Winnerod ist der nach Einwohnerzahl kleinste Ortsteil der Gemeinde Reiskirchen im mittelhessischen Landkreis Gießen. Der Ort liegt östlich des Hauptortes in Oberhessen. Im Norden verläuft die Bundesautobahn 5, im Westen die Landesstraße 3129.

Ortsgeschichte Archäologische Funde in der Gemarkung lassen auf eine Besiedlung bereits zur Bronzezeit schließen. Mittelalter Die Ersterwähnung des Orts erfolgte im Jahr 1252, als ein „Gerlacus Plebanus de Winerode“ urkundlich genannt wird.Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. AUB. Darmstadt 1851. Nr. 61, S. 43. 1275 wird erstmals eine Kirche genannt: „ecclesie in Wenderode“.Ludwig Baur: AUB Nr. 1037, Darmstadt 1851. Nr. 145, S. 92. 1370 heißt es „zu Winderade“.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 1037, S. 688. Der Ortsname Winnerod wird in der Namensforschung als „Slavensiedlung“ oder „Siedlung des Windo“ gedeutet.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 403 f, S. 404. Der Name „Slave“ stammt von ahd. winid, mhd. wint ab.Grimm: Deutsches Wörterbuch 14,2, Spalte 277. Außerdem ist der Einsatz slavischer Höriger und slavischer Freier beim Landesausbau des Stiftes Fulda mehrfach überliefert.Lutz Reichardt: Siedlungsnamen, S. 401.

Die Kirche in Winnerod geht auf das 12. Jahrhundert zurück und besteht aus einem spätromanischen Langschiffbau und einem romanisch-gotischen Chor.

Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Winnerod:

Bis zur Übernahme des Patrimonialgerichts durch das Großherzogtum Hessen 1821 gehörte dieses den Freiherren Schenck zu Schweinsberg.Winnerod, Landkreis Gießen. In: LAGIS: Historisches Ortslexikon; Stand: 15. Januar 2019.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 31. Dezember 1970 fusionierten die bis dahin selbständigen Gemeinden Reiskirchen, Hattenrod, Saasen und Winnerod im Zuge der Gebietsreform in Hessen freiwillig zur neuen Großgemeinde Reiskirchen. Für die eingegliederten Gemeinden wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Winnerod angehört(e):

1315: Vogtei Winnerod und Reiskirchen 1538: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Grünberg, Vogteigericht Winnerod ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Grünberg, Landgericht Grünberg, Vogteigericht Winnerod Die Zugehörigkeit des Amtes Grünberg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Grünberg, Landgericht Grünberg, Vogteigericht Winnerod (ab 1782 der Freiherrn von Zwierlein) ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Grünberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Grünberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Grünberg1823: Trennung zwischen Justiz (Landgericht Grünberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1861: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Reiskirchen ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Reiskirchen ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Reiskirchen ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Gemeinde Reiskirchen

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Winnerod das Patrimonialgericht der Freiherrn von Zwierlein zuständig.

Im Großherzogtum Hessen wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1821 bis 1861 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Winnerod zuständig war. Übergangsweise bis 1823 im Namen der Herren des Patrimonialgerichts. 1861 wurde Winnerod dem Bereich des Landgerichts Gießen zugeteilt. Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Gießen“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Winnerod 39 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 6 Einwohner unter 18 Jahren, 12 zwischen 18 und 49, 12 zwischen 50 und 64 und 9 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 18 Haushalten. Davon waren 6 Singlehaushalte, 6 Paare ohne Kinder und 3 Paare mit Kindern, sowie 3 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 3 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 12 Haushalten lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1577: 7 Hausgesesse (mit Weithausen) • 1742: ein Geistlicher/Beamter, 6 Untertanen, 5 junge Mannschaften, kein Beisasse/Jude • 1791: 56 Einwohner • 1800: 65 Einwohner • 1806: 69 Einwohner, 12 Häuser • 1829: 94 Einwohner, 11 Häuser • 1867: 69 Einwohner, 6 bewohnte Gebäude • 1875: 33 Einwohner, 4 bewohnte Gebäude

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 79 evangelisch-lutherische (= 84,0 %), 15 mennonitische (= 16 %) Einwohner • 1961: 54 evangelische (= 6,7 %), 27 katholische (= 3,3 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 11 Land- und Forstwirtschaft, 7 Produzierendes Gewerbe, 7 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 6 Dienstleistungen und Sonstige.

Persönlichkeiten mit Bezug zu Winnerod Wladimir Ernst Graf zu Münster von Derneburg (1886–1954), Oberstleutnant und Landwirt Irmgard Gräfin zu Münster, geborene von Trützschler Freiin zum Falkenstein (1891–1967) Franz Oswald Wladimir Graf zu Münster Freiherr von Grothaus (1917–2003), Fotograf, LandwirtGustav Ernst Köhler: Weihnacht 45. Die Geschehnisse in Winnerod. In: Heimatbrief 2, 2009, Heimatgeschichtliche Vereinigung Reiskirchen e. V. (Hrsg.), S. 3–6. Auf: hgv-reiskirchen.de, abgerufen am 23. April 2017

Literatur Gustav Ernst Köhler: Geschichte von Winnerod, Schriftenreihe der Heimatgeschichtlichen Vereinigung Reiskirchen e. V., Reiskirchen 2010

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Geographie (Reiskirchen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Ersterwähnung 1252 Kategorie:Gemeindeauflösung 1970