Die Gebr. Lang GmbH Papierfabrik (auch als Lang Papier bekannt) ist eine Papierfabrik in Ettringen im Landkreis Unterallgäu. Sie ist Teil der Myllykoski Corporation, die heute zum UPM-Kymmene-Konzern gehört. Sie ist ein wichtiger Arbeitgeber für die Region Wertachtal. Die Hauptprodukte sind Zeitungs- und SC-Papiere. Am 11. März 2025 gab das Unternehmen die Stilllegung der Produktion bekannt.
Geschichte mini|218x218px|Firmengründer Michael Lang um 1920
Anfänge Vorgeschichte Der Firmengründer und Ettringer Bürger Michael Lang (* 16. Januar 1862, † 21. Mai 1932) betätigte sich zunächst noch als Holzhändler und flößte in größeren Mengen Holz auf der Wertach nach Augsburg und vermarktete es dort. Zusammen mit seinen Brüdern Johann und Georg gründete er 1885 in Ettringen an der Wertach ein Sägewerk. Schon 1886, ein Jahr später, brannte das Sägewerk bis auf die Grundmauern ab. Er baute es nicht wieder selbst auf, sondern kaufte im November 1888 ein bestehendes Sägewerk in Großaitingen. Dieses Sägewerk befriedigte seinen unternehmerischen Ehrgeiz nicht. Er plante deshalb zusammen mit seinen zwei Brüdern den Bau einer Fabrik, in der Holzschliff hergestellt wird, der für die Herstellung von Papier in Einsatz kommt.Dieter Lang: Chronik der Papierfabrik Gebr. Lang 1897 bis 1997, Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg
Gründung der Gebr. Lang oHG Am 14. Februar 1896 begannen die Brüder Michael, Georg und Johann Lang mit dem Bau einer Fabrik für Holzschliffprodukte an der Wertach in Ettringen. Ein Jahr später stellten sie mit 16 Arbeitern erstmals Holzstoff für die Papierherstellung her. Das Unternehmen wurde unter dem Namen Gebr. Lang oHG geführt. Die Maschinen wurden von einer Turbine angetrieben, die mit der Wasserkraft der Wertach gespeist wurde. Am 1. März 1897 wurde mit einer 16-köpfingen Belegschaft mit der Produktion von Holzschliff begonnen. Den Holzschliff transportierte er noch mit Pferdefuhrwerken. Michael Lang setzte sich deshalb für einen Bahnanschluss für Ettringen ein, der 1908 dann auch fertiggestellt wurde.
Im Jahre 1898 starb der älteste Bruder Johann und im Jahr 1900 schied Georg aus dem Unternehmen aus, um sich wiederum dem elterlichen Bauernhof zu widmen. Michael Lang führte das Unternehmen nunmehr allein und hatte das Ziel, die Abhängigkeit von seinem größten Kunden, der Augsburger Papierfabrik Haindl, zu beenden.
Papierproduktion mini|Anlauf der Papiermaschine 1 in der Silvesternacht 1910/1911 Michael Lang fasste deshalb den Entschluss, das Zeitungsdruckpapier in Ettringen selbst herzustellen. Im Januar 1910 plante er den Bau einer Papiermaschine, die er bei der Firma Voith in Heidenheim bestellte und die bereits ein Jahr später am 1. Januar 1911, am Silvestertag, in Betrieb ging. Die erste Jahresproduktion belief sich auf 2.497 Tonnen. Auf dieser Maschine produzierte das Unternehmen über 45 Jahre mit unterschiedlicher Intensität mit einer Belegschaft von rund 80 Arbeitnehmern Zeitungsdruckpapier. Auch über die beiden Weltkriege arbeitete das Unternehmen mit einer stark ausgedünnten Belegschaft. In den Krisenjahren 1929 bis 1934 exportierte das Unternehmen sein Papier nach Nordamerika und China.
Nach dem Tod des Firmengründers Michael Lang 1932 übernahm sein Sohn Hermann Lang die Leitung der Geschäftsführung und auch die Brüder Erhard Lang und Alfons Lang waren als geschäftsführende Gesellschafter im Unternehmen aktiv. Nach kriegsbedingtem Produktionsrückgang und zeitweiser vollständiger Unterbrechung konnte im November 1945 die Produktion langsam wieder aufgenommen werden.
Nachkriegszeit Der anhaltende Wirtschaftsaufschwung nach der Währungsreform 1948 führte zu einer verstärkten Nachfrage nach Papier. Deshalb wurde 1953 ein neues Kraftwerk gebaut und eine weitere Papiermaschine, wiederum von der Firma Voith in Heidenheim, gekauft. 1956 wurde dann eine zweite Papiermaschine in Betrieb genommen. 1963 wurde erstmals Altpapier als Rohstoff verwendet. Dafür wurde eine Deinking-Anlage aufgestellt, mit der dem Altpapier die Druckerschwärze entzogen wird.
