Friedrich Franz Dietrich Graf von Bremer, Herr auf Cadenberg, Basbeck, Seeburg, Dobrock, Hermannsthal, Eimbeckhausen, Wunsdorf und Elmlohe (* 10. August 1759 in Hannover; † 7. März 1836 ebenda)Jahns, Teil II, S. 442. war zuletzt Minister des Königreichs Hannover.

Familie Herkunft mini|Stammgut Cadenberge mini|Rechts die Adelssitze der Grafen Bernstorff und Bremer in HannoverLudwig Hoerner in: Hannover in frühen Photographien 1848–1910. Mit einem Beitrag von Franz Rudolf Zankl. München, Schirmer-Mosel, 1979. ISBN 3-921375-44-4. S. 37f., 1879

Die Eltern von Friedrich Franz Dietrich von Bremer waren der Minister Benedict von Bremer (* 1717; † 1779) und dessen Ehefrau, Caroline Auguste, geborene von Haus (* 1733; † 1795), eine Tochter des großbritannischen Geheimen Rats Friedrich Ludwig von Haus auf Eimbeckhausen und der Charlotte, geborene von Bennigsen. Geschwister von ihm waren: der Zwillingsbruder, Georg Benedix August (1759–1813) war zunächst Kriegsrat in Hannover, später Hannoverscher Gesandter in Dresden, dann in Sankt Petersburg.Jahns, Teil II, S. 442. Die jüngere Schwester, Caroline von Bremer (1766–1845), wurde Äbtissin des Klosters Marienwerder und eine weitere jüngere Schwester, Henriette Louise Elisabeth (1764–1828), Ehefrau des Ministers Karl Friedrich Alexander von Arnswaldt. Die Familie war lutherischer Konfession.Jahns, Teil II, S. 442.

Eine weitere bekannte Verwandte war die Urgroßmutter Jeanne Henriette de Longueil (1676–1755). Sie war eine entfernte Nichte des obersten Finanzbeamten von König Ludwig XIV., René de Longueil (1596–1677).Die welfische Oberhofmeisterin Jeanne Henriette de Longueil († 1755 in Hannover, Schwiegermutter von Friedrich Ludwig von Haus) war Nachfahrin des Charles de Longueil, dem Großcousin von René de Longueil. Sie wurde 1714 im Testament der Braunschweig-Lüneburgischen Kurfürstin Sophie von der Pfalz bedacht (vgl. S. Tauss, »avec un bien grand plaisir …«, 2017, S. 59, Fußnote 189 sowie ihre Nachlassunterlagen in den Haus’schen Gutsakten).

Eigene Familie Friedrich Franz Dietrich von Bremer heiratete 1790 in Wetzlar Louise von Zwierlein, eine Tochter des Advokaten und Prokurators am Reichskammergericht, Reichsfreiherr Christian Jacob von Zwierlein (1737–1793), der unter anderem dort auch für Kurhannover tätig war.Jahns, Teil II, S. 443f. Aus dieser Ehe gingen hervor: Carl Benedix (* 3. November 1791; † 19. August 1853) übernahm den Primogenitur-Grafentitel und das Familiengut Cadenberge. Er heiratete Sophie von Staffhorst (* 10. Februar 1805; † 10. Juni 1891).Genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser auf das Jahr 1893, Justus Pertes, Gotha, S. 161. Er war Oberstleutnant, Stallmeister und Kriegsrat in Hannover.Carl Benedix hatte zwei Kinder, George (* 20. August 1823; † 9. April 1892), nach dem in Cadenberge die Graf-Bremer-Straße benannt ist, und Amalie. Mit der Tochter von George, Charlotte, erlosch diese Linie der Familie von Bremer 1931 (Archiv des Landkreises Cuxhaven: Akten der Grafen Bremer – Information). Luise Sophie Frederike Eleonore (* 16. August 1797; † 20. März 1819) heiratete Karl Ludwig Friedrich Leutrum von Ertingen (* 27. August 1791; † 18. Dezember 1852)Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1859, Justus Pertes, Gotha, S. 433., großherzoglich-badischer Kammerherr.Jahns, Teil II, S. 445. Georg Friedrich Hans Wilhelm (* 1802; † 1857) übernahm als Freiherr das Gut Eimbeckhausen.U. Mierau, Die Leichenpredigt von 1675 des Caspar Heinrich von Hauß, Erbherr in Eimbeckhausen, in: Springer Jahrbuch für die Stadt und den Altkreis Springe. 2016. S. 51–60. Witthinrich, Kai, Die Familien von Haus und Bremer auf dem Gut Eimbeckhausen, in: Museum Bad Münder, Der Söltjer, 41/2016, S. 13ff. Er war Justizrat in Hannover.Jahns, Teil II, S. 445. Georg Friedrich blieb unverheiratetJahns, Teil II, S. 445. und wurde im Gewölbe der St. Martinskirche neben Adolph Wilhelm von Bremer († 1830), bestattet.U. Mierau, Die Leichenpredigt von 1675 des Caspar Heinrich von Hauß, Erbherr in Eimbeckhausen, in: Springer Jahrbuch für die Stadt und den Altkreis Springe. 2016. S. 51–60. Witthinrich, Kai, Die Familien von Haus und Bremer auf dem Gut Eimbeckhausen, in: Museum Bad Münder, Der Söltjer, 41/2016, S. 13ff.

