mini|Podiceps cristatus Der Haubentaucher (Podiceps cristatus) ist eine Vogelart aus der Familie der Lappentaucher (Podicipedidae). Der etwa stockentengroßeBezzel, S. 72. Vogel ist der größte, häufigste und bekannteste Vertreter dieser Familie von Wasservögeln. Er brütet auf Süßwasserseen und größeren Teichen mit röhrichtbewachsenen Ufern. Besonders auffällig ist sein Balzverhalten, das auf freier Wasserfläche stattfindet und gut zu beobachten ist. Zu den Balzelementen gehören ein heftiges Kopfschütteln mit gespreizter Federhaube sowie die sogenannte Pinguin-Pose, bei denen sich die Vögel durch rasches Paddeln der Füße fast senkrecht voreinander aus dem Wasser heben. Der Haubentaucher war in Deutschland und Österreich Vogel des Jahres 2001.

Beschreibung mini|Haubentaucher im Prachtkleid mini|Haubentaucher im Schlichtkleid Haubentaucher sind 46 bis 51 cm lang und haben eine Flügelspannweite von 59 bis 73 cm. Sie werden zwischen 800 und 1400 g schwer. Der Geschlechtsdimorphismus ist nur geringfügig ausgeprägt. Die Männchen sind etwas größer als die Weibchen und weisen im Prachtkleid einen etwas breiteren Kragen und eine längere Haube auf.

Der Schnabel ist in allen Kleidern rot mit einem braunen First und einer hellen Spitze. Die Iris ist rot mit einem hellorangen Ring um die Pupille. Die Beine und die Schwimmlappen sind grünlich grau.

Prachtkleid Im Prachtkleid sind die Stirn, der Scheitel und der Nacken schwarz. Die Kopfseiten- und Nackenfedern sind verlängert und können bei Erregung aufgerichtet werden. Zwischen der schwarzen Kopfoberseite und dem Auge verläuft ein heller Streif. Die Wangen sind weiß. Die verlängerten, kastanienbraunen Ohr- und unteren Wangenfedern, die bei Erregung gespreizt werden, bilden einen schwarz umrandeten Kragen. Der hintere Hals ist grauschwarz, die Halsseiten und der vordere Hals dagegen weiß. Die Körperoberseite ist bräunlich schwarz mit rötlichen Körperseiten. Die Körperunterseite und die Brust sind weiß. Die Handschwingen sind braungrau, wobei die Unterseite heller ist und eine weiße Basis aufweist. Die Armschwingen dagegen sind entweder vollständig weiß oder weisen dunkle Flecken auf den Außenfahnen auf.Il'ičev & Flint: Handbuch der Vögel der Sowjetunion - Band 1: Erforschungsgeschichte, Gaviiformes, Podicipediformes, Procellariiformes. 1985, S. 271.

Die Vollmauser vom Prachtkleid ins Schlichtkleid beginnt bereits während der Brutzeit im Juni und kann sich bei einzelnen Individuen bis in den Dezember hinziehen. Sie ist in der Regel jedoch bereits Ende September oder Oktober abgeschlossen. Haubentaucher verlieren während dieser Mauser alle Handschwingen gleichzeitig und sind dann für etwa vier Wochen nicht flugfähig. Männchen beginnen mit dieser Mauser in der Regel etwas früher als die Weibchen.

Die Mauser vom Schlichtkleid ins Prachtkleid beginnt bereits in den Überwinterungsgebieten und ist bei adulten Vögeln Ende März bis Anfang April abgeschlossen. Bei Jungvögeln, die ihr erstes Lebensjahr noch nicht vollendet haben, zieht sie sich bis Mai hin. Die Frühjahrsmauser ist eine Teilmauser, bei der das Gefieder von Kopf, Hals und dem Oberteil des Vorderkörpers gewechselt wird.Il'ičev & Flint: Handbuch der Vögel der Sowjetunion - Band 1: Erforschungsgeschichte, Gaviiformes, Podicipediformes, Procellariiformes. 1985, S. 272.

Schlichtkleid Im Schlichtkleid ist bei beiden Geschlechtern die Oberseite des Kopfes schwarzgrau. Die Haube ist kurz, der Kragen fehlt entweder völlig oder ist nur durch einzelne schwarze und rote Federn angedeutet. Die Wangen und die Kehle sind weiß. Der Hals ist ebenfalls überwiegend weiß und weist nur am Hinterhals ein schmales graues Band auf. Die Körperoberseite ist dunkel mit breiteren hellen Federrändern. Die Körperseiten sind grau. Die Körperunterseiten und die Brust sind weiß.

