Nolina ist eine Pflanzengattung, die zur Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae) gehört. Der botanische Name ehrt den französischen Abbé P. C. Nolin, Mitverfasser des 1755 veröffentlichten Werkes Essai sur l’agriculture moderne. In den Vereinigten Staaten werden die Arten als „Beargrass“ (Bärengras) bezeichnet.

Die 26 Arten sind in den Vereinigten Staaten und in Mexiko verbreitet. Viele sind bisher nur unzureichend untersucht. Manche gelten als selten, einige möglicherweise durch Bebauungs- und Erschließungsmaßnahmen als gefährdet. Die Gattung Nolina wird anhand von Wuchsform sowie Blatt- und Fruchtmerkmalen in vier Sektionen unterteilt. Sie ist mit den Gattungen Beaucarnea, Calibanus und Dasylirion verwandt.

Beschreibung Vegetative Merkmale Die Arten der Gattung Nolina sind ausdauernde, stammlose oder stammbildende, strauchige bis baumförmige Lebensformen. Die Stämme sind an ihrer Basis gelegentlich geschwollen. Manchmal sind große, unterirdische Rhizome vorhanden. Die in Rosetten zusammenstehenden Laubblätter sind linealisch, nicht steif oder faserig. Die Blattränder sind rau oder fein gesägt.

Generative Merkmale miniatur|Samen und Frucht von Nolina micrantha Die rispigen, nur selten traubigen und je nach Art 30 bis 180 Zentimeter langen Blütenstände werden von einem 5 bis 250 Zentimeter langen Blütenstandsschaft getragen. Die Tragblätter fallen in der Regel ab oder dauern gelegentlich aus. Die Blütenstiele sind nahe ihrer Mitte gegliedert. Pro Knoten stehen zwei bis fünf Blüten zusammen. Die dreizähligen Blüten sind funktionell eingeschlechtig. Es sind zwei Kreise mit je drei gleichgestaltigen weißen bis cremefarbenen oder lohfarbenen Tepalen vorhanden, die ausgebreitet, 1,3 bis 5 Millimeter lang und an ihren Spitzen drüsig sind. In den funktional männlichen Blüten sind zwei Kreise mit je drei fertilen Staubblättern vorhanden, die schlanke, kurze Staubfäden besitzen; sie enthalten auch einen verkümmerten Stempel. In den funktional weiblichen Blüten sind ein tief dreikammeriger, oberständiger Fruchtknoten sowie zurückgebildete, sterile Staubblätter (Staminodien) vorhanden.

Die dreifächerigen, dreilappigen, dünnwandigen oder manchmal festwandigen und häufig aufgeblasenen Kapselfrüchte springen auf, reißen jedoch häufig auch unregelmäßig auf. Sie sind meist an der Basis und der Spitze gekerbt und distal gerundet. Die Kapselfrüchte enthalten eng oder locker anliegende, kugelförmige bis längliche, angeschwollene Samen.William J. Hess: Nolina. In: Flora of North America. 2003, S. 415: Online. eingesehen am 26. August 2010

Die Blühperiode beginnt im zeitigen Frühjahr und reicht bis in die Sommermonate.Fritz Hochstätter: The Genus Nolina. (Nolinaceae). In: Piante Grasse. Band 30, Supplemento al fasc. 1, 2010, S. 2–3. Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 19.

Inhaltsstoffe Für Nolina microcarpa wurden verschiedene Saponine der Reihen Furostane und Spirostane nachgewiesen.Viqar Uddin Ahmad, Anwer Basha: Spectroscopic Data of Steroid Glycosides. Band 2 Stigmastanes, Furostanes, Spirtostanes. Springer, 2006, ISBN 0387311602, S. 733–734, S. 742, S. 745, S. 756, S. 763–764, S. 803, S. 804–805, S. 1166, S. 1177–1178, S. 1186. Weidende Rinder, Ziegen und Schafe, die Knospen, Blüten oder Früchte von Nolina microcarpa oder Nolina texana gefressen haben, leiden unter erhöhter Lichtempfindlichkeit, die auf Saponine zurückgeführt wird und zum Tod der Tiere führen kann.D. L. Rankins Jr., G. S. Smith, T. T. Ross, J. S. Caton, P. Kloppenburg: Characterization of toxicosis in sheep dosed with blossoms of sacahuiste (Nolina microcarpa). In: Journal of Animal Science, Vol 71, Issue 9, 1993, S. 2489–2498 (doi:10.2527/1993.7192489x ).Frank P. Mathews: Poisoning in sheep and goats by sacahuiste (Nolina texana) buds and blooms. In: Texas Agricultural Experiment Station Bulletin. Nummer 585, 1940, OnlineAnthony P. Knight, Richard G. Walter: A guide to plant poisoning of animals in North America. Teton NewMedia, 2001, ISBN 1893441113, S. 161