Ausbildung Friedrich Franz Dietrich von Bremer studierte ab 1777 Rechtswissenschaft an der Universität Göttingen, unter anderem bei Johann Stephan Pütter. 1780 schloss er das Studium ohne formalen Abschluss ab, was im 18. Jahrhundert durchaus üblich war.Jahns, Teil II, S. 447.

Wirken Den Berufseinstieg begann Friedrich Franz Dietrich von Bremer als Auditor in der Justizkanzlei in Hannover. 1782 wurde er außerordentlicher Hof- und Kanzleirat.

1786 ernannte Georg III., Kurfürst von Hannover – und in Personalunion zugleich König von Großbritannien – den Inhaber der Assessorenstelle (Richterstelle) am Reichskammergericht, die durch Kurhannover zu besetzen war, Friedrich Alexander von Wenckstern, zu seinem Gesandten beim Kaiser in Wien und präsentierte dem Gericht Friedrich Franz Dietrich von Bremer als Nachfolger. Bereits Mitte 1787 akzeptierte das Gericht den Vorschlag. Allerdings musste Friedrich Franz Dietrich von Bremer noch bis 1788 mit dem Dienstantritt warten. Diese Wartezeit erklärt sich mit der chronischen Unterfinanzierung des Gerichts: Es musste immer erst ein Richter ausscheiden, damit das Geld für das Gehalt eines Neueinsteigers gesichert war. Am 31. März 1788 leistete er seinen Amtseid.Jahns, Teil II, S. 449.

Ende 1796 folgte er einem Ruf als Hofrichter zurück nach Hannover und gab sein Amt beim Reichskammergericht auf. 1797 wurde er zusätzlich Land- und Schatzrat der Calenbergischen Ritterschaft.Jahns, Teil II, S. 448.

Zu Beginn der französischen Besetzung Kur-Hannovers 1803 wurde Bremer zum diplomatischen Unterhändler mit den Franzosen: Am 3. Juni 1803 besiegelte seine Unterschrift unter der Konvention von Sulingen die Kapitulation der hannoverschen Armee. Die Ratifizierung der Konvention wurde von Napoleon anschließend verweigert. Am 5. Juli 1803 unterzeichnete der hannoversche Oberbefehlshaber Johann Ludwig von Wallmoden-Gimborn in Artlenburg eine weitergehende Konvention über die Kapitulation des Kurfürstentums Hannover und die Auflösung der Hannoverschen Armee. Wenige Tage später wurde Bremer von General Édouard Adolphe Mortier als einer von fünf Mitgliedern der „Exekutivkommission“ eingesetzt. Zudem war er Präsident des Landesdeputations-Kollegiums. Beide Ämter hatte er bis 1805 inne.Jahns, Teil II, S. 448.

