Mozi Traditionelle Namen Ahnenname (姓): Jiang (chinesisch: 姜; Pinyin: Jiāng) Klanname (氏): Mo¹ (chinesisch: 墨; Pinyin: Mò)Rufname (名): Di (chinesisch: 翟; Pinyin: Dí) Namen nach modernen Erkenntnissen Ahnenname (姓): unbekannt Clanname (氏): unbekannt Rufname (名): Di (chinesisch: 翟; Pinyin: Dí) Offizieller Name Meister Mo (chinesisch: 墨子; Pinyin: Mòzǐ)

Mozi, auch Mo-tsu, Mo-tse, () oder Mo Di, Mo Ti, Mo Te, Me-Ti (), latinisiert Micius genannt, lebte im späten 5. Jahrhundert v. Chr. Er wirkte hauptsächlich in Nordchina und war Begründer und Namensgeber des Mohismus (墨家, Mòjiā), einer Schule der chinesischen Philosophie. Der Mohismus entstand in der Zeit der Hundert Schulen und war eine utilitaristische, am Wohlergehen des Volkes ausgerichtete Denkrichtung mit konsequentialistischer Ethik. Sie war verbunden mit einer Staatsphilosophie und einer Lehre vom Wohlstand. Die straff organisierte mohistische Schule war bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. in drei Gruppen gespalten und hatte ein Jahrhundert später vollends an Bedeutung verloren. Im Gegensatz zu Konfuzius soll Mozi zumindest einen Teil seiner in großem Umfang erhaltenen Schriften selbst verfasst haben. Mozi ist zugleich der Titel einer Sammlung von 71 Büchern des Mohismus, die von Anhängern zwischen Mozis Tod und der Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. angelegt wurde.

Leben Die Angaben über die Person Mozi sind dürftig und teilweise spekulativ. Er lebte wohl zwischen 490 und 381 v. Chr. (Die Angaben weichen ab, jedoch bewegen sie sich alle zwischen den Jahren 490 und 381Kung-chuan Hsiao: A History of Chinese Political Thought. In: Volume One: From the Beginnings to the Sixth Century A.D. Princeton University Press, Princeton 1979, S. 215.Vitalii Aronovich Rubin: Individual and State in Ancient China: Essays on Four Chinese Philosophers. Columbia University Press, New York 1976, S. 33.Wing-tsit Chan: A Source Book in Chinese Philosophy. Princeton University Press, Princeton 1969, S. 211.Peter J. Opitz: Der Weg des Himmels. Fink, München 1999, S. 159.), also zur Zeit des Wechsels von der Chunqiu-Zeit (722-481)Wing-tsit Chan: A Source Book in Chinese Philosophy. Princeton University Press, Princeton 1969, S. XV. zu der Zeit der Streitenden Reiche (480-222) und zwischen Konfuzius und Menzius (Es ist möglich, dass Mozi noch vor dem Tode des Konfuzius geboren wurde, das mit dem Jahre 479 v. Chr. angegeben wird.Wejen Chang: Traditional Chinese Jurisprudence : Legal Thought of Pre-Qin Thinkers. Cambridge 1990, S. 14.).

Sein Heimatstaat war Lu oder Song, Mo war sein Familienname und sein Vorname Di.Kung-chuan Hsiao: A History of Chinese Political Thought. In: Volume One: From the Beginnings to the Sixth Century A.D. Princeton University Press, Princeton 1979, S. 214. (Siehe auch Anmerkung 1. zu anderen Theorien) Mozi entstammte einer niederen gesellschaftlichen Schicht, die Annahmen seiner Tätigkeit reichen vom HandwerkerWejen Chang: Traditional Chinese Jurisprudence : Legal Thought of Pre-Qin Thinkers. Cambridge 1990, S. 53. über den Schreiber bis hin zum hohen Beamten. Seine Anstellung als Beamter ist jedoch unwahrscheinlich.Ralf Moritz: Die Philosophie im alten China. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1990, S. 68.

Die Zeit, in der Mozi lebte, war geprägt durch den Zerfall des alten Patriarchats und die Auflösung der feudalen Strukturen. Die Gesellschaft machte eine Entwicklung durch, in der die unteren Schichten ihre passive Rolle verließen und die oberen Schichten sich zunehmend der willkürlichen Ausbeutung der unteren Schichten widmeten. Das Land war von Kriegen gebeutelt und die gemeine Bevölkerung versank in Chaos und Armut.Ralf Moritz: Die Philosophie im alten China. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1990, S. 70.

