Als Spielhalle, Spielothek, in der Schweiz Spielsalon – in beabsichtigter Annäherung an konzessionierte Spielbanken auch als Casino (z. B. Big Cash-Casino, Automatencasino) – werden Einrichtungen bezeichnet, in denen dem volljährigen Kunden verschiedene Arten von Spielautomaten und Videospielen angeboten werden. Früher bezahlte der Kunde jeweils mehrere Spielversuche einzeln, indem er eine oder mehrere Münzen in das entsprechende Gerät einwerfen musste. Mittlerweile werden in aktuellen Geldspielautomaten Geldscheine als Zahlungsmittel üblich, sodass man gleich ein größeres Guthaben einzahlen kann. Spielhallen machten 2018 deutschlandweit einen Umsatz von 5,48 Milliarden Euro.
Geschichte Die ersten Spielhallen entstanden bereits im späten 19. Jahrhundert, siehe Penny Arcade.
Statistik 2016 gab es in Deutschland 9102 Spielhallenstandorte mit 14.877 konzessionierten Spielhallen und 155.075 Geldspielgeräten, wobei dies gegenüber 2014 einen Rückgang von ungefähr 2 % darstellt.Jürgen Trümper, Christiane Heimann, Arbeitskreis gegen Spielsucht e. V., . Für 2014 siehe auch (in Bezug auf Städte mit mindestens 10.000 Einwohnern) , EurActiv.de, 2015, S. 12 f. 2018 reduzierte sich das Angebot nochmals, und zwar auf 8.836 Standorte, 13.666 Konzessionen und 143.525 Geldspielgeräte.Jürgen Trümper, Christiane Heimann, Arbeitskreis gegen Spielsucht e. V., . Spielhallen unterliegen der Spielautomatensteuer bzw. Spielvergnügungsteuer, deren Höhe von Gemeinde zu Gemeinde variiert. Das Aufkommen an Spielautomatensteuer stieg in den letzten Jahren deutlich von 201 Millionen Euro (2006) auf 1.071 Millionen Euro (2018). Im Jahr 2019 brachte die Spielautomatensteuer 997 Millionen Euro ein.
Im Dezember 2019 eröffnete die EU-Kommission gegen Deutschland ein förmliches Beihilfeprüfverfahren wegen mutmaßlicher finanzieller Beihilfen für WestSpiel, nachdem eine Untersuchung festgestellt hatte, dass Spielbanken in einem unmittelbaren Konkurrenzverhältnis zu Spielhallen stehen.
Spiele Manche Spiele werden nur zum Spaß gespielt (Unterhaltungsgerät), während bei anderen ein Geldbetrag zum Gewinn aussteht (Geldspielgerät). Diejenigen Spiele, die lediglich zum Zeitvertreib dienen, sind in der Regel dementsprechend komplexer, spannender, zeitaufwändiger und/oder interessanter als solche, die wegen des Gewinns gespielt werden. Diese reinen Geschicklichkeitsspiele sind zugunsten der Geldspielgeräte stark auf dem Rückzug.
Arcade-Spiele mini|Arcade-Spiele Bekannte Videospiele haben ihren Ursprung in der Spielhalle, z. B. Night Driver, Space Invaders, Pac-Man, Dig Dug, Frogger, Jungle Hunt, Donkey Kong, Out Run, After Burner, Asteroids. Bekannte Hersteller von Videospielen waren bzw. sind Namco, Sega, Atari, Taito und Nintendo.
Heutige Arcade-Videospiele kommen in der Regel aus den japanischen Spielhallen und erscheinen, wenn überhaupt, in Deutschland nur als Umsetzungen für Spielkonsolen wie Sonys PS2, Microsofts Xbox oder Nintendos GameCube. Vor allem die SEGA Dreamcast war bekannt für ihre vielen Spielhallen-Umsetzungen, da die identische Hardware auch in den Spielhallen-Automaten verbaut war.
Mechanische Spiele mini|Elektro-mechanisches Spiel Championship Fast Draw (1964) Vor den Arcade-Automaten gab es hauptsächlich Flipperautomaten und andere elektromechanische Spielautomaten, die es auch heute noch gibt. Bei vielen Spielen kann der Spieler auch seine Geschicklichkeit und das Reaktionsvermögen mit anderen messen. Beispiele für elektromechanische Spiele sind: Whac-A-Mole (Maulwürfe, die aus Löchern kommen, mit einem Hammer treffen) MotoPolo (Ballspiel mit zwei Motorrädern) Spielzeugautomat (sogenannte Greifer) mechanische Lightgun-Spiele wie Twin Skeet Shoot Münzschieber, ein Geldspielautomat, bei dem Münzen geschoben werden
Weitere Spiele Zudem werden häufig auch weitere Spiele angeboten, insbesondere Billard Air-Hockey Tischfußball (Kicker) elektronisches Darts und elektronisches Roulette und Videopoker.
