mini|Idealisierte Stadtansicht um 1647 mini|Idealisierte Stadtansicht um 1740 mini|Blick von Süden um 1855

Die heutige Großstadt Düsseldorf hat sich aus mehreren Siedlungskernen entwickelt. Düsseldorf selbst wird erstmals 1159 schriftlich erwähnt. Als die damals bescheidene Siedlung Düsseldorf 1288 an der Mündung des Flüsschens Düssel zur Stadt erhoben wurde, bestanden in ihrem Umfeld bereits mehrere, damals bedeutendere Siedlungskerne. So beginnt die geschriebene Geschichte des Düsseldorfer Stadtgebiets mit einer Klostergründung in Kaiserswerth um das Jahr 700. Mit der Reichsstadt Kaiserswerth, dem Frauenstift in Gerresheim sowie der Freiheit Angermund gab es gleich vier unabhängige städtische Gründungen auf dem heutigen Stadtgebiet sowie mehrere Dörfer, Burgen und Schlösser, die im Laufe der Jahrhunderte zur heutigen Stadt verschmolzen sind. Die erst im 20. Jahrhundert eingemeindeten Städte Kaiserswerth und Gerresheim, die wesentlich älter als Düsseldorf selbst sind, haben jeweils über eintausend Jahre alte eigenständige Ortsgeschichten, die einer eigenen Darstellung bedürfen und hier nur in Kurzform angerissen werden.

Über Jahrhunderte beschränkte sich die eigentliche Stadt Düsseldorf auf einen etwa einen Quadratkilometer großen, umwallten und dichtbesiedelten Stadtkern, den heutigen Stadtteilen Altstadt und Carlstadt, obwohl die Stadt über umfangreiche Ländereien außerhalb der Stadtmauern verfügte. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann Düsseldorf langsam über diese bescheidenen Ursprünge hinauszuwachsen. Mit dem Einsetzen der Industrialisierung ab 1860 entwickelte sich die Provinzstadt innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer der bedeutenden Städte des Deutschen Reiches. Nach und nach wuchsen die verschiedenen Siedlungskerne zu einer Stadt zusammen. 1882 wurde Düsseldorf Großstadt. Um 1900 hatte sich die Bevölkerung im Vergleich zu 1850 verachtfacht. Obwohl das Stadtgebiet seit über 2500 Jahren durchgehend besiedelt war und die Ursprünge Düsseldorfs über 800 Jahre zurückreichen, ist die systematische Stadtgeschichtsschreibung und -forschung kaum 200 Jahre alt.Hugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf. 7. Auflage. Triltsch, Düsseldorf 1981, Vorwort zur 7. Auflage, ISBN 3-7998-0000-X, S. 7. Insbesondere aus der frühen Stadtgeschichte sind nur wenige Urkunden überliefert.

Eine klassische, viel benutzte Gesamtdarstellung der Geschichte Düsseldorfs stammt aus den 1920er Jahren von Friedrich Lau.Friedrich Lau: Geschichte der Stadt Düsseldorf. Von den Anfängen bis 1915. Düsseldorf 1921, unveränderter Nachdruck 1980. Als Synthese der reichen folgenden Forschung entstand in den 1960er Jahren eine kurze Darstellung durch den damaligen Stadtarchivar Hugo Weidenhaupt, die bis 1983 insgesamt 9 Auflagen erlebte.Hugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf. Düsseldorf 1962. Heute greift man auf ein 1988–1990 von Hugo Weidenhaupt herausgegebenes vierbändige Werk zurück, zu dem mehrere Spezialisten beigetragen haben.Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf. Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. 4 Bde. Patmos – Schwann, Düsseldorf 1988–1990, ISBN 3-491-34221-X. – Dort Band 1, S. 10–12 ein ausführlicherer Rückblick auf ältere „Stadtgeschichten“.

Geschichte des Düsseldorfer Raumes Urgeschichte mini|hochkant|Kaiserswerther Menhir – ältestes Denkmal im Stadtgebiet (ca. 2000–1500 v. Chr.)

Die Umgebung von Düsseldorf ist seit der Altsteinzeit von Menschen bewohnt. Vor etwa 100.000 bis 40.000 Jahren lebten im Düsseldorfer Raum Neandertaler. Namensgebend war der erste Fund im Jahr 1856 im Neandertal, etwa 4 km östlich des Stadtgebietes. Die ältesten Reste menschlicher Kultur auf heutigen Stadtgebiet sind spitznackige Steinbeile aus der Jungsteinzeit, die der Michelsberger Kultur (etwa 4300–3400 v. Chr.) zugerechnet werden.Thomas Ruppel: Urgeschichte und vorrömische Metallzeiten. In: Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf, Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert Band 1. Patmos, Düsseldorf 1988, ISBN 3-491-34221-X, S. 99 ff. Auch Erdwerke, die auf Siedlungen schließen lassen, sind aus der Zeit um 4500 v. Chr. durch Funde belegt.

