Burkhardsfelden ist ein Ortsteil der Gemeinde Reiskirchen im mittelhessischen Landkreis Gießen. Der Ort liegt südwestlich des Hauptortes im Busecker Tal in Oberhessen. Westlich verläuft die Bundesautobahn 5, durch den Ort führt die Landesstraße 3129.
Ortsgeschichte Mittelalter Die Ersterwähnung des Orts als ... in Burchardesuelden ... in villa Burchardsuelde erfolgte im Jahr 1210 in einer Urkunde des Klosters Arnsburg.Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. = AUB. Darmstadt 1851. Nr. 10, S. 7. Zugleich wird Burkhardsfelden mit der Siedlungsform „villa“ genannt. Als Burchardesuelt erscheint das Dorf im Jahre 1150 in einer Fälschung.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band III. Nr. 1336, S. 5.
1275 heißt es in einer weiteren Urkunde: „... de curia nostra in Borkhardesuelde“.Ludwig Baur: AUB Nr. 147, S. 94. 1281 wird „Hiltwinus de Buorcarsverlde“ genannt, angeführt in einem Kopiar des 14. Jahrhunderts.Arthur Wyss: Urkundenbuch Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1. Nr. 395, S. 295. 1352 wurde dem Hof des Klosters Arnsburg in „Borghartsfelden“ zugesichert, dass er von der dortigen Gerichtsbarkeit befreit war, solange er vom Kloster selbst verwaltet wurde und nicht als Landsiedel verpachtet war.Andreas Kuczera: Grangie und Grundherrschaft. Zur Wirtschaftsverfassung des Klosters Arnsburg zwischen Eigenwirtschaft und Rentengrundherrschaft 1174–1400. Dissertation. Darmstadt und Marburg 2003. Hrsg.: Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen. = Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 129. S. 52.
Der Ortsname lässt sich auf den Rufnamen „Burghard“ zurückführen.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 72 f. Vergleiche den Ort Burkhards bei Schotten.
Eine Grangie in Burkhardsfelden hat ihren Ursprung in einem Kauf von zwei Mansen durch das Kloster Arnsburg 1210 von einem Dammo.AUB, Nr. 7. Darin wird Dammo, genannt „Harloppo de Aldenbuchesecho“ (Harlopp von Alten-Buseck), erwähnt, von dem der Abt Meffried des Klosters die Mansen in Burkhardsfelden kaufte. Aus diesen wurde dann die besagte Grangie des Klosters in Burkhardsfelden errichtet.Andreas Kuczera: Grangie und Grundherrschaft. S. 122. Dies ist auch die erste Erwähnung von Alten-Buseck.
Nur noch zweimal stärkte das Kloster seinen Besitz im Ort. 1241 wurde von dem Ritter Giso von Queckborn die Vogtei über einige Güter des Klosters abgekauft.AUB, Nr. 31. Dieser übernahm 1241 die Vogtei über einige Güter der Grangie Burkhardsfelden.Andreas Kuczera: Grangie und Grundherrschaft. S. 122.
1387 erfolgte der Kauf von zwei Waldstücken. Die Rodung gehörte zu den Haupttätigkeiten der Zisterziensermönche.Andreas Kuczera: Grangie, S. 122. Die Klosterhöfe in Beuern und Burkhardsfelden wurden noch 1351 in Eigenwirtschaft betreiben.Andreas Kuczera: Grangie, S. 191.
Die Kirche in Burkhardsfelden wird als Kapelle schon 1238 erwähnt.
Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über das Busecker Tal:
mini|Burkhardsfelden Alte Schule mit Dorfplatz mini|Burkhardsfelden Altes Backhaus
sowie über Burkhardsfelden:
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 1. April 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Burkhardsfelden im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Reiskirchen eingegliedert. Für Burkhardsfelden wurde wie für die übrigen Ortsteile Reiskirchens ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Burkhardsfelden angehört(e):
1508 und später: Heiliges Römisches Reich, Gericht Busecker Tal (Ganerbschaft des „Busecker Tals“ der Freiherren zu Buseck) vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Busecker Tal (die gerichtlichen Auseinandersetzungen um die Landeshoheit endeten erst 1726) ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Gericht Busecker Tal 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Oberamt Gießen (ab 1789), Gericht Busecker Tal ab 1806: Großherzogtum Hessen,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Landamt Gießen, Fürstentum Ober-Hessen, Gericht Busecker Tal ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landamt Gießen, Gericht Busecker Tal ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GießenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Gießen; 1827 ging die Patrimonialgerichtsbarkeit der Freiherren zu Buseck an das Landgericht über) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis GießenIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Reiskirchen ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Reiskirchen ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Reiskirchen ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Gemeinde Reiskirchen
Gerichtszugehörigkeit seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Burkhardsfelden das „Patrimonialgericht der Freiherren zu Buseck“ in Großen-Buseck zuständig.
Im Großherzogtum Hessen wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Aber erst ab 1827 wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit durch das „Landgericht Gießen“ im Namen der Freiherren ausgeübt. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes am 1. Oktober 1879 wurden die bisherigen Land- und Stadtgerichte im Großherzogtum aufgehoben und durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt, ebenso verfuhr man mit den als Obergerichten fungierenden Hofgerichten, deren Funktion nun die neu errichteten Landgerichte übernahmen. Die Bezirke des Stadt- und des Landgerichts Gießen wurden zusammengelegt und bildeten nun zusammen mit den vorher zum Landgericht Grünberg gehörigen Orten Allertshausen und Climbach den Bezirk des neu geschaffenen Amtsgerichts Gießen, welches seitdem zum Bezirk des als Obergericht neu errichteten Landgerichts Gießen gehört. Zwischen dem 1. Januar 1977 und 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“ der mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Burkhardsfelden 984 Einwohner. Darunter waren 33 (3,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 159 Einwohner unter 18 Jahren, 381 zwischen 18 und 49, 204 zwischen 50 und 64 und 240 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 423 Haushalten. Davon waren 108 Singlehaushalte, 132 Paare ohne Kinder und 132 Paare mit Kindern, sowie 39 Alleinerziehende und 12 Wohngemeinschaften. In 111 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 258 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1577: 29 Hausgesesse • 1630: 4 zweispännige, 20 einspännige Ackerleute, 3 Witwen, 17 Vormundschaften • 1669: 178 Seelen • 1742: ein Geistlicher/Beamter, 61 Untertanen, 12 Junge Mannschaften, 2 Beisassen/Juden • 1800: 386 Einwohner • 1806: 383 Einwohner, 72 Häuser • 1829: 599 Einwohner, 93 Häuser • 1867: 539 Einwohner, 101 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 559 evangelische (= 77,10 %), 2 katholische (= 0,28 %), 38 jüdische (= 5,24 %) Einwohner • 1961: 503 evangelische (= 55,64 %), 69 katholische (= 7,63 %) Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 142 Land- und Forstwirtschaft, 256 Prod. Gewerbe, 65 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 43 Dienstleistungen und Sonstiges.
Literatur
Weblinks
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Geographie (Reiskirchen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Ersterwähnung 1150 Kategorie:Gemeindeauflösung 1972