Verbreitung miniatur|hochkant=1.35|Verbreitungsgebiet der Gattung Nolinagrün: Sektion Nolinarot: Sektion Erumpentesblau: Sektion Microcarpaedunkelbraun: Sektion Arborescentes Die Gattung Nolina ist im Süden der Vereinigten Staaten und in Mexiko von Meereshöhe bis in Höhenlagen von 3200 Metern verbreitet. Im Südwesten der Vereinigten Staaten umfasst das Verbreitungsgebiet die Bundesstaaten Kalifornien, Arizona, Nevada, New Mexico, Colorado, Oklahoma und Texas. An der Ostküste erstreckt es sich von South Carolina über Georgia bis Florida. Die meisten Arten sind in Mexiko heimisch. Sie wachsen in den Bundesstaaten Baja California, Chihuahua, Coahuila, Nuevo León, Tamaulipas, San Luis Potosí, Zacatecas, Nayarit, México und Oaxaca.

Standorte sind tropische, laubabwerfende Wälder, trockene Waldgebiete und Buschformationen, Steppengebiete sowie die sehr trockene Mojave-Wüste.Gary Irish: Agaves, yuccas, and related plants: A gardener's guide. 2000, S. 44

Systematik Äußere Systematik Nolina gehört zur Tribus Nolineae aus der Unterfamilie der Nolinoideae in der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae) innerhalb der Einkeimblättrigen Pflanzen (Monokotyledonen). Phylogenetische Untersuchungen bestätigten die bereits von William Trelease vermutete nahe Verwandtschaft mit den Gattungen Beaucarnea, Calibanus und Dasylirion:D. J. Bogler, B. B. Simpson: Phylogeny of Agavaceae based on ITS rDNA sequence variation. 1996, S. 1231.

Alle vier Gattungen besitzen schmale, faserige Laubblätter, kleine, eingeschlechtige Blüten und trockene, kapselähnliche Früchte, die ein bis drei Samen enthalten. Sie unterscheiden sich vor allem in der Morphologie der Früchte. Nolina hat Früchte mit drei gut ausgebildeten Kammern und meist drei Samen. Calibanus hat ebenfalls dreikammerige Früchte, aber nur eine der drei Samenanlagen reift zu einem Samen heran und zerdrückt dabei die beiden anderen Kammern. Beaucarnea und Dasylirion bilden dreiflügelige Früchte mit nur eine Kammer und einem Samen. Dasylirion lässt sich leicht durch die spitzen Stacheln an den Blatträndern unterscheiden.D. J. Bogler, B. B. Simpson: Phylogeny of Agavaceae based on ITS rDNA sequence variation. 1996, S. 1233–1234.

Innere Systematik Die Erstbeschreibung der Gattung Nolina erfolgte 1803 durch André Michaux.Andreas Michaux: Flora boreali-americana, sistens caracteres plantarum quas in America septentrionali collegit et detexit. Levrault, Paris, Straßburg 1803, Band 1, S. 207–208, Online. Typusart der Gattung ist Nolina georgiana. William Trelease gliederte die Gattung 1911 anhand von Wuchsform sowie Blatt- und Fruchtmerkmalen in die folgenden vier Sektionen:

