mini|Zülfiye Kaykin (2010) Zülfiye Kaykin (* 21. Dezember 1968 in Denizli, Türkei) ist eine ehemalige deutsche Politikerin (SPD) und war von Juli 2010 bis September 2013 Staatssekretärin für Integration beim Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen.
Leben Schulischer und beruflicher Werdegang Zülfiye Kaykin wuchs zunächst im türkischen Denizli – unweit der Kreideterrassen von Pamukkale – auf. Ihr Vater arbeitete seit Ende der 1960er Jahre als Stahlarbeiter bei Thyssen in Duisburg-Marxloh. Als Zülfiye Kaykin 9 Jahre alt war, zog ihre Mutter mit ihr und ihren beiden Geschwistern dem Vater nach Deutschland nach. In Duisburg besuchte sie zunächst eine spezielle Schulvorbereitungsklasse für ausländische Kinder.Matthias Korfmann: Warum Migranten sich nicht willkommen fühlen. In: Der Westen, 30. Dezember 2010 1985 schloss sie ihre Schulausbildung mit Erreichen der Mittleren Reife an einer Hauptschule ab. Danach absolvierte sie eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau und war bis 2003 in diesem Beruf tätig, zuletzt als Verkaufsstellenleiterin eines Schuhladens.
Nach zweijähriger Familienzeit war sie von 2005 bis Mai 2010 als hauptamtliche Geschäftsführerin der Begegnungsstätte an der DITIB-Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh tätig.
Politische und gesellschaftliche Tätigkeiten Kaykin ist seit 1994 Mitglied der SPD (Ortsverein Duisburg-Röttgersbach). Von 2008 bis Februar 2010 gehörte sie dem SPD-Unterbezirksvorstand Duisburg, von 2011 bis 2013 dem Bundesvorstand der Partei an. Seit 1999 ist sie Sachkundige Einwohnerin im Jugendhilfeausschuss der Stadt Duisburg. Von 1999 bis 2001 war sie Vorsitzende des Runden Tischs Marxloh. Sie ist Initiatorin des Elternvereins ELIF e. V. und war dessen Vorsitzende von 2000 bis 2003. Von 2001 bis 2002 war sie Mitglied des Vorstands des Duisburger Stadtverbandes der DITIB. Von 2002 bis 2005 war sie Koordinatorin des integrativen Moscheeprojektes Zusammenleben. Außerdem war Kaykin Mitglied der 14. Bundesversammlung.
Vom 16. Juli 2010 bis 10. September 2013 war sie Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen.Siehe Website der Landesregierung NRW. Nachdem die Staatsanwaltschaft Duisburg im September 2013 einen Strafbefehl gegen Frau Kaykin beantragt hatte, schlug Ministerpräsidentin Hannelore Kraft – im Einvernehmen mit dem zuständigen Minister Guntram Schneider – dem Kabinett die Entlassung Kaykins aus dem Amt als Staatssekretärin vor. Das Kabinett folgte am 10. September 2013 diesem Vorschlag.Kabinett beschließt Entlassung von Kaykin. In: Die Welt, 10. September 2013.
Kritik Einem Bericht des Spiegel zufolge habe eine interne Untersuchung des Ditib in der Marxloher Moschee finanzielle Unregelmäßigkeiten hingewiesen, die in den Zeitraum von Kaykins Geschäftsführung fielen. Sowohl Kaykin als auch der Ditib wiesen die Vorwürfe zurück. Nach Kaykins Ausscheiden aus der Begegnungsstätte wies die Beratungsstelle einen Schuldenstand von 230.000 Euro auf. Am 6. März 2012 leitete die Staatsanwaltschaft Duisburg ein Ermittlungsverfahren gegen Kaykin wegen eines Anfangsverdachts zu Sozialversicherungsbetrug im Zusammenhang mit der Begegnungsstätte an der Moschee ein. Die CDU forderte, Kaykin solle ihr Regierungsamt bis zum Abschluss der Ermittlungen ruhen lassen. Laut damaligem NRW-Arbeits- und Integrationsminister Guntram Schneider reichten die zu diesem Zeitpunkt bekannten Vorwürfe nicht aus, die Amtsführung der Staatssekretärin einzuschränken oder sie aus ihrem Amt zu entlassen. Kaykin übte ihr Amt daher weiterhin aus. Nach Auffassung der Ermittlungsbehörden habe es im Verantwortungsbereich Kaykins nicht ordnungsgemäß verbuchte finanzielle Mittel gegeben.Kristian Frigelj: „Schwarze Kasse belastet Staatssekretärin Kaykin“ In: Die Welt, 16. Januar 2013. Den Ermittlern lagen Aussagen der ehemaligen Buchhalterin, sowie der damaligen Vorstandschefin des Trägervereins der Begegnungsstätte vor. Den Aussagen zufolge seien aus diesen Mitteln Aushilfskräfte und Mitarbeiter der Begegnungsstätte außerhalb der regulären Abrechnung vergütet worden; ein Mitarbeiter habe zudem Leistungen nach SGB II bezogen. Die Buchhalterin sagte vor der Staatsanwaltschaft aus, dass entsprechende Unterlagen Ende 2009 auf Hinweis der Prüfer der türkischen Religionsanstalt DITIB vernichtet worden seien. Am 4. September 2013 gab Hannelore Kraft die Entlassung von Zülfiye Kaykin bekannt.Yuriko Wahl-Immel: Aus für Zülfiye Kaykin nach Vier-Augen-Gespräch. In: Westdeutsche Zeitung, 4. September 2013.Jörg Diehl: Kraft entlässt umstrittene NRW-Staatssekretärin. In: Spiegel Online, 4. September 2013. Im März 2014 wurde bekannt, dass Kaykin eine Geldauflage in Höhe von 6000 Euro zustimmte, um nach eigenen Angaben eine öffentliche Hauptverhandlung und die damit verbundene Belastung für sich und ihre Familie zu vermeiden.Zülfiye Kaykin akzeptiert Strafe – Ex-Staatssekretärin zahlt 6000 Euro. In: Bild.de, 17. März 2014.
Mitgliedschaften Kaykin ist Mitglied folgender Organisationen: DITIB Bildungs- und Begegnungsstätte e. V. DITIB Merkez Moschee Duisburg Elterninitiative ELIF e. V. Phönix e. V. Zebrakids e. V.
Ehrungen 2004: Preis für Toleranz und Zivilcourage des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage in Duisburg. 2007: Bundesverdienstkreuz am Bande für ihren Einsatz um „die Verständigung von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Religion und Hautfarbe“.
Weblinks Website der Landesregierung NRW mit Kurzlebenslauf von Kaykin Website der SPD NRW mit Kurzlebenslauf von Kaykin Kaykin auf YouTube
Einzelnachweise
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