Mozi charakterisierte diese Zeitumstände, indem er „sieben Missstände“ benannte: Investition in Prunk anstatt in Verteidigung, keine Hilfe der Nachbarn bei feindlichem Angriff, nutzlose Erschöpfung der Kräfte des Volkes, Korruption und Willkür der Beamten, Unwissenheit und Hochmut des Fürsten und dadurch nicht ausreichende Verteidigungsmaßnahmen, Glaube an Lügen und zu wenig Lebensmittel, ungeeignete Beamte und Wirkungslosigkeit von Belohnungen und Bestrafungen.Helwig Schmidt-Glintzer (Hrsg.): Mo Ti : Gegen den Krieg. Diederichs, Düsseldorf/Köln 1975a, S. 70f.

Ethik Rén (仁) und yí (義) bei Konfuzius und bei Mozi Basiert die vollendete Gesellschaft nach Konfuzius auf der Mit-Menschlichkeit (rén 仁), so nimmt diesen Platz in Mozis Theorie die Rechtschaffenheit (yí 義) ein. Wie bereits in den Begriffen anklingt, entsteht die Menschlichkeit nach Konfuzius im Menschen selbst und wirkt aus ihm heraus. Die Rechtschaffenheit jedoch ist nach Mozi eine dem Menschen von außen durch Zwang auferlegte Tugend.

Dieser grundlegende Unterschied lässt sich auch anhand des Bildes des Himmels nachvollziehen. Während der Himmel bei Konfuzius eine abgerückte, ungreifbare und unpersönliche Wesenheit darstellt, deren Wille im Menschen selbst verankert ist und in ihm wirkt, so sieht Mozi ihn als eigenständige Persönlichkeit an, die der Erde sehr nahesteht. Ebenso wie die Tugend bei Konfuzius aus sich heraus entspringt, hat sie sich selbst zum Zweck. Mozi jedoch betrachtet selbst die Tugend und somit den Willen des Himmels aus utilitaristischer Perspektive.Peter J. Opitz: Der Weg des Himmels. Fink, München 1999, S. 166f. Die Rechtschaffenheit dient der Stabilität des politischen Systems.Peter J. Opitz: Der Weg des Himmels. Fink, München 1999, S. 168.

Klassenunterschiede, Parteilichkeit und Universalität Der Gedanke der Mitmenschlichkeit (ren 仁) ist zwar auch im Gedankengut Mozis fest verankert, rückt jedoch in der Hierarchie unter die Rechtschaffenheit (yi 義), zu deren Erhalt sie dient. Sie erfährt eine Veränderung dadurch, dass Mozi sie von den Beschränkungen durch die Teilung der Gesellschaft, wie sie Konfuzius vorsah, freimacht. Er fordert eine Mitmenschlichkeit, die nicht der festen Einordnung des Individuums in die Gesellschaft (li 禮) unterliegt, die sich besonders in der pietätvollen Fügsamkeit (xiào 孝) äußerte.Ralf Moritz: Die Philosophie im alten China. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1990, S. 72f. Somit geht Mozi noch einen Schritt weiter als Konfuzius und weitet den Fokus von der herrschenden Klasse auf die gesamte Gesellschaft aus.Ralf Moritz: Die Philosophie im alten China. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1990, S. 73. Während sich bei Konfuzius Volk und Herrscher nicht vermischen, ist die Trennlinie bei Mozi in beide Richtungen durchlässig.

Die Gleichheit der Menschen drückt sich also nicht in tatsächlicher materieller Hinsicht aus, sondern vielmehr in Chancengleichheit und Gleichheit der Bewertungsmaßstäbe. Mozi sieht in der differenzierten Mitmenschlichkeit (ren 仁) die Ursache der mangelnden Gerechtigkeit.

Menschlichkeit und Rechtschaffenheit sind also Kriterien für Universalität und dieser daher übergeordnet.

Mozis Menschenbild Die Grundlage der Überlegungen Mozis bildet eindeutig sein Menschenbild. Seiner Meinung nach handelt ein Mensch, der ohne feste gesellschaftliche Umgebung aufwächst, egoistisch und kurzsichtig.Wejen Chang: Traditional Chinese Jurisprudence : Legal Thought of Pre-Qin Thinkers. Cambridge 1990, S. 54.

Als es

gab, war die

Von sich aus sind die Menschen nicht in der Lage, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln und ihre Ansichten abzugleichen.

