mini|hochkant|Alexander Šumski Alexander Šumski (in Deutschland meist Alexander Sumski, rumänisch Alexandru Șumski; * 26. November 1933 in Timișoara, Königreich Rumänien; † 23. Juli 2022 in Tübingen, Deutschland) war ein rumänisch-deutscher Musikwissenschaftler, Pianist, Dirigent, Komponist und ehemaliger Universitätsmusikdirektor in Tübingen.

Leben und Wirken Alexander Šumski erhielt seine musikalische Ausbildung in den Fächern Klavier, Kompositionslehre und Dirigieren an der Hochschule für Musik Bukarest; Meisterkurse bei Franco Ferrara in Siena und Venedig ergänzten seine dirigentische Ausbildung. 1984 promovierte Šumski an der Universität Hamburg im Fach Musikwissenschaft über das Thema „Studien zur rumänischen Kirchenmusik“.

Seine musikalische Laufbahn begann Šumski als Konzertpianist in seinem Heimatland Rumänien. Als Dirigent übernahm er 1960 die Leitung des Rumänischen Rundfunkchores in Bukarest, 1964 wurde er Leiter der Banater Philharmonie, 1968 Chefdirigent des Akademischen Sinfonieorchesters Bukarest. Zugleich unterrichtete Šumski als Dozent der Bukarester Musikhochschule Musiktheorie und Solfège.

1972 übersiedelte Šumski nach Deutschland und war bis 1999 Universitätsmusikdirektor in Tübingen. Zu seinen Aufgaben gehörte neben einem Lehrauftrag am musikwissenschaftlichen Institut die Leitung des Sinfonieorchesters der Universität und des Universitätschores.

Mit dem Sinfonieorchester der Universität führte Šumski nahezu alle Schlüsselwerke des symphonischen Repertoires auf. Zahlreiche Solisten von Weltrang, u. a. Anne-Sophie Mutter, Bruno Leonardo Gelber, Helen Donath, Barry Tuckwell, David Geringas, Emmanuel Krivine und Gerhard Oppitz musizierten unter Šumskis Leitung mit dem studentischen Orchester.

1973 gründete Alexander Šumski die Camerata vocalis, den Kammerchor der Universität. Die außergewöhnliche technische Flexibilität, die reiche Palette an Klangfarben und die überzeugende stimmliche Leistung machten die Camerata zu einem wichtigen musikalischen Botschafter der Tübinger Universität. Konzerte und gemeinsame Musikprojekte führten die jungen Sänger in nahezu alle europäischen Länder und seit Beginn der 1980er Jahre regelmäßig auf den afrikanischen Kontinent. Zahlreiche Aufnahmen und Rundfunksendungen mit dem Südwestfunk Baden-Baden oder mit Radio France – France Musique in Paris zeugen von dem großen Erfolg der Camerata.

Interdisziplinäre Veranstaltungen mit bedeutenden Professoren der Universität, wie Hans Küng (Mozarts Klarinettenkonzert, Brückners 8. Symphonie), Hansmartin Decker-Hauff (Brittens „Young Person’s Guide“) und dem Slawisten Ludolf Müller (Tschechow und Tschaikowski), machten das Collegium musicum zu einem wichtigen Partner im neu geschaffenen Studium generale.

Šumski machte sich zur Aufgabe, junge Solisten zu fördern. So debütierte die damals 11-jährige Anne-Sophie Mutter 1975 mit Mendelssohns Violinkonzert im Tübinger Festsaal, begleitet von den Tübinger Studenten.

Von 1985 bis 2005 betreute er die Reihe „Forum junger Interpreten“, einer Konzertreihe an der Kreissparkasse Reutlingen.

Von 1978 bis 1980 war Šumski neben seiner Tübinger Tätigkeit Chordirektor beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg.

Zusammen mit verschiedenen Kammerensembles unterschiedlicher Besetzung leitete Šumski zahlreiche Tübinger Erstaufführungen, darunter Stravinskis „Geschichte vom Soldaten“, Schönbergs „Pierrot lunaire“ oder Poulencs Orgelkonzert.

Mehrere Jahre leitete Šumski auch das Tübinger Kammerorchester. Zudem wurde er als Gastdirigent zahlreicher renommierter Sinfonieorchester eingeladen, unter anderem beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg und Hannover, beim Orquesta National in Caracas, bei den Minsker Philharmonikern oder beim Nationalorchester des Rumänischen Rundfunks in Bukarest. Auch leitete er Konzerte bedeutender internationaler Musikfestivals, so beim Amazonas-Festival in Manaus, beim Enescu-Festival in Bukarest, beim Festival für Geistliche Musik in Riga und beim Bodenseefestival. Tourneereisen führten ihn in viele Länder Europas, nach Nord- und Südamerika sowie nach Afrika, Asien und Australien.

Als Musikwissenschaftler widmete sich Alexander Šumski zunächst der byzantinischen Musik, insbesondere der rumänischen Psaltikie und der geistlichen Chormusik rumänischer Komponisten.