Nach dem Abzug der Franzosen Ende 1805 wurde Friedrich Franz Dietrich von Bremer Staats- und Kabinettsminister für Äußeres und Finanzen. Nachdem er im Zuge der zweiten französischen Besetzung Hannovers 1807 entlassen wurde, flüchtete er gemeinsam mit der hannoverschen Regierung nach Schwerin. Unterdessen zogen die Franzosen alle seine Güter ein.

Nach Rückkehr der alten Regierung wurde Bremer als Außen- und Finanzminister bestätigt. Zeitweilig war er auch Kriegsminister. Er war ein Vertrauter des Grafen Ernst Friedrich Herbert zu Münster, der Chef der Deutschen Kanzlei in London war. Das Staatsgrundgesetz des Königreichs Hannover von 1819, die Verfassung des Königreichs, gestaltete er mit. Als dienstältester Minister erhielt Friedrich Franz Dietrich von Bremer 1823 den Vorsitz im Ministerium. 1832 bat er – wahrscheinlich aus Gesundheits- oder Altersgründen – um seine Entlassung, die am 20. April 1832 ausgesprochen wurde.Jahns, Teil II, S. 448.

Beerdigt wurde er in der Familiengruft unter der Kirche St.-Nicolai in Cadenberge.

Ehrungen 1817: Ehrenbürgerschaft von Hannover vor 1831: Roter Adlerorden 1. KlasseStaats und Adress Kalender für das Königreich Hannover auf das Jahr 1831. Berinberg, Hannover , S. 32. vor 1831: Großkreuz des kurhessischen Hausordens vom Goldenen LöwenStaats und Adress Kalender für das Königreich Hannover auf das Jahr 1831. Berinberg, Hannover , S. 32. 1832: Zu seinem 50-jährigen Dienstjubiläum wurde Friedrich Franz Dietrich von Bremer am 6. oder 8. August 1832 in den Grafenstand erhoben.Jahns, Teil II, S. 443.

Literatur Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. 2, S. 109. Carl Haase: Politische Säuberungen in Niedersachsen 1813–1815, 1983. Carl Haase: Der Briefwechsel Friedrich Franz Dietrich von Bremers mit Ernst Friedrich Herbert Graf von Münster 1806–1831. In: Niedersächsisches Jahrbuch 46/47 (1974/75), S. 329–344. Sigrid Jahns: Das Reichskammergericht und seine Richter. Verfassung und Sozialstruktur eines höchsten Gerichts im Alten Reich – Teil 2, Band 1: Biografien (= Friedrich Battenberg, Albrecht Cordes, Ulrich Eisenhardt, Peter Oestmann, Wolfgang Sellert (Hg.): Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich, Band 26). Böhlau, Köln u. a. 2003. ISBN 3-412-06503-X, S. 442–450. Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, zweiter Band, Leipzig 1860, S. 51f. Wilhelm Lenz: Graf Friedrich Bremer. In: Otto Heinrich May (Hg.): Niedersächsische Lebensbilder, Bd. 3, Hildesheim: Lax 1957, S. 36–46.

Klaus Mlynek: Bremer, Friedrich Franz Dietrich Graf von In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 83, 557. Wilhelm Rothert (Hg.): Hannoversche Biographie Bd. 1: Hannoversche Männer und Frauen seit 1866, Bd. 2: Im alten Königreich Hannover, 1814–1866, Bd. 3 (Hg. für Bd. 3 A.: Rothert und M. Peters): Hannover unter dem Kurhut, 1646-1815, Hannover; 1912, 1914 und 1916; hier: Bd. 2, S. 523 sowie Bd. 3, S. 483. Heinrich Wilhelm Rotermund: Das Gelehrte Hannover oder Lexikon von Schriftstellern und Schriftstellerinnen, gelehrten Geschäftsmännern und Künstlern, die seit der Reformation in und außerhalb der sämtlichen zum Königreich Hannover gehörigen Provinzen gelebt haben und noch leben, aus den glaubwürdigsten Schriftstellern zusammengetragen, 2 Bde., Bremen 1823; hier: Bd. 1, S. 262.

Weblinks

Anmerkungen

Einzelnachweise

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