Mozis Ziel Die Zeit, in der er lebte, und die Perspektive, aus der er die Gesellschaft wahrnahm, nämlich aus der des einfachen Volkes, waren maßgebend für die Ziele Mozis. Er entwickelte ein dem Konfuzianismus ähnliches System, welches auf die Bedürfnisse des einfachen Mannes zurechtgeschnitten war (Kung-chuan Hsiao nennt ihn einen „common-man Confucius“ und seine Lehren „common-man Confucianism“.Kung-chuan Hsiao: A History of Chinese Political Thought. In: Volume One: From the Beginnings to the Sixth Century A.D. Princeton University Press, Princeton 1979, S. 222.). Sein Bestreben galt der Gerechtigkeit (Helwig Schmidt-Glintzer (Hrsg.): Mo Ti : Gegen den Krieg. Diederichs, Düsseldorf/Köln 1975a, S. 124, zwei s 124.), dem Frieden und dem Wohlstand des Volkes.Wejen Chang: Traditional Chinese Jurisprudence : Legal Thought of Pre-Qin Thinkers. Cambridge 1990, S. 59.

Die Philosophie des Mozi strebte das Ziel an, den Wohlstand, den Frieden und die Gerechtigkeit des Volkes zu verwirklichen und zu vermehren. Das wichtigste Kriterium für die Beurteilung der sakralen und weltlichen Dinge war dabei die Nützlichkeit. Deshalb lehnte Mozi ungerechte Kriege, Prunksucht, Festmahle, einen aufgeblähten Beamtenapparat, Kunst und Musik ab und forderte für die Menschen ein einfaches Leben in harter Arbeit, ohne Luxus, ohne (unnütze) Freuden in einer strengen Ordnung, in der jeder seine Rolle zugewiesen bekommt.

Die ideale Ordnung war nach Mozi ein nach außen hin friedliches Staatswesen mit einem untadeligen Herrscher (dem Himmelssohn, tian zi) an der Spitze, der das Wohlergehen des Volkes fördert. Auflehnung oder Widerstand gegen den Herrscher waren darin verboten, dennoch haftete das Volk für das Versagen des Herrschers. Der Mensch sollte durch staatliche Gesetze und durch ständige Überwachung geformt werden. Belohnungen (shang) und Strafen (fa) sowie eine totale Überwachung durch den Staat sollten für die Einhaltung der Gesetze und für einen Lebenswandel in Nächstenliebe und Menschlichkeit sorgen.

Die Philosophie des Mozi steht in einem tiefen Widerspruch zwischen den chaotischen, egoistischen und brutalen Wesen des Menschen einerseits und dem Idealbild des rechtschaffenen, guten und edlen Menschen andererseits. Dieser Widerspruch wird nicht durch einen inneren Wandel des menschlichen Charakters bzw. durch eine Veredelung des Gemüts aufgehoben, sondern durch Zwang von außen „bereinigt“.

Allgemeine Nächstenliebe und gegenseitiger Nutzen Auf die Frage, wie die Misere des Landes zu beenden sei, antwortet Mozi:

Die geforderte allgemeine Nächstenliebe ist neben dem Utilitarismus eine der großen Neuerungen Mozis. Standen sich Nutzen und Moral bei Konfuzius noch gegenüber, so gehen sie bei Mozi eine Synthese ein.Ralf Moritz: Die Philosophie im alten China. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1990, S. 77. Die Nächstenliebe ist nützlich.

Die allgemeine Nächstenliebe besteht für Mozi darin, nicht länger zwischen sich selbst und seinen Mitmenschen zu unterscheiden. Dies ist auf alle Strukturen erweiterbar, die Familie jedes anderen ist wie die eigene und auch andere Staaten sind wie der eigene.

Die Grenze zwischen dem Ego und der restlichen Gesellschaft wird also aufgehoben. Jeder, der in seinem eigenen Sinne handelt, handelt automatisch im Sinne der Gesellschaft und umgekehrt. Dieser Gedanke der absoluten Egalität von sich und allen anderen spiegelt sich in der mohistischen Bedeutung von yi (義) wider, welches wie ein stufenloses konfuzianisches yi (義) anmutet, also von den Klassenunterschieden (li 禮) befreit.Ralf Moritz: Die Philosophie im alten China. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1990, S. 78. Yi (義) ist die Umsetzung von gegenseitigem Nutzen und allgemeiner Menschenliebe in die Tat, also „humanes Verhalten“.Ralf Moritz: Die Philosophie im alten China. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1990, S. 79.

Rechtschaffenheit In der hierarchischen Struktur der Philosophie Mozis nahm die Rechtschaffenheit (yi 義) eine übergeordnete Stellung ein. Menschlichkeit (ren 仁) einerseits, allgemeine Nächstenliebe (jian ai 兼愛) und gegenseitiger Nutzen (xiang li 相利) andererseits sind ihr als Ausprägungen untergeordnet.

Ren (仁) beschreibt hier die vertikale Ausprägung des yi (義), also das Verhalten der Herrschenden gegenüber ihren Untertanen. Mozis Aufruf zu ren-gemäßem Handeln gilt nur den Herrschern:Ralf Moritz: Die Philosophie im alten China. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1990, S. 72.