Nach dem Tod des Seniorgesellschafters und Firmenchefs Hermann Lang am 31. März 1970, übernahm sein jüngerer Bruder Alfons diese Rolle. Gleichzeitig liefen jedoch die Planungen für eine dritte Papiermaschine weiter. Die steigende Nachfrage veranlasste das Unternehmen im Jahre 1970 eine dritte Papiermaschine aufzustellen, die diesmal bei der Firma Escher-Wyss gekauft wurde. Sie ging am 2. April 1971 in Betrieb. Die Produktionszahlen schnellten schlagartig auf das Dreifache der bisherigen Kapazität des Werkes auf 300 Tagestonnen hoch. Mit Einführung eines Vier-Schicht-Betriebes steigt die Beschäftigtenzahl auf 350 Arbeitnehmer. Nach Anlaufschwierigkeiten der dritten Papiermaschine, zusätzlichen Zins- und Tilgungsbelastungen aus der neuen Investition und einem gleichzeitigen Preisverfall am Zeitungspapiermarkt, kam das Unternehmen in finanzielle Bedrängnisse. Die Banken verweigerten eine Nachfinanzierung.
Lang Papier AG Auf Empfehlung der Bayerischen Landesbank holte die Familie Lang im Jahr 1972 den Unternehmensberater Wolfgang Fendt, um das Unternehmen zu sanieren. Sein Sanierungskonzept sah vor, das operative Geschäft auf eine neugegründete Gesellschaft, die Lang Papier AG mit Sitz in Gräfelfing, dem Sitz seiner Unternehmensberatung, zu verlegen. Wolfgang Fendt sollte außerdem den Vorstand übernehmen. Diese Gesellschaft pachtete von der Gebr. Lang KG die Produktionsanlagen in Ettringen und übernahm die Belegschaft sowie den Vertrieb. Für die überschuldete und zahlungsunfähige Gebr. Lang KG vermied er ein Konkursverfahren in der Weise, dass er Forderungen von Gläubigern über die Lang Papier AG oft mit erheblichen Nachlässen aufkaufte. Diese wurden dann in Gesellschaftsanteile der Gebr. Lang KG getauscht. Sodann veranlasste er, dass auch die Gebr. Lang KG in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Die Gebr. Lang KG firmierte nunmehr als Gebr. Lang AG. Zudem ließ sich Fendt 1972 auch zum alleinvertretungsberechtigten Vorstand auch dieser Gesellschaft bestellen. Auch Gläubigern dieser Gesellschaft gestattete er, ihre Forderungen in Aktien zu wandeln. Durch diese Maßnahmen erlangte Fendt beherrschenden Einfluss auf beide Gesellschaften.Volker Grub: Schlussbericht des Konkursverwalters im Anschlusskonkursverfahren über das Vermögen der Firma Gebr. Lang AG Ettringen vom 4. Juni 1992, Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg, Bestand Y517
Zu seiner Geschäftspolitik gehörte, finanzielle Verhältnisse, aber auch Gesellschafts- und Eigentumsverhältnisse gegenüber Geschäftspartnern, insbesondere den Kreditgebern, zu verschleiern, aber auch den Anfall von Steuern zu verhindern. Für den Geschäftsbetrieb der Papierfabrik in Ettringen gründete er rund 40 Gesellschaften, die für einzelne Tätigkeiten der Papierfabrik zuständig waren, nämlich für Altpapiereinkauf, Warenversand, Vertrieb Inland, Export, Herstellung von Wellpappe und Kartonage, Anschaffung einer EDV-Anlage, Waldbesitz, Versicherungen und Leasing von Maschinen. Alle Gesellschaften hatten ihren Sitz an unterschiedlichen Orten. Außerdem wurden unterschiedliche Wirtschaftsjahre gewählt. Die Buchhaltung der Papierfabrik wurde bei der Unternehmensberatung von Fendt in Gräfelfing geführt. Bei diesen Verhältnissen brach selbst das Finanzamt eine Betriebsprüfung ab, weil es nicht möglich war, einen Überblick über die steuerlichen Verhältnisse zu gewinnen.Hannes Krill: Eine Papierfabrik gerät unter Druck, Süddeutsche Zeitung vom 26. August 1985Heinz Hellerströhm: Eine Fertigungsstraße führte in die Sackgasse, Augsburger Allgemeine Zeitung vom 18. Dezember 1985