Seit den 1980er Jahren liegt der Schwerpunkt seiner musikwissenschaftlichen Tätigkeit auf der Erforschung, Bearbeitung und Wiederaufführung von Werken oberschwäbischer Klosterkomponisten des 18. Jahrhunderts. In der von Šumski 1986 ins Leben gerufenen Forschungs- und Editionsstelle für oberschwäbische Klostermusik an der Universität Tübingen wurden bis 2005 nahezu 300 Kompositionen aus den ehemaligen Klöstern Oberschwabens neu entdeckt, bearbeitet und der modernen Aufführungspraxis angepasst. Unter Šumskis Leitung wurden sie an den jeweiligen Entstehungsorten aufgeführt, im Studio des Südwestrundfunks Baden-Baden produziert und als CDs in der Reihe „Musik in oberschwäbischen Klöstern“ bei Orchestrola/da music herausgebracht.

Ehrungen Die Universität Tübingen verlieh Šumski den Titel eines Professors. 2005 wurde Alexander Šumski mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet, 2008 wurde er Ehrenbürger seiner rumänischen Heimatstadt, 2011 erhielt er von Papst Benedikt XVI. die Würde eines Komturs des Ordens des Hl. Silvester. Die Ehrenmitgliedschaft in der Nikolaus-Betscher-Gesellschaft Berkheim wurde ihm 2021 verliehen.

Ehrenamtliche Tätigkeiten Alexander Šumski war ehrenamtlich aktiv als Mitglied des erweiterten Bundesvorstands des Deutschen Komponistenverbands. Zudem arbeitete er in zahlreichen Verbänden mit: u. a. als Kuratoriumsmitglied der Internationalen Schulmusikakademie Schloss Kapfenburg, als Mitglied des Kuratoriums „Jugend komponiert“ im Landesmusikrat Baden-Württemberg, als Kurator der Deutsch-Italienischen Kulturgesellschaft (ACIT) Venedig. Von 1998 bis 2014 war er Mitglied des Rundfunkrats des Südwestrundfunks.

Nach dem Eintritt in den Ruhestand setzte Sumski seine berufliche Tätigkeit sowohl als Praktiker als auch als Musikwissenschaftler fort. Er leitete noch bis 2005 die Forschungs- und Editionsstelle für oberschwäbische Klostermusik an der Universität Tübingen. Unter seiner Ägide wurden alle Partituren und Editionsmaterialien zur oberschwäbischen Klostermusik in der Diözesanbibliothek Rottenburg untergebracht. Als Musikwissenschaftler und Dirigent blieb Šumski weiterhin tätig.

Werke Musikwissenschaft (Auswahl) Studien zur Rhythmik der rumänischen Folklore. 104 Übungen für Studenten der Musikhochschule. Kultusministerium, Bukarest 1965. Theoretikon der rumänischen Psaltikie. Verein für Ostkirchliche Musik, Flüeli-Ranft 1982, ISBN 978-3-909097-01-2. Studien zur rumänischen Kirchenmusik um 1900. Dumitru Georgescu Kiriac und der neo-modale Stil. Verein für Ostkirchliche Musik, Gersau 1986, ISBN 978-3-909097-02-9. Ulrich Siegele (Hrsg.): Oberschwäbische Klostermusik im europäischen Kontext. Alexander Sumski zum 70. Geburtstag. Peter Lang, Frankfurt am Main usw. 2004, ISBN 978-3-631-51906-6.

Tonträger (Dirigent Šumski) Langspielplatten Haydn, Symphonie Nr. 6, „Der Morgen“, A. Marcello, Oboenkonzert, Mozart, Symphonie 24, KV 182, Radu Chişu, Oboe, Das Akademische Orchester Bukarest, Dirigent Alexandru Şumski, ECE 0630, 1965 Couperin, Pièces en Concert, Vivaldi, Konzert für Cello und Streicher in h-Moll, Radu Aldulescu, Violoncello, Bukarester Streicher, Dirigent Alexandru Şumski, ECD 1047, 1966 Beethoven, Klavierkonzert Nr. 5, Filarmonica Timişoara, Radu Lupu, Klavier, LP Electrecord, 1967 Haydn, Marcello, Mozart, Orchestra Accademica Bucureşti, LP, Electrecord ECE 0630, 1968 Grigoriu, Marcello, Vancea, Orchestra Academica Bucureşti, LP, Electrecord C.S./1, 1968 Tschaikowski, Rococo-Variationen, Saint-Saëns, Cello-Konzert, Filarmonica Timişoara, Radu Aldulescu, Violoncello, Electrecord, ECE-0250, 1965 Tschaikowski, Rococo-Variationen, Saint-Saëns, Cello-Konzert, Filarmonica Timişoara, Radu Aldulescu, Violoncello, LP, Audio/Visuals, Barcelona, B-20.1372 Slawische Kathedralchöre, Bortnjanskij, Mokranjac, Rachmaninov, Camerata vocalis der Universität Tübingen, Maxisingle, TABOR 7297, 1975 Crucii Tale, Gesänge der rumänischen Liturgie, Camerata vocalis der Universität Tübingen, Maxisingle, TABOR 7298, 1975 Robert Schumann, Faust-Szenen, NDR-Chor, Einstudierung Alexander Šumski, LP, SWF 66.28186, 1979 Mozart, Klavierkonzert KV 595, Beethoven, Chorfantasie op. 80, Camerata vocalis, Sinfonieorchester der Universität, Robert Alexander Bohnke, Klavier, LP, ATT, 1979 Mendelssohn, „Laudate pueri“, Chor und Sinfonieorchester des NDR, LP, NDR Hamburg, 1982 Liszt, Missa choralis, Camerata vocalis der Universität Tübingen, LP, ATT, 1986

