mini|Igelbus mit Fahrradanhänger in der Nähe von Finsterau Als Igelbusse werden zwei Bussysteme im Nationalpark Bayerischer Wald bezeichnet, die um die beiden Nationalparkzentren Rachel-Lusen und Falkenstein in der Sommersaison von Mai bis November sowie in den beiden bayerischen Winterschulferien täglich verkehren. Sie sind in das Nationalpark-Verkehrskonzept Bayerischer Wald integriert.

Geschichte mini|Igelbus an der damals noch neuen zentralen Bushaltestelle in Spiegelau, Juni 1998 Das Igelbussystem wurde im Jahr 1996 eingeführt, die erste Igelbussaison startete am 15. Mai 1996 mit insgesamt vier Linien: Dem Finsteraubus (Linie 6115), dem Freyungbus (Linie 6203) dem Lusenbus (Linie 7594) und dem Rachelbus (Linie 7595). Bis zum Ende der Saison am 31.10. verkehrten die Busse täglich.

Als Vorgängerlinie der Rachel-Lusen-Igelbusse gilt die „Nationalparklinie Ost“ zwischen Schönbrunn am Lusen, Hohenau, Neuschönau und Mauth/Finsterau. Diese wurde am 2. Juni 1991 eingerichtet und verkehrte in diesem Jahr bis 27. Oktober täglich mit drei Buspaaren. Betrieben wurde diese Linie vom Busunternehmen Prager. Als Tarif war ein Einheitspreis von 3 DM (entspricht 1,53 Euro) pro Fahrt bzw. 4,50 DM (2,30 Euro) für eine Hin- und Rückfahrkarte festgesetzt. Drei Viertel der Kosten für diese Buslinie wurden von den Gemeinden Hohenau, Mauth und Neuschönau, dem Landkreis Freyung-Grafenau, sowie dem Freistaat Bayern getragen. Ein Viertel der Kosten wurde über Fahrgeldeinnahmen gedecktKoishüttler Gemeindeblatt Ausgabe Juli 1991 „Eine neue Buslinie verbindet Neuschönau mit der Gemeinde Mauth“. Diese Linie wurde 1996 leicht abgeändert und durch drei Linien ergänzt.

Im Rahmen einer Diplomarbeit an der Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“ der Technischen Universität Dresden wurde für diesen touristischen Verkehr das Nahverkehrskonzept Igelbusse entwickelt.B. Richter: „Erstellen und Umsetzten eines öffentlichen Gesamtverkehrsangebotes in einer Nationalparkregion“, Diplomarbeit 1997

Um die Verbindungen zum Wandergebiet Großer Falkenstein sowie Großer Arber herzustellen, wurden 2001 von Zwiesel ausgehend mehrere Kleinbuslinien geschaffen. Die beiden Falkensteinlinien (7149 und 7150) werden seit 2007 als Igelbusse bezeichnet.

Aufgrund der geringen Nachfrage und reduzierter Zuschüsse sollte der Freyungbus nach der Saison 2002 eingestellt werden. Die Einstellung konnte durch eine Reduzierung des Fahrtangebots auf zwei Tage (Dienstag und Donnerstag) abgewendet werden.

Um die Besucherinformation (Infos zu Wanderwegen, Verhaltenshinweise, Öffnungszeiten der Besucherzentren etc.) zu verbessern, hat die Nationalparkverwaltung mit den Busfahrern der RBO und von Lambürger alljährlich Fahrerschulungen durchgeführt.https://www.nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de/service/downloads/doc/jahresbericht/jahresbericht_2011_ba.pdf Diese Fahrerschulungen gibt mittlerweile nicht mehr.

Im Rahmen der Reaktivierung der Bahnstrecke Passau–Freyung wurden am 11. September 2010 drei weitere Buslinien von Freyung und Waldkirchen ausgehend eingeführt. Die schwach angenommene Buslinie Freyung–Finsterau wurde 2012 nicht mehr fortgeführt. Die beiden übrigen Linien wurden hierfür ausgebaut und der Anschluss in Richtung Finsterau über Neuschönau hergestellt. Auch diese beiden Linien existieren mittlerweile nicht mehr.

2012 wurde das Projekt um weitere fünf Jahre bis 2017 verlängert.Passauer Neue Presse - Lokales: „Igelbus: Neuerungen sorgen für Unmut“, 6. Juni 2013

