Controversy ( für Kontroverse) ist das vierte Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Es erschien am 14. Oktober 1981 bei Warner Bros. Records. Stilistisch ist das Album den Genres Contemporary R&B, Funk, New Wave, Pop und Rock zuzuordnen. Im Gegensatz zu seinen vorherigen Alben behandeln die Liedtexte nicht mehr ausschließlich sexuelle Themen, sondern greifen vereinzelt auch gesellschaftskritische Inhalte auf. Als Gastmusikerin wirkte Lisa Coleman mit.
Controversy wurde von Musikkritikern überwiegend positiv bewertet und erreichte kommerziell im Vereinigten Königreich Goldstatus sowie in den USA Platinstatus.
Als Tiefpunkt in Prince’ Karriere gelten zwei Konzerte zur Musikpromotion der Albumveröffentlichung im Oktober 1981 im Vorprogramm von The Rolling Stones, bei denen er vom Publikum ausgebuht wurde. Die anschließende Controversy Tour war hingegen kommerziell erfolgreich.
Entstehung mini|Prince, 1981 Im Frühjahr 1981 bezog Prince ein Ranch-style House in Chanhassen (Minnesota), in dem er bis Januar 1985 lebte.Nilsen (1999), S. 261–262. Sein Toningenieur Don Batts installierte ein 16-Spur-Tonstudio, das bereits für die Aufnahmen zu Dirty Mind (1980) genutzt worden war, und aktualisierte Prince’ Equipment. Im Wohnzimmer des ersten Stockwerks platzierte Prince ein neues Klavier, das mit seinem privaten Heimstudio im Untergeschoss verkabelt war. Den Sommer 1981 verbrachte er überwiegend in dem Heimstudio namens Kiowa Trail Home Studio mit Aufnahmen, wie Schlagzeuger Bobby Z. bestätigte: „Kein Alkohol, keine Drogen. Nichts. Er spielte zwölf Stunden am Tag Musik und hatte ein paar Freundinnen. Das war es.“Nilsen (1999), S. 78.
Alle acht Songs von Controversy nahm Prince 1981 auf. Das Titelstück sowie Annie Christian, Ronnie Talk to Russia und Sexuality entstanden im Frühjahr und Sommer im Kiowa Trail Home Studio. Zudem überarbeitete er Do Me, Baby und Let’s Work: Do Me, Baby war bereits im Februar 1978 in den Music Farm Studios in New York City aufgenommen worden, wobei sein früherer Schulfreund und Bandmitglied André Cymone (* 27. Juni 1958) den Hauptgesang übernahm. Let’s Work hatte Prince ursprünglich im Juli 1979 unter dem Titel Let’s Rock im Mountain Ears Studio in Boulder (Colorado) eingespielt. Unmittelbar danach wollte er das Stück als Single veröffentlichen, ohne ein Album folgen zu lassen; Warner Bros. Records lehnte dies ab. Später bezeichnete Prince diese Meinungsverschiedenheit als eines der ersten Male, bei denen er sich in seiner künstlerischen Freiheit durch das Tonträgerunternehmen eingeschränkt fühlte.Nilsen (1999), S. 79.
In der zweiten Augustwoche 1981 reiste Prince nach Los Angeles (Kalifornien), um die Albumaufnahmen von Controversy im Tonstudio Hollywood Sound Recorders fortzusetzen. Er spielte den Song Jack U Off ein, doch nach wenigen Tagen traten technische Probleme auf, sodass er ab dem 14. August für zehn Tage das nahegelegene Tonstudio Sunset Sound mietete. Bobby Z. und Keyboarder Dr. Fink wurden aus Minneapolis (Minnesota) eingeflogen, um Prince bei Jack U Off zu unterstützen. Als Toningenieurin fungierte Peggy McCreary, die bis 1986 an einigen Prince-Aufnahmen beteiligt war. Am 16. August 1981 nahm Prince mit Private Joy das letzte Stück für das Album auf, wobei er erstmals einen Linn LM-1 Drumcomputer einsetzte. Dadurch war er künftig noch weniger auf Mithilfe anderer Musiker oder Techniker angewiesen. Ursprünglich hieß der Song Dear Uncle George, wurde jedoch von Prince in Private Joy umbenannt.Nilsen (1999), S. 82.Hahn (2016), S. 68–69.
Im August 1981 mischte Prince alle zuvor aufgenommenen Songs für Controversy im Sunset Sound ab und ergänzte sie mit Overdubs. Lisa Coleman, die damals in Los Angeles lebte, übernahm die Backing Vocals im Titelstück und in Ronnie, Talk to Russia. Am 23. August 1981 stellte Prince das Album im Sunset Sound endgültig fertig.Nilsen (1999), S. 80.
