St. Vitus ist die katholische PfarrkircheBistum Augsburg in Weichering im oberbayerischen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen.

Kirchengeschichte mini|Ein Blick auf den Ort Weichering Die Kirche ist dem heiligen Vitus geweiht. Ein Gotteshaus in Weichering wird erstmals im Jahre 1316 in einer Urkunde erwähnt. Zum Pfarrsprengel in Weichering gehörte der Ort selbst, aber auch Hagau, Lichtenau, der Haghof bei Rohrenfeld, sowie die Orte Rohrenfeld und Bruck.

Herzog Georg der Reiche von Landshut stiftete 1494 in Ingolstadt das Collegium Georgianum für den Priesternachwuchs. 1496 verlieh der Herzog dem Georgianum das Patronatsrecht für Weichering. Dies bedeutete unter anderem, dass es das Präsentationsrecht (Vorschlagsrecht) für die Geistlichen in dieser Pfarrei innehatte. Im Mai 1800 wurde das Georgianum zusammen mit der Universität Ingolstadt nach Landshut verlegt und 1826 kamen beide Institutionen nach München. Das Georgianum besteht immer noch als Priesterseminar. Das Vorschlagsrecht für die Geistlichen besitzt das Münchner Priesterseminar bis heute.

Alte Kirche mini|Die alte Kirche und das Schloss auf einem erhaltenen Altarblatt Während des Dreißigjährigen Krieges sollen die Schweden die Kirche in Weichering stark beschädigt haben. 1649 ist festgehalten, dass vor allem die Sakristei einsturzgefährdet war. 1675 war das Kirchendach schadhaft, es regnete herein und die „Kirchen ornamenta“ litten darunter.

Erst 1725 bewegte sich unter Pfarrer Georg Miller etwas hinsichtlich einer Renovierung. Kirchturm und Kirche bekamen einen neuen Dachstuhl, auch innen wurde Hand angelegt. Hierzu wurden Eichen aus dem Heilingholz gefällt, doch zum größten Teil wurde das Bauholz aus dem Niederarnbacher Forst gekauft. Der Seelsorger finanzierte die Arbeiten zum Teil aus eigenen Mitteln, teils aus Sammlungen.

Am 10. März 1847 war der Zustand der Kirche wiederum sehr schlecht, große Schneemassen und Stürme hatten dem Gebäude stark zugesetzt. Bei einer Verzögerung der Reparatur würde auch das Leben der Kirchenbesucher gefährdet, ist in einem Zustandsbericht festgehalten. Die südliche Längswand war stark nach innen gedrückt und die nördliche nach außen, es stand eine Einsturzgefahr zu befürchten. Dennoch kam es nicht zu einem Kirchenbau.

Kirchenneubau mini|Die Pfarrkirche etwa um 1950 1887 übernahm Pfarrer Bernhard Käufel die Pfarrei Weichering. Die Kirche war zu jener Zeit baufällig, der Hochaltar war nicht mehr zu gebrauchen, die Orgel unspielbar und die Betstühle zum Teil verbrannt.

1894 gründete Käufel einen Kirchenbauverein und legte damit den finanziellen Grundstein für den Kirchenbau. Die Platzfrage war das nächste Problem, es musste ein neues Grundstück gefunden werden. Am 2. Mai 1898 schrieb der Pfarrer in einem Brief:

Doch diese Schwierigkeiten konnten überwunden werden. Am Samstag, den 15. Juni 1901 feierte die Pfarrgemeinde am Patrozinium „St. Vitus“ die Grundsteinlegung des neuen Gotteshauses im Zentrum des Dorfes. Die Bauarbeiten hatten zu diesem Zeitpunkt schon begonnen, die Fundamente waren bereits ausgeschachtet.

Während der Bauarbeiten wurde Pfarrer Käufel 1901 als Domkapitular nach Augsburg berufen. Sein Nachfolger Pfarrer Joseph Thuma sollte das Werk vollenden.

Am Samstag, 18. Juli 1903, erfolgte die Weihe der neuen Kirche durch den Augsburger Bischof Maximilian von Lingg. Bereits am Freitag wurden in einer feierlichen Prozession die Reliquien von der alten in die neue Kirche gebracht. Bischof Lingg übernahm den Weiheakt unter der Assistenz von 16 Geistlichen. Domkapitular Bernhard Käufel war als Festprediger anwesend.

Der Kirchenbau kostete statt der zunächst veranschlagten 76.000 Mark insgesamt über 90.000 Mark, ohne die unentgeltlich geleisteten Hand- und Spanndienste mit einzurechnen. Ein Großteil davon wurde durch ein von der Gemeinde aufgenommenes Darlehen finanziert, das Anfang der 1940er Jahre vollständig zurückgezahlt war.

