Die Kriegsverbrechen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg waren Verletzungen des Kriegsvölkerrechts von Seiten der Alliierten im Zweiten Weltkrieg, die sich gegen die Zivilbevölkerung oder gegen Militärs der Achsenmächte richteten.
Regierungspolitik Die Militärs der westlichen Alliierten wurden von ihren Regierungen angewiesen, die Genfer Konventionen einzuhalten. Sie gingen davon aus, einen gerechten Krieg zu führen.
Europa Großbritannien Auf ihrem Rückzug aus Belgien vor der rasch vorrückenden Wehrmacht 1940 töteten polnische Soldaten unter britischem Kommando den belgischen Radrennfahrer Julien Vervaecke (1899–1940). Dieser hatte sich als Besitzer einer Gaststätte in Menen gegen deren Verwüstung durch die Briten gewehrt. Am 24. Mai 1940 wurde er von den Soldaten gewaltsam verschleppt und wahrscheinlich am nächsten Tag im französischen Roncq erschossen.Der Deutsche Radfahrer. 18. Juni 1941.Patrick Cornillie, Rik Vanwalleghem: Karel van Wijnendaele. Lannoo Uitgeverij, 2006, ISBN 90-209-6547-6.
Wiederholt kam es zur Erschießung schiffbrüchiger deutscher Marinesoldaten durch Besatzungen britischer Kriegsschiffe.Württembergische Landesbibliothek Stuttgart: Tötung von Schiffbrüchigen.
Nach der Versenkung des deutschen Zerstörers Z 12 Erich Giese durch die britischen Zerstörer Cossack und Foxhound am 13./14. April 1940 vor Norwegen wurde auf die deutschen Schiffbrüchigen geschossen.Alfred de Zayas: Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle. Dokumentation alliierter Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg. 7., erw. Auflage Langen Müller, München 2001, S. 368–376.
Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Griechenland versenkte am 12. Mai 1941 das britische U-Boot Rorqual (LCdr Dewhurst) den griechischen Motorsegler Osia Paraskevi (Οσία Παρασκευή), der sich auf dem Weg von Kastron (Limnos) nach Kavala befand. Den sieben griechischen Besatzungsmitgliedern wurde zuvor noch ermöglicht, ein Rettungsboot zu besteigen, während die vier deutschen Soldaten mit Waffengewalt daran gehindert wurden. Nach Versenkung des Schiffes wurden die vier schwimmenden Deutschen mit Maschinengewehren erschossen.Alfred de Zayas (2001), S. 377–380.
Am 9. Juli 1941 versenkte das britische Unterseeboot Torbay einen deutschen Motorsegler vor Kreta. Sieben deutsche Soldaten, Angehörige einer Gebirgs-Division auf Kreta, die sich in ein Schlauchboot gerettet hatten, wurden auf Befehl des U-Boot-Kommandanten LtCdr. Miers mit Maschinengewehren erschossen. Der Erste Wachoffizier und ein Seemann weigerten sich, sich an der Erschießung zu beteiligen. Dasselbe Unterseeboot versenkte mehrere weitere deutsche Motorsegler und hinderte die Besatzungen daran, von Bord zu gehen. Es kam nie zu einem Verfahren gegen LtCdr Miers.Paul Chapman: Submarine Torbay. Hale, London 1989, S. 59–67.
Umstritten ist, ob es sich bei der Bombardierung auf Dresden in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 um ein Kriegsverbrechen handelt. Als Ziel der Bomben wurde nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen unterschieden. Infolgedessen wurden 80.000 Wohnungen zerstört und ca. 25.000 Menschen getötet.
Kanada Laut Samuel W. Mitcham und Friedrich von Stauffenberg töteten im Juli 1943 auf Sizilien Soldaten des Loyal Edmonton Regiment mehrere deutsche Gefangene in Leonforte.Samuel W. Mitcham und Friedrich von Stauffenberg. Die Schlacht von Sizilien.
