Die 102. Infanterie-Division (102. ID) war ein Großverband des Heeres der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.

Geschichte

Aufstellung Die 102. Infanterie-Division wurde am 12. Dezember 1940 auf dem Truppenübungsplatz Groß Born als Teil der 12. Aufstellungswelle im Wehrkreis VIII (Breslau) aus Teilen der 8. Infanterie-Division und der 28. Infanterie-Division aufgestellt.

Bis zum März 1941 war die Division dem XX. Armeekorps und der 11. Armee untergeordnet, diente dann als Reserve.

Unternehmen Barbarossa Zu Beginn des Unternehmens Barbarossa war die Division der 9. Armee, ab Ende August 1943 der 2. Armee zugeordnet.

Einsatzgebiete Deutschland: Dezember 1940 bis Juni 1941 Ostfront, Zentralabschnitt: Juni 1941 bis Januar 1945 Ostpreußen: Januar bis Mai 1945

Unterstellung XX. Armeekorps Dezember 1940 bis März 1941 Reserve April 1941 II. Armeekorps Mai 1941 XXXXII. Armeekorps Juni 1941 XX. Armeekorps Juni bis August 1941 XXIII. Armeekorps September 1941 bis Juli 1942 VI. Armeekorps August 1942 XXXIX. Panzerkorps September 1942 bis Januar 1943 Reserve Februar 1943 XXXIX. Panzerkorps März 1943 XX. Armeekorps April bis Juli 1943 XXXXVI. Panzerkorps August 1943 LVI. Armeekorps September 1943 XX. Armeekorps Oktober 1943 bis April 1944 XXXX. Panzerkorps Mai bis Juni 1944 XXIII. Armeekorps Juli 1944 I. Kavallerie-Korps August bis Oktober 1944 XXXXI. Armeekorps November bis Dezember 1944 XX. Armeekorps Januar bis März 1945

Während des Russlandfeldzuges stellte die Division im Juni 1941 einen Teil des äußerst linken Nordflügels der Heeresgruppe Mitte. Sie war dem XXXXII. Armeekorps und der 9. Armee unterstellt. Am 28. Juni 1941 bildete sie zusammen mit anderen Verbänden den Kessel von Bialystok. Während des Unternehmens Taifun und der daraus resultierenden Doppelschlacht bei Wjasma und Briansk sicherte sie die nördliche Flanke des Heeresverbandes. Im Dezember 1941 erreichte sie die Seeliger See und stand bis kurz vor Kalinin. Im Januar 1942 befand sich die Division mit Verbänden des XXII. Armeekorps am Wolgastausee, als die sowjetischen 29. und 39. Armeen südwärts in Richtung Rschew rückten.

Rschew 1942 Während der Schlacht von Rschew hatte sie den Auftrag, den Frontbogen gegen die sowjetischen Angriffe zu halten, und war an der Linie Rschew-Sytschowka in zahlreiche erbitterte Gefechte verwickelt. Im Juli 1942 war die 102. ID im Rahmen des Unternehmens Seydlitz an der Partisanenbekämpfung beteiligt. In den Winterkämpfen der Schlacht von Rschew im Rahmen der Operation Mars stießen die deutschen Soldaten auch auf Volkswehrmilizen, die sich aus den Einwohnern der umliegenden Orte rekrutierten und zusammen mit regulären sowjetischen Streitkräften den Druck von drei Seiten auf die 9. Armee aufrechterhielten. Diese Offensive verfehlte allerdings sämtliche militärischen Ziele der sowjetischen Heeresführung und hatte große Verluste zur Folge. Am 18. Dezember 1942 hieß es im Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht: „In wochenlangen schweren Abwehrkämpfen um Rschew hat sich die 102. (schlesische) Inf.-Div. besonders bewährt“.Franz Meyers: Tapfere Schlesier … S. 78; vgl. dazu David M. Glantz: Counterpoint to Stalingrad. Operation Mars (November-December 1942): Marshal Zhukov's Greatest Defeat. June 1997, S. 7 f. Anfang Januar 1943 erhielt der Divisionskommandeur General Johannes Frießner das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Unternehmen Zitadelle Nach dem „Unternehmen Büffelbewegung“ im März 1943 war die Division an der Schlacht bei Kursk beteiligt und im Herbst des Jahres auf die Stärke einer Kampfgruppe reduziert.