Sektion Nolina:Die Arten der Sektion Nolina (bei Trelease Graminifoliae) wachsen stammlos. Ihre linealischen, ziemlich flachen Laubblätter sind dünn und grasartig, jedoch hart und faserig. Sie sind selten mehr als 5 Millimeter breit. Normalerweise sind die Laubblätter an ihrer Spitze nicht pinselartig. Sektion Erumpentes:Die grünen, mehr oder weniger konkaven Laubblätter sind ziemlich dick, linealisch bis schmal länglich dreieckig und bis 12 Millimeter breit. Die Spitze der Laubblätter ist oft faserig zerschlitzt. Die kleinen Früchte sind nicht aufgeblasen. Sektion Microcarpae:Im Gegensatz zur Sektion Erumpentes sind die Früchte der dieser Sektion zugeordneten Arten mäßig groß und etwas aufgeblasen. Sektion Arborescentes:Bei den Arten dieser Sektion handelt es sich um Bäume. Ihre Laubblätter sind relativ dünn und 15 bis 40 Millimeter breit. An ihrer Spitze sind sie für gewöhnlich nicht pinselartig. Die großen Früchte sind aufgeblasen.

Nach Fritz Hochstätter (2010) gehören die folgenden Arten zur Gattung Nolina:

mini|Nolina bigelovii mini|Nolina cismontana mini|Nolina greenei Sektion Nolina Nolina atopocarpa Nolina brittoniana Nolina georgiana Nolina humilis Nolina lindheimeriana Nolina pumila Sektion Erumpentes Nolina arenicola Nolina cespitifera Nolina erumpens Nolina greenei Nolina micrantha Nolina pollyjeanneae Fritz Hochstätter: Nolina pollyjeanniae a new species from Oklahoma. In: Acta Succulenta. Band 1, Nummer 1, 2013, S. 4–8 (). Nolina texana Sektion Microcarpae Nolina brandegeei Luis Hernández-Sandoval, Jon P. Rebman: The Genus Nolina (Asparagaceae) of the Baja California Peninsula, and the Recognition of a New Species Combination. In: Systematic Botany. Band 43, Nr. 3, 2018, S. 717–733 (doi:10.1600/036364418X697436). Nolina caxcana Eduardo Ruiz-Sanchez, Pablo Carrillo-Reyes, Luis Hernández-Sandoval, Chelsea D. Specht: Two new species of Nolina (Nolinoideae: Asparagaceae) endemic to Western Mexico. In: Phytotaxa. Band 402, Nr. 4, S. 187–198 (doi:10.11646/phytotaxa.402.4.2). Nolina durangensis Nolina elegans Nolina microcarpa Nolina palmeri Sektion Arborescentes Nolina azureogladiata Davide Donati: Una nova specie appartenente al genere Nolina Michx: Nolina azureogladiata. In: Piante Grasse. Band 31, Nummer 2, 2011, S. 52–58. Nolina beldingii Nolina bigelovii Nolina cismontana Nolina hibernica F. Hochstätter, D. Donati: Una nuova specie di Nolina. Nolina hibernica Hochstätter & D. Donati spec. nov. In: Piante Grasse. Band 30, Nummer 2, 2010, S. 72–77. Nolina interrata Nolina longifolia Nolina matapensis Nolina nelsonii Nolina parryi Nolina parviflora Nolina rodriguezii

Von unbekannter Zuordnung sind: Nolina excelsa Abisaí García-Mendoza, Eloy Solano, Miguel Rivera-Lugo: Nolina excelsa (Nolinaceae) a new species of Oaxaca, Mexico. In: Botanical Sciences. Band 90, Nr. 1, 2012, S. 21–25 (doi:10.17129/botsci.382). Nolina orbicularis L. Hernández-Sandoval: Dos especies nuevas de Nolina (Asparagaceae) del centro de México. In: Phytoneuron. 2019, Nr. 12, S. 1–9 (PDF) Nolina robusta

Die in der Checkliste des Royal Botanic Gardens KewArtenliste bei Kew Checklists, abgerufen am 20. Juli 2010. geführten Arten Nolina juncea und Nolina rigida sind laut Fritz Hochstätter unklar und benötigen weitere Untersuchungen.

Botanische Geschichte Die von André Michaux 1803 aufgestellte Gattung blieb lange Zeit monotypisch. Die einzige Art war Nolina georgiana. Gemäß Linnés Sexualsystem der Pflanzen ordnete Michaux die Gattung aufgrund der sechs gleich langen Staubblätter in die „Klasse Hexandria“ ein. Eine zweite 1843 von Justus Karl Haßkarl beschriebene Art (Nolina javanica) war lediglich ein Synonym für die seit 1810 bekannte Art Chlorophytum laxum.