Eine dunkle Begierde (Originaltitel: A Dangerous Method) ist ein historisches Filmdrama des kanadischen Regisseurs David Cronenberg aus dem Jahr 2011. Der an Tatsachen angelehnte Film zeigt die Affäre zwischen dem Psychiater C. G. Jung und seiner Patientin Sabina Spielrein und thematisiert in diesem Zusammenhang Bekanntschaft und fachliche Auseinandersetzung zwischen Jung und Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalyse. Die Hauptrollen in der kanadisch-britisch-deutschen Koproduktion spielen Viggo Mortensen, Michael Fassbender, Keira Knightley und Vincent Cassel.
Eine dunkle Begierde basiert auf dem Theaterstück Die Methode (Originaltitel: The Talking Cure) des britischen Dramatikers Christopher Hampton, der sich wiederum von dem 1993 erschienenen Sachbuch Eine gefährliche Methode (Originaltitel: A Most Dangerous Method) von John Kerr inspirieren ließ. Hampton verfasste auch das Drehbuch.
Handlung Zürich im Jahr 1904: Die russische Jüdin Sabina Spielrein wird im Auftrag ihrer Eltern in die Burghölzli-Klinik eingeliefert, um von dem jungen Oberarzt und Psychiater Carl Gustav Jung behandelt zu werden. Die junge Frau leidet unter hysterischen Anfällen, ist aber auch überdurchschnittlich intelligent. Jung wendet bei ihr eine neue Methode an, die Psychoanalyse des Österreichers Sigmund Freud. Ohne ihren Namen zu kennen, gibt er ihrem Fall den Decknamen Sabina S. Als er ihren wahren Namen erfährt, weigert er sich, an einen Zufall zu glauben. Bei den Gesprächen kommen sich der verheiratete Therapeut und seine Patientin näher, aber er wahrt professionelle Distanz.
In Wien lernt Jung den von ihm bewunderten Freud persönlich kennen, der wiederum in dem jüngeren Kollegen einen möglichen Fortführer seiner Arbeit sieht. Auf Freuds Wunsch wird sein Landsmann, der kokainabhängige Psychiater Otto Gross, Jungs Behandlung unterstellt. Der unkonventionelle Gross verfolgt einen ausschweifenden Lebensstil und lehnt in seinen Gesprächen mit Jung Monogamie als gesellschaftliche Konvention ab. Er überzeugt Jung, sich seinen unterdrückten Gefühlen zu ergeben und sein Leben auszukosten. Gleichzeitig mehren sich deutliche Avancen Sabina Spielreins, die inzwischen in Zürich Medizin studiert, gegenüber Jung. Jung beginnt eine Affäre mit ihr. Damit hat er allerdings als Arzt Grenzen überschritten. Auch plagt ihn sein Gewissen gegenüber seiner Frau Emma, die mit dem zweiten gemeinsamen Kind schwanger ist.
Die Beziehung zwischen Jung und Freud beginnt zu kriseln. Jung klagt über Freuds Starrsinn und seine Beschränkung auf den Sexualtrieb als Auslöser aller psychischen Störungen. Freud wiederum lehnt Jungs Überlegungen ab, die Telepathie und Parapsychologie, die er für Aberglauben hält, zum Erkenntnisgewinn zu nutzen. Diese könnten, wie Freud befürchtet, Wasser auf die Mühlen der Gegner der Psychoanalyse sein. Die Auseinandersetzungen der beiden Ärzte finden zum Teil per Brief, zum Teil während wissenschaftlicher Tagungen statt, denen sie beiwohnen.
Nachdem Jung die Affäre mit Sabina infolge aufkommender Gerüchte einseitig beendet hat, drängt sie darauf, dass er sich für ihre Bewerbung als Patientin bei Freud in Wien einsetzt. Später unterstützt Jung Sabina bei ihrem Vorhaben, Psychoanalytikerin zu werden, und ihre Beziehung lebt wieder auf, aber diesmal ist sie es, die zu seinem Leidwesen die Beziehung beendet. Sabina, inzwischen eine überzeugte Schülerin Freuds, geht endgültig nach Wien, wo Freud ihr anbietet, einige seiner Patienten zu übernehmen. Zwischen den Männern kommt es über ihre konträren Ansichten und Freuds Unverständnis für Jungs Affäre mit der Patientin zum Bruch.