Spielsucht Spielgeräte mit Gewinnmöglichkeit, die in den deutschen Spielhallen das überwiegende Angebot bilden, wurden auf Basis von Feldstudien über pathologisches Spielverhalten wiederholt stark kritisiert. Bericht zur Evaluierung der Fünften Novelle der Spielverordnung, insbesondere im Hinblick auf die Problematik des pathologischen Glücksspiels, Bundesratsdrucksache 881/10, 8. Dezember 2010
In der Folge wurden die gesetzlichen Regelungen in Deutschland seit 2013 sowohl auf Länder- als auch auf Bundesebene stark verschärft. Außerdem wurde in den meisten Kommunen die für Spielautomaten erhobene Vergnügungsteuer stark erhöht, und zwar auch mit dem Zweck einer Lenkung, das heißt, um eine Beschränkung des Angebots zu erreichen.
Rechtsgrundlagen In Deutschland ist eine Spielhalle nach der Gewerbeordnung (GewO) als ein Unternehmen definiert, das ausschließlich oder überwiegend der Aufstellung von Spielgeräten mit Gewinnmöglichkeit (gemäß GewO) dient. Spieldauer, Höchsteinsatz und -gewinn dieser Geldspielautomaten sind gesetzlich in der Spielverordnung (§13 SpielV) geregelt. Anforderungen an den Betrieb von Spielhallen sind in der Gewerbeordnung, der Spielverordnung sowie länderspezifischen Spielhallen- und Ausführungsgesetzen zum Glücksspieländerungsstaatsvertrag (GlüÄndStV) reglementiert.
Geldspielgeräte darf jedermann gewerblich betreiben, dem die Erlaubnis nach GewO erteilt wurde. Diese knüpft lediglich gewisse Zuverlässigkeitsvoraussetzungen an die beantragende Person, die Gewerbetätigkeit ist damit grundsätzlich erlaubt (sich ergebend aus der Gewerbe- und Berufsfreiheit, Grundgesetz (GG)). Die Zulässigkeitsvoraussetzungen stellen ein präventives Verbot mit Erlaubnisvorbehalt dar.
Nicht zu verwechseln ist es mit dem Glücksspiel im Sinne von Strafgesetzbuch (StGB). Erlaubnisse werden nach Landesrecht erteilt. Hier geht der Gesetzgeber in der Systematik davon aus, dass diese Angebote grundsätzlich gesellschaftsschädlich und damit grundsätzlich verboten sein sollen. Erlaubniserteilungen stellen mithin eine Ausnahme dar. Folglich handelt es sich hier um ein repressives Verbot mit Befreiungsvorbehalt.
Bauplanungsrechtlich zählen Spielhallen zu den Vergnügungsstätten, die nur in bestimmten Baugebieten zulässig sind.Irina Bondarenko: Bau- und planungsrechtliche Steuerung der Ansiedlung von Spielhallen unter besonderer Berücksichtigung der Stadt Ludwigsburg Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg, 2012.