Eingliederung der Reste der 216. ID Im Frühjahr 1944 nahm die Division die Überlebenden der 216. Infanterie-Division auf und integrierte sie innerhalb ihres Verbandes.

Zerschlagung der Heeresgruppe Mitte 1944 Die Division hatte zu Beginn der Operation Bagration noch eine Grabenstärke von 1.180 und eine Infanteriestärke von 4.703 Mann. Im Sommer 1944 gelang es ihr, der Vernichtung der gesamten Heeresgruppe Mitte durch die Rote Armee in Weißrussland zu entkommen, und geriet in Ostpreußen in einen Kessel. Teile der Division brachen 1945 nach Vorpommern durch.

Kapitulation Als Divisionsgruppe 102 kämpften die Reste der Division, bis sie am 5. Mai 1945 vor den Alliierten kapitulierten.

Gliederung Gefechtsordnung im Dezember 1940 Infanterie-Regiment 232 Infanterie-Regiment 233 Infanterie-Regiment 235 Artillerie-Regiment 104 Aufklärungs-Abteilung 102 Panzerjäger-Abteilung 102 Pionier-Bataillon 102 Nachrichten-Abteilung 102 Nachschubtruppen

Gefechtsordnung im Januar 1944 Grenadier-Regiment 84 Grenadier-Regiment 232 Grenadier-Regiment 216 Füsilier-Bataillon 102 Artillerie-Regiment 104 Pionier-Bataillon 102 Panzerjäger-Abteilung 102 Nachschubtruppen

Personen Kommandeure DienstgradNameDienstzeitGeneralmajorJohn Ansat10. Dezember 1940 bis 9. Dezember 1941GeneralmajorHorst Großmann10. Dezember 1941 bis 21. Januar 1942GeneralmajorAlbrecht Baier1. Februar bis 10. März 1942GeneralmajorWerner von Räsfeld10. März bis 30. April 1942Generalmajor/GeneralleutnantJohannes Frießner1. Mai 1942 bis 19. Januar 1943OberstOtto Hitzfeld20. Januar bis 31. März 1943 (mit der Führung beauftragt)GeneralmajorOtto Hitzfeld1. April bis 4. November 1943OberstWerner von Bercken10. November 1943 bis 31. Januar 1944 (mit der Führung beauftragt)Generalmajor/GeneralleutnantWerner von Bercken1. Februar 1944 bis 4. April 1945OberstLudwigApril 1945

Generalstabsoffiziere (Ia) DienstgradNameDienstzeitOberstleutnantAlfred TschirdewahnDezember 1940 bis 1941MajorOskar Berger10. Oktober 1941 bis 8. August 1942OberstleutnantWerner Müller8. August 1942 bis 14. April 1943OberstleutnantWolf von Frankenberg und Ludwigsdorf15. April 1943 bis 30. November 1944OberstleutnantKurt Schuster15. Dezember 1943 bis 15. Februar 1944OberstleutnantFritz Frenzel30. November 1944 bis 5. April 1945

Sonstige Personen Erich Mende (1916–1998), Vorsitzender der FDP 1960/68, Stellvertreter des Bundeskanzlers 1963/66 Franz Meyers (1908–2002), Politiker (CDU) und 1958/66 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

Auszeichnungen Insgesamt wurden 21 Divisionsangehörige mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet und 112 mit dem Deutschen Kreuz in Gold.