Während der Operation Overlord kam es nach den neuen Forschungen von Antony Beevor zu mehreren Fällen der Erschießung deutscher Kriegsgefangener, v. a. Angehöriger der Waffen-SS, durch kanadische Soldaten.Antony Beevor: D-Day. Die Schlacht um die Normandie. C. Bertelsmann Verlag, München 2010, ISBN 978-3-570-10007-3, S. 198 f., S. 288. Diese Kriegsverbrechen stehen teils in unmittelbarem Zusammenhang mit dem an Kanadiern begangenen Massaker in der Abbaye d’Ardenne, das Kurt Meyer von der 12. SS-Panzer-Division „Hitlerjugend“ zu verantworten hatte. Später beschuldigte Meyer die kanadischen Streitkräfte der 3. Kanadischen Infanterie-Division, während der Operation Overlord in Nordfrankreich 1944 die Haager Konventionen verletzt zu haben. Er behauptete, dass schon am 7. Juni Aufzeichnungen gefunden worden seien, die angeordnet hätten, keine Gefangenen zu nehmen, sollten diese die Operationen behindern.Meyer (1957), S. 233. Kurt Meyer beruft sich auch auf Beweise von Bernhard Siebkens Kriegsverbrecherprozess, in dem die kanadische Infanterie beschuldigt wurde, bei mindestens einer Gelegenheit deutsche Soldaten erschossen zu haben, die während des Angriffs kapituliert hatten. Beevor äußert ferner, wenn auch verklausuliert, den Verdacht, dass während der Schlacht um Falaise am 8. und 9. August gefangene SS-Soldaten der Division „Hitlerjugend“ ebenfalls von Angehörigen des II. kanadischen Korps getötet worden seien.Antony Beevor: D-Day. S. 460.
C.P. Stacey, der offizielle kanadische Schlachthistoriker, berichtet, dass sich am 14. April 1945 das Gerücht verbreitet hatte, wonach der kommandierende Offizier der Argyll and Sutherland Highlanders of Canada von einem zivilen Scharfschützen getötet wurde. Daraufhin steckten die Highlander in einem irrtümlichen Vergeltungsschlag zivile Immobilien in Friesoythe in Brand.Stacey (1960), S. 558. Stacey schrieb später, dass die Highlander zuerst die deutschen Zivilisten von den Grundstücken entfernten und dann die Häuser in Brand setzten. Er kommentierte, dass er „zum Glück sagen kann, dass [er] nie von einem anderen, ähnlichen Fall hörte“.Stacey 1982, S. 163–164.
Frankreich Maquis Nach den „Operation Dragoon“-Landungen in Südfrankreich und dem Zusammenbruch der deutschen Militärbesatzung im August 1944 gelang es nur wenigen Deutschen, aus Frankreich zu fliehen, weshalb sich viele den Französischen Streitkräften im Inneren stellten. Die Résistance tötete einige ihrer deutschen Kriegsgefangenen, die meisten von ihnen waren Mitglieder der Gestapo oder der SS.Antony Beevor: D-Day. Viking, 2009, S. 447.
Am 12. Juni 1944 ermordete die Résistance in Meynac 46 gefangene Wehrmachtssoldaten und eine französische Zivilistin, die man der Kollaboration beschuldigte, und verscharrten sie in einem nicht gekennzeichneten Massengrab. Bei einer ersten Suche nach den Opfern waren bereits in der Nähe die Leichen von elf deutschen Soldaten gefunden worden. Nach Aussagen eines ehemaligen Résistance-Kämpfers soll Marie-Pierre Koenig dem aus dem Elsass stammenden Maquis-Kommandeur Joseph Fertig (Kampfname: Hannibal) den Befehl zur Erschießung der Deutschen gegeben haben, den dieser – wenn auch widerwillig – durchführte.
Am 10. September 1944 brachten die Maquis 17 deutsche Kriegsgefangene in Saint-Julien-de-Crempse im Département Dordogne um, von denen 14 identifiziert werden konnten. Die Morde waren Vergeltungstaten für deutsche Morde an 17 Einwohnern des Dorfes St. Julien am 3. August 1944, die ebenfalls aus Vergeltung wegen Aktivitäten der Résistance in der Umgebung von St. Julien begangen wurden, welche die damalige Heimat einer aktiven Maquis-Zelle war.After the Battle. Magazine, Ausgabe 143.
Marokkanische Goumiers Französisch-marokkanische Truppen des „Corps expéditionnaire français en Italie“ (CEF), auch als Goumiers bekannt, begingen massenhaft Verbrechen in Italien – während der Schlacht um Monte Cassino Toter Link. – und in Deutschland. Laut europäischen Quellen wurden mehr als 12.000 Zivilisten, vor allem junge und alte Frauen sowie Kinder, von den Goumiers entführt, vergewaltigt oder getötet.„1952: Il caso delle „marocchinate“ al Parlamento“. Dieses Thema wurde auch im italienischen Film Und dennoch leben sie mit Sophia Loren behandelt.