Im Herbst 1981 nahm Prince im Kiowa Trail Home Studio das A-cappella-Stück The Second Coming auf, das als Intro seiner Controversy Tour diente, jedoch bis heute (2026) auf keinem Tonträger veröffentlicht wurde. Die Maxiversion von Let’s Work spielte Prince am 8. Dezember 1981 im Sunset Sound ein.
Gestaltung des Covers Auf dem Frontcover ist Prince in einem lavendelfarbenen Trenchcoat mit Nieten zu sehen; ein Anstecker trägt die Aufschrift „Rude Boy“ („unhöflicher Junge“). Auf Vorder- und Rückseite des Covers sind erfundene Fake News der fiktiven Zeitung The Controversy Daily abgedruckt, darunter „Annie Christian Sentenced to Die!“, („Annie Christian zum Tode verurteilt!“), „President Signs Gun Control Act“ („Präsident unterzeichnet Waffenkontrollgesetz“) und „Lingerie – New Fashion Trend“ („Unterwäsche – der neue Modetrend“). Weitere Schlagzeilen lauten „Love Thy Neighbor“ („Liebe deinen Nächsten“) und „Do You Believe in God“ („Glaubst du an Gott“). Eine Rückcover-Überschrift lautet „Joni“, ein Hinweis auf Joni Mitchell, die Prince musikalisch inspiriert hatte.Greenman (2017), S. 146.Uptown (2004), S. 529.
Die LP-Innenhülle und das CD-Booklet sind schlicht gestaltet und enthalten weder Fotos noch Liedtexte. Bei Jack U Off verwendet Prince erstmals die Schreibweise „u“ statt „you“.
Musik und Liedtexte mini|Bei Private Joy setzte Prince erstmals in seiner Karriere einen Linn LM-1-Drumcomputer ein. Das Album verbindet Contemporary R&B, Funk, New Wave, Pop und Rock miteinander, zudem sind Einflüsse von Rockabilly erkennbar.Uptown (2004), S. 366. Prince spielte wie gewohnt sämtliche Musikinstrumente selbst, doch bei Jack U Off trat erstmals eine Begleitband auf: Neben Prince übernahmen Bobby Z. Schlagzeug und Dr. Fink sowie Lisa Coleman das Keyboard.
Das Album ist spärlich instrumentiert, die Arrangements wirken jedoch voller und ausgefeilter als auf Prince‘ vorherigen Alben. Zentral ist der Oberheim-Synthesizer, mit markanten Synthesizer-Linien und Fills. Die Gitarre tritt stärker hervor und liefert in Ronnie, Talk to Russia und Jack U Off „dreckige“ Rockakkorde; abgehackte Rhythmusgitarren-Licks prägen das Titelstück und Sexuality.
Controversy erschien 1981 bei Warner Bros. Records und wurde als „musikalische Empörung und aufrichtige Erklärung gegensätzlicher Ansichten“ beworben. In den Liedtexten behandelt Prince nicht nur sexuell orientierte Themen, wie auf seinen drei Vorgängeralben, sondern auch ernste, nachdenklich stimmende Inhalte. Er verlässt erstmals seinen charakteristischen Falsettgesang und erkundet auch die tieferen Bereiche seiner Stimme. Die meisten Texte singt er melodisch vertont, im Titelstück und in Annie Christian ist er jedoch stellenweise im Sprechgesang zu hören.Hahn (2016), S. 68.Hill (1989), S. 133. Controversy Das Titelstück verbindet Funk und Rock mit Einflüssen von New Wave. Die Strophen basieren auf einem Rhythmusgitarren-Lick und einem Synthesizer, der die auf vier Noten beschränkte Melodie dupliziert. Der Refrain folgt einer absteigenden Drei-Akkord-Progression. Eine pumpende, eintönige Bassgitarre erzeugt einen teils roboterhaft wirkenden Disco-Beat. Im Liedtext reagiert Prince auf wiederkehrende Fragen US-amerikanischer Medien – etwa zu Hautfarbe, hetero oder schwul, Glauben an Gott oder an sich selbst – ohne Antworten zu geben. Stattdessen drückt er Verwunderung und Verwirrung über die öffentliche Neugier aus. Zudem zitiert er das Vaterunser im Sprechgesang.Hill (1989), S. 132.Hahn (2016), S. 71.Uptown (2004), S. 367. Sexuality Der Song gehört ebenfalls zu Funk und Rock. Sexuality orientiert sich eng an der musikalischen Struktur von Controversy und ähnelt in Tempo und Arrangement. Unterscheidend ist die schnelle, lebendige Synthesizer-Bassline. Ein funkiges Rhythmusgitarren-Lick prägt die Strophen, die Prince mit einem schnellen Refrain verbindet, bei dem die Synthesizer dominieren. Im Text beschreibt er eine Welt