Daunenküken und Jungvögel mini|Daunenküken mini|Schlüpfen eines Haubentaucherkükens Frisch geschlüpfte Daunenküken des Haubentauchers haben ein kurzes und dichtes Daunenkleid. Der Kopf und der Hals sind schwarz und weiß längsgestreift. Der Mittelstreif ist dabei weiß. Auf der weißen Kehle befinden sich braune Flecken unterschiedlicher Größe. Der Rücken und die Körperseiten sind zunächst weniger kontrastreich bräunlich weiß und schwärzlich braun gestreift, bei älteren Daunenjungen ist sie einförmig dunkelgrau. Die Körperunterseite und die Brust sind weiß.

Am Kopf weisen die Daunenküken nackte rote Flecken zwischen Augen und Schnabel sowie einen dreieckigen roten Scheitelfleck auf. Die Iris ist schwärzlich, der Schnabel ist weißlich-rosa mit einer weißen Spitze und zwei fast vertikal verlaufenden schwarzen Bändern um beide Schnabelhälften. Davon befindet sich eines an der Schnabelbasis und das zweite hinter der Spitze. Die Beine sind dunkelgrau, die Zehen grünlich grau mit schmal bräunlichrosa gesäumten Schwimmlappen.Collin Harrison, Peter Castell: Jungvögel, Eier und Nester der Vögel Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens. 2. Auflage. Aula, Wiebelsheim 2004, ISBN 3-89104-685-5. S. 32 f.

Das Jugendkleid ähnelt dem Winterkleid der adulten Vögel. Sie weisen jedoch auf der schwärzlichen Stirn einen weißen Fleck auf und haben an den Kopfseiten hinter dem Auge und in Höhe der Braue helle Streifen. Der Kragen ist durch einzelne schwarze und rote Federn angedeutet. Die Handschwingen sind schieferbraun mit einer weißen Basis, die Armschwingen sind weiß mit braunen Flecken auf der Innenseite. Noch im ersten Winterkleid weisen viele Jungvögel am Kopf und auf der Körperoberseite Flaum auf. In ihrem ersten Prachtkleid ist der Kragen noch etwas weniger entwickelt. Der vordere Flügelabschnitt weist noch nicht die reinweiße Färbung auf, wie er für adulte Vögel charakteristisch ist.

Fortbewegung und Stimme Haubentaucher zählen zu den tagaktiven Vögeln. Sie suchen nur während der hellen Tageszeit nach Nahrung. Während der Balzzeit sind ihre Stimmen jedoch auch nachts zu hören. Sie ruhen und schlafen auf dem Wasser. Nur während der Fortpflanzungszeit nutzen sie zum Ruhen auch gelegentlich zeitweilige Nestplattformen oder die nach dem Schlüpfen der Jungen freigewordenen Nester.Il'ičev & Flint: Handbuch der Vögel der Sowjetunion - Band 1: Erforschungsgeschichte, Gaviiformes, Podicipediformes, Procellariiformes. 1985, S. 283. Sie erheben sich nach einem kurzen Startlauf aus dem Wasser. Der Flug ist schnell mit raschem Flügelschlag. Sie strecken während des Fluges die Füße nach hinten und den Hals nach vorne. Im Flug sind die weißen Armschwingen gut erkennbar.

Sie schwimmen häufig mitten auf Seen und verschwinden immer wieder zu bis zu einer Minute dauernden und 5 bis 20 Meter tiefen Tauchgängen.Wissenschaft-Online-Lexika: Eintrag zu Lappentaucher - Haubentaucher im Lexikon der Biologie, abgerufen am 20. Mai 2008.

Haubentaucher rufen häufig und laut, ein schnarrendes Geräusch, das wie keck-keck-keck klingt.