Kirchenbeschreibung mini|In der Eingangshalle der Kirche der See Genezareth aus der Renovierung von 1956 mini|Der Hochaltar in der Pfarrkirche Weichering seit der Renovierung von 1989 mini|links|Weicheringer Kirche, geschmückt zum 50-jährigen Jubiläum Die Kirche St. Vitus bildet das Wahrzeichen von Weichering. Sie zeigt sich von außen als ein unverputzter roter Klinkerbau im neuromanischen Stil, was ungewöhnlich für diesen Landstrich anmutet. Der Kirchturm wird von einer Rhombenhaube bekrönt.

Der Kirchvorplatz wurde in den Jahren 2005 und 2006 neu gestaltet. Auch das Kriegerdenkmal aus den fünfziger Jahren in der unmittelbaren Nähe der Kirche wurde durch ein neues ersetzt.

Die Vorhalle ist mit massiven Eichentüren ausgestattet. Links und rechts über den beiden Eingangstüren ist die Vorhalle geschmückt mit den beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus. Über dem großen Eingang befindet sich ein Bild vom See Genezareth. Das Innere der Kirche ist mit drei Altären bestückt. Am Hochaltar findet sich eine Darstellung des Schutzpatrons St. Vitus, diese Figur stammt noch aus der Vorgängerkirche. Links davon steht ein Muttergottesaltar und rechts einer des Heiligen Josef. Der Reichsfreiherr Theodor von Cramer-Klett jun. stiftete den Hochaltar, er galt als ein Freund von Pfarrer Käufel. Für die Wandmalerei bekam der Münchner Künstler und Jugendstilmaler Franz Hofstötter (1871–1958) den Auftrag. Der Bildhauer und Kunstprofessor Sebastian Osterrieder (1864–1932) schuf die Altäre. Osterrieder wurde wegen seines Krippenschaffens auch „Krippen-Wastl“ genannt. Wohl aus diesem Grunde sind im Marienaltar eine Krippenszene und die Flucht nach Ägypten als Holzreliefs eingefügt.

Im Jahr 1956 fiel einer großen Renovierung vieles von der Kirchenausstattung zum Opfer. Die Altaraufbauten wurden entfernt, die Kirchenwände übermalt und Bilder in Fliesenmosaik gestaltet, darunter auch der Kirchenpatron St. Vitus. Der Kunst- und Kirchenmaler Michael P. Weingartner aus Pfaffenhofen hatte diesmal den Auftrag bekommen. Über dem Hochaltar wurde Christus als König angebracht, geschmückt mit einem farbenprächtigen Königsmantel. Die gesamte Renovierung wurde damals als gut gelungen bezeichnet und die Rede war von einer Sehenswürdigkeit in der hiesigen Kirche.

Da die veränderte Ausstattung jedoch wenig Anklang fand, wurde 1987 abermals eine Renovierung eingeleitet. In zweijähriger Arbeit wurden die ursprünglichen Gemälde wieder freigelegt und das Innere der Kirche wurde wieder in den Zustand von 1903 versetzt.

Zum Abschluss der Renovierung bekam der Sakralbau noch einen Volksaltar aus Juramarmor, den der akademische Bildhauer Franz Hämmerle aus Windach/Ammersee schuf. Im Volksaltar wurden die Reliquien der heiligen Christina und anderer Märtyrer in dem Stein versiegelt.

Antoniuskapelle mini|Die Antoniuskapelle am Platz der einstigen Kirche mini|links|Der Altar der Antoniuskapelle mit St. Anton und der Marienstatue Die kleine Kapelle, St. Anton geweiht, steht auf dem Platz der alten Kirche. Pfarrer Josef Thuma war Ideengeber, Initiator und Bauherr.

Um Kosten zu sparen, diente das Turmfundament als Grundmauer. Das Abbruchmaterial des Turmes war wieder Baumaterial, ebenso wurde alles verwendet, was noch brauchbar war, wie Holz oder Solnhofener Platten und Türstöcke. Mehrere Bürger erklärten ihre Bereitschaft, Hand- und Spanndienste zu leisten. Am 22. November 1905 genehmigte das Ordinariat in Augsburg das Bauvorhaben. Der Kapellenbauer konnte der Auflage nachkommen, den erforderliche Betrag von 810 Mark vor der Bauvergabe in bar zu hinterlegen. Im Frühjahr 1906 begann der Kapellenbau. Schon am 7. April 1906 stand der Rohbau, am 2. Januar 1907 war die Kapelle fertiggestellt.