frei von radikalen, sexuellen und sozialen Vorurteilen. Die Bewohner nennt er „New Breed“ („Die neue Rasse“) und formuliert: „Sexualität ist alles, was du jemals brauchen wirst. Sexualität, lass deinen Körper frei sein“. Do Me, Baby Die R&B-Ballade gilt als Blaupause für viele spätere Balladen von Prince. Seine ausdrucksstarke Falsettstimme wird von synthetischen Streichinstrumenten, Klavier und einer melodisch-rhythmischen Basslinie getragen. Der Song basiert auf einer einfachen Drei-Akkord-Sequenz, die sich durchgehend wiederholt; Prince steigert die Musik allmählich zum Höhepunkt, hält dann inne und baut sie erneut auf. Der Text handelt vom Streben nach und Genuss von Sex, wobei „being done“ als Euphemismus für das Liebesspiel dient. Am Ende zittert er am gesamten Körper, simuliert einen Orgasmus und sagt: „Mir ist so kalt, halt mich einfach fest“. Private Joymini|Der Song Ronnie, Talk to Russia richtet sich an Ronald Reagan (1981). Das Stück ist ein fröhlicher, beschwingter Pop-Song, getragen von einer Synthesizer-Phrase und einer markanten, synkopierten Basslinie. Die Synthesizer dominieren, gegen Ende treten raue, hektische Gitarrensoli hinzu. Der Linn LM-1-Drumcomputer liefert einen einfachen Beat und Handclaps. Der Text beschreibt eine besitzergreifende Beziehung und wurde von seiner damaligen Freundin Susan Moonsie (* 21. Januar 1964) inspiriert. Prince lernte sie auf der High School kennen und integrierte sie 1982 als Mitglied der von ihm gegründeten Girlgroup Vanity 6.Nilsen (1999), S. 261.Hahn (2016), S. 69. Ronnie, Talk to Russia Der rasante Zwei-Akkord-Rocker weist stärkere New-Wave-Einflüsse auf als alle anderen Songs des Albums. Der Text ist ein Appell von Prince an „Ronnie“, Ronald Reagan – 1981 Präsident der Vereinigten Staaten –, der mit der Sowjetunion Frieden schließen sollte.Hahn (2016), S. 70. Let’s Work Der Funk-Song wird von einer markanten Basslinie getragen. Raues Gitarrenspiel ergänzt den Groove, der von Schlagzeug und Handclaps geprägt ist. Der Text handelt ausschließlich von Sex und Wollust; Prince trifft eine Frau, mit der er Sex haben will, wobei „work“ als Synonym für „fuck“ dient.Hahn (2016), S. 70. Annie Christian Der unorthodoxe Song Annie Christian wird von Synthesizern dominiert. Er ist in Moll geschrieben, und Prince singt in normaler Stimmlage über bedrohliche Gitarren, kühle Synthesizer und einen sanften, durch Handclaps verstärkten metronomischen Rhythmus. Im gesellschaftspolitischen Text betrachtet er Antichristen als treibende Kraft hinter dem Bösen in der Welt. Im Sprechgesang kündigt er an, sein Leben in Taxis zu verbringen, bis die fiktive Annie Christian gekreuzigt wird, und vermittelt so das Gefühl, in einer Zeit sinnloser Gewalt und Verwirrung zu treiben. Zudem zitiert Prince reale Schlagzeilen, darunter die Ermordung von John Lennon und das Attentat auf Ronald Reagan. Der Text erinnert an Gil Scott-Heron, dessen Spoken Words soziales und politisches Bewusstsein thematisieren und ihn zu einem Wegbereiter von Hip-Hop und Rap machen.Hill (1989), S. 134. Jack U Off Der letzte Song ist ein trashiger Drei-Akkord-Rocker mit markanter Synthesizer-Leadline auf einem achttaktigen Blues-Muster. Das schwungvolle Stück zeigt Einflüsse des Rockabilly. Der Text ist eine heitere Ode auf Masturbation; Prince beschreibt, wie er seiner Freundin „einen Runterholen“ möchte, egal ob im Auto, Kino, Restaurant oder bei Nutzung eines „Masturbators“.Hahn (2016), S. 68–70.Hill (1989), S. 135.
Titelliste und Veröffentlichungen #TitelDauer1Controversy7:152Sexuality4:213Do Me, Baby7:424Private Joy4:375Ronnie, Talk to Russia1:516Let’s Work3:537Annie Christian4:238Jack U Off3:09 Spieldauer: 37:15 min.Autor aller Songs ist Prince Controversy erschien in den USA am 14. Oktober 1981.Parke (2017), S. 214. Es erschien zunächst auf LP und MC, später auch auf CD und als Download.
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