Compact-Disc Stravinski, Suite Nr. 2, Mendelssohn, Violinkonzert, Britten, „The Young Person's Guide to the Orchestra“, Sinfonieorchester der Universität Tübingen, Anne-Sophie Mutter, Violine, CM, 1975 Nikolaus Betscher, 12 Gesellschaftslieder, Camerata vocalis der Universität Tübingen, CD, SWF, 1987 Friedrich Silcher, 4 Chöre a-cappella, Camerata vocalis der Universität Tübingen, CD, Matinee-Konzert KSK Reutlingen, 1997 Afrika singt/Mwana ndi chuma, Chöre aus Togo, Gabun, Kamerun und Malawi, Camerata vocalis der Universität Tübingen, CD, ATT, 1996 Friedrich Silcher, 8 Chöre a-cappella, Camerata vocalis der Universität Tübingen, CD, SWR, 1997 Brahms, Liebesliederwalzer, Neue Liebesliederwalzer, Maria Venuti, Michael Nowak, Klavierduo Stenzl, Camerata vocalis der Universität Tübingen, CD, SWR, 1999 Romania cantat, Romanische Lieder für Chor a cappella, Camerata vocalis der Universität Tübingen, CD, ATT, 1980 Geistliche Chormusik von Liszt, Bruckner und Tschaikowsky, Camerata vocalis der Universität Tübingen, CD, SWR, 2000 G. F. Händel, „Das Alexanderfest“, Cornelia Götz, Sopran, Hans-Jürgen Schöpflin, Tenor, Egbert Junghans, Bass, Matthias Eisenberg, Cembalo/Orgel, Staatschor der Republik Lettland „Latvia“, SWR Sinfonieorchester, Alexander Sumski, Leitung, Bodenseefestival, SWR, 2000 Anton Bruckner, Messe in f-Moll, Maria Venuti, Sopran, Ruth Sandhoff, Alt, Viesturs Jansons, Tenor, Andreas Reibenspies, Bass, Staatschor der Republik Lettland „Latvia“, SWR Sinfonieorchester, Alexander Sumski, Leitung, Bodenseefestival, SWR, 2004 Junge Kammerphilharmonie Temeschburg, Werke von Kayser, Heichlinger und Mozart, Maria Venuti, Sopran, Andreas Reibenspies, Bariton, Anna Erchinger, Klarinette, Dir. Sumski, CD, PSM 260606, 2005 Forum junger Interpreten, 25 Jahre Matinee-Konzerte in der KSK Reutlingen, Felix Mendelssohn Bartholdy, Sinfonia X, Wolfgang Amadeus Mozart, Violinkonzert KV 216, Rosa Neßling, Violine, Camerata Suevica, Dir. Sumski, CD, Bauer Studios, 2010

Musik in oberschwäbischen Klöstern Ehemalige Prämonstratenser-Reichsabtei Rot an der Rot Werke von Nikolaus Betscher Missa in C von 1794, Te Deum in D für Soli, Chor und Orchester, Renate Brosch, Helga Spatzek, Sopran; Sabine Mayer, Alt, Eberhard Schuler-Meybier, Tenor; Ernst-Wolfgang Lauer, Bariton, Richard Anlauf, Bass, Camerata vocalis der Universität Tübingen, Christophorus-Kantorei Altensteig, Mitglieder des SWF Sinfonieorchesters Baden-Baden, Leitung: Alexander Sumski, CD da music 77304, Orchestrola 1991

Ehemalige Prämonstratenser-Reichsabtei Marchtal Werke von Sixt Bachmann und Isfrid Kayser Sixt Bachmann, Fugen Nr. 3 bis 7 aus X Fugues célèbres pour l'orgue ou le clavecin, Isfrid Kayser, Missa Solennis in C für 2 Chöre, Solisten, Orgel und Orchester, Kyrie aus op. II Nr. 6 für Chor, Streicher und Continuo Cantata op. I Nr. 4 „De uno martyre“ für Bass und Orchester