1913, ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, besucht Sabina den niedergeschlagenen Jung in seiner Villa. Sabina ist inzwischen verheiratet und erwartet ein Kind. Er selbst hat in Toni Wolff, einer seiner ehemaligen Patientinnen, eine neue Geliebte gefunden. Jung wird von einem wiederholt auftretenden apokalyptischen Traum verfolgt, den er als Omen eines kurz bevorstehenden, Europa zerstörenden Ereignisses sieht. Trotz ihrer Zuneigung füreinander trennen sich Jungs und Sabinas Wege wieder. Im Abspann erfährt der Zuschauer, dass Gross 1919 in Berlin verhungerte, Freud, von den Nationalsozialisten aus Wien vertrieben, 1939 in London starb. Sabina kehrte in ihre Heimat Russland zurück und wurde 1942 von den einrückenden deutschen Invasoren erschossen. Nur Jung fand 1961 einen friedlichen Tod.Zwei der im Abspann genannten Daten sind falsch: Otto Gross starb 1920, Sabina Spielrein 1942.
Hintergrund Vorlage Bereits in den 1990er Jahren hatte Hampton, basierend auf Kerrs Sachbuch A Most Dangerous Method, für das Filmstudio 20th Century Fox ein Drehbuch namens Sabina verfasst, das mit Julia Roberts verfilmt werden sollte. Das Projekt wurde jedoch nicht realisiert, und Hampton arbeitete das Drehbuch zu dem Theaterstück The Talking Cure um. 2003 wurde The Talking Cure in London uraufgeführt, mit Ralph Fiennes in der Rolle C. G. Jungs und Jodhi May als Sabina.Michael Billington: The Talking Cure In: The Guardian, 14. Januar 2003, abgerufen am 8. Januar 2017 Die deutschsprachige Premiere folgte 2005 in Zürich unter dem Titel Die Methode.Besprechung von Christian Gampert. In: Deutschlandfunk, 24. März 2005; abgerufen am 9. November 2012. Eine Uraufführung in Wien fand 2014 statt.
Für die Verfilmung des Stücks, die eine Kombination aus dem ursprünglichen, nicht realisierten Drehbuch, dem Theaterstück und neueren Recherchen darstellte,Edward Douglas: Exclusive Interview: David Cronenberg Practices A Dangerous Method, Comingsoon.net vom 18. November 2011, abgerufen am 18. November 2012. nahm Hampton einige Änderungen an seinem Zweiakter vorGottfried M. Heuer: „Die Geburt der Beziehungsanalyse“ und sexueller Missbrauch in der Psychoanalyse. Über David Cronenbergs Film „Eine dunkle Begierde / A Dangerous Method“, Literaturkritik.de Nr. 1, Januar 2012, abgerufen am 28. Oktober 2012. und strich unter anderem eine kurze, in Sabina Spielreins Todesjahr 1942 spielende Szene. Cronenberg interessierte nach eigener Aussage unter anderem das „Liebesdreieck“ Jung–Freud–Spielrein.Interview mit David Cronenberg auf der 2012 erschienenen Blu-ray Disc. Als zentrale Figur seiner Version sah er nicht Sabina Spielrein, sondern C. G. Jung, eine Entwicklung, die nach seinen Worten nicht geplant war, sondern sich während der Arbeit an seinem Film ergab.Andrew O’Hehir: David Cronenberg: It’s as if my old movies don’t exist, Interview mit David Cronenberg auf Salon.com vom 3. Dezember 2011, abgerufen am 8. November 2012. Der Titel ist eine Variante von Kerrs Buchtitel, dieser geht wiederum auf einen Ausspruch des US-amerikanischen Psychologen William James zurück, der Freuds Traumanalyse als ein „höchst gefährliches Verfahren“ („most dangerous method“) bezeichnete.James Bell: (Online-Video), Bfi.org.uk, abgerufen am 18. November 2012.
Produktion Produziert wurde der Film von Jeremy Thomas (Der letzte Kaiser), dessen erste Zusammenarbeit mit Cronenberg, Naked Lunch, in das Jahr 1991 zurückreicht. Anfang 2003 weckte Cronenberg Thomas’ Interesse an dem Stoff, indem er ihm den Besuch von Hamptons Stück Die Methode empfahl. Als erster Schritt mussten Verhandlungen mit der 20th Century Fox geführt werden, die immer noch die Rechte an dem unrealisierten Sabina-Drehbuch besaß. Thomas und seine Koproduzenten (darunter die Berliner Lago Film) erhielten umfangreiche deutsche Filmfördermittel, ohne die, so Thomas, der Film nicht hätte realisiert werden können, da die Studios sich auf Blockbuster konzentrierten und das Publikum für „Mainstream Arthouse“Etwa: Kommerziell zugkräftige und gleichzeitig künstlerisch anspruchsvolle Filme. aus den Kinos verschwunden sei.Dee Jefferson: , Interview mit Jeremy Thomas auf Thebrag.com vom 14. August 2012, abgerufen am 8. November 2012. Allein das Land Baden-Württemberg war über die MFG Filmförderung der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mit 500.000 Euro beteiligt., Schwäbische Zeitung vom 9. Juli 2010, abgerufen am 9. November 2012. Das Gesamtbudget betrug nach Thomas’ Aussage 19 Millionen US-Dollar (rund 15 Millionen Euro).Scott Feinberg: Academy Award-Winning Producer Jeremy Thomas on ‘A Dangerous Method’ (Video), Interview auf Hollywoodreporter.com vom 26. November 2011, abgerufen am 9. November 2012.