Verbreitung mini|Verbreitung des Haubentauchers: Der Haubentaucher ist ein weit verbreiteter Vogel in den mittleren Breiten und Subtropen von Südwest-Europa und Nordafrika bis nach China. Die Art kommt auch südlich der Sahara sowie im Süden und Osten Australiens und der Südinsel Neuseelands vor. Abhängig von der geographischen Lage sind sie Zug- oder Standvögel. Haubentaucher, die während des Winterhalbjahrs ihr Brutareal verlassen, überwintern entweder auf großen Binnenseen oder in Küstengewässern. Zu den europäischen Seen, wo sich im Winterhalbjahr zahlreiche Haubentaucher einfinden, gehören Genfersee, Bodensee und Neuenburgersee. Sie überwintern außerdem an der westeuropäischen Atlantikküste, wo sie sich in großer Zahl im Oktober und November einfinden und bis gegen Ende Februar oder Anfang März bleiben.Il'ičev & Flint: Handbuch der Vögel der Sowjetunion - Band 1: Erforschungsgeschichte, Gaviiformes, Podicipediformes, Procellariiformes. 1985, S. 275. Weitere wichtige Überwinterungsplätze sind das Kaspische Meer, das Schwarze Meer sowie einzelne Binnengewässer in Mittelasien.Il'ičev & Flint: Handbuch der Vögel der Sowjetunion - Band 1: Erforschungsgeschichte, Gaviiformes, Podicipediformes, Procellariiformes. 1985, S. 274. In Ostasien liegen die Überwinterungsgebiete im südöstlichen und südlichen China, auf Taiwan, in Japan und in Indien. Hier halten sie sich ebenfalls überwiegend im Küstenbereich auf.

In Mitteleuropa ist der Haubentaucher in gewässerreichen Gebieten bis in die Mittelgebirgslagen recht häufig. Die höchsten Brutplätze der Schweiz kommen noch auf 1.050 Höhenmetern vor. In Deutschland reicht die Höhenverbreitung bis 810 Meter. Die östlichen Populationen Mitteleuropas sind Zugvögel, die an den Küsten in Westeuropa und Südeuropa überwintern. In Deutschland sind Haubentaucher überwiegend Standvögel, die bei länger zugefrorenen Seen ebenfalls an die Küsten wandern.

Es werden drei Unterarten des Haubentauchers unterschieden: P. c. cristatus in der Paläarktis P. c. infuscatus in Afrika südlich der Sahara P. c. australis in Australien und Neuseeland

Lebensraum Der Haubentaucher brütet auf größeren, stehenden Gewässern mit Schilfgürtel im Flachland. Er benötigt fischreiche Gewässer, die mindestens fünf Hektar groß sind. Nur selten ist er auch bereits auf einen Hektar großen Gewässern zu beobachten. An oligotrophen und mesotrophen Gewässern fehlt der Haubentaucher in der Regel gleichfalls. Neben offener Wasserfläche muss das Gewässer einen Röhrichtgürtel und ins Wasser ragende Gebüsche aufweisen, um den Nestbau zu ermöglichen.Martin Flade: Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands – Grundlagen für den Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung. IHW-Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-930167-00-X, S. 552.

In dem Zeitraum im Herbst, während dessen Haubentaucher herumstreifen, sind sie auch auf Gewässern ohne Wasserpflanzen anzutreffen, sofern diese reich an Fischen sind.Il'ičev & Flint: Handbuch der Vögel der Sowjetunion - Band 1: Erforschungsgeschichte, Gaviiformes, Podicipediformes, Procellariiformes. 1985, S. 277. Während des Zuges nutzen sie offene Binnenseen, Flussläufe und Küstengewässer. Salzige Binnengewässer dagegen meiden sie.

Nahrung mini|Suche nach Beute unter Wasser mini|Fressender Haubentaucher, Schottland Haubentaucher fressen hauptsächlich kleine Fische, die sie tauchend jagen. Überwiegend handelt es sich um Oberflächenarten, die eine mittlere Länge von 10 bis 15 Zentimeter erreichen. Die maximale Fischgröße, die Haubentaucher fressen, beträgt 25 Zentimeter.Bauer et al., S. 187. Zu ihren typischen Beutefischen auf Süßgewässern gehören Moderlieschen, Karpfen, Plötzen, Weißfische, Grundeln, Barsche, Hechte und Zander. Aber auch Kaulquappen, Frösche, Krebstiere, Spinnen und Wasserinsekten sowie Samen gehören zu ihrer Nahrung. Detailliertere Untersuchungen haben gezeigt, dass es zwischen einzelnen Populationen erhebliche Unterschiede in der Nahrungszusammensetzung gibt. So gibt es einzelne Populationen, bei denen im Sommer Fischnahrung keine große Rolle spielt und die Hauptnahrung aus Käfern und Wanzen bestand. Der tägliche Bedarf beträgt etwa 200 Gramm. Junge werden zunächst mit Insekten gefüttert. Daneben lässt sich wie bei vielen Lappentauchern auch ein Fressen von Federn beobachten. Bereits die Jungvögel werden gelegentlich mit Federn gefüttert. In ihren Überwinterungsgebieten ernähren sie sich nur von Fischen. Auf Salzgewässern sind es Grundeln, Heringsfische, Stichlinge, Dorsche und Karpfenfische, die den größten Teil ihrer Beute ausmachen.