Von Beginn der Weihnachtsferien 2010 bis 15. Mai 2011 sollten erstmals durchgängig Winterigelbusse im Rachel-Lusen-Gebiet fahren. Die Finanzierung der notwendigen 126.000 Euro Mehrkosten sollte durch die am GUTi teilnehmenden Gemeinden, den Landkreis Freyung-Grafenau sowie Fahrgeldeinnahmen und einem GUTi-Anteil sichergestellt werden.Bayerwald-Bote vom 29. Juli 2010 Lokalteil Zwiesel: „Igelbusse fahren ab dieser Saison auch im Winter“ Für die Winterigelbusse wurden die Linien 6202 (Klingenbrunn - Waldhäuser) und 6204 (Grafenau - Finsterau) geschaffen. Zu Beginn waren auf der Linie 6202 vier Fahrtenpaare und auf der Linie 6204 drei Fahrtenpaare im Einsatz. Als sich der Landkreis Freyung-Grafenau 2016 von der Finanzierung der Winterigelbusse zurückzog, wurde diese von den am Winterigelbussystem beteiligten Gemeinden gemeinsam übernommen. Durch die Straffung der Fahrtenpaare und eine Anpassung der Verkehrszeiten an die touristische Hochsaison konnte die finanzielle Belastung der Gemeinden im Rahmen gehalten werden. Ab der Wintersaison 2016/17 waren auf der Linie 6202 drei Fahrtenpaare und auf der Linie 6204 zwei Fahrtenpaare unterwegs.

Im Falkensteingebiet wurden an Wochenenden in den Wintermonaten die Takte verdichtet. Die Mehrkosten von 16.000 Euro trägt hier der Landkreis Regen.Bayerwald-Bote vom 13. September 2010 Lokalteil Viechtach: „Kein direkter Bus von Arnbruck nach Teisnach“

Ein großer Einschnitt in das Igelbussystem war der Betreiberwechsel. Der Betrieb ging nach über 20 Jahren von der Regionalbus Ostbayern GmbH (RBO) auf eine Bietergemeinschaft bestehend aus den Busunternehmen Alois Pfeffer, Martin Pfeffer und Sieghart Reisen über. Damit einhergehend änderte sich auch die Nummerierung der Linien (601, 602, 603 anstatt 6115, 7194, 7195). Von dieser Umstellung waren zuerst die Winterigelbusse betroffen, welche seit der Saison 2018/2019 durch die neue Bietergemeinschaft betrieben werden. Bei den Sommerigelbussen erfolgte die Umstellung in der Saison 2020.

Nach dem Betreiberwechsel wurden bis zur Winterigelbussaison 2019/20 die beiden Linien 6202 und 6204 weiterbetrieben. In den Saisonen 2020/21 und 2021/22 wurde nur die Linie 604 (Klingenbrunn - Finsterau) betrieben. Mit Beginn der Saison 2022/23 wurde die Linie 604 auf die Linien 604 A, 604 B und 604 C aufgeteilt und bisher nicht bediente Orte wie Schönberg oder Freyung in das Winterigelbussystem integriert. Im Gegenzug verkehren nur noch zwei Fahrtenpaare pro Tag. Zu Beginn der Saison 2025/26 wurden die Betriebszeiten angepasst, die Busse fahren nur noch bis zum Ende der Faschingsferien und nicht mehr in den bayerischen Osterferien. Auch wurde der Linienweg der Linie 604C abgeändert, der Bus fährt nun direkt von Grainet und Freyung aus nach Philippsreuth und weiter nach Finsterau und Neuschönau. Zudem haben sich auch die Abfahrtszeiten geändert. Die ersten Busse des Tages auf den Linien 604A und 604B starten jeweils eine Stunde früher bzw. auf der Linie 604C zwei Stunden früher als bisher.

Seit der Saison 2022 verkehren im Landkreis Freyung-Grafenau die Buslinien 605 und 606, welche teilweise ebenfalls als Igelbusse bezeichnet werden, auch wenn nur die Linie 605 zu einem geringen Teil auf Nationalparkgebiet verkehrt. Betreiber dieser beiden Linien ist das Busunternehmen Dafinger.

Namensgebung Der vom Landkreis Freyung-Grafenau geschützte Name "Igelbus" leitet sich vom Märchen "Der Hase und der Igel" ab. Ähnlich wie im Märchen ist der Individualverkehr zwar kurzfristig schneller am Ziel, allerdings ist die Nutzung der Busse klüger, da sie langfristig mehr Vorteile bringt. Durch die Igelbusse kann eine geringere Abgasbelastung und weniger Verkehr im Nationalparkgebiet erreicht werden.

Später entstand noch eine andere Herleitung, diese bezieht sich darauf, dass die Igelbusse den Besuchern egal wohin sie im Nationalpark auch wandern, scheinbar zuvorkommen und schon auf sie warten. Diese Namensableitung trifft insbesondere für den Rachelbus zu, da sich von dessen beiden Endhaltestellen Gfäll und Racheldiensthütte eine Wanderung über den Rachel, die Rachelkapelle und den Rachelsee zur jeweils anderen Bushaltestelle anbietet und man dort bereits wieder vom Igelbus erwartet wird.

Die einzelnen Buslinien Sommersaison Bussystem Rachel-Lusen Die Sommersaison startet Mitte Mai (i. d. R. am 15. Mai) und läuft bis zum Ende der bayerischen Herbstferien. In dieser Zeit verkehren die Igelbusse täglich. Außerhalb der Saison werden die Linien nicht bedient. mini|Rachelbus in Spiegelau, Juli 2025 Linie 601 Der Rachelbus erschließt das Wandergebiet Rachel und verkehrt von Gfäll aus über den Park+Ride-Parkplatz in Spiegelau und Riedlhütte zur Racheldiensthütte. In Spiegelau besteht Anschluss zur Waldbahn und zur Linie 603. An der Haltestelle „Graupsäge“ besteht eine Umstiegsmöglichkeit zu den Bussen der Linie 602.