Ursprünglich war Christoph Waltz für die Rolle des Sigmund Freud vorgesehen. Dieser verzichtete jedoch, um stattdessen Wasser für die Elefanten zu drehen.Christoph Waltz spielt doch nicht Sigmund Freud. In: Südkurier vom 15. März 2010. Die Rolle wurde mit Viggo Mortensen neu besetzt, der bereits in A History of Violence und Tödliche Versprechen – Eastern Promises mit Cronenberg gearbeitet hatte. Weitere, zum Teil langjährige Mitarbeiter Cronenbergs waren der Kameramann Peter Suschitzky, der Komponist Howard Shore, der Filmeditor Ronald Sanders und die Kostümbildnerin Denise Cronenberg, die Schwester des Regisseurs.
Dreharbeiten Die Dreharbeiten zu Eine dunkle Begierde fanden in Deutschland und Österreich statt. Die Innenaufnahmen entstanden im Mai und Juni 2010 in den MMC-Studios in Köln-Ossendorf., Artikel auf VPLT Live, abgerufen am 8. November 2012.
Die am Zürichsee spielenden Szenen ließen sich nicht an den Originalschauplätzen filmen, da das Ufer zu stark zersiedelt war. Bereits im Februar 2010 wurde Isis Hager, Locationscout im Auftrag der „Filmcommission Bodensee-Oberschwaben“, die der Filmförderung Baden-Württemberg untersteht, beauftragt, nach Vorgaben des Art Departments geeignete Drehorte rund um den Bodensee und im oberschwäbischen Hinterland zu suchen.Sebastian Brauns: Der See ist der Star In: Südkurier vom 31. Juli 2010, abgerufen am 8. November 2012.Kerstin Conz, Niklas Frielingsdorf: Locationscout: Isis Hager holt Hollywood zum Bodensee, Westdeutsche Zeitung Newsline vom 5. Dezember 2011, abgerufen am 8. November 2012.
Gedreht wurde Anfang Juli 2010 in ÜberlingenStefan Hilser: Stars fühlen sich in Überlingen wohl In: Südkurier vom 8. Juli 2010, abgerufen am 8. November 2012. und in Konstanz. Das Humboldt-Gymnasium diente als Kulisse für die Burghölzli-Klinik, deren Fassade zu stark modernisiert war.Sebastian Brauns: Immerhin: Ein Autogramm ließ Keira in Konstanz In: Südkurier vom 12. Juli 2010, abgerufen am 8. November 2012. In Allensbach wurde am Seeufer die Villa Jungs für fünf Drehtage eins zu eins nachgebaut. Im ehemaligen Augustinerchorfrauenstift Inzigkofen fanden Außenaufnahmen hinter den Klostermauern statt.Ute Korn-Amann: Filmstars verschanzen sich hinter Klostermauer. In: Schwäbische Zeitung, 12. Juli 2010. Gedreht wurde auch auf dem restaurierten Schaufelraddampfer Hohentwiel,Tilmann P. Gangloff: Ein Hauch von Hollywood am Humboldt-Gymnasium. In: Südkurier vom 13. Juli 2010 der schon in James Bond 007: Ein Quantum Trost zu sehen war.Sebastian Brauns: Düsteres Drama um Sigmund Freud In: Südkurier vom 12. Juli 2010, abgerufen am 8. November 2012.
Weitere Drehorte waren die Mölker Bastei und der Garten des Schlosses Belvedere in Wien. Die Postproduktion fand in Kanada statt, wo unter anderem digitale Effekte hinzugefügt wurden.
Musik Howard Shore nahm neben einer exklusiv komponierten Filmmusik für Piano und Orchester auch eine Neueinspielung von Richard Wagners sinfonischer Dichtung Siegfried-Idyll in den Berliner Teldex Studios auf. Shore schrieb das für Orchester komponierte Siegfried-Idyll, in dem Wagner Motive aus seiner Oper Siegfried verarbeitete, zu einem reinen Pianostück um, gespielt von dem Pianisten Lang Lang. Für seine Eigenkompositionen verwendete Shore ebenfalls Motive aus Siegfried.
Für eine Szene, in der Patienten ein Auszug aus Wagners Oper Die Walküre vorgespielt wird, wurde auf eine historische Aufnahme aus dem Jahr 1905 zurückgegriffen.Quelle: Filmabspann.
mini|hochkant|Hauptdarstellerin Keira Knightley bei der Vorstellung des Films in Venedig Filmstart