Von der Bronzezeit (etwa 2100 bis 800 v. Chr.) sind die frühen Abschnitte in Düsseldorf bislang kaum durch Funde belegt. Die wenigen Reste der sogenannten Hügelgräberbronzezeit (etwa 1600–1300 v. Chr.) zeigen eher eine Orientierung nach Süddeutschland denn in Richtung auf die Nordische Bronzezeit. Reicher bezeugt ist – wie im ganzen Rheinland – die Späte Bronzezeit (etwa 1300–800 v. Chr.). Aus vier Bereichen im Stadtgebiet liegen Reste von Urnengräberfeldern vor, wovon dasjenige auf der Golzheimer Heide ausgedehnt groß war und die meisten Funde erbracht hat. An mehreren Stellen wurden Siedlungsreste erfasst, die reichste Fundstelle ist die ehemalige Ziegelei Germania in Stockum. In dieser Zeit lag auf der Höhe von Düsseldorf eine Kulturgrenze. Das südlichere Niederrheingebiet orientiert sich zur süddeutschen Urnenfelderkultur, während ab Düsseldorf der nördliche Niederrhein Teil der sogenannten Kerbschnittgruppe oder älteren Niederrheinischen Grabhügelkultur ist, die auch weite Teile der heutigen Niederlande und Niedersachsens umfasst.Thomas Ruppel: Urgeschichte und vorrömische Metallzeiten. In: Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf, Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert Band 1, Patmos, Düsseldorf 1988, S. 102–109 mit Beilage Fundkarte I, ISBN 3-491-34221-X. – Thomas Ruppel: Die Urnenfelderzeit in der niederrheinischen Bucht. Rheinische Ausgrabungen 30. Rheinland-Verlag, Köln 1990, ISBN 3-7927-1135-4.

In der älteren Eisenzeit (etwa 800–450 v. Chr.) war der Raum Düsseldorf dicht besiedelt, die Kartierung von Th. Ruppel weist 24 Fundstellen aus.Thomas Ruppel: Urgeschichte und vorrömische Metallzeiten. In: Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf, Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert Band 1. Patmos, Düsseldorf 1988, S. 109–118 mit Beilage Fundkarte 1, ISBN 3-491-34221-X. – Vgl. Uwe Schönfelder: Untersuchungen an Gräberfeldern der späten Bronze- und beginnenden Eisenzeit am unteren Niederrhein. Studies in Modern Archaeology 5, Bonn 1992. – Ralf Lommerzheim, Bernd C. Oesterwind: Die hallstattzeitliche Siedlung von Düsseldorf-Rath. Rheinische Ausgrabungen 38. Köln, Bonn 1995. Demgegenüber sind aus der jüngeren Eisenzeit (etwa 450–50 v. Chr.) nur wenige Funde und Fundstellen im Stadtgebiet bekannt. Das Stadtgebiet gehörte in dieser Zeit nicht mehr zur keltischen Latènekultur, sondern dürfte bereits von germanischen Gruppen besiedelt gewesen sein.

Römerzeit In den „Gallischen Kriegen“ wurde um 50 v. Chr. das linksrheinische Gebiet von Julius Cäsar erobert und Teil des Römischen Reiches. Dieses Gebiet zwischen Maas und Niederrhein war von den Eburonen besiedelt, die vermutlich ein keltischer Volksstamm waren, aber von den Römern zu den Germanen gezählt wurden. Das rechtsrheinische Gebiet war zu dieser Zeit vom germanischen Stamm der Sugambrer bewohnt, die zur Gruppe der „Rhein-Weser-Germanen“ zählten. In den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen 54 und 53 v. Chr. vernichteten die Römer in einem Genozid die Eburonen und siedelten die besiegten und ehemals rechtsrheinischen Sugambrerer in deren Siedlungsgebiet um.Hugo Weidenhaupt, In: Düsseldorf, Geschichte von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert. 2. Auflage. 1990, Band 1, ISBN 3-491-34221-X, S. 126/127.

Der rechtsrheinische Großraum Düsseldorf gehörte nach etwa 100 n. Chr. zum Gau des germanischen Stammes der Tenkterer.Festschrift zum 600jährigen Jubiläum; In: Geschichte der Stadt Düsseldorf. 3. Band, 1888, S. 10. Deren rechtsrheinisches Siedlungsgebiet reichte in der Römerzeit von Walsum im Norden bis zur Sieg im Süden und im Osten bis hinter Wuppertal und ins Bergische Land. Allerdings war ein rechtsrheinischer breiter Streifen ab Beginn der römischen Besiedlung bis etwa 100 n. Chr. kaum besiedelt, da die Römer zur Grenzsicherung die ehemaligen Bewohner dieses Bereiches vertrieben hatten und eine neue Besiedelung verhinderten.Festschrift zum 600jährigen Jubiläum; In: Geschichte der Stadt Düsseldorf; 3. Band, 1888, S. 14.