Linie 602 Der Lusenbus erschließt das Wandergebiet Lusen und verkehrt von Grafenau über das Nationalparkzentrum Lusen bei Neuschönau zur Waldhausreibe bei Waldhäuser. In Grafenau besteht ein Anschluss an die Waldbahn, an der Haltestelle „Graupsäge“ kann zur Linie 601 bzw. an der Haltestelle „Nationalparkzentrum Lusen“ zur Linie 603 umgestiegen werden. mini|Lusenbus in Waldhäuser, Mai 2023 Linie 603 Der Finsteraubus verkehrt von Spiegelau aus über Riedlhütte, St. Oswald, Altschönau, dem Nationalparkzentrum Lusen und Mauth bis Finsterau/Bučina. Am Grenzübergang besteht die Möglichkeit zum im Jahre 1996 eingerichtetem Bussystem des Nationalpark Šumava, den sogenannten „Grünen Bussen“, zu wechseln. In Spiegelau besteht Anschluss zur Waldbahn und zur Linie 601, an der Haltestelle „Nationalparkzentrum Lusen“ kann zur Linie 602 umgestiegen werden. mini|Finsteraubus am Grenzübergang Teufelshäng bei Finsterau, Juli 2025

Bussystem Falkenstein Falkensteinbus Seit dem Jahr 2001 verkehren ganzjährig im Falkensteingebiet die beiden Linien 7149 (Zwiesel - Buchenau - Zwiesel) und 7150 (Zwiesel - Zwieslerwaldhaus - Zwiesel) des sogenannten Falkensteinbus. Diese Linien verbinden im Stundentakt den Bahnhof Zwiesel mit dem Wandergebieten am großen Falkenstein in Richtung Zwieslerwaldhaus und Scheuereck und dem Nationalparkinformationshaus Haus zur Wildnis. Am Bahnhof Zwiesel besteht Anschluss zu den Zügen der Waldbahn. Seit dem Jahr 2007 tragen auch diese Busse den vom Landkreis Freyung-Grafenau geschützten Begriff Igelbus.

Almberg- und Dreisesselbus mini|Igelbus der Linien 605 und 606 am Busbahnhof in Freyung, Oktober 2025

Zur Saison 2022 wurden im Landkreis Freyung-Grafenau die Linien 605 und 606 als zwei neue touristische Linien und Nachfolger der Ilztalbahn-Anschlussbusse eingeführt. Obwohl nur die Busse der Linie 605 zu einem geringen Teil auf dem Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald verkehren, werden sie und die Busse der Linie 606 teilweise trotzdem als Igelbusse bezeichnet. Die Sommersaison startet bereits Anfang Mai und endet Mitte Oktober. Im Winter verkehren die Linien nicht, ein Teil des Streckennetzes wird vom Winterigelbus der Linie 604 C abgedeckt.

Stand 2025 bestehen folgende Verbindungen: Linie 605 Der Almbergbus verkehrt von Freyung über das Nationalparkzentrum Lusen bei Neuschönau und Mauth nach Philippsreuth. In Freyung besteht ein Anschluss an die Ilztalbahn, an der Haltestelle „Nationalparkzentrum Lusen“ kann zur Linie 602 bzw. an der Haltestelle „Mauth P+R“ zur Linie 603 umgestiegen werden. Die Linie ist nach dem Almberg (Skizentrum Mitterdorf) bei Mitterfirmiansreut benannt. Linie 606 Der Dreisesselbus verkehrt von Waldkirchen über Neureichenau, den Dreisessel und Haidmühle nach Philippsreut. In Waldkirchen kann zur Ilztalbahn umgestiegen werden, am Grenzübergang bei der Haltestelle „Haidmühle Grenze/Nove Udoli“ besteht die Möglichkeit zu den Zügen von GW Train in Richtung Krumau / Budweis zu wechseln. Die Linie ist nach dem Dreisesselberg bei Altreichenau benannt. Zu Beginn der Saison 2025 wurde die Linienführung dieser beiden Linien überarbeitet und der Dreisesselbus (Linie 606) wurde mit dem Almbergbus (Linie 605) verknüpft. Fahrgäste können somit beispielsweise von Waldkirchen aus durchgehend bis zum Nationalparkzentrum Lusen fahren. In den vergangenen Jahren endete die Linie 606 in Philippsreut, nun führt die Strecke nahtlos weiter nach Freyung.

Wintersaison mini|An der Haltestelle "Nationalparkzentrum Lusen" haben sich am ersten Betriebstag der Saison 2025/26 die Busse der Linien 604A, 604B und 604C getroffen.

Rachel-Lusen-Gebiet