finanziert werden. mini|hochkant|Saint-Romain-Turm, 1. Juni 1944

Im 19. Jahrhundert wurde der alte Vierungsturm, eine bleiverkleidete Holzkonstruktion, durch Blitzschlag zerstört. Die schon von weitem sichtbare Turmspitze (151,5 Meter) wurde im Jahre 1877 fertiggestellt und besteht aus Gusseisen. Bis zur Fertigstellung des Kölner Doms im Jahr 1880 war damit die Kathedrale das höchste Gebäude der Welt.

Orgeln mini|hochkant|Blick auf die Orgel Die Kathedrale von Rouen war eine der ersten Kathedralen, in der nachweislich eine Orgel stand. Das erste Instrument datiert wohl auf die Zeit noch vor dem Jahr 1380. Es stand zunächst im nördlichen Querschiff und wurde dann 1493 auf die Westempore versetzt. Bei einem Sturm im Jahre 1683 wurde das Instrument stark beschädigt und 1686 durch den Orgelbauer Robert Clicquot wieder aufgebaut.

Hauptorgel Die große Orgel auf der Westempore, unterhalb der gotischen Fensterrosette, geht teilweise zurück auf dieses Instrument, vom Ende des 17. Jahrhunderts. Das Orgelgehäuse wurde von Joseph Pilon geschaffen und steht seit 1862 unter Denkmalschutz.

Im Laufe der Zeit haben verschiedene Orgelbauer das Clicquot-Instrument restauriert und bearbeitet, im 18. Jahrhundert vornehmlich der Orgelbauer Jean-Baptiste Nicolas Lefebvre, und im 19. Jahrhundert, nach der Französischen Revolution, u. a. die Orgelbauer Clicquot und Merklin, welche die Orgel in ein symphonisches Instrument umwandelten. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Instrument von dem Orgelbauer Joseph Gutschenritter überarbeitet und erhielt eine elektrische Windanlage. Während des Zweiten Weltkrieges wurde dieses Instrument völlig zerstört.

Das heutige Orgelwerk stammt aus der Werkstatt des Orgelbauers Jacquot-Lavergne. Es wurde von den Organisten Marcel Dupré und Marcel Lanquetuit entworfen und 1956 eingeweiht.

Die Orgel hat 68 Register auf vier Manualwerken und Pedal. Drei Manualwerke sind als Schwellwerke (expressif) angelegt. Das Positiv befindet sich nicht mehr in dem vorgelagerten Gehäuse, sondern im Hauptgehäuse. Das Positiv-Gehäuse ist seit 1956 leer, um Platz für den neuen Spieltisch zu schaffen. Die Registerzüge sind jeweils links und rechts der Manuale angeordnet: Auf der linken Seite befinden sich die Grundstimmen (32′–4′-Register), auf der rechten Seite die übrigen Stimmen, insbesondere die Zungenstimmen, Aliquoten und Mixturen. Die Spiel- und Registertrakturen sind elektropneumatisch. 1982 wurde der Orgelprospekt überarbeitet. 1992 und 1995 wurde das Orgelwerk neu intoniert.Informationen zur Orgel (französisch).

I Positif expressif C–c4 1. Bourdon 16′ 2. Montre 8′ 3. Flûte harmonique 8′ 4. Bourdon 8′ 5. Gambe 8′ 6. Prestant 4′ 7. Flûte douce 4′ 8. Nazard ′ 9. Doublette 2′ 10. Tierce ′ 11. Fourniture IV 12. Cromorne 8′ 13. Trompette 8′ 14. Clairon 4′ II Grand Orgue C–c4 15. Montre 16′ 16. Bourdon 16′ 17. Montre 8′ 18. Flûte harmonique 8′ 19. Bourdon 8′ 20. Salicional 8′ 21. Prestant 4′ 22. Flûte octaviante 4′23. Nazard ′ 24. Doublette 2′ 25. Tierce ′ 26. Fourniture IV 27. Cymbale III 28. Bombarde 16′ 29. Trompette 8′ 30. Clairon 4′ III Récit expressif C–c4 31. Quintaton 16′ 32. Diapason 8′ 33. Flûte harmonique 8′ 34. Bourdon 8′ 35. Gambe 8′ 36. Voix céleste 8′ 37. Flûte 4′ 38. Octavin 2′ 39. Fourniture IV 40. Bombarde 16′ 41. Voix humaine 8′ 42. Basson-Hautbois 8′ 43. Trompette 8′ 44. Clairon 4′ Tremolo IV Bombarde expressif C–c4 45. Bourdon 16′ 46. Diapason 8′ 47. Flûte 8′ 48. Gambe 8′ 49. Unda maris 8′ 50. Flûte ouverte 4′ 51. Prestant 4′ 52. Grande Fourniture IV 53. Cornet V 54. Bombarde 16′ 55. Trompette 8′ 56. Clairon 4′ Pédale C–f1 57. Soubasse 32′ 58. Flûte 16′ 59. Soubasse 16′ 60. Flûte 8′ 61. Basse 8′ 62. Grosse Quinte ′ 63. Flûte 4′ 64. Quinte ′ 65. Bombarde 32′ 66. Bombarde 16′ 67. Trompette 8′ 68. Clairon 4′

Chororgel mini|Chororgel