Dienstgrad Name Einheit Verleihungsdatum Major Artur Schulz Bataillonskommandeur I.Btl./IR 233 7. August 1942 Oberst Konrad Barde Regimentskommandeur AR 104 5. Januar 1943 Major Hans Drexler Kommandeur III. Btl./GR 232 14. August 1943 Hauptmann Erwin Kunsch Bataillonskommandeur II.Btl./GR 232 24. November 1943 Hauptmann Alfred Pandel Bataillonskommandeur I.Btl./GR 84 19. Dezember 1943 Major Wolfgang Lampp Kommandeur Feldersatz-Bataillon 104 19. Dezember 1943 Leutnant Leo Cygan Zugführer 1.Kp./PiBtl. 102 5. Januar 1944 Waffenoberfeldwebel Karl Wolf GR. 84 Ritterkreuz und Kriegsverdienstorden 21. Februar 1944 Oberfeldwebel Alfred Peters Zugführer 14.Kp./GR [Grp.] 348 3. August 1944 Unteroffizier Erich Matuschewitz 2.Kp./GR 232 30. September 1944 Oberfeldwebel Walter Näfe Zugführer 5. Kp./GR 232 4. Oktober 1944 Gefreiter Erhard Bauer Truppführer 1.Kp./PiBtl. 102 4. Oktober 1944 Oberleutnant Ernst Neumüller Führer 14.Panzerjäger-Kp./Div.Grp. 216 5. Oktober 1944 Generalleutnant Werner von Bercken Divisionskommandeur 102. ID 23. Oktober 1944 Fahnenjunker-Wachtmeister Johann Maas VB 12.Bttr./AR 104 25. Oktober 1944 Major Wilhelm Kilian Bataillonskommandeur Divisions-Füsilier-Btl. 102 8. Februar 1945 Oberst Fritz Klasing Regimentskommandeur GR 232 RK mit Eichenlaub 19. Februar 1945 Major Erich Mende Regimentskommandeur GR 216 28. Februar 1945 Leutnant Eberhard SchmalzÄnderte nach dem Krieg seinen Namen in Carl Hardy Svenson um. Zugführer Panzerjäger-Kp. 1102 11. März 1945 Oberfeldwebel Richard Isczinski Zugführer 3.Kp./Divisions-Füsilier-Btl. 102 17. März 1945 Oberfeldwebel Hermann Poppe Zugführer 13.Kp./GR 216 23. März 1945 Oberleutnant Manfred Heidrich Kompaniechef 2.Kp./GR 232 5. April 1945

Literatur David M. Glantz: Counterpoint to Stalingrad. Operation Mars (November-December 1942): Marshal Zhukov's Greatest Defeat. June 1997 (online auf mr-home.staff.shef.ac.uk) Horst Großmann: Rshew. Eckpfeiler der Ostfront, Friedberg: Podzun-Pallas 1962. David Kahn: An Intelligence Case History: The Defense of Osuga, 1942, in: Aerospace Historian, Vol. 28, No. 4 (Winter/December 1981), 242–252. Erich Mende: Das verdammte Gewissen. München: Herbig 4. Aufl. 1999, S. 271–350. Franz Meyers: Tapfere Schlesier: Mit der 102. Infanterie Division in Rußland. Ministerpräsident a. D. Franz Meyers, Selbstverlag, 1983. Robert Schumacher: So war es wirklich. Ein Zeitzeuge berichtet. Niebüll: Videel 2002. Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 6: Die Landstreitkräfte. Nr. 71–130. 2. Auflage. Biblio Verlag, Osnabrück 1979. VI, ISBN 3-7648-1172-2.

Weblinks

Horst Kasten: Entwurf für eine „Geschichte der 102. I.D.“ insbesondere über das Gren.-Rgt. 232 (vom Herbst 1940 bis zum Herbst 1942). (online auf pkgodzik.de) (PDF; 1,0 MB) Peter Godzik: Helmut Godzik im Ostfeldzug – Berichte und Dokumente, 2012 (online auf pkgodzik.de).

Einzelnachweise

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