Die Decke der Kapelle ziert ein ehemaliges Altarbild mit dem Weicheringer Schloss. Weiter fand eine Muttergottesstatue als Nachbildung der österreichischen Wallfahrtskirche Mariazell hier ihren Standort. Die Echtheit der Nachbildung ist im Pfarrarchiv belegt. In der Kapelle sind die Namen der Weicheringer Priester in Stein gemeißelt. Auf der Kapellenrückseite wird daran erinnert, dass bis 1903 an diesem Ort die Kirche stand und bis 1881 die Kirche von einem Friedhof umgeben war.

1912 erfolgte eine weitere Ergänzung, um die Kapelle wurde ein Kreuzweg errichtet. Die Entwürfe dazu kamen von Professor Klein aus München. Bei einer späteren Umgestaltung des Kapellenplatzes wurde der schadhafte Kreuzweg wieder entfernt. Das Gelände wurde um 2000 nochmals umgestaltet.

Glocken mini|Die neuen Glocken vor der Weihe mini|Die Weihe der neuen Glocken, links Pater X. Steinherr, rechts Pfarrer Paul Heggenstaller Kirchenglocken werden zuerst 1599 erwähnt. Zu jener Zeit war die große Glocke zerbrochen, die kleine war ebenfalls schadhaft. Damit müssen am Ende des 16. Jahrhunderts mindestens zwei Glocken im Turm gehangen haben. Die beiden schadhaften Glocken wurden 1600 in eine einzige, acht Zentner (400 kg) schwere Glocke umgegossen. Hinzu kam eine der vier Glocken aus Bergheim, von denen stets nur drei geläutet wurden.

Im Jahr 1874 wurden drei neue Glocken angeschafft, die von der Glockengießerei Eduard Becker in Ingolstadt gefertigt wurden. Die große Glocke wog 776 kg und war dem Hl. Vitus geweiht, die zweite mit einer Masse von 450 kg dem Hl. Joseph und die dritte mit 260 kg der Mutter Gottes. Diese Glocken wurden 1903 in die neue Kirche übernommen. Pfarrer Kaeufel stiftete eine vierte von 150 kg hinzu, die der Heiligen Kreszentia von Kaufbeuren geweiht und vom Glockengießer Georg Bachmaier aus Ingolstadt gegossen wurde. Das Geläut hatte die Tonfolge F – A – C – D.

Im Ersten Weltkrieg blieben die Glocken verschont. Im Zweiten Weltkrieg mussten jedoch – ungeachtet Ersuchens und Einspruchs – die drei großen Glocken am 10. Juli 1942 vom Turm genommen und abgeliefert werden. Die Schalllöcher waren zu klein, um die beiden großen Glocken durch diese Öffnung ins Freie zu transportieren, daher wurden diese zwei im Turm zerschlagen. Kurz darauf sprang auch die verbliebene vierte Glocke entzwei, wodurch das Geläute vollends verstummte.

Bereits kurz nach Kriegsende wurde Kupfer und Zinn für neue Glocken beschafft. Im Januar 1946 ließ der aus Weichering stammenden Salesianerpater Xaver Steinherr über den Domkapellmeister Theobald Schrems in Regensburg das benötigte Material im doppelten Gewicht des zuvor abgelieferten sammeln. Die Glockengießerei Karl Hamm in Regensburg erhielt den Auftrag, für Weichering fünf und für Lichtenau vier Glocken zu gießen sowie eine weitere Glocke nach Karlshuld zu liefern. Jedoch misslang der erste Guss im November 1946 aus ungeklärter Ursache, und so fand im Januar 1947 ein neuer Guss statt. Am 25. Januar wurden die neuen Glocken nach Weichering und Lichtenau gebracht und am nächsten Tag, einem Sonntag, erfolgte die Glockenweihe durch den Ortsgeistlichen Pfarrer Paul Heggenstaller unter der Assistenz von Pater Steinherr.

Da jedoch die Tonfolge nicht wie vereinbart stimmte, mussten zwei Glocken durch neue ersetzt werden. Der Neuguss erfolgte am 15. Mai 1948. Am 3. Juni kamen die neuen Glocken an, und am nächsten Abend ertönte das neue Geläut. Die Tonprüfung fiel diesmal zur Zufriedenheit aus. Das Urteil des Glockensachverständigen Domkapellmeister Reiser aus Augsburg lautete: Die Tonfolge ist D – F – G – A – C.