Zahlungsunfähigkeit Im Frühjahr 1984, bei dem Bau einer vierten Papiermaschine, traten wieder nicht übersehbare Zahlungsschwierigkeiten auf. Eine Finanzierungslücke konnte Fendt vorübergehend schließen, weil am 3. April 1984 ein Lagerkessel explodierte und zu einer Betriebsunterbrechung führte. Dem Unternehmen flossen dadurch Versicherungsleistungen in Höhe von rund 16 Mio. DM zu. Allerdings waren davon 8,7 Mio. DM unberechtigt, denn Wolfgang Fendt erklärte Papierrollen, die intakt auf Lager lagen, als beschädigt und unverkäuflich. Dieser Versicherungsbetrug hatte später strafrechtliche Konsequenzen.K. Wittmann: Die Flucht des Papier-Zaren vor dem Konkurs, taz vom 24. Oktober 1990 https://taz.de/Die-Flucht-des-Papier-Zaren-vor-dem-Konkurs/!1747014/
Trotz der Versicherungsleistungen konnte die Zahlungsunfähigkeit der Lang Papier AG nicht abgewendet werden. Gegen diese Gesellschaft ergingen ab Januar 1985 ständig Mahnbescheide, Pfändungen und Konkursanträge. Um einen Konkurs zu vermeiden, gab die hochüberschuldete Lang Papier AG ihre Geschäftstätigkeit zum 30. April 1985 auf. Der Pachtvertrag mit der Gebr. Lang AG vom 28. März 1972 wurde mit sofortiger Wirkung fristlos gekündigt.
Wiederaufnahme der Tätigkeit Ab 28. März wurden alle Geschäfte wieder über die Gebr. Lang AG abgewickelt. Die Lang Papier AG selbst versuchte ein außergerichtliches Moratorium, das jedoch scheiterte. Ein Zwischenkredit von 3 Mio. DM, den die Hausbanken unter Führung der Bayerischen Landesbank in Höhe von 3 Mio. DM zur Verfügung stellten, reichte bei weitem nicht aus. Ein Sachverständiger stellte fest, dass eine Kapitalzufuhr von etwa 37 Mio. DM und grundlegende organisatorische Änderungen in allen Bereichen notwendig seien. Seit April 1985 konnte die Produktion nicht mehr ordnungsgemäß aufrechterhalten werden, weil die Rohstoffversorgung, die Lieferung von Ersatzteilen und die Versorgung der Papierfabrik mit Strom und Heizöl ausblieben. Die Papiermaschine II wurde stillgelegt. Es kam zu mehreren Konkursanträgen durch Gläubiger. Der Alleinvorstand Wolfgang Fendt zog daraus nicht die Konsequenz, selbst Insolvenzantrag zu stellen, wozu er rechtlich verpflichtet war.
Konkurs
Konkursantrag der Bayerischen Landesbank Die Bayerische Landesbank stellte am 19. September 1985 beim Amtsgericht in Memmingen Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens gegen die Gebr. Lang AG. Das Konkursgericht setzte bereits am 20. September 1985 den Stuttgarter Rechtsanwalt Volker Grub als Sequester ein, der untersuchen sollte, ob genügend Geld vorhanden ist, um überhaupt ein Konkursverfahren eröffnen zu können.
Grub stellte bei Aufnahme seiner Tätigkeit fest, dass die Papiermaschine IV zusammen mit 200 Arbeitnehmern bereits am 15. September 1985 an eine neugegründete Firma, Papierfabrik Gebr. Lang GmbH, verpachtet war. Diese Gesellschaft war wenige Tage zuvor im Handelsregister eingetragen worden und war mit einem Stammkapital von 100.000 DM ausgestattet. Geschäftsführer war unter anderem Alexander Fendt, der Sohn von Wolfgang Fendt. Der Pachtvertrag enthielt die ausdrückliche Bestimmung, dass der Pachtgegenstand bereits übergeben sei. Nach zweitägigen Verhandlungen mit den neuen Geschäftsführern konnte Grub am 24. September 1985 erreichen, dass der abgeschlossene Pachtvertrag bis zum 30. Oktober 1985 ausgesetzt wurde. Bedingung dafür war, dass Wolfgang Fendt als Vorstand der Gebr. Lang AG Gelegenheit gegeben wird, beim Amtsgericht Memmingen einen Antrag auf Eröffnung eines Vergleichsverfahrens zu stellen, mit dem ein Konkurs abgewendet werden sollte. Diesen Antrag stellte Wolfgang Fendt bereits einen Tag später. Das Amtsgericht Memmingen bestellte Volker Grub auch in diesem Verfahren zum vorläufigen Vergleichsverwalter.Aus der Bahn geworfen, Industriemagazin vom Oktober 1985