In den Bundesländern werden die Konzessionen nach folgenden Gesetzen vergeben: BundeslandRechtsgrundlageBaden-WürttembergLandesglücksspielgesetzLandesglücksspielgesetz von Baden-Württemberg – abgerufen am 29. August 2019BayernGesetz zur Ausführung des Staatsvertrages zum Glücksspielwesen in DeutschlandGesetz zur Ausführung des Staatsvertrages zum Glücksspielwesen in Deutschland von Bayern – abgerufen am 29. August 2019BerlinGesetz zur Regelung des Rechts der Spielhallen im Land BerlinGesetz zur Regelung des Rechts der Spielhallen im Land Berlin – abgerufen am 29. August 2019BrandenburgBrandenburgisches SpielhallengesetzBrandenburgisches Spielhallengesetz – abgerufen am 29. August 2019BremenBremisches SpielhallengesetzBremisches Spielhallengesetz – abgerufen am 29. August 2019HamburgGesetz zur Regelung des Rechts der Spielhallen im Land HamburgGesetz zur Regelung des Rechts der Spielhallen im Land Hamburg – abgerufen am 29. August 2019HessenHessisches SpielhallengesetzHessisches Spielhallengesetz – abgerufen am 29. August 2019Mecklenburg-VorpommernGesetz zur Ausführung des GlücksspielstaatsvertragesGesetz zur Ausführung des Glücksspielstaatsvertrages von Mecklenburg-Vorpommern – abgerufen am 29. August 2019NiedersachsenNiedersächsisches GlücksspielgesetzNiedersächsisches Glücksspielgesetz – abgerufen am 29. August 2019Nordrhein-WestfalenGesetz zur Ausführung des GlücksspielstaatsvertragesGesetz zur Ausführung des Glücksspielstaatsvertrages von Nordrhein-Westfalen – abgerufen am 29. August 2019Rheinland-PfalzLandesgesetz zu dem Ersten Glücksspieländerungsstaatsvertrag und dem Staatsvertrag über die Gründung der GKL Gemeinsame Klassenlotterie der LänderLandesgesetz zu dem Ersten Glücksspieländerungsstaatsvertrag und dem Staatsvertrag über die Gründung der GKL Gemeinsame Klassenlotterie der Länder von Rheinland-Pfalz – abgerufen am 29. August 2019SaarlandSaarländisches SpielhallengesetzSaarländisches Spielhallengesetz – abgerufen am 29. August 2019SachsenSächsisches Ausführungsgesetz zum GlücksspielstaatsvertragSächsisches Ausführungsgesetz zum Glücksspielstaatsvertrag – abgerufen am 29. August 2019Sachsen-AnhaltGesetz zur Regelung des Rechts der Spielhallen im Land Sachsen-AnhaltGesetz zur Regelung des Rechts der Spielhallen im Land Sachsen-Anhalt – abgerufen am 29. August 2019Schleswig-HolsteinGesetz zur Errichtung und zum Betrieb von SpielhallenGesetz zur Errichtung und zum Betrieb von Spielhallen von Schleswig-Holstein – abgerufen am 29. August 2019ThüringenThüringer Gesetz zur Regelung des gewerblichen SpielsThüringer Gesetz zur Regelung des gewerblichen Spiels – abgerufen am 29. August 2019
Reguliertes und unreguliertes Spielautomatenspiel Neben dem weniger stark regulierten Spielautomatenspiel in Spielbanken mit Maximaleinsätzen von bis zu 500 € pro SpielGerhard Meyer, Meinolf Bachmann: Spielsucht. Ursachen, Therapie und Prävention von glücksspielbezogenem Suchtverhalten. 2017, ISBN 978-3-662-54838-7, doi:10.1007/978-3-662-54839-4, S. 20. und dem nach der Technischen Richtlinie 5 regulierten Spielautomatenspiel in der Spielhalle, bei dem seit dem 11. November 2018 hohe Auflagen wie eine Ausweispflicht zur Freischaltung der Automaten, ein Maximaleinsatz von 0,2 € pro Spiel oder ein gedeckelter Maximalverlust von 60,00 € pro Stunde gelten, gibt es in Deutschland das unregulierte, illegale Spielautomatenspiel in Cafe Casinos. Kritiker befürchten, dass eine zunehmende Verschärfung der gesetzlichen Auflagen und der Schließung von Spielhallen zu einer Verschiebung der Nachfrage hin zu weniger regulierten Angeboten bzw. in den unregulierten Schwarzmarkt führt. So gab es allein in Berlin Anfang 2020 neben den weniger als 300 legalen Spielhallenstandorten mehr als 2000 illegale Café-Casinos.
Situation im Ausland mini|Pachinko-Halle mini|Sega-Spielhalle in Tokio Die in Spielhallen angebotenen Spiele hängen stark vom jeweiligen Glücksspielrecht ab.
Japan In Japan wird das Angebot in Spielhallen durch das Pachinko-Spiel dominiert. Im April 2022 gab es landesweit 7279 Pachinko-Hallen.
Sonstiges Nach den Berufsgenossenschaftlichen Vorschriften (früher Unfallverhütungsvorschriften, UVV) müssen Spielhallen in Deutschland u. a. mit optischen Raumüberwachungsanlagen („Videoüberwachung“), einer Überfallmeldeanlage und einem Geldwechselautomaten ausgestattet sein. Weitere Vorschriften betreffen die Höchstgrenze für Bargeldbestände und deren Schutz.BGV C3: Spielhallen, Spielcasinos und Automatensäle von Spielbanken (VBG 105) vom 1. April 1997 mit Durchführungsanweisungen vom Januar 2002
Siehe auch Spielersperrsystem
Weblinks
Einzelnachweise