Kriegsverbrechen in Südwestdeutschland und Vorarlberg Französische Truppen begingen während und nach der Besetzung der Städte und Dörfer sehr häufig Vergewaltigungen, Plünderungen und andere Übergriffe, darunter Erschießungen.Ian Kershaw: Das Ende. Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944/45. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2011, ISBN 978-3-421-05807-2, S. 417; Marc Hillel: L’occupation française 1945–1949. Balland 1983, S. 107; Friedrich Blumenstock: Der Einmarsch der Amerikaner und Franzosen im nördlichen Württemberg im April 1945. Stuttgart 1957, S. 231ff. Die französischen Offiziere ließen ihre Truppen meistens etliche Tage gewähren. In manchen Orten griffen sie jedoch nach einigen Tagen drastisch ein, indem sie, wenn es sich bei den Tätern um Kolonialsoldaten – marokkanische Goumiers, Algerier oder Senegalesen – handelte, sie wegen solcher Taten hinrichten ließen. Einwohner, die Anhänger des NS-Regimes waren oder gegen die Übergriffe protestierten, wurden in vielen Fällen Opfer von Tötungen oder Misshandlungen. Als die Franzosen am 4. April 1945 Karlsruhe einnahmen, nahmen sie die Ehefrau des Gauleiters Robert Wagner und seine zwölfjährige Tochter gefangen und trieben beide durch die Straßen von Straßburg. Wagners Frau soll später in ein algerisches Bordell in Paris verschleppt worden sein, wo sie sich nach mehreren Vergewaltigungen wohl selbst tötete.Horst Ferdinand: Die Misere der totalen Dienstbarkeit – Robert Wagner (1895–1946), NSDAP-Gauleiter, Reichsstatthalter von Baden, Chef der Zivilverwaltung im Elsaß. in: Eberbacher Geschichtsblatt 91. Eberbach 1992, S. 152. Auch Geiselerschießungen fanden statt, so in Reutlingen, wo der Hauptmann des Sicherheitsdienstes der französischen Armee, Max Rouché (1902–1985) – von Beruf Professor der Germanistik in Bordeaux –, am 24. April 1945 als Repressalie auf den vermuteten Attentatstod eines französischen Soldaten, der durch einen Verkehrsunfall gestorben war, vier deutsche Zivilisten als Geiseln exekutieren ließ.Fakten und Hintergründe zur Reutlinger Geisel-Erschießung 1945. In: Reutlinger General-Anzeiger. 16. April 2005, abgerufen am 30. Oktober 2016. Unter den Städten, bei deren Einnahme Massenvergewaltigungen verübt wurden, waren Stuttgart, Pforzheim, Freudenstadt, Magstadt und viele andere.
Die württembergische Lazarettstadt Freudenstadt wurde nicht von deutschen Truppen verteidigt und war zur offenen Stadt erklärt worden. Dennoch erlitt die Stadt einen schweren französischen Bombenangriff. Französische Truppen beschossen sie am 16. und 17. April 1945 mit Spreng- und Brandgranaten; dann drangen Soldaten des 3. Marokkanischen Spahi-Regiments unter Major (später General) Christian de Castries kampflos in Freudenstadt ein. Sie und nachfolgende französische Einheiten plünderten bis zu fünf Tage. Sie legten zahlreiche Brände (darunter auch am Rathaus), verboten das Löschen und hinderten deutsche Löschwillige mit Waffengewalt daran.Hans Rommel: Vor Zehn Jahren. 16/17 April 1945. Wie es zur Zerstörung von Freudenstadt gekommen ist. Verlag Oskar Kaupert, Freudenstadt 1955, . (Freudenstädter Heimatblätter Beiheft 1). Es kam zu zahlreichen Vergewaltigungen durch französisch-marokkanische Besatzungssoldaten.Annette Bruhns: auf: spiegel.de, 2005. Eine Ärztin, Renate Lutz, gab an, allein in ihrer Praxis seien über 600 vergewaltigte Frauen zur Behandlung gewesen.
Am 6. Mai 1945 marschierten französische Truppen nach Bad Reichenhall ein. Dort wurden ihnen zwölf von amerikanischen Truppen gefangene SS-Männer französischer Herkunft übergeben, die als Kriegsfreiwillige in der Division „Charlemagne“ gekämpft und sich kampflos den Amerikanern ergeben hatten. Der französische General Leclerc ließ die Männer am 8. Mai 1945 ohne Prozess erschießen.
Am 7. Juni 1945 wurde der SS-Oberführer Oskar Dirlewanger, Kommandant der berüchtigten Sondereinheit Dirlewanger, von französischen Wachsoldaten nach seiner Gefangennahme in Altshausen zu Tode gefoltert.
Sowjetunion
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