Das linksrheinische Gebiet von Düsseldorf lag in römischer Zeit im Hinterland der Zentren und militärischen Stützpunkte wie Gellep/Gelduba, Dormagen/Durnomagus und vor allem Neuss/Novaesium. Weite Bereiche des linken und später auch des rechten Rheinlands waren relativ dicht mit landwirtschaftlichen Betrieben (sogenannten villae rusticae) besiedelt, die der Versorgung der Zentren dienten. In Düsseldorf sind linksrheinisch Reste von drei solcher Villen für das 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. nachgewiesen: am nordwestlichen Ortsausgang von Oberkassel, in Niederkassel und zwischen Lörick und Heerdt.Frank Siegmund: Frühgeschichte von der Römerzeit bis ins frühe Mittelalter. In: Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf, Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert Band 1. Patmos, Düsseldorf 1988, S. 125–160 mit Beilage Fundkarte 2, ISBN 3-491-34221-X, hier: 126–128 mit Nrn. 46–50. Funde der Spätantike sind im Stadtgebiet bislang nicht nachgewiesen.

Ab etwa 100 n. Chr. bis nach Mitte des 3. Jahrhunderts wurde auch der rechtsrheinische Streifen wieder besiedelt. Die Römer gestatteten dies, wenn die betreffenden Germanen die römische Oberhoheit anerkannten.Festschrift zum 600jährigen Jubiläum; In: Geschichte der Stadt Düsseldorf; 3. Band, 1888, S. 15. Unter den Fundkomplexen, die auf Siedlungen zurückgehen, ist Stockum am besten erschlossen; aus den dortigen Hausfunden stammen neben viel germanisch-einheimischer Keramik auch römische Dachziegel.Zahlreiche Fundmeldungen seit den 1940er Jahren; zusammenfassend Frank Siegmund, in: Weidenhaupt 1988, S. 150 Nr. 53. Aus vielen Stadtteilen sind Reste von germanischen Brandgräbern bekannt, u. a. aus Rath, Gerresheim, Pempelfort, Flingern-Süd, Oberbilk, Friedrichstadt, Lierenfeld, Eller und Reisholz. Die germanischen Siedlungs- und Grabfunde umfassen immer auch römische Objekte, die von einem intensiven Kontakt über den Rhein zeugen. Besonders häufig wurden verzierte römische Schüsseln aus „terra sigillata“ gefunden, unter anderem in Oberbilk und Klein Eller. Diese wurden als Graburnen verwendet.Festschrift zum 600jährigen Jubiläum; In: Geschichte der Stadt Düsseldorf; 3. Band, 1888, S. 10. Im Jahr 2012 wurden in der späteren Altstadt von Düsseldorf im Bereich Neubrückstraße und Ratinger Straße bei Bauarbeiten Scherben und Siedlungsreste gefunden, die ebenfalls in das 1.–3. Jahrhundert n. Chr. gehören; sie bezeugen eine germanische Siedlung im unmittelbaren Bereich der Düsseldorfer Altstadt, zu der jedoch angesichts einer zeitlichen Lücke von mehr als 700 Jahren keine Siedlungskontinuität besteht.Rheinische Post, in: Artikel von Michael Brockerhoff, 16. Juli 2012.

Mit den Unruhen ab Mitte des 3. Jahrhunderts brachen im rechtsrheinischen Stadtgebiet alle germanischen Siedlungen ab, die Landschaft wurde wieder zum siedlungsfrei gehaltenen Glacis des römischen Militärs. Im 4. Jahrhundert bestand wenig südlich des Stadtgebiets ein römisches Kastell, das damals aber noch links des Rheins gelegene Haus Bürgel.

Die letzte urkundlich nachweisbare Nachricht aus der Römerzeit für den Großraum Düsseldorf stammt von 388 n. Chr. Zu diesem Zeitpunkt gab es einen Frankeneinfall in das linksrheinische Gallien. Auf dem Rückzug wurden die Franken von den römischen Feldherren Nanninus und Quintinus geschlagen. Allerdings wurde ein Teil der Römer unter Quintinus bei der Verfolgung und nach dem Rheinübergang bei Neuss in den sumpfigen rechtsrheinischen Wäldern ihrerseits vernichtend aufgerieben.Festschrift zum 600jährigen Jubiläum; In: Geschichte der Stadt Düsseldorf; 3. Band, 1888, S. 16.

Frühes Mittelalter